Schweiz
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Von wegen «immer zuerst Telmed» anrufen: Die Krankenkasse merkts nicht

Krankenversicherungen mit Telefon-Erstkonsultation boomen. Doch in manchen Fällen scheinen die Versicherten gar nicht zum Hörer zu greifen – und die Krankenkassen merken es nicht. 



Zum Jahresende gibt es neben den Weihnachtsvorbereitungen für Herr und Frau Schweizer einen weiteren wichtigen Punkt auf der To-do-Liste: den Krankenkassenwechsel. Bis gestern hatten die Versicherten Zeit, ihre Grunddeckung zu kündigen und zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln. Laut dem Internet-Vergleichsdienst Comparis tun dies jedes Jahr zwischen 8 und 10 Prozent aller Versicherten – der Prozentsatz variiert je nach Prämienerhöhung.

Du musst 2018 noch mal mehr für deine Krankenkasse bezahlen

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Video: srf/SDA SRF

Auch mit Wechseln innerhalb derselben Versicherung können die Kunden sparen. Die meisten Versicherer bieten alternative Versicherungsmodelle an, die Auflagen beinhalten, jedoch billiger sind. Sehr gefragt sind seit einigen Jahren Telmed-Modelle: Laut dem Krankenkassenverband Santésuisse hatten letztes Jahr ganze 1,08 Millionen Versicherte einen solchen Vertrag. 

Das Prinzip der Telmed-Modelle: Bevor der Patient einen Arzt aufsuchen darf, muss er sich telefonisch beraten lassen. Durch diese Beratungen sparen die Versicherungen Kosten und erlassen dem Versicherten so bis zu 15 Prozent seiner Prämie. Nicht verpflichtend ist ein Anruf ins Callcenter in der Regel im Fall von Notfällen, gynäkologischen Vorsorge-Untersuchungen, Konsultationen beim Augenarzt, chronischen Krankheiten und zahnärztlichen Behandlungen. 

«Sie sind bereits seit dem 1. Januar 2012 in unserem Telmed-Modell SanaTel versichert.»

20 Termine ohne vorheriges Gespräch

Auch die Zürcherin Clara* wollte bei ihren monatlichen Prämienbeiträgen sparen. Anfang Oktober rief sie deshalb bei ihrer Krankenkasse, der Mutuel Versicherung, an. Sie bat die Kundenberaterin ihren Vertrag auf den 1. Januar 2018 in ein günstigeres Telmed-Modell zu wandeln. Die Mitarbeiterin entgegnete zu ihrem Erstaunen: «Sie sind bereits seit dem 1. Januar 2012 in unserem Telmed-Modell SanaTel versichert.»

Clara holte ihre Versicherungspolice hervor und realisierte, dass sie sich tatsächlich bereits vor fünf Jahren für besagtes Modell entschieden hatte – und somit verpflichtet gewesen wäre, jeweils vor dem Gang zum Arzt das Callcenter anzurufen. «Ich habe ganze fünf Jahre lang nicht angerufen – und nichts ist passiert». Sie habe nie ein Verwarnungsschreiben erhalten, sei nie per Telefon informiert worden. Dabei konsultiere sie mehrmals pro Jahr ihren Generalisten: «Seit 2012 waren es wohl knapp 20 Termine.»  

Claras Name ist geändert, ihre Geschichte nicht. Clara ist auch nicht die Einzige, die Ähnliches berichtet. watson liegt ein weiterer Fall eines Mutuel-Versicherten vor, sowie der eines Swica-Kunden. Entgehen gewisse Telmed-Versicherte also der Kontrolle ihrer Krankenkassen? 

Groupe Mutuel, zu der die Mutuel Versicherung gehört, lässt auf Anfrage ausrichten, man könne zu «pauschalen Aussagen von SanaTel-Versicherten ohne Kenntnis und Abklärung des entsprechenden Dossiers» nichts sagen. Sprecher Christian Feldhausen: «Im Zusammenhang mit dem Erhalt mediznischer Rechnungen erfolgt bei uns eine systematische Überprüfung, ob ein Kontakt mit dem telefonischen Beratungsdienst Medi24 stattgefunden hat.»

