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Presserat zur Zuger Sexaffäre: «Blick» verletzt Privatsphäre von Spiess-Hegglin

28.06.16, 12:37 28.06.16, 12:50


Die Zuger Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin, Piratenpartei, spricht mit einem Journalisten von Tele Zueri vor dem Bezirksgericht in Zuerich am Dienstag, 28. Juni 2016. Weltwoche Redaktor Philipp Gut muss beweisen, dass seine Vorwuerfe gegen die Professoren Philipp Sarasin und Svenja Goltermann der Wahrheit entsprechen. Gut warf und wirft Philipp Sarasin vor, er habe schon vor dem Berufungsverfahren zur Neubesetzung des Lehrstuhls fuer Geschichte der Neuzeit an der Uni Zuerich eine Liebesbeziehung mit Svenja Goltermann unterhalten, jener Frau also, die den Lehrstuhl schliesslich erhielt. Sarasins Vergehen: Er habe das Verhaeltnis gegenueber den Verantwortlichen der Uni verschwiegen und sei in jenem Berufungsverfahren auch nicht in den Ausstand getreten. (KEYSTONE/Walter Bieri)

«Blick» verletzte ihre Privatsphäre: Jolanda Spiess-Hegglin.
Bild: KEYSTONE

Die Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin hat vom Presserat Recht erhalten. Der «Blick» habe mit dem Artikel «Sex-Skandal um SVP-Politiker» vom 24. Dezember 2014 den Opferschutz missachtet und die Privat- und Intimsphäre der Politikerin verletzt.

«Blick» veröffentlichte die vollen Namen und Porträt-Bilder der beiden mutmasslichen Beteiligten und fragte: «Hat er sie geschändet?» Auch SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann hatte sich wegen diesem und weiteren im «Blick» veröffentlichten Artikeln beim Presserat beschwert.

Mit ihrem ersten Artikel zur sogenannten Zuger Sex-Affäre habe die Zeitung den Journalistenkodex in mehreren Punkten verletzt, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Presserats.

Opferschutz verletzt

Da «Blick» offensichtlich davon ausgegangen sei, dass es möglicherweise zu einem Sexualdelikt gekommen sei, habe er mit der Identifizierung des mutmasslichen Opfers den Opferschutz verletzt.

Mit der späteren Einstellung des Verfahrens ist rechtskräftig festgestellt, dass kein Sexualdelikt vorliegt. Ein möglicher sexueller Kontakt gehört nach Auffassung des Presserats eindeutig in den Bereich der geschützten Intimsphäre. Ein «entgegengesetztes überwiegendes öffentliches Interesse besteht in der Regel nicht», schreibt der Presserat.

«Blick» hatte geltend gemacht, dass ein intimer Kontakt zwischen der damaligen Co-Präsidentin der Alternative/die Grünen und dem damaligen SVP-Kantonalpräsidenten eine Dimension habe, die den Vorgang über den privaten Bereich hinaushebe.

Dieser Argumentation folgte der Presserat jedoch nicht. Der «Blick» habe Privat- und Intimsphäre von Spiess-Hegglin verletzt. Auch dass sie sich später selbst in der Öffentlichkeit zu Wort meldete, lässt der Presserat nicht als Rechtfertigung gelten.

Auch Hürlimanns Beschwerde gutgeheissen

Auch die Beschwerde von Markus Hürlimann gegen mehrere «Blick»-Artikel hiess der Presserat teilweise gut. So stellt er fest, dass «Blick» die Privat- und Intimsphäre verletzt, unüberprüfbare Gerüchte publiziert und den Angeschuldigten nicht zu Vorwürfen angehört habe. «Was hinter verschlossenen Türen stattfand, kann nicht Gegenstand der medialen Berichterstattung sein», schreibt der Presserat.

Der Zuger SVP Kantonsrat Markus Huerlimann spricht an der Medienkonferenz zur

Beschwerde teilweise gutgeheissen: Markus Hürlimann. 
Bild: KEYSTONE

Hingegen durfte der «Blick» darüber berichten, dass Hürlimann vorübergehend wegen des Verdachts auf ein Sexualdelikt inhaftiert wurde. Dies ist laut Presserat ohne Zweifel von öffentlichem Interesse. Allerdings hätte Hürlimann zu diesen schweren Vorwürfen angehört werden müssen. Dass er über Nacht in Haft war, sei kein Grund gewesen, auf diese Anhörung zu verzichten.

Affäre rechtlich abgeschlossen

Am Morgen nach der Landammann-Feier im Dezember 2014 war Jolanda Spiess-Hegglin gemäss eigenen Angaben ohne Erinnerungen an den vorigen Abend und mit Unterleibsschmerzen ins Spital gegangen. Ihr Kantonsratskollege Markus Hürlimann geriet daraufhin in den Verdacht, sie mit K.-o.-Tropfen gefügig gemacht zu haben.

Hürlimann hatte dies stets bestritten. Es habe zwar eine Annäherung gegeben, diese sei jedoch einvernehmlich erfolgt. Rechtlich ist die Affäre abgeschlossen. Das Verfahren gegen Hürlimann wurde im vergangenen September eingestellt. (sda)

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Klaus K. 28.06.2016 22:37
    Highlight Na also. Wollte schon sagen, dass schon lange nichts mehr zu diesem interessanten Thema gebracht wurde. Danke schön.
    6 4 Melden
  • Spooky 28.06.2016 21:09
    Highlight Ich habe keine Ahnung, wieso es auf Watson soviele hässige Kommentare gibt gegenüber dieser mutigen Frau, die es wagt, ganz allein gegen die Machos in der SVP zu kämpfen. Habe ich etwas nicht mitgekriegt? Ist Watson frauenfeindlich?
    8 16 Melden
  • Mia_san_mia 28.06.2016 17:51
    Highlight Oh die gibts ja auch noch :-)
    11 2 Melden
  • Valindra Valindragam 28.06.2016 16:33
    Highlight Bitte spülen nach dem Toilettengang, danke. Es hat auch noch ein Bürstli wenn's wieder mal ein wenig flüssiger war als auch schon, da freut sich der Nächste! Alles Gute Frau Spiess Hegglin...
    12 6 Melden
  • reputationscoach 28.06.2016 12:47
    Highlight Steter Tropfen höhlt den Stein.
    8 8 Melden
    • Alex_Steiner 28.06.2016 16:17
      Highlight "Blick" ist schon hohl genug...
      15 5 Melden
    • reputationscoach 28.06.2016 17:03
      Highlight Ja Herr Steiner, also das finde ich des öftern auch:-)
      2 4 Melden

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