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Stellen eine Gefahr für den regulären Flugverkehr dar: Heissluftballone – im Bild: Heissluftballone in Myanmar. Bild: HEIN HTET/EPA/KEYSTONE

Dichtestress am Himmel: Heissluftballone und Segelflieger gefährden Jets

Alarmierender Sicherheitsbericht: Heissluftballone und Segelflugzeuge kommen Jets gefährlich nah.

09.04.17, 05:53 09.04.17, 08:24

andreas maurer / schweiz am wochenende

Ein Artikel von

Die Flugüberwachungsspezialisten im Tower des Zürcher Flughafens lassen sich nicht von Kleinigkeiten ablenken. Die Firma Skyguide hat das Radarsystem so eingestellt, dass nur Bewegungen mit einer Geschwindigkeit von über 30 Knoten eine Warnung auslösen. Ein Heissluftballon wird auf dem Bildschirm als hellbrauner Punkt dargestellt, er fällt den Fluglotsen nicht auf. Sie registrieren nicht, wenn er unerlaubt in den Zürcher Luftraum eindringt. Sie merken auch nicht, wenn er sich in der Anflugschneise eines Jumbolino der Swiss befindet.

Vor zwei Jahren kam es deshalb zu einer Beinahe-Katastrophe. In letzter Minute entdeckten die Swiss-Piloten den Ballon und korrigierten ihren Kurs, im Abstand von nur 130 Metern brausten sie über den Ballon hinweg.

Nun hat die Schweizer Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) ihren Bericht publiziert. Das Fazit ist alarmierend. Seit Jahren bestünden systematische Sicherheitsdefizite. Die Sust hat schon früher darauf hingewiesen, doch die Luftfahrtbranche setzte die Sicherheitsempfehlungen damals nicht um. Auch die soeben abgeschlossene Untersuchung bewirkte bisher wenig. Die Sust nennt in ihrem Bericht den Grund: «Die beteiligten Verkehrskreise wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für die noch immer bestehenden Sicherheitsdefizite und die schleppende Umsetzung von Verbesserungen zu.»

Die Gefahr geht von Heissluftballonen und Segelflugzeugen aus, die den Jets gefährlich nahe kommen. Die Konflikte häufen sich, weil der Verkehr der Grossen ständig zunimmt. Die Kleinen sind hingegen immer seltener unterwegs, weil die Zahl der Ballonfahrer und Segelflugpiloten stetig sinkt. Sie sehen sich deshalb nur bedingt in der Pflicht, das Problem zu lösen. Mittendrin stehen Skyguide und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl).

Mehrere Interessenskonflikte

Das Konfliktwarnsystem von Skyguide ignoriert auch zwei Jahre nach dem Beinahe-Crash langsam fliegende Luftfahrzeuge. Das soll sich ändern. Bei Skyguide heisst es dazu: «An der Umsetzung arbeiten wir noch.» Skyguide fordert, dass alle Heissluftballone und Segelflugzeuge mit einem Transponder ausgerüstet werden. Damit werden sie auf Radarsystemen sichtbar. Heute sind diese Geräte nur in speziellen Zonen obligatorisch. Die Segelflugpiloten wehren sich jedoch dagegen, weil sie unnötiges Gewicht vermeiden wollen. Ballonfahrer stören sich an den Kosten von bis zu 6000 Franken pro Gerät.

Das Bazl lehnt eine Transponderpflicht ebenfalls ab. Anstatt das bestehende System zu optimieren, suche es «eine ganzheitliche Lösung». Das Bundesamt arbeitet an einer neuen Organisation des Schweizer Luftraums, damit sich die Kleinen und die Grossen nicht mehr in die Quere kommen. Zu Luftraumverletzungen kommt es fast täglich: 2016 wurden 262 Vorfälle registriert.

