Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Luzerns höchste Polizisten werden angeklagt – und bleiben weiter im Amt

10.01.17, 17:55 10.01.17, 18:05


ARCHIV --- Adi Achermann, Kommandant Luzerner Polizei, anlaesslich der Medienkonferenz der Staatsanwaltschaft Luzern und der Luzerner Polizei zum Grosseinsatz der Polizei in Malters bei einem Wohnhaus, in welchem sich eine Frau verschanzt und sich das Leben genommen hat am Mittwoch, 9. Maerz 2016, in Emmenbruecke. Gegen Polizeikommandant Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann werde wegen des Einsatzes in Malters Anklage vor Gericht erhoben, teilte das Luzerner Justiz- und Sicherheitsdepartement am Dienstag, 22. November 2016 mit. Das sei aus der Schlusseinvernahme hervorgegangen, sagte Polizeidirektor Paul Winiker in einer Videobotschaft. Er verwies auf die Unschuldsvermutung. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Polizeikommandant Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann (nicht im Bild) werden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.  Bild: KEYSTONE

Der Fall sorgte im Frühjahr 2016 für Aufsehen: Eine Hausstürmung in Malters LU endete mit dem Suizid einer verschanzten Frau. Jetzt hat der ausserordentliche Staatsanwalt Christoph Rüedi entschieden, zwei Polizisten wegen fahrlässiger Tötung anzuklagen. Zuvor hatte der Sohn der Verstorbenen Anzeige eingereicht gegen die Verantwortlichen des Polizeieinsatzes.

Das brisante an dem Entscheid: Bei den angeklagten Polizisten handelt es sich um den Kommandanten der Luzerner Polizei sowie den Kripochef: Die beiden höchsten Ämter, die die Polizei zu besetzen hat.

Rechtsanwalt Gysler, Vertreter des Privatklägers, zeigt sich gegenüber watson zufrieden über den Entscheid, Anklage zu erheben. «Der Beschluss des Staatsanwaltes zeigt ganz klar, dass die beteiligten Polizisten beim Einsatz nicht korrekt gehandelt haben.»

Die beiden beschuldigten Polizeioffiziere reagierten in einem schriftlichen Statement mit «Unverständnis» auf die Anklageerhebung. Sie hätten den Einsatz in Malters nach «bestem Wissen und Gewissen» durchgeführt und sähen es als ihre Aufgabe, «in einer analogen Situation wieder gleich vorzugehen». Sie sähen sich durch die Reaktionen in der Bevölkerung in dieser Haltung bestärkt.

Die Polizeioffiziere erklärten in ihrem Statement weiter, dass sie insgesamt froh seien, dass beim Einsatz keine Polizisten verletzt worden seien. Es seien gefährliche Schüsse abgegeben worden. Sie erinnern an die Hausdurchsuchung von Rehetobel AR von letzter Woche, bei dem zwei Polizisten angeschossen und schwer verletzt worden waren.

Stellungnahme des Luzerner Regierungsrats

Video: YouTube/Kanton Luzern

Der Vorsteher des Justizdepartements, Paul Winiker (SVP), sagte in einer Stellungnahme am Dienstag, die Situation sei nicht nur für die angeklagten Polizisten, sondern für das gesamte Polizeikorps belastend. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gelte jedoch die Unschuldsvermutung. Die beiden Polizisten üben trotz laufenden Verfahrens weiterhin ihre Ämter aus, dürfen jedoch keine «heiklen Einsätze» mehr leisten. Diese Massnahme, die der Regierungsrat bei Aufnahme der Ermittlungen beschlossen hatte, werde auch jetzt beibehalten, so Winiker. 

Mit diesem Entscheid hatte sich der Luzerner Justizdirektor von verschiedenen Seiten Kritik eingehandelt – Kritik, die so schnell nicht verebben dürfte. Rechtsanwalt Gysler spricht gegenüber watson von einer «de facto führerlosen Polizei». Und aus Polizeikreisen verlautet die Forderung nach einem klaren Bekenntnis zu den beiden höchsten Polizeioffizieren: Die aktuelle Regelung schaffe ein Klima des Misstrauens, sagt ein ehemaliger Polizeikommandant in der «Luzerner Zeitung».

