Schweiz

Richter wirft renitente Angeklagte aus dem Gerichtssaal in Bülach 

12.09.17, 13:57 13.09.17, 12:20

Das Bezirksgericht Bülach hat die abgewiesene Asylsuchende, die im November 2015 beinahe ihre Betreuerin getötet hat, am Dienstag aus dem Saal geworfen: Sie störte die Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft forderte derweilen eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren wegen versuchten Mordes.

Schon bei ihrer Befragung zeigte sich die 36-Jährige, die von der Elfenbeinküste stammt, unkooperativ. Sie beantwortete die Fragen des Gerichts teilweise nicht, stand auf, gestikulierte wild, wurde laut und liess Dampf ab. Dazu kamen Tränen.

Als dann der Staatsanwalt sein Plädoyer hielt, flippte die Frau erneut aus und unterbrach ihn ständig. Schliesslich warf der Richter die Frau vorübergehend aus dem Saal.

Widersprüchliche Aussagen

Ihre Aussagen bei der Befragung waren teilweise widersprüchlich, unverständlich oder sie erinnerte sich nicht. So sagte sie beispielsweise einmal, sie habe ihre Betreuerin nicht angegriffen. Ein anderes Mal sprach sie davon, dass sie wisse, dass ihr Opfer verletzt wurde und sie dies nicht gewollt habe.

Auch sprach sie davon, keine gewalttätige Person zu sein. Stattdessen fühle sie sich selbst als Opfer. Sie sei zum Tatzeitpunkt – sie hätte vom Durchgangszentrum Embrach nach Adliswil umziehen sollen – in einem schwachen Zustand gewesen.

Zudem habe sie nicht verstanden, weshalb sie die Unterkunft hätte wechseln sollen. Schliesslich habe die Betreuerin sie angeschrien, beleidigt und gestossen.

«Opfer überlebte nur dank Zufall»

Für den Staatsanwalt hingegen ist ziemlich klar, was im Zimmer der Beschuldigten passierte. Als die Betreuerin der Frau beim Packen helfen wollte, griff diese sie an. Mit einem machetenähnlichen, 43 Zentimeter langen Gürtel schlug sie gegen 20 Mal auf ihr Opfer ein.

Erst als sich diese tot stellte, hörten die Schläge auf. Danach soll die 36-Jährige ihr Opfer mit Brennsprit angespritzt haben. Sie kam aber nicht mehr dazu, ein Feuer zu entfachen, sondern setzte sich eine Perücke auf, zog saubere Kleidung an und verschwand durchs Fenster.

Das Opfer erlitt beim Angriff zahlreiche Verletzungen am ganzen Körper und verlor ein Auge. Laut Staatsanwalt ist es zudem wahrscheinlich, dass die junge Frau in mittlerer Zukunft auch ihr zweites Auge verlieren wird.

Der Staatsanwalt sprach von einer «perfiden und skrupellosen Tat». «Sie lockte ihr Opfer in einen Hinterhalt, um es zu massakrieren.» Es sei nur dem Zufall und der schnellen Reaktion der anderen Betreuer zu verdanken, dass das Opfer den Angriff überlebt habe.

«Bestialischer Vernichtungswille»

Für den Staatsanwalt war die Tat geplant und alle Tatbestände des Mordes sind erfüllt. «Sie metzelte ihr Opfer regelrecht nieder und richtete ein Blutbad an», sagte er und sprach von einem «bestialischen Vernichtungswillen». Die Frau habe sich stellvertretend an allen, die im Asylwesen tätig sind, rächen wollen. «Das Opfer war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.»

Er fordert eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren sowie eine ambulante Therapie, weil gemäss einem Gutachten eine deutliche Rückfallgefahr besteht. Nach der Mittagspause folgen die Plädoyers von Opferanwalt und Verteidiger. Ob das Urteil noch heute eröffnet wird, ist unklar. (whr/sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mutzli 12.09.2017 16:01
    Highlight Ach du heilige.. das ist ja wirklich äusserst bitter und brutal, was dieser Frau wiederfahren ist. Versucht anderen zu helfen und dann so was. Hoffe doch sehr, dass sie wenigstens ihr Augenlicht behalten kann.

