Schweiz
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«Die Leute müssen endlich begreifen: Ich bin HIV-positiv, aber ich bin nicht ansteckend»

Bild: shutterstock

HIV-positive Menschen leiden heute weniger an ihrer Infektion denn an ihrer Stigmatisierung. Zwei infizierte Frauen erzählen, warum sich endlich etwas ändern muss.



Simone*, 53 Jahre alt, aus der Region Bern, ist eine ruhige Frau von zierlicher Gestalt. Sie spricht mit Besonnenheit, macht beim Erzählen Pausen, wirkt manchmal nachdenklich. Jennifer, 25 Jahre alt, Schwyzerin, ist von grosser Statur, der Schritt zackig. Sie spricht in schnellem Tempo, bringt das Gesagte routiniert auf den Punkt.

Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Geschichten. So unterschiedlich sich Simone und Jennifer auch sind, eines eint die beiden: Sie tragen den HI-Virus in ihren Körpern. Simone war zwanzig Jahre alt, als sie damit angesteckt wurde. Jennifer ist seit ihrer Geburt HIV-positiv.  

«Schon 72 Tote in der Schweiz. Die tödliche Sex-Seuche ist unheimlicher als die Pest und rätselhafter als Krebs.»

«Blick»-Schlagzeile 1986

«AIDS!» Es ist nicht lange her, als dieses Schreckgespenst die ganze Schweiz erschütterte. In den 1980er-Jahren infizierten sich Männer und Frauen, darunter viele Homosexuelle und Drogensüchtige, mit dem mysteriösen Virus und starben. Ärzte rangen nach Antworten, Politiker suchten Lösungen, Medien verbreiteten schockierende Bilder von langsam Verelendeten. Die Zeitung «Blick» titelte 1986: «Schon 72 Tote in der Schweiz. Die tödliche Sex-Seuche ist unheimlicher als die Pest und rätselhafter als Krebs.»

Seither hat sich vieles getan, sehr vieles sogar – zumindest was die Behandlung des HI-Virus anbelangt. Dank der sogenannten «Kombinationstherapie», dem Einnehmen verschiedener Medikamenten also, wird der Virus zwar nicht vollständig aus dem Körper vertrieben, aber seine Vermehrung gestoppt. Er zieht sich aus dem Blut und den Schleimhäuten zurück.

Bild: KEYSTONE

2008 wird es offiziell: Die Eidgenössische Kommission für Aids-Fragen publiziert eine Mitteilung, die das Leben von HIV-Infizierten fundamental verändern sollte. Die Ärzte schreiben: Bei einer gut wirksamen HIV-Therapie sei das Risiko einer Übertragung des Virus vernachlässigbar. Konkret heisst das: Mit der richtigen Therapie sind HIV-Positive nicht ansteckend.

Das internationale Echo auf diese Aussage ist enorm. Die Mitteilung geht als «Swiss Statement» in die Geschichte ein. Für HIV-Positive markiert es einen wichtigen Wendepunkt. 

Doch in den Köpfen der Bevölkerung tobt das Schreckgespenst der 80er-Jahre weiter. Weiterhin glauben viele, HIV sei eine tödliche Krankheit, Infizierte ein dem Tod geweihter Bakterienherd. Darum ist heute für viele Betroffene schlimmer als die Diagnose selbst, das damit verbundene gesellschaftliche Stigma.

«Ich bin nicht ansteckend. Das müssen die Leute endlich begreifen.»

Simone will deswegen auch ihren richtigen Namen nicht nennen. Sie will nicht, dass ihre Nachbarn oder ihre Arbeitskollegen von dem Virus wissen. «Darüber kann man nicht reden», sagt sie. Weil man verurteilt, anders behandelt oder gar gemieden wird. Sie weiss von Frauen, die entlassen wurden, von Versicherungen, die HIV-Infizierte abgewiesen haben, von Freunden, die sich abgewendet haben.

«Das muss sich ändern», sagt Simone, die Hände ineinander verschränkt auf dem Tisch, der Blick bestimmt. Dass Trinken aus dem selben Glas und Küssen kein Ansteckungsrisiko bedeutet, wisse man schon lange. Heute sei es aber kein Problem mehr Sex ohne Kondom zu haben, schwanger zu werden und Kinder zu bekommen. «Ich bin nicht ansteckend. Das müssen die Leute endlich begreifen», sagt sie. 