Fall Malters

Beim Polizeieinsatz im März 2016 in Malters hatte sich eine 65-jährige Frau während 17 Stunden in einer Wohnung verschanzt. Sie wehrte sich mit Waffengewalt gegen die Aushebung einer Hanfanlage ihres Sohnes. Die Luzerner Polizei entschied, die Wohnung durch die Zentralschweizer Sondereinheit Luchs stürmen zu lassen. Die Polizisten fanden die Frau leblos im Badezimmer vor. Sie hatte sich selbst erschossen. (sda)

Im Hinblick auf den Prozess gibt sich Gysler grundsätzlich zuversichtlich: «Es liegen handfeste Vorwürfe auf dem Tisch, die eigentlich zu einer Verurteilung führen müssten.» 

Wann die Verhandlung gegen den Kommandanten und den Kripochef stattfinden wird, ist unklar. Der Staatsanwalt Rüedi sagt auf Anfrage, er erwarte, dass der Prozess noch dieses Jahr über die Bühne gehe. (wst)

Mit Material der sda

Das könnte dich auch interessieren:

Ein Sprint über 42.195 Kilometer: Wie kann ein Mensch so schnell sein?

Du fängst also an zu studieren? Diese 7 Überlebenstipps wirst du brauchen

präsentiert von

Viraler Post: Nein, du siehst auf Facebook nicht nur 25 Freunde

Insgesamt leben mehr Männer als Frauen auf der Welt – aber wie sieht's pro Land aus?

Ein Pausen-Rücktritt, zwei One-Hand-Catches und 6½ weitere NFL-Highlights des Wochenendes

Ist diese Familie der schlimmste Drogen-Dealer der USA? 

Studentin ist auf dem Weg zum ganz grossen Coup – dann kommt diese knifflige Frage

Warum beim Hurrikan «Florence» das Worst-Case-Szenario droht

Von Mimose zu Mimose: Ein offener Brief

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

24
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sir_kusi 10.01.2017 23:58
    Highlight Laut Regierungsrat http://mobile.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/luzern/Fall-Malters-Paul-Winiker-verteidigt-sein-Vorgehen;art9647,902538 leiten die beiden keine Einsätze und hatten wohl im Fall Malters nur "Nebenrollen". Warum wird trotzdem gegen sie ermittelt? Einfach weil sie "Chef" sind?
    13 2 Melden
  • Dusel 10.01.2017 23:46
    Highlight Nicht, dass es direkt was damit zu tun hätte, aber ist der Sohn, der jetzt anklagt, derselbe der seiner psychisch kranken Mama eine Hanfplantage in die Wohnung gestellt hat?
    19 8 Melden
    • JonathanFrakes 11.01.2017 10:05
      Highlight Der Staatsanwalt hat angeklagt, nicht der Sohn.
      5 0 Melden
  • zialo 10.01.2017 22:26
    Highlight Gäbe es diese unsinnige Kriminalisierung bei Cannabis nicht, wäre die Polizei nicht ausgerückt. Es hätte sich möglicherweise auch keine Waffe im Haus der Rentnerin befunden oder die Person wäre nicht so verzweifelt gewesen, auf Polizisten zu schiessen. Leider wird dies in der Untersuchung dann alles ausgeblendet.
    24 24 Melden
  • taisho-corer 10.01.2017 18:50
    Highlight Absolut korrekt. Etwas ist schiefgelaufen und ein Gericht soll es klären. Es ist niemand verurteilt. Es zeichnet einen gesunden Rechtsstaat aus wenn es auch für die Polizei Konsequenzen gibt bei Fehlverhalten. Also bitte einfach mal abwarten bevor wieder gegen die Behörden gewettert wird.
    48 7 Melden
  • ostpol76 10.01.2017 18:47
    Highlight Häääää?

