Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der erste Schweizer Versuch, einen Düsenjet zu bauen, ging mächtig in die Hose. Er stürzte vor einem halben Jahrhundert in den Bodensee

11.05.15, 12:57 11.05.15, 13:19


Der J-3003, der dritte Prototyp des P-16.  Bild: Public Domain

Heute Morgen startete der Pilatus-Jet PC-24 in Buochs und kreiste eine Stunde lang über der Zentralschweiz – ein historisches Ereignis. Denn in der Schweiz wurde ein halbes Jahrhundert lang kein Düsenjet gebaut. Die Entwicklung nahm ein vorläufiges Ende, als ein Testflugzeug in den Bodensee stürzte.

Das Vorhaben war anspruchsvoll: Als Folge des 2. Weltkrieges wollte die Schweiz einen eigenen Kampfjet entwickeln, der speziell auf die topographischen Verhältnisse in der Schweiz ausgerichtet ist. Diesen Auftrag vergab das Eidgenössische Militärdepartement (heute VBS) 1948 an die Flug- und Fahrzeugwerke FFA AG in Altenrhein.

Der Prototyp des P-16 hatte seinen Jungfernflug am 25. April 1955. Das Flugzeug hatte ein für damalige Verhältnisse revolutionäres Flügeldesign. Dadurch konnte es auf einer Startbahn von nur 330 Metern Länge abheben – ein Weltrekord für Flugzeuge dieser Grösse. Die schweizerische Luftwaffe war überzeugt und bestellte 100 Maschinen des P-16.

Doch diese wurden nie gebaut. Bei einem Testflug am 25. März 1958 brachte ein Leck in der Steuerhydraulik den zweiten Prototypen ins Schleudern, die Maschine stürzte in den Bodensee. Der Pilot, der sich mit dem Schleudersitz retten konnte, wurde von vier Buben auf einem Pedalo aus dem Wasser gerettet. Er überlebte mit schweren Rückenverletzungen.

Der P-16 lebt im Learjet weiter

Es war das Ende des P-16. Die ganze Schweiz witzelte darüber, dass der Jet nun mit Schnorcheln ausgestattet werde, oder dass das Parlament eine halbe Milliarde zur Förderung des Pedalosports bewilligt habe. Die Bestellung der 100 Jets wurde storniert, der Bundesrat sprach sich darauf gegen den Kauf aus. Die Schweiz gab die Entwicklung eines eigenen Kampfflugzeuges auf und bestellte das britische Modell Hawker Hunter.

Das letzte existierende Exemplar des P-16 in Dübendorf. Bild: Alexander Flühmann/CC-Lizenz

Die FFA versuchte noch, das Projekt zu retten und entwickelte in den folgenden Jahren verbesserte Prototypen des P-16. Doch man fand keine Käufer und das Projekt wurde 1969 schliesslich aufgegeben. Ein bisschen lebte der P-16 aber trotzdem weiter: Sein revolutionäres Flügeldesign wurde für den ersten Geschäftsreisejet, den Learjet, eingesetzt. 

Vom P-16 existierten insgesamt nur fünf Maschinen. Zwei von ihnen stürzten ab, zwei weitere wurden verschrottet. Ein einziger Prototyp, der X-HB-VAD, der 1960 vier Testflüge absolvierte, ist im Flieger-Flab-Museum in Dübendorf ausgestellt. (rey)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Propellerli 11.05.2015 15:02
    Highlight Gerüchten zufolge war da eine Mauschelei am Werk. Es gab da so einige Parlamentarier, die wollten gar nicht, das die Altenrhein erfolg hatte...
    Gerüchte eben...
    5 0 Melden

Flug annulliert oder verspätet: So viel Geld schuldet dir die Airline

Die Zahl an Flugverspätungen und Flugannullierungen steigt. Nicht alle Passagiere sind sich dabei ihrer Rechte bewusst. Wir haben die wichtigsten aufgelistet. 

Seit dem 1. Dezember 2006 ist das Fluggastrecht in einer EU-Verordnung geregelt. Diese gilt auch für die Schweiz. Das musst du darüber wissen: 

Ärgerlich, wenn sich die Flugzeit nach hinten verschiebt. Wer bereits zwei Stunden auf den Abflug wartet, hat Anrecht auf kostenlose Mahlzeiten, Getränke und Telefonanrufe. 

Ab fünf oder mehr Stunden kann der Fluggast auf den Flug verzichten und den Ticketpreis zurückfordern. Wer sich bereits auf einem Umsteigeflughafen befindet, darf …

Artikel lesen