    Extremst nebenbei, was soll man sich unter einem machetenähnlichen Gürtel vorstellen?
    30 0 Melden
    • Karl33 12.09.2017 17:00
      Highlight da hat jemand schludrig (ab)geschrieben. es ging um einen gertel.
      im tagi als "einen sogenannten Gertel, ein machetenähnliches Gartenmesser mit einer 30 Zentimeter langen gekrümmten Klinge" beschrieben.
      25 1 Melden
  • Hierundjetzt 12.09.2017 14:29
    Highlight Tragisch. Das Augenlicht verlieren nur weil man im Herzen eine hilfsbereite Person ist 😔

    Ich wünsche der 28 jährigen Betreuerin von herzen alles Gute.
    35 0 Melden
  • Betty88 12.09.2017 14:25
    Highlight 18 Jahren? Ist das ein Witz?
    13 9 Melden
    • Karl33 12.09.2017 17:01
      Highlight dafür dass da ein junges leben zerstört wurde (in naher zukunft komplett blind, dazu noch entstellt in gesicht und körper) finde ich das angemessen. leider wirds so sein, dass sie nach der hälfte freikommt...
      18 1 Melden
    • Betty88 13.09.2017 09:24
      Highlight Nein ich finde 18 Jahre sind viel zu wenig!!!!!
      3 1 Melden
  • Wilhelm Dingo 12.09.2017 14:24
    Highlight "...sowie eine ambulante Therapie" für eine abgewiesene Asylsuchende! Ich sitze definitiv im falschen Film!
    35 9 Melden
    • Mutzli 12.09.2017 16:48
      Highlight Wie würden Sie denn die Rückfallsgefahr minimieren wollen? Ist ja immer noch in Haft, wird halt noch zusätzlich therapiert, damit wird hoffentlich auch verhindert, dass sie im Gefängnis auf jemanden losgeht. Einfach abschieben würde ja auf kein Strafmass herauslaufen, sondern auf eine Gratisreise ohne weitere Konsequenzen...Sie hat das Gesetz hier gebrochen, also muss sie auch hier dafür geradestehen.
      15 13 Melden
    • Madison Pierce 12.09.2017 17:09
      Highlight @Mutzli: Einfach abschieben wäre nicht richtig, aber man sollte sie die Strafe in ihrem Heimatland verbüssen lassen. Das wäre wesentlich günstiger als in der Schweiz.

      Aber es gibt wohl noch kein entsprechendes Abkommen.
      20 3 Melden
    • Wilhelm Dingo 12.09.2017 17:17
      Highlight @Mutzli: die Strafe ist mir egal, ich will solche Leute einfach nicht weiter unterstützen: darum sofort Ausschaffen. Ich denke das ist dann genug Strafe.
      19 5 Melden
    • Mutzli 13.09.2017 00:35
      Highlight @W. DIngo So sehr ich die Schweiz habe und so gerne ich hier auch wohne, die Verbannung aus diesem Land ist schwerlich Strafe genug für einen versuchten Mord und Blendung einer unschuldigen Helferin. Mal ganz abgesehen von allen rechtsstaatlichen Bedenken: So geil und unglaublich super ist unsere Schweiz dann doch nicht, das Exil annähernd an 18 Jahre Gefängnis als Bestrafung rankommt.
      @M. Pierce Wäre natürlich eine Option, aber finde es ehrlich gesagt besser, wenn die Strafe vor Ort verbüsst wird. Schon nur um sicherzustellen, dass sie nicht verfrüht rauskommt...
      3 1 Melden
    • Betty88 13.09.2017 09:26
      Highlight Na wenigstens hat die Asylsuchende eines erreicht: Sie bleibt in der CH! Ich finde auch sie sollte die Strafe in Ihrem Heimatland absitzen. Überhaupt sollte diese Frau nicht wieder rauskommen wenn Wiederholungsgefahr besteht.
      4 3 Melden
    • DonPedro 13.09.2017 13:18
      Highlight Ihr glaubt doch nicht, dass die Elfenbeinküste solche "Gewalttäterinnen" zurück nimmt?!
      5 0 Melden

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