Bild: KEYSTONE

Begonnen hat Simones Geschichte jedoch an einem ganz anderen Punkt. Zu jener Zeit, als sie sich mit dem Virus infizierte, gab es keine Medikamente dagegen. Die Diagnose kam einem Todesurteil gleich. 1984 oder 1986 muss es gewesen sein, rekapituliert Simone. Beim Sex. Zwei Männer kommen in Frage. Welcher es war, weiss sie nicht und will sie auch nicht wissen. «Die Schuldfrage ist nicht wichtig für mich», sagt sie. 

1988 findet sie es heraus. Simone hat viele schwule Freunde, das Thema «Aids» ist in der Szene omnipräsent. Sie denkt: «Ein Test kann ja nicht schaden.» Das Ergebnis wirft sie komplett aus der Bahn. «Jugendliche kokettieren in diesem Alter mit dem Tod, weil es irgendwie interessant wirkt. Doch wird der Tod real, ist das wahnsinnig bedrohlich», sagt sie. Simone zieht sich zurück, fühlt sich alleine. Erzählt hat sie es nur den Eltern und den allerengsten Freunden.

«Ich habe eine chronische Infektion – krank bin ich nicht.»

Simone*

Während es bei ihren schwulen Freunde eine enge Community gibt, die sich gegenseitig mit einem gut organisierten Netz aufzufangen vermag, ist es für Simone als heterosexuelle Frau viel schwieriger, mit dem Thema fertig zu werden. Ein Psychotherapeut schafft es, ihr ein wenig Zukunftsperspektive zurück zu geben. 

Zehn Jahr nach der Diagnose wird Simone krank. Depressionen, Müdigkeit, hohes Fieber, Tuberkulose, Organversagen – das Aids ist ausgebrochen. Sie kann nichts mehr essen, kaum mehr trinken. Im Spital muss sie künstlich ernährt werden. «Da bin ich fast gestorben», sagt sie. Doch sie hat Glück. Der Medizin gelingt in Sachen HIV-Therapie der Durchbruch. Über den Tag verteilt muss Simone einen Cocktail an Tabletten schlucken. Nach einem halben Jahr kommt sie wieder auf die Beine. 

Heute gilt Simone als «Langzeitüberlebende». Mit den Medikamenten – inzwischen ist es noch eine Tablette pro Tag – geht es ihr gut. Nebenwirkungen hat sie keine. Körperlich fühlt sie sich fitter als in ihrer Jugend, sagt sie. Mit ihrem Partner ist sie seit fünf Jahren zusammen und HIV ist in der Beziehung kein grosses Thema. «Ich habe eine chronische Infektion – krank bin ich nicht. Und ich fühle mich auch nicht eingeschränkt. Nur wünschte ich mir, dass ich offen darüber sprechen könnte.»

Was Simone nicht kann, nicht will, löst Jennifer für sich ganz anders. Unfreiwillig zwar, doch darüber ist sie nicht unglücklich. Ihre Adoptiveltern haben sie bereits als Kind geoutet. Als Sechsjährige tritt sie zum ersten Mal in einer Talkshow auf. Heute ist sie eines der Gesichter der oftmals anonymen HIV-Positiven in der Schweiz. «Ich bin froh, dass ich mich nicht verstecken muss», sagt sie.

Jennifer Annen 2016 in der SRF-Sendung «True Talk»

quelle: srf

Ihre leibliche Mutter weiss nichts von dem Virus, als sie schwanger wird. Auch nicht, als sie Jennifer 1992 auf die Welt bringt. Nach der Geburt erkrankt sie, wird nicht mehr gesund. Die Ärzte stellen die Diagnose: Es ist Aids. Die ganze Familie, Vater, Bruder, Jennifer, muss zum Test – doch nur bei dem kleinen Mädchen wird der Virus im Blut gefunden. 

