Schweiz

Alles Mist ausser Radio und «NZZ»

Kurt Imhof stellt fest: Online-Journalismus ist schlecht, bleibt schlecht, ist irrelevant und beleuchtet keinerlei Hintergründe

27.10.14, 12:06 27.10.14, 12:39

Die Schweizer Medien berichten immer weniger über relevante Themen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Reduziert hat sich auch die Leistung, Ereignisse einzuordnen. Zu diesem Schluss kommt das Jahrbuch 2014 Qualität der Medien Schweiz.

Insgesamt sei die Qualität in den Schweizer Medien 2013 weiter erodiert, lautet – nicht zum ersten Mal – der Hauptbefund des Jahrbuches, dessen fünfte Ausgabe am Montag vorgestellt wurde. Grund dafür seien die sinkenden finanziellen Mittel für vielfältigen Informationsjournalismus. «Qualität wird ökonomisch nicht belohnt.»

Die Medienbudgets der Konsumenten wachsen laut den Studienautoren zwar, die Ausgaben für rein journalistische Produkte dagegen sinken. Diese «ausgeprägte Gratiskultur» zeige sich auch darin, dass die Schweiz bei der Einführung von Bezahlschranken («Paywalls») weit zurückliege.

Kurt Imhof verteilt schlechte Noten an die Online-, Boulevard- und Gratismedien. Bild: KEYSTONE

Unter dem Druck der Sparrunden in Medienhäusern sinke auch die Einordnungsleistung. Bei den Abonnementszeitungen zeige sich der finanzielle Aderlass darin, dass sowohl der Umfang der Blätter als auch der Anteil der Eigenleistungen schrumpfe.

Stattdessen setzten Medien immer stärker auf sogenannte Soft- statt auf Hardnews. Sport- und Human-Interest-Geschichten verdrängten sachliche Berichte von politischer oder wirtschaftlicher Relevanz. Begünstigt werde die Entwicklung durch den wachsenden mobilen Konsum, bei dem Softnews klar im Vordergrund stünden.

Resultate umstritten

Die Forscher haben Medien aller Gattungen auf die Qualitätskriterien Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität untersucht.

Am besten schneidet in dieser Hinsicht das öffentliche Radio ab. Dahinter folgen überregionalen Abonnementszeitungen wie die «Neue Zürcher Zeitung» und «Le Temps», die Sonntagszeitungen und das öffentliche Fernsehen. Schlechte Noten geben die Autoren erneut den Online-, Boulevard- und Gratiszeitungen.

Das Jahrbuch 2014 «Qualität der Medien Schweiz Suisse Svizzera» wurde vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich um den Soziologen Kurt Imhof verfasst. Es ist in der Medienbranche umstritten. So erklärte der Verband Schweizer Medien letztes Jahr, das Jahrbuch stelle kein «brauchbarer Gradmesser» für den Zustand der Medien dar. (wst/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 27.10.2014 19:05
    Highlight Watson muss die Kritik nicht fürchten, denn ihr betreibt guten, erfrischenden Journalismus! Danke an das ganze Watson Team!
    2 0 Melden
  • JayAge 27.10.2014 18:27
    Highlight Der oder die Titelgeber/in bricht den Bericht aber etwas gar einfach herunter und zieht das Ganze damit ins Lächerliche. Vielleicht sollten die Damen und Herren Medienmacher mal damit aufhören, sich sofort betupft zu geben und die Relevanz wissenschaftlicher Untersuche kleinzureden.

    Stattdessen könnte man vom Elfenbeinturm steigen und sich darum bemühen, eine Brücke zu schlagen und zusammen mit den Doktoren und Professoren an einer Zukunft zu arbeiten, die über Fast Food in Text- und GIF-Form hinausgeht.

    PS: Mein "guilty pleasure" watson mag ich natürlich trotzdem. ;-)
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.10.2014 15:18
    Highlight Alles Mist ausser Radio und «NZZ»


    :) wolltet ihr nicht grösser schreiben was ;)?
    4 0 Melden
  • Iwan THE Zar 27.10.2014 14:26
    Highlight Also ein bisschen lustig ist es schon, dass ausgerechnet dieser Artikel von der SDA übernommen wurde (und somit auf zig anderen Portalen wortgleich zu lesen ist). Von wegen Eigenleistung und so: Ist vielleicht das gemeint?
    16 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.10.2014 14:21
    Highlight Online-Journalismus heute ist vorallem abschreiben, abschreiben...abschreiben. Echte "Eigenleistungen" fehlen fast gänzlich.
    6 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.10.2014 14:08
    Highlight "Es ist in der Medienbranche umstritten." Ist das nicht zu erwarten ?

    Ich fuer meinen teil bin gerne bereit fuer journalistische leistung zu bezahlen. Aus diesem grund habe ich auch seit jahren eine grosse print wochenzeitung und eine online tageszeitung im abo (nicht CH).

    Allerdings bin ich nicht bereit fuer gefaerbte, ob nun links oder rechtslastige kommentare der damen und herren redaktoren zu bezahlen. Die qualitaet der CH zeitungen die sich hinter paywall "verstecken" ebenso wie das zwangsgebuehrenfinanzierte R/TV wage ich als sehr stark verbesserungsfaehig zu bezeichnen.
    5 0 Melden
  • Zeit_Genosse 27.10.2014 13:56
    Highlight Eigentlich nichts neues. Bei der Kategorie "Softnews" sind die Gratismedien on-/offline und Boulevard führend und Relevanz ist relativ bis man es an etwas festmacht und so die Studie definiert. Wenn ich Autos nach der Kofferraumgrösse und dem Spritverbrauch definiere, sind potente Sportwagen natürlich out of range und aus Befragungssicht "Mist". Doch dieser "Mist" kann auch Freude bereiten und unterhalten. Aber wir haben natürlich verstanden, was man uns sagen möchte. Und wo sieht der Imhof watson.ch als Gratis-Online-Medium? Das müsste ja "Super-Mist" sein, ist es aber nicht.
    6 0 Melden

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