Bei den Telmed-Modellen gibt es je nach Versicherer sehr unterschiedliche Sanktionsmöglichkeiten. So lehnen gewisse Krankenkassen schon beim ersten Verstoss gegen die Regeln die Übernahme der medizinischen Kosten ganz oder teilweise ab. Vergleichsweise mild mit Sanktionen geht man bei der Mutuel bei Regelverstössen um. Hier werden die Kunden nach dem dritten Verstoss innerhalb eines Jahres ins Standardmodell transferiert – die Kosten übernimmt die Versicherung weiterhin. Feldhauser meint deshalb: «Vielleicht ändert die direkte Auswirkung im Portemonnaie etwas an der Wahrnehmung der Versicherten.»

Auch Swica teilt mit, dass die Anrufdaten, die das telemedizinische Beratungszentrum aufnimmt, regelmässig mit den eingereichten Rechnungen abgeglichen werden. Diese Kontrolle verlaufe vollautomatisch. Sprecherin Silvia Schnidrig räumt aber ein: «Es war in der Vergangenheit bei einem grösseren Anteil an manueller Rechnungskontrolle eher möglich, dass nicht jede Unterlassung entdeckt wurde.»

Kulant bei Grippewelle

Ausserdem könne es vorkommen, dass beispielsweise zu Zeiten einer Grippewelle nicht jeder Anruf sofort entgegennehmen werden könne. «In solchen Phasen zeigen wir uns kulant und werfen den Versicherten nicht vor, uns nicht angerufen zu haben.» Die CSS Versicherung zeigt sich hier strenger: «Wir setzten die Regeln des Produkts strikte um», heisst es auf Anfrage, ähnlich tönt es bei der KPT/CPT. 

Der Krankenkassenverband Santésuisse geht auch davon aus, dass es sich bei besagten Fällen um Ausnahmen handelt und die Krankenkassen ihre Kunden gewissenhaft kontrollieren. Sprecher Christophe Kaempf: «Denn wenn die Versicherten sich nicht an die Regeln des Telmed-Models halten würden, könnten die Versicherer keinen Rabatt mehr für dieses Model anbieten.» 

*Name geändert. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hansdamp_f 01.12.2017 14:47
    Highlight Highlight "Die Krankenkasse merkt es nicht", ist komplett der falsche Ansatz/Gedanke. Diese Telmed-Triage nützt allen, indem Bagatellfälle gleich erledigt werden können und dadurch Kosten gespart werden.
  • Die verwirrte Dame 01.12.2017 13:51
    Highlight Highlight 20 zum Arzt in einem Jahr??? Geht vermutlich beim ersten Hüstelchen sofort zum Arzt. Und genau Sie ist dann eine die motzt, dass die Prämien von Jahr zu Jahr steigen.

    • road¦runner 01.12.2017 18:09
      Highlight Highlight Von 2012 bis 2017 ist zumindest in meinem Universum mehr als ein Jahr...daher denke ich hast Du definitiv den richtigen Usernamen gewählt 😉
  • Ökonometriker 01.12.2017 13:44
    Highlight Highlight Ich find Telmed super. In vielen Fällen ist klar wo das Problem ist und man braucht nur ein Rezept oder Arztzeugnis. Da ist es mir viel lieber, kurz per Telefon das Problem lösen zu können und nicht zu einem Arzt gehen zu müssen.
    • Aglaya 01.12.2017 16:23
      Highlight Highlight Über Telmed können/dürfen aber weder Rezepte noch Zeugnisse ausgestellt werden. Der Gang zum Hausarzt wird daher durch den Anruf nicht erspart.
    • Moopsen 02.12.2017 10:51
      Highlight Highlight Wieso sollen die das nicht dürfen? Da arbeiten Ärtze und Ärztinnen. Ich habe jedenfalls schon problemlos ein telefonisches Rezept erhalten, das direkt an die Apotheke gemailt wurde. Auf der Medgate-Seite steht auch: "Wenn telemedizinisch sinnvoll, stellt der Medgate-Arzt ein Rezept aus.".
    • Aglaya 02.12.2017 15:06
      Highlight Highlight @Moopsen
      Und die Diagonse wurde per Telefon gestellt? Wie will der Arzt den Patienten seriös untersuchen, wenn er ihn nicht vor sich hat und keine Tests durchführen kann?
  • EI_Duderino 01.12.2017 12:03
    Highlight Highlight Interessant ist, dass im letzten Jahr in einer bekannten Konsumentensendung, über die Krankenversicherungen berichtet wurde welche die Kunden sanktioniert haben die Behandlungen nicht vorgängig telefonisch angemeldet haben. Da war die Entrüstung sehr gross. Liebes Watson-Team, Qualitätsjournalismus wäre das grosse Ganze zu betrachten und nicht eine Story aus Einzelfällen zu kreieren.
  • droelfmalbumst 01.12.2017 11:59
    Highlight Highlight GENAU darum steigen dann die Prämien!!! Weil die Kassen Modelle anbieten die günstig sein sollen, dann aber NICHTS kontrollieren!!! So geht das System nicht auf und 1-2 Jahre später gibt's 30.- Prämienerhöhung in den jeweiligen Modellen!!!
  • rummelsnuff 01.12.2017 11:25
    Highlight Highlight Ich frage mich sowieso was diese Telmed Modelle nützen sollen. Am Telefon kann jeder seine Symptome so schildern das er ins Spital geschickt wird wenn er will. Zusätzlich müssen auch noch die Kosten für das Callcenter mitgerechnet werden. Somit bleibt der Nutzen für die Prämienmitzahler sehr gering.
    • meine senf 01.12.2017 12:27
      Highlight Highlight Es wird ja keine Krankenkasse riskieren wollen, dass jemand wegen einem verweigertem Termin gravierende Schäden davonträgt. Von dem her wird man schon garantiert einen Termin bekommen, wenn man das Richtige erzählt.

