Schweiz
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Das Anzeigevolumen der Schweizer Presse ist im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,8 Prozent eingebrochen. Den bisher massivsten Rueckgang mussten mit 43 Prozent die Stelleninsarate hinnehmen. Die kommerziellen Anzeigen gingen um 11 Prozent zurueck.(KEYSTONE/Walter Bieri)

Unruhe unter Journalistinnen und Journalisten. Bild: KEYSTONE

Aufstand der Schweizer Journalistinnen: «Macht's doch einfach, stellt mehr Frauen an!»

Gibt es zu wenig Chefredaktorinnen? 60 Journalistinnen und Journalisten finden ja und kritisieren jene in einem offenen Brief scharf, die mangelnde Frauenförderung mit «Ausreden» begründen.

09.03.15, 09:24 09.03.15, 12:13


In der Medienbranche rumort es. Wie persoenlich.com schreibt, haben pünktlich zum internationalen Tag der Frau 60 Journalistinnen und Journalisten verschiedener Verlage einen offenen Brief an Tages-Anzeiger-Chef Res Strehle und an andere Schweizer Verleger veröffentlicht. Ihre Empörung liest sich bereits deutlich im ersten Satz: «Wir haben genug!» 

Die Unterzeichner des offenen Briefs prangern an, dass im Jahr 2015 eine Chefredaktorin noch immer Seltenheitswert habe. Sie kritisieren die «Ausreden» und «Versprechungen» und attackieren direkt «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor Res Strehle. Dieser nahm sich vor eineinhalb Jahren noch vor, bis 2016 in seiner Chefredaktion einen Frauenanteil von 30 Prozent zu erreichen.

In einem Interview von letzter Woche mit persoenlich.com nannte Strehle verschiedene Gründe, wieso es schwierig sei, geeignete Frauen zu finden: Im «newsgetriebenen Tagesjournalismus», der oft hektisch und sehr stressig sei, sei es schwierig Frauen mit Erfahrung zu finden.

Unterzeichnerinnen

«Macht's doch einfach, stellt mehr Frauen an!»

Für die 60 Journalistinnen und Journalisten, die den offenen Brief unterzeichnet haben, sind solche Gründe nur «Ausreden». In der Schweiz gebe es genügend gut ausgebildete Journalistinnen, die «hervorragende Arbeit» leisten. Wenn man den Frauenanteil in Führungsorganen erhöhen will, reiche es nicht, «zu warten, bis sich die Frauen in die Redaktion verirren». Man müsse dafür auch etwas tun, schreiben die Erstunterzeichner in dem offenen Brief.

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Mitunterzeichnerin ist unteranderem Andrea Bleicher, stellvertretende Chefredaktorin der Sonntagszeitung. Bleicher reagierte bereits letzte Woche in einer Kolumne auf Res Strehles Interview und bezeichnete seine Ausführungen als «totalen Bullshit». Sie forderte scharfzüngig: «Macht's doch einfach, stellt mehr Frauen an! Hört endlich auf zu labern.»

Res Strehles Interview führte auf Twitter indes zu scharfer Kritik. 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Herr Hasler 09.03.2015 12:49
    Highlight Schon die Hauptaussage der Journalistinnen zeigt wo das Problem ist. Bei den Frauen selber. Sie schreiben aus einer Forderungshaltung, sie machen sich abhängig von anderen. Wer Chefredaktorin werden will muss liefern und nicht fordern. Gut zu sehen auch daran, dass Frauen in Führungspositionen oft gegen die Quote sind. Denn sie wissen, dass sie durch Leistung und nicht durch Forderung dahin gekommen sind.
    12 9 Melden
    • Petar Marjanović 09.03.2015 12:55
      Highlight «Gut zu sehen auch daran, dass Frauen in Führungspositionen oft gegen die Quote sind» … hast du mir dazu ein Beispiel? Eine Quelle?
      10 8 Melden
    • danbla 09.03.2015 15:50
      Highlight z.B. meine Freundin. Mehr brauchst du nicht zu wissen. Aber ist so.
      8 5 Melden
    • Alnothur 09.03.2015 18:25
      Highlight z.B. auch Nayla Hayek und Marissa Mayer.
      8 0 Melden
  • Bruno Wüthrich 09.03.2015 11:04
    Highlight Ich sehe es schon kommen: Für eine Stelle (ob als Chefredaktorin oder als Führungsperson in der Wirtschaft) bewerben sich 20 mehr oder weniger fähige Männer und keine einzige Frau. Aber weil man jetzt ums Verrecken eine Frau auf diesem Posten will, wird eine dazu überredet, die es eigentlich gar nicht machen wollte.
    Ich behaupte, von den mitunterzeichnenden Männern war kein einziger dabei, der sich gerade um eine Stelle beworben hat. Denn sonst hätte keiner dieser verlogenen, scheinheiligen Kerle ein solches Schreiben unterzeichnet.
    Einfach nicht ernst nehmen!
    21 14 Melden
    • Petar Marjanović 09.03.2015 11:09
      Highlight Eine Unterzeichnerin, die Frau Bleicher, war Chefredaktorin ad interim beim Blick – und ist es heute nicht mehr. Viele Frauen die den Brief mitunterzeichnet haben, haben zwar leitende Funktionen, meist aber im mittleren Kader bzw. in Stv.-Funktion. Wirklich weibliche Chefredaktorinnen gibt's wenige. Über einzelne Personen darf man immer diskutieren – so finde ich die Kritik aber zu pauschal.
      15 9 Melden
    • Bruno Wüthrich 09.03.2015 12:45
      Highlight Die Kritik mag möglicherweise zu krass sein. Trotzdem ist es so, dass da Dinge gefordert werden, welche die Damen und Herren Journlisten - wie übrigens so oft - nicht zu Ende gedacht haben. Es sind nicht einfach nur zu wenige Frauen in Chefpositionen. Es sind auch zu wenige, die sich darum bewerben. Wenn wir irgendwann die Situation haben, dass sich 100 Frauen und 100 Männer mit ähnlicher Qualifikation um 10 leitende Stellen bewerben, und diese danach überwiegend mit Männern besetzt werden, müssen wir uns vertiefter Gedanken machen. Vorher nicht. Alles andere ist Zwängerei.
      13 3 Melden
    • Petar Marjanović 09.03.2015 12:54
      Highlight «wie übrigens so oft» … nochmals so eine pauschale Verurteilung. Wie kommst du darauf? Nochmals: Wir können jederzeit über die einzelnen Qualifikationen sprechen. Wir können jederzeit über konkrete Kritik diskutieren. Aber solche Pauschalisierungen tragen kaum dazu bei, dass eine Diskussion konstruktiv geführt wird.
      9 7 Melden
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