Die Sust drängt darauf, dass endlich vorwärtsgemacht wird. Untersuchungsleiter Florian Reitz sagt: «Das Bazl und die Luftfahrtbranche sollten jetzt reagieren, bevor eine weitere Katastrophe wie in Überlingen passiert.» 2002 kollidierten dort zwei Flugzeuge in der Luft, 71 Menschen starben.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • amore 09.04.2017 13:34
    Highlight Wer Ballon fährt und/oder Kleinfluzeuge fliegt sollte ab sofort einen Transponder installieren müssen. Frist bis Ende September 2017. Diese Investition steht ja in keinem Verhältnis zu den Kosten des Betriebs eines Kleinflugzeuges oder eines Ballonens.
    Im Übrigen sollten die Luftraumverletzungen konsequenter und härter bestraft werden. Wer in der Pilotenkarriere Lufträume mehr als 5x verletzt, sollte sein Brevet abgeben müssen. Für die ersten 4 Übertretungen sollen hohe Gekdbussen ausgesprochen werde. Mit den heutigen Navigatinsmitteln ist die Orientierung überhaupt kein Problem mehr.
    10 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 09.04.2017 10:33
    Highlight Stellen eine Gefahr für Heissluftballone dar: überbordender Flugverkehr.
    3 15 Melden
  • FrancoL 09.04.2017 10:02
    Highlight Zum Frühstück habe ich diesen Artikel den ich kaum für sehr wichtig fand 2 x durchgelesen. 2 x weil ich kaum glauben kann was das steht. Da werden mögliche Lösungen für Luftraumverletzungen einfach mal mit lächerlichen Argumenten wegbedungen.

    Das kann ja nicht sein! Die Kosten und das Mehrgewicht für einen Transponder sind KEINE ARGUMENTE!

    Die Zeitaxe für eine mögliche Lösung scheint mir auch mehr als nur strapaziert, da gehen wohl alle kleineren Interessen mal vor bis wirklich etwas passiert.
    Der Luftraum scheint bei uns alles andere als wichtig zu sein. B e d e n k l i c h.

    11 10 Melden
  • falkster 09.04.2017 09:02
    Highlight Bei überlingen sind zwei Flugzeuge kollidiert, die beide auf dem Radar sichtbar waren bzw. Transponder hatten...
    18 5 Melden
  • falkster 09.04.2017 08:59
    Highlight OMG dieser Bericht ist sowas von Schlecht.

    1. @Andres Mauerer!!! Beim Unfall von Überlingen ist ja gar kein Segelflieger oder Luftballon mit einem Passagierflugzeug kollidiert. Sondern zwei Flugzeuge die auf dem Radar sichtbar sind!

    2. Das Gewicht eines Transponders in einem Segelflugzeug ist überhaupt kein Problem.

    3. Diejenigen die sich einen Transponder leisten können, bauen sich auch einen ein. P.S. Der Bund hat mit Lenkungsabgaben den Einbau bereits mit Geldern gefördert.

    4. Auch mit Transponder gibt es weiterhin Luftraumverletzungen. Es wird immer Leute geben die einen Fehler machen.
    17 1 Melden
  • Schnuderbueb 09.04.2017 08:41
    Highlight "bevor eine weitere Katastrophe wie in Überlingen passiert." Da vermischt der gute Herr Reitz Birnen mit Äpfeln! Meines Wissens sind dort zwei Grossflugzeuge (Tupolew Tu-154M und Boeing 757–200) in 11000 M.ü.M zusammen geprallt. Es war weder ein Segelflieger noch ein Ballon bei dieser Katastrophe involviert, um die es ja auch in diesem Artikel geht. Nicht dass es Unmöglich ist, aber wann schon fliegt ein Segelflieger und oder Heissluftballon so hoch? Dieser Florian Reitz versteht ja noch weniger von Aviatik als ich!
    11 0 Melden
  • who cares? 09.04.2017 07:52
    Highlight Also wird mir politischem Geplänkel die Verantwortung hin- und hergeschoben - bis wieder etwas passiert. Absolut unverantwortlich von allen Beteiligten.
    21 7 Melden
  • spiox123 09.04.2017 07:03
    Highlight Transponderpflicht, so einfach! Wer sich im Himmel bewegen will und selbst immer wieder die Lufträume verletzt (klarer Verstoss) der soll sich gefälligst mit einem Transponder ausrüsten. Das Problem luegt ja klar bei den Piloten welche "falsch" fliegen und nicht bei Skyguide.
    36 11 Melden
    • falkster 09.04.2017 10:19
      Highlight Bei der Katastrophe in Überlingen hatten beide Flugzeuge Transponder.
      5 7 Melden
    • spiox123 09.04.2017 11:28
      Highlight @falkster: Dabei gab es ja keine Luftraumverletzung sondern ein Fehler des Fluglotsen sowie dann das unglückliche Zusammenspiel TCAS/Anweisungen. Ihr Kommentar hat absolut nichts mit meinem zu tun.
      7 2 Melden

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