Nach dem Tod der Mutter, Jennifer ist vier Jahre alt, kommt sie bei einer Adoptivfamilie unter. Als Kind ist sie oft krank. Man sagt ihr dann jeweils: «Du hast ein Chäferli im Blut.»

In derselben Familie lebt auch ein zweites Pflegekind mit HIV, Gloria. Sie ist ein Jahr jünger als Jennifer, die beiden sind innig verbunden. Bei Gloria schlagen die Medikamente nicht so gut an, mit zwölf Jahren stirbt sie. Ihr Tod ist für Jennifer ein grosser Schock. Obwohl sie immer wusste, dass da etwas in ihrem Körper ist, versteht sie erst jetzt, was es bedeutet, HIV-positiv zu sein. «Damals habe ich mich fest darauf eingestellt, dass ich auch bald sterben werde», sagt sie.

Bild: KEYSTONE

In der Enge des kleinen Dorfes, in dem Jennifer aufwächst, weiss jeder, was mit ihrer Mutter geschah und dass auch sie den Virus in sich trägt. Sie geht offen damit um, informiert die Kinder auf dem Pausenplatz, dass sie «imfall» nicht ansteckend sei. Die Kinder sind denn auch nicht das Problem. Es sind die Eltern, die nach der Schule anrufen und mit einer Klage drohen, nachdem Jennifer in einem Streit einen Buben gebissen hat. 

Jennifer lernt früh, Verantwortung zu übernehmen. Vor ihren ersten sexuellen Kontakten, informiert sie ihre Partner, bringt ihnen Infomaterial mit, schlägt vor, gemeinsam für ein klärendes Gespräch zum Arzt zu gehen. Die Handhabung, alles möglichst transparent zu halten, stimmt für sie.

«Es ist gar nicht Wut auf diese Personen, die ich verspüre. Vielmehr ist es die Gesellschaft, die mich hässig macht.»

Jennifer Annen

Und doch gibt es sie, die Momente, die nerven, anstrengend sind, weh tun. So, als sie beim Zahnarzttermin offen angibt, HIV-positiv zu sein und der Arzt sie danach kaum anzufassen traut. So, wenn die Leute fragen: «Woher hast du es?», und ihr in wilden Fantasien ein ausschweifendes Sexualleben attestieren. Oder so, wenn man sich erschrocken von ihr abwendet, sobald sie von dem Virus erzählt. «Aber es ist dann gar nicht Wut auf diese Personen, die ich verspüre. Vielmehr ist es die Gesellschaft, die mich hässig macht», sagt Jennifer.  

Dieses Jahr jährt sich die Geschichte der Schweizer Aids-Prävention zum 30. Mal. Beamte des Bundesamtes für Gesundheit sassen damals mit den Betroffenenorganisationen an den Tisch und lancierte die «Stop-Aids»-Kampagne. Deren Plakate waren damals wie heute legendär, Sätze wie «Ohne Dings kein Bums» haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. 

30 Jahre Stop-Aids-Kampagne

Im kürzlich erschienenen Buch Positiv. Aids in der Schweiz wird die 30-jährige Geschichte des Kampfes gegen die Aids-Infektionen in der Schweiz nachzeichnet. Darin zu Wort kommen Betroffene und Akteure der ersten Stunde.  

Simone und Jennifer sind froh um solche Projekte. Denn obwohl es heute Medikamente, Therapien, Selbsthilfegruppen und gut geschultes Personal gibt und obwohl es HIV-Positiven möglich ist, ein völlig normales Leben zu führen, ist klar: Es gibt noch viel zu tun. 

* Name der Redaktion bekannt.

Das musst du über Aids wissen:

