Schweiz
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Kleine Hunde warten in einem Kinderwagen am Sonntag, 17. Mai 2009, an der Haustiermesse Animalia auf dem OLMA Gelaende in St. Gallen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Besteht da etwa ein Zusammenhang?

Kleine Hunde sind ja auch viel praktischer als kleine Babys

Das Onlineportal Quartz stellt in den USA einen Zusammenhang zwischen einer zurückgehenden Geburtenrate bei jungen Frauen und dem vermehrten Kauf kleiner Hunde fest. Ein Blick in die Schweiz zeigt ähnliche Tendenzen auf. 

20.04.14, 12:08

Die Geburtenrate in den USA ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen: Während im Jahr 2007 noch 70 von 1000 Frauen ein Kind zur Welt gebracht hatten, waren es im vergangenen Jahr nur noch 63 – was einen Rückgang von 10 Prozent bedeutet. Somit wurden, wie Quartz berichtet, 400'000 Kinder weniger zur Welt gebracht als sechs Jahre zuvor.

Am stärksten sei der Rückgang bei den jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren. Die folgende Grafik, die vom US-Ministerium für Gesundheit erstellt wurde, zeigt diesen Rückgang ganz deutlich:

statistik geburtenrate usa

Bild: Quartz

In der Schweiz verhält es sich mit der Geburtenrate ganz ähnlich. Das Bundesamt für Statistik stellt die entsprechenden Zahlen von 1970 bis 2012 zur Verfügung – wir haben analog zur Grafik aus den USA die Entwicklung in der Schweiz zwischen 1990 und 2012 als Liniendiagramm dargestellt:

Kleine Hunde kämpfen sich an die Spitze

Auf der anderen Seite ist die Population der kleinsten Hunde – das sind jene, die nicht mehr als neun Kilo wiegen – in den USA deutlich gewachsen. Seit 1999 legten sich Jahr für Jahr immer mehr Amerikaner einen kleinen Vierbeiner zu. In dem Zeitraum hat sich die Anzahl kleiner Hunde in den USA verdoppelt – und laut dem Marktforschungsunternehmen Euromonitor wird sich dieser Trend fortsetzen.

statistik grosse und kleine hunde

Bild: Quartz

Auch hier weist die Schweiz Parallelen auf: Führten im Jahr 2009 noch klar die grossen Hunde die Rangliste der registrierten Hunde in der Schweiz an, wurden sie bis 2013 von den kleinen Vierbeinern abgelöst. Die entsprechenden Daten liefert ANIS, die nationale Datenbank für gekennzeichnete Heimtiere in der Schweiz, in ihren Geschäftsberichten

Köter statt Kinder

Dass sich diese beiden Trends – also die sinkende Geburtenrate und der Zuwachs an kleinen Hunden – bloss zufällig zeitgleich entwickelten, daran glaubt Damian Shore, Analytiker von Euromonitor, nicht. «Da findet auf jeden Fall eine Art Ersatz statt», so Shore gegenüber Quartz. 

Den Zusammenhang zwischen den beiden Trends erklärt Shore folgendermassen: «Junge Frauen bekommen nicht nur weniger Kinder, sie heiraten auch später. In der Altersklasse zwischen Ende zwanzig und Anfang dreissig sind heute mehr Frauen ledig.» Genau diese Altersklasse sei auch jene, die sich heute vermehrt kleine Hunde zulegt.

Ein weiteres Indiz für diese Theorie ist die Tatsache, dass Menschen ihre Vierbeiner immer mehr wie kleine Kinder behandeln. In den vergangenen 15 Jahren sind die Ausgaben für Premium-Hundefutter in den USA rasant angestiegen. Inzwischen macht dieses 57 Prozent des gesamten Hundefutter-Marktes aus.

statistik hundefutter

Bild: Quartz

Abschliessend räumt Shore ein, dass die jungen Frauen wahrscheinlich nicht ausschliesslich kleine Hunde kaufen, um einen Kinderersatz zu haben. Modetrends und die Tatsache, dass immer mehr Menschen in der Stadt und damit in kleineren Wohnungen wohnten, spielten natürlich auch eine Rolle. Nichtsdestotrotz würde die sinkende Geburtenrate auch ihren Teil dazu tun.

Via Quartz



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 25.04.2014 16:31
    Highlight Sehr gut smoe... anscheinend habe ich einen Nerv getroffen... leider muss ich aber die Erwartung Ihrerseits enttäuschen, dass man damit meine Metaebene erreicht:-) ut (dp) Ich liebe Hunde. Aber nicht mehr als meine eigenen Kinder:-)
    1 0 Melden
  • papparazzi 20.04.2014 13:05
    Highlight Das weiss man ja schon lange, dass die Fellameisen für viele Tussies ein Schmuse- Emotions- und Kinderersatz sein sollen. Es ist halt schon praktisch, wenn man nicht stillen muss, der Fifi selber in die Wiese scheisst und man mit ihm auch noch Kunststücke aufführen kann, nicht zu vergessen die Kleidchen die man diesen Kötern anzieht. Während in Krisenregionen nackte Kleinkinder nackt am Hungertod sterben!... Vielleicht ist es aber auch besser so, da heute viele dieser individualistischen, feministischen, egoistischen und quotengeförderten Damen gar keine Ahnung mehr haben von Erziehung mit wichtigen Grundwerten. Sonst würden sie noch ihre Babies an die Leine nehmen und Ihnen einen Nageknochen in die Wiege legen.. Ein guter Film der dies in besonderer Weise parodiert ist Natürlich Blond 1+2. ut (dp)
    2 1 Melden
    • smoe 24.04.2014 23:56
      Highlight Und worin besteht der Unterschied zu individualistischen, egoistischen und quotengeförderten Herren?
      1 0 Melden

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