    Ja was muss den alles noch geschehen, damit die Polizei eingreifen darf?
    Vielleicht könnte uns der ehrenwerte Staatsanwalt dies mal erklären?
    36 24 Melden
    • trio 10.01.2017 22:26
      Highlight Es geht soviel ich weiss nicht um den Zugriff, sondern um den nicht beachteten Wunsch der Mutter, mit dem Sohn sprechen zu können.
      14 8 Melden
  • Tiger9 10.01.2017 18:19
    Highlight 1. Person verteidigt Hanfplantage mit Waffengewalt, schiesst dabei gezielt auf Menschen (Einsatzkräfte).
    2. Polizei stürmt Haus, nach 17 Stunden (!) Warten mit Verhandlungsversuchen.
    3. Täter tötet sich selbst.
    Quiz-Frage: Wer hat Schuld?
    Die Polizei natürlich, ist ja klar.

    Manchmal verstehe ich die Welt (und unsere Staatsanwaltschaft) einfach nicht.
    87 34 Melden
    • SemperFi 10.01.2017 18:44
      Highlight Da müssen Sie nicht verzweifeln. Sie brauchen nicht alles zu verstehen. Deshalb sind Sie ja nicht Jurist.
      32 43 Melden
    • Steampunk 10.01.2017 18:48
      Highlight Schlussendlich gehe ich ja von einem Freispruch für die beiden aus und denke, dass die Anklage zu einem grossen Teil eine Signalwirkung erzielen und ein funktionierendes System aufzeigen soll.

      🐈
      29 8 Melden
    • John Smith (2) 10.01.2017 19:53
      Highlight Offenbar verstehen Sie sogar unser ganzes Rechtssystem nicht. Die Staatsanwaltschaft ist nicht das Gericht. Die Staatsanwaltschaft MUSS anklagen, sobald auch nur der geringste Zweifel an der Unschuld besteht. Und wenn die Unschuldsvermutung für Sie nicht nur eine Worthülse wäre sondern Sie sie ernst nehmen würden, dann sähen Sie in dieser Anklage auch kein Problem. Interessant wird dann das Urteil sein – falls es die Journalisten ausnahmsweise schaffen, die Begründung einigermassen wahrheitsgetreu rüber zu bringen.
      31 2 Melden
    • Froggr 10.01.2017 20:03
      Highlight Rendel: Hallo?? Sie hat auf die Polizisten geschossen. Da haben die wahrscheinlich tatsächlich besseres zu tun, als noch sinnlos andere Menschen in Gefahr zu bringen. (Verwante usw.)
      22 17 Melden
    • Hippie-ster 10.01.2017 20:40
      Highlight Wir müssen das zum Glück auch nicht - auf Basis eines kurzen Artikels - verstehen.

      Das Gericht wird jetzt seine Arbeit machen und wir werden sehen.
      16 1 Melden
    • Madison Pierce 10.01.2017 21:07
      Highlight Die Staatsanwaltschaft muss Anklage erheben, wenn der Verdacht eines unkorrekten Verhaltens besteht ("in dubio pro duriore"). "In dubio pro reo" gilt erst für das Gericht. Damit soll sichergestellt werden, dass Richter urteilen und nicht die Staatsanwaltschaft Verfahren vorzeitig einstellt. Und deshalb gibt es auch die Unschuldsvermutung.

      Leider verstehen das viele Leute nicht. Angeklagt heisst nicht verurteilt.

      Falls sie verurteilt werden, bin ich mit Deiner Argumentation voll einverstanden, das wäre ein Skandal.
      16 8 Melden

Frauen sind selber schuld an der Gewalt – wenn man diesen 9 Boulevard-Schlagzeilen glaubt

Seit einem brutalen Angriff auf fünf Frauen vor einem Nachtclub in Genf in der vergangenen Woche diskutiert die Schweiz über Gewalt gegen Frauen.

Auch in den Medien nimmt das Thema viel Raum ein. Der «Blick» etwa widmet ihm von Dienstag bis Donnerstag von Tag zu Tag mehr Platz auf der Titelseite (pink umrandet). Rasch fokussierte er auf die Frage, ob bei Gewalt gegen Frauen besonders Ausländer als Täter im Vordergrund stehen.

Über Gewalt gegen Frauen und deren Ursachen wird in den Medien …

Artikel lesen