Immer mehr Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • EsKamel 21.02.2018 08:53
    Highlight Highlight Gibt da wohl so etwas wie eine Gratwanderung zwischen Ent-Stigmatisierung/ Nicht-Diskriminierung und Verharmlosung.. man sollte wohl klar trennen zwischen Person und Krankheit. HIV-positiven eine vollumfängliche soziale Akzeptanz und Inklusion entgegenzubringen, macht Sinn und ist wichtig und auch, dass Betroffenen ein Recht auf Sexualität und Familie anerkannt wird. dennoch ist HIV nicht heilbar, und niemand wünscht sich das. Aufklärung über Fakten ist wichtig, aber ein Restrisiko bleibt bestehen - und wie bei allen Krankheiten: nicht jedeR spricht gleich gut an auf Medikationen
  • Booker 20.02.2018 13:09
    Highlight Highlight Klar ist HIV+ heute kein vorgezogenes Todesurteil und es gibt Medikamente um mit der Krankheit leben zu können. Aber der Cocktail muss lebenslang eingenommen werden und wie jedes Medikament haben diese Nebenwirkungen. Auch nicht zu vergessen sind die immensen Therapiekosten - ein Leben lang! Kosten welche die Krankenkassen zu unseren Lasten trägt. Ich habe keine CH Zahlen, in D betragen diese bei einem 45 jährigen Mann bei durchschnittlicher Lebenserwartung rund 1 Mio €, bei uns wird es aufgrund höherer Medi- und Arzt/Analysekosten höher sein.
  • Swisswolverine 20.02.2018 09:59
    Highlight Highlight Ganz aktuell und passend dazu: dieses Jahr jährt sich zum zehnten Mal das sogenannte Swiss-Statement. 2008 leistete die Schweiz Pionierarbeit und gab offiziell bekannt, das HIV-positive Menschen unter wirksamer HIV-Therapie das HI-Virus sexuell nicht weitergeben können: http://www.display-magazin.ch/2018/02/revolution-hiv-positiv-und-nicht-ansteckend/
  • Mai Siegenthaler 20.02.2018 07:52
    Highlight Highlight Mir ist aufgefallen, dass manche Leute eines nicht verstehen: AIDS ist nicht ansteckend sondern der HI-Virus. Aus dem HI-Virus kann AIDS entstehen.
    Acquired Immune Deficiency Syndrome, (erworbenes Immunschwächesyndrom) bezeichnet eine spezifische Kombination v. Symptomen, die beim Menschen infolge der durch Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HI-Virus, HIV) induzierten Zerstörung des Immunsystems auftreten.
    So fängt Aufklärung an und ich finde es erstaunlich, dass so viele Menschen immernoch keine Abgrenzung von AIDS und HIV machen in dieser "aufgeklärten" Welt.
  • Roland Bach 19.02.2018 22:54
    Highlight Highlight Mich stören vor allem die gängigen Stigmata gegenüber HIV infizierten(Angstmache aus den 80er und 90ern denk ich), solange man nicht ungeschützten Sex hat mit ihnen (mit Antiretroviraler Therapie oder nicht) und nicht mit Blut oder Sperma in Berührung kommt ist alles kein Problem.
    Das andere das mich stört ist aber das einige, vor allem Junge meinen die Krankheit sei nun Heilbar, nur weil es neue Medikamente gibt, ist das so Schwer beim Sex, vor allem mit unbekannten zu verhüten?
  • solum 19.02.2018 19:57
    Highlight Highlight Als Labormediziner kann ich nur eines sagen, die Viruslast ist bei einer in Therapie betreuten Person nicht gleich Null und somit besteht ein Ansteckungsrisiko, auch wenn dieses viel tiefer ist.

    Wie kann man nur solchen Schwachsinn öffentlich machen?
    • mukeleven 19.02.2018 23:42
      Highlight Highlight schoen dass du es auf den punkt bringst.
    • kim2 20.02.2018 09:17
      Highlight Highlight Die Viruslast ist unter der Nachweisgrenze, das heisst, man weiss nicht ob sie gleich null ist oder nicht, man kanns ja offensichtlich nicht nachweisen.
      Bisher ist KEIN Fall bekannt von einer Ansteckung trotz ART (antiretroviralen Therapie), sofern die Medikamente regelmässig genommen und die Checks gemacht werden. Daher kommt die offizielle Weisung, dass Menschen mit HIV unter ART sexuell infektiös sind.
      Informier dich selber:
      http://www.aids.ch/de/downloads/pdfs/EKAF-Statment_2008-05-089.pdf
    • Swisswolverine 20.02.2018 11:09
      Highlight Highlight solum: Labormediziner hin oder her, ich schlage vor, du machst dich erst schlau, bevor du hier Vermutungen als Tatsachen postest: https://www.drgay.ch/de/undetectable

