Schweiz
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Guatemalan Chief of National Police, Erwin Sperisen, stands next to a cross in the main cemetery minutes after unidentified gunmen killed police officer Luis Felipe Lorenzo during a daily patrol in Guatemala City, Friday, Aug. 5, 2005. This year 61 policemen have been killed all over the country. (AP Photo/Rodrigo Abd)

Der Schweizer Erwin Sperisen als Polizeichef in Guatemala. Bild: AP

Prozess in Genf

«El Vikingo» vor Gericht – bald nimmt Sperisen im Zeugenstand platz

15.05.14, 13:06 15.05.14, 17:40

Einer der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte der Schweizer Rechtssprechung hat begonnen: Der schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger Erwin Sperisen muss sich vor Gericht verantworten. Der ehemalige Polizeichef Guatemalas wird beschuldigt, für die Morde von zehn Häftlingen verantwortlich zu sein. Bereits der Auftakt der Verhandlungen ist brisant. 

Was wusste die Klägerin?

So gab vor allem ein Artikel der Westschweizer Zeitschrift L'illustré vom Mittwoch viel zu reden: Ein Journalist hatte eine Klägerin des Prozesses, die Mutter von einem der ermordeten Häftlinge, interviewt. Diese wusste angeblich nichts vom Prozess in Genf und gab an, nicht mal ihre Anwältin, die als Vertreterin der Frau am Prozess in Genf teilnimmt, zu kennen. 

Alexandra Lopez (links), die Anwältin der von «l'Illustré» interviewten Klägerin. Bild: KEYSTONE

«Man hat mich die Papiere unterschreiben lassen», wird die 70-Jährige zitiert. Die Klägerin äusserte im Interview aber die Vermutung, dass der «Direktor der Gefängnisse von Guatemala» für die Ermordung ihres Sohnes verantwortlich sein könnte. Dieser wird im Artikel namentlich nicht erwähnt, es dürfte sich dabei aber um Alejandro Giammattei handeln.

Alejandro Giammattei

Giammattei war unter dem ehemaligen Präsidenten Guatemalas, Oscar Berger, Chef des Gefängniswesens. 2010 war er in die honduranische Botschaft in Guatemala geflohen, konnte dort aber festgenommen werden, weil ihm politisches Asyl verweigert wurde. Im Juni 2011 wurde er in erster Instanz freigesprochen.

Sperisens Anwälte forderten – die Zeitschrift in der Hand schwenkend – dass die Klägerin persönlich am Prozess teilnimmt. Sie kritisierten heftig, dass der Frau offenbar nicht bewusst gewesen sei, dass sie eine Klage gegen Erwin Sperisen unterschrieb. Man müsse wissen, ob diese Frau Sperisen wirklich anklagen wollte oder nicht. 

Die Anwälte der Klägerin fanden für den Bericht der Zeitschrift harte Worte. Die Klägerin habe ein Vollmacht zu ihren Gunsten unterschrieben. Sie kritisierten, nicht über den Besuch bei ihrer Mandantin unterrichtet worden zu sein und prangerten Verstösse gegen die journalistische Ethik an.

Reist der ehemalige Präsident Guatemalas nach Genf?

Die Anwälte des schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürgers verlangen zudem den ehemaligen Präsidenten Guatemalas, Oscar Berger, als Zeugen. Gemäss den Verteidigern plant Berger bereits, in die Schweiz zu reisen. Weiter wollen sie Giammattei in den Zeugenstand rufen.

Der Forderung der Anwälte wird kein Gehör geschenkt: Sowohl der Staatsanwalt wie auch die Anwälte der Klägerin lehnen die Vorladung dieser Entlastungszeugen und die anderen Anträge der Verteidigung ab.

Zeugen müssen um ihr Leben fürchten

Staatsanwalt Yves Bartossa. Bild: EPA/KEYSTONE

Die Zeugen im Fall Sperisen haben einen schweren Stand. Als Sperisen der Polizei vorstand, seien von den tausenden von Morden jedes Jahr zehn Prozent von den Ordnungskräften begangen worden, sagte der Staatsanwalt Yves Bartossa. Die Zeugen dieser Machtmissbräuche würden um ihr Leben fürchten. (dwi/sda)

Der Prozess wird um 15 Uhr mit der Befragung von Erwin Sperisen zur Ermordung von drei geflohenen Häftlingen fortgesetzt.

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