      Aber der nötige Anruf erhöht wohl die Hemmschwelle für Bagetell-Konsultationen etwas. Und ein Call Center Agent verdient wohl ein Zehntel von dem was ein Arzt verdient.
    • Hansdamp_f 01.12.2017 14:45
      Highlight Highlight Es nützt sehr wohl. Für den Grossteil der Bagatellfälle. Und das ist im Interesse aller: kein Zeitverlust, kein unnötiger Arztbesuch.
    • Moopsen 02.12.2017 10:47
      Highlight Highlight Ich habe schon eine ganze Impfberatung per Telefon erhalten, der Termin bei der Hausärztin dauerte daraufhin nur 10 Minuten für 3 Spritzen. Auch ein Rezept für Malariaprophylaxe habe ich telefonisch erhalten und konnte es dann direkt in der Apotheke holen, ohne Arztkonsultation. Das spart mir Zeit und der Kasse Geld.
  • Sensei 01.12.2017 11:24
    Highlight Highlight Das System ist doch auch für den Patienten lukrativ. Statt Arztkosten und Zeitinvestition lasse ich mir einfach am Telefon etwas verschreiben und schon ist die Sache erledigt. Clara hätte so wohl je nach Franchise selber viel Geld gespart.
    • Gigle 01.12.2017 12:16
      Highlight Highlight Ich denke nicht, dass das so funktioniert. „Beachten Sie aber, dass es keine medizinische Behandlung ersetzt, sondern als Ergänzung dient.“ das steht in der Beschreibung des Telmed Modells.
    • Hansdamp_f 01.12.2017 14:54
      Highlight Highlight Doch, das nützt. Eben für Bagatellfälle. Und neben den Modellen, wo man bloss konsultativ anruft und dann trotzdem jederzeit zum Arzt kann, gibt es auch solche Telemedizinmodelle, wo der Behandlungsweg sehr wohl verpflichtend und vorgegebenen ist. Wer in einem solchen vom Rabatt profitiert, sich aber nicht an den Behandlungsweg hält, wird ungeteilt. Und das ist auch richtig so.
  • fabsli 01.12.2017 11:21
    Highlight Highlight Es gibt Kassen, die merken das sehr wohl. Wenn eine Rechnung reinflattert wird diese kontrolliert und wenn nicht angemeldet, gibts eine Info an den Versicherten. Beim zweiten Mal wirds dann nicht mehr übernommen.
  • Hugh_Idiyit 01.12.2017 10:42
    Highlight Highlight Ist dies ein Versuch noch irgendeine Krankenkasse schlecht darzustellen? x) Ist doch super wenn die das nicht merken, ich würde gleich wechseln haha
  • shine 01.12.2017 10:36
    Highlight Highlight Als ich mein erstes Kind bekommen habe, habe ich ihn genau gleich versichern lassen wie ich. Ich habe das ärztehausmodell und muss mich da melden und diese leiten mich allenfalls zu einem Spezialisten weiter. Jedoch wurde mir im Spital gesagt, ich solle ein Kinderarzt für die ersten Jahre haben. Die Versicherungsart haben wir nicht geändert. Somit war er ein Jahr falsch versichert und die SWICA hat nichts bemerkt obwohl wir mehrmals den Kinderarzt aufgesucht haben für die grundkontrollen. Als wir es etwas mehr als ein Jahr später selber feststellten, haben wir das Modell in Hausarzt geändert.
    • lucasm 01.12.2017 11:22
      Highlight Highlight Die swica ist bei so sachen einfach extrem kulant. Kann mir gut vorstellen, dass sie es gemerkt haben und ihnen folgekosten erspart haben.
    • droelfmalbumst 01.12.2017 12:01