      Als "Labormediziner" solltest du zudem wissen, das es ein Null-Risiko nicht gibt. Es besteht in jeder Lebenssituation ein Restrisiko. Fakt ist, TasP (Treatment as Prevention = Schutz durch Therapie) funktioniert zuverlässig. Der Schutz ist besser als der Schutz durch Kondome, da bei TasP Kondompannen ausgeschlossen sind.
  • Polaroid 19.02.2018 19:33
    Highlight Highlight Danke für den Beitrag und erschreckend wie die Leute nicht aufgeklärt und stigmatisierend sind.
  • SaraSera 19.02.2018 13:33
    Highlight Highlight Eine Kritik am Artikel ist, dass er Aids verharmlose. Das ist natürlich nicht meine Intention. Vielmehr wollte ich die mit dem Virus verbundene Stigmatisierung beleuchten und dort enttabuisieren, wo es immer noch viele Vorurteile gegenüber HIV-Positiven gibt. Natürlich gilt nichtsdestotrotz: Aids ist eine ernstzunehmende Krankheit und Safer Sex die Voraussetzung, um sich davor zu schützen.
    • Dr. B. Servisser 19.02.2018 15:41
      Highlight Highlight Merci Sarah für den Artikel.

      Ich finde ihn überhaupt nicht verharmlosend. Die Zeit in der HIV/Aids quasi das Todesurteil bedeutete und verteufelt wurde ist vorbei.

      Trotzdem: Ohne Dings kein Bums.
    • Swisswolverine 19.02.2018 18:04
      Highlight Highlight Danke für den Artikel. Es ist ein Fakt, das HIV-positive Menschen unter wirksamer Therapie das HI-Virus nicht weitergeben. Diese Tatsache ist viel zu wenig bekannt, darum Danke für den Artikel. Übrigens: Schutz durch Therapie IST Safer Sex. Mehr dazu hier: https://www.drgay.ch/de/undetectable
  • Klangkartoffel 19.02.2018 12:44
    Highlight Highlight Sicher ein wichtiges Thema, aber der Artikel ist vielleicht doch gerade ein wenig zu locker... Zwischen 'vernachlässigbarem' Risiko und 'keinem' Risiko besteht für mich bei so etwas wichtigem doch noch ein Unterschied..

    Ich hätte ein richtig mulmiges Gefühl dabei, so völlig ohne Schutz...
    • mille_plateaux 19.02.2018 13:44
      Highlight Highlight Die Chance, sich durch Geschlechtsverkehr mit einer unbehandelten (!) Trägerperson mit HIV zu infizieren, wird (je nach Studie) mit 1/750 bis 1/1250 ausgewiesen. Menschen mit Medikamention weisen eine Virendichte in Blut und Sperma von quasi (bis wortwörtlich) 0 auf; für eine «erfolgreiche» Infektion bräuchte das Virus das über Tausendfache.

      Bis heute ist weltweit kein Fall bekannt, wo eine Ansteckung über eine korrekt behandelte Trägerperson erfolgt wäre.

      Ab und an darf man der Wissenschaft auch einfach vertrauen. 😉
  • Christof1978 19.02.2018 12:27
    Highlight Highlight enttabuisierung und aufklärung ist sicher wichtig - gehe ich mit dem artikel einig. nichtsdestotrotz wird hier eine hiv-infektion verharmlost. es nicht soweit kommen zu lassen, also die ursache zu bekämpfen, das sollte das ziel sein.
    • phreko 19.02.2018 16:47
      Highlight Highlight Genau das ist das Stigma das sie an den Kopf geworfen bekommen. Es geht nicht auf, es zu enttabuisieren und trotzdem dem Vorwurf der Verharmlosung ausgesetzt zu sein.
  • Matti_St 19.02.2018 12:25
    Highlight Highlight Ich mit Jahrgang 73 habe die ersten prominente Todesfälle mitbekommen. Kurz danach auch noch im privaten Umfeld. Wir würden gut aufgeklärt wie man sich nicht anstecken kann.

