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Ausgerechnet die «Tierwelt» ist Sponsor eines umstrittenen Hundeflüsterers

Dass ausgerechnet die «Tierwelt» als Medienpartner der Live-Show des umstrittenen Hundeflüsterers Cesar Millan im Hallenstadion auftritt, sorgt für Entrüstung.

26.10.17, 08:41 26.10.17, 09:40

Roman Huber / Nordwestschweiz



Die ersten Auseinandersetzungen wegen der Show «Once upon a dog», mit der Cesar Millan am 28. April 2018 ins Zürcher Hallenstadion kommen wird, haben bereits stattgefunden. So hatte sich die Zeitschrift «Hunde», das Magazin der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG), in der jüngsten Ausgabe dafür entschuldigt, dass sie in der Ausgabe zuvor ein Inserat für die Show abgedruckt hatte. «Dieses Inserat hätte nicht erscheinen dürfen», hiess es. Und weiter: Die SKG distanziere sich ganz klar von Millans Methoden.

FILE - This Aug. 19, 2006 file photo shows television personality and dog psychologist Cesar Milan arrives for the Creative Arts Emmy Awards in Los Angeles. An online complaint of animal cruelty led authorities to

Hundeflüsterers Cesar Millan Methoden sind umstrittenen. Bild: AP/AP

Jetzt rumort es wegen des Mediensponsorings der «Tierwelt» in Hundekreisen, aber auch bei Tierschutz-Organisationen. Beispielsweise beim Schweizer Tierschutz: Schon mehrfach zu Diskussionen Anlass hätten gewisse Inserate bei der «Tierwelt», und jetzt auch die Medienpartnerschaft derselben bei der Millan-Show gegeben, sagt Julika Fitzi, Leiterin Bereich Hunde, beim Schweizer Tierschutz.

«Auch wenn in der Redaktion offensichtlich eine andere Einstellung herrscht, so finden wir dieses Engagement, wenn nicht problematisch, so doch unsensibel», sagt die Veterinärmedizinerin in Diensten des Tierschutzes. «Wir werden sicher zu gegebener Zeit vor der Show im Hallenstadion auf unsere Bedenken gegen die Techniken von Cesar Millan aus Tierschutz-Sicht hinweisen.»

«Tierwelt»-Redaktion nicht erfreut

Das Mediensponsoring hat aber auch in Zofingen, am «Tierwelt»-Standort einiges zu reden gegeben, und zwar intern. Die «Tierwelt» habe bereits beim ersten Auftritt von Cesar Millan vor drei Jahren in Zürich umfangreich und auch kritisch berichtet, sagt Chefredaktor Simon Koechlin. Er selber sei gegen die Medienpartnerschaft der «Tierwelt» gewesen: «In der Redaktion hatten wir uns darüber nicht gefreut, denn Millans Methoden sind nun mal sehr umstritten.» Es sei jetzt für die Redaktion auch schwierig, nach aussen weiterhin objektiv und neutral zu wirken.

Auch die Stiftung Tier im Recht stört sich am Medien-Engagement. Zu Millan selber erklärt Nora Flückiger, juristische Mitarbeiterin bei Tier im Recht: «Die anlässlich der Werbeveranstaltung am vergangenen Montag getätigten Aussagen von Cesar Millan waren tierschutzrechtlich unproblematisch, wenn auch teilweise wenig aussagekräftig.»

Die Schwierigkeit liege eher im konkreten Umgang mit den Hunden. Wenn der Trainer – wie in seiner Sendung etwa zu erkennen ist – die Tiere in Angst versetzt, ihnen Schmerzen zufügt oder sie mittels spezieller Halsbänder würgt. Solche Methoden sind tierschutzrechtswidrig und in der Schweiz unzulässig.

Hier benutzt Cesar Millan ein Würgehalsband, provoziert erst den Hund und traktiert ihn dann, bis er aufgibt.

Video: © Youtube/Claudia Estanislau

Wenn Cesar Millan durch Europa tourt, dann hagelt es überall Proteste. Doch meistens können sich die Veranstalter durchsetzen. In Hannover allerdings wurde ihm der Auftritt vor drei Jahren verboten. Millan musste vorher die Sachkundeprüfung für Hundetrainer absolvieren – und fiel durch. Aus fachlicher Sicht, nicht etwa wegen Sprachproblemen, wie damals betont wurde.

Als Cesar Millans Live-Show vor drei Jahren in der Schweiz angekündigt worden war, gab es bereits einige Proteste. Verschiedene Organisationen wollten den Auftritt des US-Amerikaners verhindern. Das Zürcher Veterinäramt schaltete sich ein und prüfte die Show. Doch diese läuft für Hunde meistens glimpflich ab. Millan will auf der Bühne dem Menschen die richtige Einstellung zum Hund vermitteln.

