Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Luzerner Polizeispitze steht nach umstrittenem Einsatz von Malters vor Gericht

19.06.17, 05:08 19.06.17, 09:57


Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann müssen sich heute Montag vor dem Bezirksgericht Kriens wegen eines umstrittenen Polizeieinsatzes in Malters LU verantworten. Dabei hatte sich eine Rentnerin umgebracht.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten fahrlässige Tötung vor. Die beiden Polizeioffiziere bestreiten die Vorwürfe.

Der Kommandant der Luzerner Polizei Adi Achermann, links, und der Kripochef Daniel Bussmann, 3. von links, treffen am Montag 19. Juni 2017 im Kantonsgericht Luzern ein um an der Gerichtsverhandlung zum

Der Kommandant der Luzerner Polizei Adi Achermann, links, und der Kripochef Daniel Bussmann, 3. von links, treffen im Kantonsgericht Luzern ein. Bild: KEYSTONE

Anfang März 2016 war die Luzerner Polizei für eine Hausdurchsuchung in einen Weiler bei Malters LU ausgerückt. Sie vermutete, dass sich dort eine Hanf-Indoor-Plantage befand. Doch die 65-jährige Schweizerin, die sich in der Wohnung ihres Sohnes aufhielt, wollte die Polizei nicht hereinlassen. Stattdessen drohte sie, mit einem Revolver auf die Beamten zu schiessen und feuerte auch mehrere Schüsse ab.

Die Sicherheitskräfte rückten mit einem Grossaufgebot aus. Sie evakuierten die übrigen Wohnungen des Mehrfamilienhauses sowie benachbarte Gebäude. Spezialisten der Polizei verhandelten während 17 Stunden - auch während der Nacht - ergebnislos mit der Frau.

In Malters hat die Polizei ein Haus umstellt. Darin soll sich seit gestern Nachmittag eine Person verschanzt haben. Eine Nachbarin berichtet von einem gefallenen Schuss. (Bild: newspictures)

Tatort Malters: Die Polizei bei ihrem umstrittenen Einsatz. 

Am Morgen des zweiten Tages entschieden Polizei und Staatsanwaltschaft, die Wohnung durch die Sondereinheit Luchs stürmen zu lassen. Die Frau sei eine grosse Gefährdung für die Nachbarschaft und die Polizisten gewesen, sagte Achermann nach dem Einsatz.

Plan misslungen

Gemäss der Anklageschrift plante die Polizei, die Frau durch ein Telefongespräch in den hinteren Teil der Wohnung in die Nähe der Eingangstüre zu locken. Währenddessen sollte beim Wald ein Feuerwerk gezündet werden. Damit wollten die Beamten vom Aufbrechen der Türe ablenken. Danach sollte ein Interventionshund hineingeschickt werden und die Frau überwältigen.

Doch der Plan misslang: Bereits als sich die Beamten im Treppenhaus befanden, erschoss die Frau laut Polizeiangaben im Badezimmer erst ihre Katze und richtete sich schliesslich selber. Bei der späteren Durchsuchung der Wohnung stiessen die Beamten wie erwartet im oberen Stock der zweigeschossigen Wohnung auf eine Hanfanlage.

Alternativen nicht abgeklärt

Der ausserordentliche Staatsanwalt, der Aargauer Christoph Rüedi, wirft den Angeklagten vor, die Alternativen zu einem Eingriff nicht geprüft zu haben. Ihnen sei bewusst gewesen, dass die Rentnerin psychisch krank war, an paranoider Schizophrenie litt und am Morgen vor dem Einsatz einen psychotischen Schub erlitten habe, heisst es in der Anklageschrift.

Zudem seien die Verhandlungen mit der Frau pendent gewesen; noch am Morgen vor der Intervention habe sie um eine Bedenkfrist von einem Tag gebeten. Auch hätten die Beschuldigten wissen müssen oder zumindest in Erfahrung bringen können, dass die Frau engen Kontakt zu ihrem Sohn unterhielt. Dieser hätte sie überzeugen können, die Wohnung zu verlassen.

Trotzdem hätten sich die beiden Polizeichefs entschieden, gewaltsam in die Wohnung einzudringen. Dabei hätten sie nicht nur die Polizisten in Gefahr gebracht. Es sei auch auch vorhersehbar gewesen, dass sich die Frau wie angekündigt mit der Pistole selber umbringen würde.

Sicherheit der Frau vernachlässigt

Als Polizeichefs seien die Angeklagten «zur Aufrechterhaltung der Sicherheit der Menschen verpflichtet», auch der Sicherheit der Rentnerin. Diese Pflicht hätten sie verletzt, indem sie den Auftrag zur Wiederherstellung der Ordnung über die Sicherheit der Frau stellten. Damit sei die Intervention unverhältnismässig und damit auch pflichtwidrig gewesen. (sda)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

1 Hanfsamen provoziert ein Gerichtsverfahren – eine Amtsschimmel-Komödie in 3 Akten

Die Geschichte über ein Strafverfahren wegen eines einzelnen THC-haltigen Hanfsamens.

schreibt Rico Daniel watson. Seine Nachricht trieft vor Schadenfreude. Er hat soeben in einem Verfahren vor Obergericht gegen das Statthalteramt des Bezirks Bülach einen Sieg errungen. Gegen jene Behörde, die vor rund einem Jahr gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet hat. Wegen einem einzelnen Hanfsamen. 

findet Rico Daniel, der die amtlichen Dokumente auf seinem Online-Portal bundesmaus.ch veröffentlicht hat. Darunter das Urteil des Obergerichts vom 31. Juli, den forensischen Bericht über …

Artikel lesen