    Aber das HIV heute so gut behandelt werden kann, war mir nie bewusst. Und ich kann von mir sagen, ich lese täglich die Medien. Aber eine solche Meldung kam mir nie bis ins Bewusstsein. Eigentlich schade. Bad News sind anscheinend immer noch wirkungsvoller als Good News.

    Danke für den Artikel.
    • phreko 19.02.2018 16:48
      Highlight Highlight Ist ja auch nicht im Interesse der Gesundheitsbehörden, da jegliche Safer Sex erfolge auf der Angst vorHIV aufgebaut wurden.
      Genau deshalb wurde es nicht an die grosse Glocke gehängt.
    • Matti_St 19.02.2018 17:51
      Highlight Highlight Ich glaube ein gesunder Mensch kann schon unterscheiden zwischen präventiv und jetzt gibt's ernst. Zumal noch andere Geschlechtskrankheiten im Umlauf sind.
  • reich&schön 19.02.2018 12:16
    Highlight Highlight Guter Artikel, aber warum wurde nicht 1 Mann und 1 Frau portraitiert?
    Immerhin sind Männer die Hauptbetroffenen.
    • SaraSera 19.02.2018 13:28
      Highlight Highlight Weil ich insbesondere auf die Situation der Frauen aufmerksam machen wollte. Bei den Männern sind es vor allem Homosexuelle, die sich mit HIV infizieren. Ihre Netze, Strukturen, Hilfsorganisationen sind schon sehr stark. Stecken sich hetero-Frauen mit HIV an, ist das strukturell für sie schwieriger.
    • reich&schön 19.02.2018 13:33
      Highlight Highlight Danke für die Antwort!
    • Roman h 19.02.2018 20:49
      Highlight Highlight @sarasera
      Bei den Männern sind es vor allem homosexuelle.
      Da Frage ich mich doch wie sich Frauen anstecken können?
      Homosexuelle haben ja keinen geschlechtsverkehr mit Frauen.
      Entweder stecken sich die Frauen nicht durch geschlechtsverkehr an oder es gibt ca so viele heterosexuelle Männer mit HIV wie es Frauen gibt.
      Daher bezeichnen sie und viele andere also HIV positive Männer gleich als Homosexuell.
      Ist es dann für denn heterosexuellen Mann nicht am schwierigsten da er gleich mit 2 Vorurteilen kämpfen muss?
  • wydy 19.02.2018 12:05
    Highlight Highlight Hier sollte man evtl. noch eins zwei Punkte erwähnen:
    - Mittels Medikamente kann der HIV Virus so stark unterdrückt werden, dass er nicht mehr nachweisbar ist. Solche Leute können den Virus auch nicht weiter übertragen
    - Es gibt Leute, vor allem in Amerika die nehmen das entsprechende Medikament, obwohl sie gesund sind. So dass sie ohne Gummi vögeln können.
    - Das Medikament heisst Prep
    - Es gibt noch andere Krankheiten, die genauso gefährlich sind! Also trotzdem NICHT ohne Gummi.
    • Snowy 19.02.2018 17:14
      Highlight Highlight @wydy: Preps werden v.a. von Schwulen eingenommen, damit sie mit wechselnden Partnern ungeschützt verkehren können.
      Wenig erstaunlich, dass seit Prep gross im Kommen ist nun auch die anderen sexuell übertragbaren Krankheiten einen sprunghaften Anstieg verzeichnen.
    • Swisswolverine 19.02.2018 18:16
      Highlight Highlight 1. Kondome schützen nicht zuverlässig gegen andere sexuell übertragbare Infektionen (STI)
      2. woher hast du die Info, dass STIs einen sprunghaften Anstieg verzeichnen? Das Gegenteil ist der Fall! Warum? Weil die einzige wirklich wirksame Schutzmassnahme gegen STIs regelmässiges Testen (und falls nötig Behandeln ist). PrEP-User und Menschen unter Therapie haben engmaschig Kontrollen, bei denen auch STIs getestet werden. So wird eine Verbreitung eingedämmt.
      3. Moral ist in dieser Diskussion fehl am Platz. Sex ist nicht schlecht sondern was Gutes.
    • Snowy 19.02.2018 19:02
      Highlight Highlight 1. Klar