Von seinen Praktiken, wie er sie jeweils in den TV-Shows zeigt, davon gibt es auf der Bühne nichts zu sehen: keine Würgehalsbänder, keine Elektrohalsbänder, keine Kicks mit dem Absatz in den Hinterleib des Hundes. Auf der Bühne sind die Hunde Teil der Show. Ob ihre Anwesenheit dort auch dem neuen Artikel 12 im Tierschutzgesetz entspricht – Tiere dürfen nicht übermässigem Lärm ausgesetzt werden – wird wohl noch geprüft.

Hundeflüsterer Cesar Millan im Youtube-Video: «Showdown with Holly»

   Video: © youtube

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • NuraNett 26.10.2017 16:57
    Highlight Naja, die Tierwelt ist ja auch eng mit "Kleintiere Schweiz" verbunden. Sie unterstützt somit das Ausstellen von Tieren in kleinsten Käfigen sowie das gezielte Züchten. Es wundert mich daher nicht, dass sie auch Millan unterstützen.
    3 0 Melden
  • olmabrotwurschtmitbürli 26.10.2017 10:07
    Highlight Ist das nicht die Zeitung mit dem Inserateteil, wo man unkompliziert an Schiesseisen kommt?

    20 2 Melden
  • Bruno S. 88 26.10.2017 09:24
    Highlight Hunde sind keine Menschen! Ein Hund ist auch kein "Baby" und der Halter nicht der "Papi" oder das "Mami". Wer das nicht so sieht, hat selbstverständlich kein Verständnis für Cesars Methoden.
    Ich schaue gerne seine TV-Show im Fernsehen. Auch wenn die Methoden zum Teil hart erscheinen, sie funktionieren! Die Hunde sind danach ausgeglichener und glücklicher als die kleinen Chihuahuas die als Accessoire in der Tasche getragen werden!
    60 34 Melden
    • Tomjumper 26.10.2017 10:08
      Highlight Ich arbeite seit Jahren als Privathundetrainer und ich kann dir sagen, seine Methoden funktionieren langfristig nicht. Es sind nur Tricks die er anwendet. Ein seriöser Trainer vermeidet esden Hund eines Kunden selber zu führen, da die Körpersprache des Trainers für den Hund einfacher zu lesen ist funktioniert es bei ihm. Auch ängstliche Hunde noch mehr zu verunsichern, damit sie aufgeben ist dumm und gefährlich, da man so einen Anstbeisser erzieht. Harte Methoden sollten nur von Profis mit richtiger Ausbildung angewannt werden und nicht von Hobbyzauberern.
      35 11 Melden
    • ma vaff... 26.10.2017 10:14
      Highlight Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber deine Aussage ist extrem widerlich...
      Ich habe ein Hund und arbeite mit ihm... (Trüffel und Mantrailing)
      Und du hast so was von gar keiner Ahnung wie man mit Tieren arbeitet.
      Absolut erbärmlich.
      Noch nicht einmal habe ich beim Arbeiten meinen Hund auch nur berührt.
      25 11 Melden
    • Schnueffelix 26.10.2017 10:37
      Highlight Das hat rein gar nichts mit einer Vermenschlichung zu tun. Die Methoden, die dieses Individuum anwendet sind meines erachtens ethisch nicht vertretbar, egal aus welchem "Grund".
      Es gibt unzählige bessere und vor allem tiergerechtere Methoden, um einen Problemhund zu resozialisieren. Dauert halt entsprechend länger, ist dafür aber nachhaltiger als einen Hund zu brechen und ihn mit gewalttätigen Methoden in den "Kadavergehorsam" zu zwingen.
      Artgerechte Erziehung und führung heisst in erster linie Konsequenz, innere Ausgeglichenheit des Halters und saubere Strukturierung und Kommunikation.
      26 8 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • urano 26.10.2017 09:08
    Highlight könnte es sein, dass viele Hundetrainer und Tierschützer etwas neidisch über den Erfolgvon Cesar Milan sind ?
    39 36 Melden
    • Tomjumper 26.10.2017 10:31
      Highlight Nur wenn sie keine Ahnung von richtigem Hundetraining haben.
      25 9 Melden
  • .:|Caballito de Mantequilla|:. 26.10.2017 09:04
    Highlight Du suchst Kontakt zu heissen "Hausfrauen"?
    Du suchst eine Knarre?
    Du suchst krasses Auto?
    Du suchst Bausatz für A-Bombe?

    Kauf dir die Tierwelt!
    21 3 Melden
  • Linksanwalt 26.10.2017 08:58
    Highlight Traurig, dass es ein solcher Mann mit Fusstritten und Elektroschockern an die Spitze der «Hundeflüsterer» geschafft hat. Es gibt so viele Trainer, die mit hundegerechtem Training zum Ziel kommen.
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