      Highlight Highlight Bei der SWICA sind Kinder bis 18. Lebensjahr frei bei der Arztwahl, egal welches Modell.
  • Don Sinner 01.12.2017 09:53
    Highlight Highlight 20 Mal in 5 Jahren zum Hausarzt? Verantwortungslos ggüber den Mitprämienzahlern. Hoffentlich arbeitet die KK den Fall auf - mit den entspr. finanziellen Kosten für die Arztkonsumentin.
    • JasCar 01.12.2017 10:56
      Highlight Highlight Es gibt Menschen, welche nicht mit einer guten Gesundheit gesegnet sind...
    • SJ_California 01.12.2017 10:56
      Highlight Highlight Verantwortungslos??? Ich rechne für dich:
      20 Konsultationen in 5 Jahren, sagen wir durchschnittlich 300.- pro Konsultation ergibt 1'200.- pro Jahr.
      Fazit: gut möglich, dass dieser Betrag die Franchise und den Selbstbehalt nicht überstiegen hat, und die Versicherung drum auch nicht reagiert hat.
      Verantwortungslos wäre übrigens nicht der Patient, sondern die Versicherung - sofern die Kosten höher als Franchise + Selbstbehalt waren.
    • nosi2 01.12.2017 11:05
      Highlight Highlight @Don
      Solche Aussagen ohne den medizinischen Hintergrund der Person zu kennen, nenne ich einen Stammtischkommentar.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DonPedro 01.12.2017 09:53
    Highlight Highlight Es erstaunt nicht, dass bei Telemed Modellen eine Kontrolle der Erstkonsultationen per Telefon, sehr schwierig zu kontrollieren sind,
    Dies ist übrigens bei echten Hausarztmodellen, bei denen zwingend zuerst ein HA konsultiert werden muss, ähnlich.
    Umso mehr muss die Nichteinhaltung der vertraglichen Pflichten seitens der Patienten Konsequenzen haben. Sonst sind die Prämienvergünstigungen bei diesen Modellen in keiner Weise gerechtfertigt.
    • SJ_California 01.12.2017 10:58
      Highlight Highlight Wieso schwierig?
      Da läuft doch sicher ein automatisierter Check, sobald die Rechnung bei der KK im System landet...
  • Steffan Griechting 01.12.2017 09:43
    Highlight Highlight Wird Zeit, dass wir wieder über die 1heitskrankenkasse abstimmen !
    • ARoq 01.12.2017 11:55
      Highlight Highlight Was hat das mit dem Artikel zu tun?

      PS: 94,5% der Kosten entstehen nicht bei der Krankenkassen. Die Restlichen 5,5% können auch mit einer Einheitskasse nicht eliminiert werden. Können wir also die "Scheinlösung Einheitskasse" ruhen lassen?
    • meine senf 01.12.2017 14:07
      Highlight Highlight Zumindest bräuchte es mit einer EInheitskrankenkasse keine Kosten für den alljährlichen Telefonterror Ende Jahr und keine Kosten für die Abwicklung der Wechselnden.

      Schon möglich, dass das nur wenige Prozent sind. Aber besser als nichts.

      Es heisst ja immer "mit Einheitskasse fällt Preisdruck durch Konkurrenz weg, deshalb würde es dann teurer". Wenn aber 94.5 % der Kosten ohnehin unabhängig davon sind, entfällt dieses Gegenargument.
    • Hansdamp_f 01.12.2017 14:50
      Highlight Highlight Wenn sich Versicherte nicht an den vorgegebenen Behandlungsweg halten, muss eine Einheitskasse her? Sehr logisch und durchdacht. Merci.
    Weitere Antworten anzeigen

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