      2. Hab kurz für Dich gegoogelt: https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/geschlechtskrankheiten-breiten-sich-in-der-schweiz-rasant-aus-124894167

      Auch watson hat darüber geschrieben: https://www.watson.ch/Schweiz/Gesundheit/842896335-Mehr-Schweizer-leiden-unter-sexuell-uebertragbaren-Krankheiten

      Siehe auch diverse LInks uter aids.ch etc

      3. Sehe ich ganz genau gleich wie Du. :-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Snowy 19.02.2018 11:29
    Highlight Highlight Guter Artikel - wichtiges Thema!
  • G.Oreb 19.02.2018 11:26
    Highlight Highlight Danke für den tollen Artikel Frau Serafini🙂
    Nicht ganz klar geworden ist mir im Artikel wie der Sex ohne Kondom heute kein Problem mehr ist? Ist es wegen den Medikamenten, dass man sich auch ohne Kondom nicht mehr ansteken kann?
    • Beasty 19.02.2018 11:57
      Highlight Highlight Richtig. Die Medikamente drücken die Viruslast so tief runter, dass der HI-Virus nicht mehr nachweisbar ist - ergo ist man auch nicht ansteckend.
    • Me, my shelf and I 19.02.2018 12:05
      Highlight Highlight Ja. Wegen der Medikation.
    • raphe qwe 19.02.2018 12:06
      Highlight Highlight Durch Medikation kann die Virenzahl so stark verkleinert werden, dass sie nicht mehr nachweisbar ist. Völlig frei davon ist man trotzdem nicht. Eine Ansteckung wird extrem unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bcZcity 19.02.2018 11:00
    Highlight Highlight Sex ohne Kondom ist also kein Problem, AIDS ist nur noch eine Infektion, man soll nicht so blöd tun wegen dem Ganzen.

    Leute, auch wenn die Medizin so weit ist dass man nur noch eine Tablette schluckt, ist das Virus kein Spass, Sex ohne Kondom mit fremden Menschen immer verantwortungslos (Gibt ja noch andere Krankheiten) und die Wahrnehmung für meinen Geschmack ein wenig zu locker.
    • TJ Müller 19.02.2018 12:46
      Highlight Highlight Im ganzen Text wird doch nirgends Sex ohne Kondom mit fremden Menschen propagiert! Es gibt imfall durchaus aus Positive Menschen, welche einen Partner haben und dann ist es definitiv nicht verantwortungslos, wenn die Medikation wirkt.
    • Töubii 19.02.2018 13:08
      Highlight Highlight Ich glaube du hast den Text nicht verstanden. Es geht ja darum, dass viele noch immer glauben, jeder HIV-Positive sei hochansteckend...
    • TJ Müller 19.02.2018 17:26
      Highlight Highlight Ich verstehe echt nicht, warum mein Kommentar geblitzt wird. Die Ansteckungsrate bei unbehandelten HIV-infizierten Personen beträgt bei vaginalem Geschlechtsverkehr 8/10'000. Wenn nun zusätzlich die Virenlast auf ein nicht nachweisbares Niveau gesenkt wird, dann ist es wirklich nicht verantwortungslos auf ein Kondom zu verzichten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • The hard Blob 19.02.2018 10:59
    Highlight Highlight Na ja den Titel des Artikel finde ich etwas verwirrend. AIDS ist nur nicht ansteckend wenn es richtig behandelt wird, und das ist nicht immer der Fall. Mann muss ja erstmal wissen, dass man HIV-positiv ist.
    • Beasty 19.02.2018 11:58
      Highlight Highlight Aids lässt sich nicht übertragen. Aids ist die Krankheit aus der Summe der Symptome von HIV. HIV lässt sich übertragen, Aids nicht.
    • Theor 19.02.2018 14:37
      Highlight Highlight Und gleichzeitig steht im Artikel, dass die Schwester der einen Person trotz Medikamenten daran gestorben ist?

