Schweiz

Schweizer Künstler Giacometti erzielt Weltrekordpreis: Diese Skulptur kostet so viel, wie eine Überbauung mit 220 Wohnungen in Zürich-Leimbach

12.05.15, 07:23 12.05.15, 09:06

Bei einer Auktion in New York hat ein Kunstwerk von Alberto Giacometti für 141.3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Teurer wurde noch nie eine Skulptur versteigert. 

«L'homme Au Doigt» kostet so viel wie eine Überbauung mit 220 modernen Wohnungen. Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Giacomettis «Zeigender Mann» erzielte inklusive Kaufprämie rund 141.3 Millionen Dollar – und damit rund 35 Millionen Dollar mehr als die bislang teuerste Plastik, Giacomettos «Schreitender Mann». Sie hatte vor fünf Jahren in London 104.3 Millionen Dollar eingebracht.

Christie's hatte den «Zeigenden Mann» zuvor auf rund 130 Millionen Dollar geschätzt. Wer die dünne Bronzefigur kaufte, wurde zunächst nicht bekannt.

«Der zeigende Mann» von Alberto Giacometti. Bild: AP/Christie’s Images Ltd. Copyright 2015 Visko Hatfield/2015 Albert

Auch bei den Gemälden gab es einen neuen Weltrekord: Das 1955 erstellte Ölgemälde «Les femmes d'Alger» erzielte zum Auftakt der New Yorker Frühjahrsauktionen in der Nacht zum Dienstag inklusive Kaufprämie rund 179.4 Millionen Dollar, nachdem der Hammer zuvor bei rund 160 Millionen Dollar gefallen war. Wer das Bild, das die Experten des Auktionshauses Christie's auf «in der Gegend von 140 Millionen Dollar» geschätzt hatten, gekauft hat, wurde zunächst nicht bekannt.

Noch etwas teurer als die Überbauung in Leimbach ist der Picasso «Les femmes d'Alger». Dieses Gemälde kostet knapp 180 Millionen Dollar. Bild: JASON SZENES/EPA/KEYSTONE

Das bislang teuerste Gemälde – das Triptychon «Three Studies of Lucian Freud» von Francis Bacon – hatte vor rund anderthalb Jahren ebenfalls bei Christie's in New York 142.4 Millionen Dollar eingebracht.

Ausserdem wurden bei der Veranstaltung für weitere acht Künstler neue Auktionsrekorde aufgestellt: Peter Doig, Robert Delaunay, Cady Noland, Jean Dubuffet, Diane Arbus, Jean-Michel Basquiat, René Magritte und Chaim Soutine. 35 Werke waren bei der Auktion insgesamt angeboten worden und sie wurden alle verkauft.

Das Picasso-Bild löste bei der Auktion einen rund zwölfminütigen Bieter-Wettstreit aus. Mehr als 30 Gebote wurden abgegeben, bis Auktionator und Christie's-Chef Jussi Pylkkanen schliesslich einem Telefonbieter den Zuschlag gab.

Hier sind 350 Millionen zu sehen: Giacomettis «L'homme Au Doigt» und Picassos «Les femmes d'Alger» Bild: JASON SZENES/EPA/KEYSTONE

«Les femmes d'Alger» ist etwa ein mal anderthalb Meter gross, knallbunt, in einer Mischung aus abstrakt und realistisch gemalt und zeigt mindestens vier barbusige Frauen. Das Bild wurde zugleich auch noch zum teuersten je versteigerten Picasso (1818-1973). Es brach den 2010 erzielten Rekord von 106.5 Millionen Dollar für einen «Akt mit grünen Blättern und Büste».

«Les femmes d'Alger» war ursprünglich im Besitz des inzwischen gestorbenen US-Sammlerehepaars Victor und Sally Ganz, die es 1956 direkt von Picassos Galerist Daniel Kahnweiler kauften. Von dem Werk gibt es 15 Versionen. Das Ehepaar Ganz kaufte alle für damals insgesamt 212'500 Dollar, verkaufte sie jedoch später nach und nach wieder.

Bei dem Werk, das nun versteigert wurde, handelt es sich um die Version «O». Sie war letztmals 1997 bei einer Auktion aufgetaucht und damals für rund 32 Millionen Dollar verkauft worden. Zuletzt gehörte die Hommage an Picassos kurz zuvor gestorbenen Freund und Künstlerrivalen Henri Matisse nach Angaben von Christie's einem «sehr privaten Sammler aus New York». 

Kleine Männchen + Früchte = Kunst

(sda/dpa)

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lowend 12.05.2015 11:36
    Highlight Anstatt darauf stolz zu sein, dass die Schweiz einen derart wunderbaren Künstler hervorgebracht hat, kommt nur kleingeistiger Neid und dumme Sprüche, aber eben, wie pflegte es ein lieber Freund in Wien immer zu sagen: "Ohne den europäischen Adel und die Kirche gäbe es hier keine Kunst, denn ein Volk von Bauern entwickelt selten einen Kunstverstand."
    12 6 Melden
  • Propellerli 12.05.2015 10:25
    Highlight Kunst ist die Aktie der Superreichen...Niergends macht man soviel Geld. und was da gemauschelt wird........
    12 2 Melden
  • flyingdutch18 12.05.2015 08:40
    Highlight Um im Bild zu bleiben: Bei einem Zinssatz von 3% kostet den Eigentümer nur schon das Anschauen der Skulptur jeden Tag 11'000 Franken.
    11 3 Melden
  • Der Tom 12.05.2015 08:33
    Highlight Meine kleinen Kinder basteln auch immer so lustige Sachen. Wo kann man das verkaufen?
    14 12 Melden
  • Azoth 12.05.2015 07:45
    Highlight Birräweich! Doch besser die Reichen investieren in Kunst anstatt in Luxuswonungen. Da bleibt dann wenigstens noch etwas für uns...
    15 9 Melden
    • buco 12.05.2015 22:15
      Highlight Und wie wäre es gegen Hunger, Not und Elend?
      0 0 Melden

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