      Sorry, aber der Artikel ist keine gute Leistung wenn es darum ging, den Leuten die Ängste vor AIDS zu nehmen. Ich bin nun sogar verunsicherter als vorher.
    • The hard Blob 19.02.2018 14:43
      Highlight Highlight Ok, dann halt HIV, aber das ändert nichts an der Sache oder?
    Weitere Antworten anzeigen
  • kupus@kombajn 19.02.2018 10:46
    Highlight Highlight Wenn es um Gesundheit geht, bin ich mir zuerst einmal selber am nächsten. "Vernachlässigbar" und "nicht ansteckend" sind für mich nicht dasselbe. Selbst wenn es von jemandem "nicht ansteckend" heisst, würde ich nie im Leben ungeschützten Verkehr mit dieser Person haben wollen.

    Viel wichtiger als zu wissen, ob jemand ansteckend ist, ist nach wie vor zu wissen, auf welchem Weg ich mich anstecken kann. Das alleine sollte eigentlich reichen, um HIV-positive nicht zu stigmatisieren.
    • TJ Müller 19.02.2018 12:43
      Highlight Highlight Bei einer wirksamen Therapie wird die Virenlast soweit gesenkt, dass die Viren im Blut nicht mehr nachweisbar sind, insofern ist dann die Ansteckungsgefahr wirklich vernachlässigbar. Man kann nicht "nicht ansteckend" sein, da es eine 100% Sicherheit nie geben wird. Bei regelmässiger Überprüfung der Blutwerte liegst du aber nahe bei 100%. Nebenbei, beim Gebrauch von Kondomen liegt die Ansteckungsgefahr immer noch bei etwa 5%, also definitiv unsicherer als bei erfolgreicher Medikation.
  • N. Y. P. D. 19.02.2018 10:44
    Highlight Highlight Die Ärzte schreiben: Bei einer gut wirksamen HIV-Therapie sei das Risiko einer Übertragung des Virus vernachlässigbar.

    Sex ohne Kondom sei heute längst kein Problem mehr. «Ich bin nicht ansteckend. Das müssen die Leute endlich begreifen»

    Vernachlässigbar und nicht ansteckend ist nicht dasselbe. Ist eine Ansteckung nun zu 100% ausgeschlossen oder ist das Risiko einer Ansteckung vernachlässigbar ?
    • Beasty 19.02.2018 11:59
      Highlight Highlight Statistiken gehen von einem höheren Schutz als mit Kondomen aus. 100% kriegst du nie - mit meiner Präventionsstrategie (ausser vielleicht auf Sex verzichten...)
    • FCZurigo 19.02.2018 12:20
      Highlight Highlight Sie ist ausgeschlossen. Durch die medikamentöse Behandlung sinkt das Virus unter die nachweisbare Grenze einer Infektion. Betroffene können deshalb ungeschützten Sex haben und Kinder gebären, die nicht vom Virus betroffen sind.
    • TJ Müller 19.02.2018 12:40
      Highlight Highlight "HIV-infizierte Menschen ohne sexuell übertragbare Krankheiten sind unter wirksamer antiretroviraler Therapie sexuell nicht infektiös". Wirksam heisst, dass die Viren im Blut nicht mehr nachweisbar sind. Diese Infos sind von der AIDS-Hilfe Schweiz
      Und laut aktuellen Studien ist die Ansteckungsgefahr sowieso geringer als mit Kondom, da hierbei die Übertragungsrate trotzdem noch bei 5% liegt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hugo Wottaupott 19.02.2018 10:42
    Highlight Highlight Das perverse ist doch: Ist nicht möglich es ganz zu heilen aber täglich 7 verschiedene Pillen einnehmen bringts.
    • reich&schön 19.02.2018 12:20
      Highlight Highlight Die Zeiten mit den 7 Pillen sind längst vorbei.
      Im Idealfall braucht jemand heute 1 Pille täglich.
      Ist natürlich auch nicht so toll, aber kein Vergleich zu früher.
  • BoJack 19.02.2018 10:36
    Highlight Highlight Guter Artikel!
    Vielen Dank Frau Serafini 😊

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

Mitglieder der Revolutionären Jugend Bern schreiben auf Facebook, sie hätten sich in Paris ein Bild der Bewegung machen können, das «sehr positiv und motivierend» ausfalle. Darunter publizieren sie ein Foto eines brennenden Autos. 

Auch die Zürcher Sektion der Bewegung berichtet von …

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