Schweiz
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Die Schimmel-Asylunterkunft schockierte die Schweiz – jetzt wird das Haus teilsaniert

Vor rund zwei Wochen sorgten die watson-Bilder von den verschimmelten und dreckigen Wänden, Toiletten und Kücheneinrichtungen in der Schweiz für Furore. Die Ekel-Fotos aus dem Asylheim werfen Fragen auf. Neun Antworten.

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung



Die Asylunterkunft Holderbank war nie eine Vorzeigeeinrichtung. Vom «Blick» einst als «schlimmstes Asylheim der Schweiz» betitelt, schafft es die Unterkunft wegen regelmässigen Razzien, Drogendeals und Gewaltexzessen immer mal wieder in die Schlagzeilen.

Und kürzlich schockierten die Bilder, die watson vor gut zwei Wochen machte: Kaputte Einrichtung, Dreck, Schimmel. Und jede Menge grüner Algen, besonders in den Waschräumen.

«Menschenunwürdig» und «gschämig für Departementsvorsteherin Susanne Hochuli», fanden das die einen Leser. «Da muss man halt lüften», «Sollen die Bewohner doch selber putzen, sie haben ja Zeit», sagten andere. Selbst in der «Arena» vergangenen Freitag waren die Zustände in der Unterkunft ein Thema und veranlassten Nationalrat Andreas Glarner zum Seitenhieb gegen Hochuli.

Meinungen zu den Zuständen in der Asylunterkunft Holderbank gibt es fraglos viele. Aber auch offene Fragen.

1. Wer lebt denn nun in diesem alten, zweistöckigen Haus?
In der fraglichen Unterkunft leben rund 30 abgewiesene männliche Asylbewerber aus allen Teilen der Welt – Nigeria, Somalia, Afghanistan. Sie wären ausreisepflichtig, müssten also die Schweiz verlassen. Pro Tag erhalten sie Fr. 7.50 Nothilfe.

Asylunterkunft Holderbank

2.  watson-Reporterin Rafaela Roth äusserte die Vermutung, die abgewiesenen Asylsuchenden würden doch ihre paar wenigen Franken nicht für Putzmittel ausgeben wollen. Müssen sie wirklich selber Lappen, Besen und Seife für ihre Unterkunft kaufen?
Nein, sagt Balz Bruder, Mediensprecher des Departements Gesundheit und Soziales (DGS). «Das Material wird zur Verfügung gestellt, auch den Ausreisepflichtigen.» Tatsächlich sind auf den Fotos von «watson» Putzschwämme und Spülmittel zu sehen.

3. In der Unterkunft befinden sich täglich Aufsichtspersonen, die dem Sozialdepartement solche Zustände melden könnten. Weshalb lässt man die Räume so verkommen?
«Es wurden und werden immer wieder Reinigungs- und Aufräumaktionen durchgeführt», sagt Balz Bruder. Aber: «Unordnung und Unsauberkeit sind nie auf Dauer beseitigt.» Im Übrigen sei auf den von watson publizierten Bildern nicht ausschliesslich Algenbefall zu sehen: Die Küche wurde bei der letzten Renovation grün gestrichen.

4. Die Unterkunft sieht im Moment ziemlich eklig aus. Kann eine solche Liegenschaft überhaupt wieder gereinigt werden und lohnt sich der Aufwand?
Ja, sagt Balz Bruder. Zwischen Ende April und Anfang Mai werde die verdreckte Unterkunft wieder instand gestellt. Die Bewohner müssen dabei mithelfen. Die sanitären Einrichtungen werden sogar saniert.

5. Wie viel kostet das?
Während die Kosten für die Reinigung «unerheblich» seien, so Balz Bruder, fallen für die Sanierung der Badezimmer 15'000 bis 20'000 Franken an. Dies, weil für die Überbrückung der Sanierungszeit ein Sanitärcontainer aufgestellt werden muss.

6. Wie gefährlich ist der Schimmel?
Schimmel und Algen entstehen in feuchten, schlecht gelüfteten Räumen, vorzugsweise an leicht kühleren Stellen wie Fenstern oder an schlecht gedämmten Aussenwänden. Während Algen nur ein ästhetisches Problem sind, kann Schimmel sehr gesundheitsschädigend sein. Er kann zu Reizungen von Augen, Haut und Atemwegen sowie Allergien oder zu chronischer Bronchitis führen. Das Ausmass der Gesundheitsrisiken wächst mit der Schimmelmenge. Das Bundesamt für Gesundheit bezeichnet schon einen dichten Bewuchs von 10×10 cm als «im Sinne der Gesundheitsvorsorge inakzeptabel».

7. Sind die Bewohner der Unterkunft krank geworden?
In Holderbank wurde nicht konkret abgeklärt, ob der Schimmelbefall ein Krankheitsrisiko für die Bewohner darstellt. «Es wurde mehr Algen- als Schimmelbefall festgestellt», hält Balz Bruder fest. Zudem gebe es «keine Hinweise auf Krankheitsfälle». Bedenklich ist aber auch: Wo Algen und Schimmel gedeihen, fühlen sich auch andere Mikroorganismen wohl. Derart schmutzige Gemeinschaftsräume sind deshalb ein Paradies für krankmachende Bakterien wie beispielsweise Legionellen.

8. Manche Gebäude sind anfälliger für Algen- und Schimmelbefall als andere. War das Gebäude schon befallen, als es vor rund zehn Jahren vom Kanton gemietet wurde?
Nein, laut Balz Bruder war das alte Haus damals nicht von Schimmel befallen.

9. Der Kanton sucht händeringend nach weiteren Unterkünften für Asylbewerber. Doch angesichts der Zustände in Holderbank werden sich Besitzer fragen, ob sie ihre Häuser wirklich für die Unterbringung von Asylsuchenden vermieten wollen. Wie stellt das DGS sicher, dass die Asyl-Liegenschaften nicht so unsachgemäss benutzt werden, dass sie massiv an Wert verlieren?
Balz Bruder stellt nicht in Abrede, dass das passieren kann. «Der starke Unterbringungsdruck führt dazu, dass die Liegenschaften tendenziell ‹übernutzt› werden», sagt er. «Entsprechend ist auf die Instandhaltung durch den Reparaturdienst ein besonderes Augenmerk zu legen. Die Asylsuchenden werden von den Betreuenden angeleitet, wie es sich mit Ordnung und Sauberkeit verhält.» In den meisten Unterkünften klappe dies recht gut, sagte Bruder bereits früher gegenüber der az. Er erklärt aber auch, bei Ausreisepflichtigen sei die Durchsetzung der Hausregeln «aufgrund weitgehend fehlender Sanktionsmöglichkeiten bei Nichtbefolgung schwieriger als bei Asylsuchenden.»

(aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Herby 21.04.2016 13:55
    Highlight Highlight 35 und mehr Männer in einer alten Hütte. Waschen, etc. = viel Feuchtigkeit. Tag und Nacht, Sommer und Winter die Fenster offen, zusammen mit der Feuchtigkeit = Schimmel. Schimmel beseitigt man nicht mit putzen, nur mit der Beseitigung der Ursache. Warum sind die "Löcher" immer offen. Der Leser doll einmal überlegen. Wo waren die Betreuer? Haben sie nichts gesehen? Die Leute haben nicht geputzt, ist ja die Meinung in Aarau.
  • amore 21.04.2016 09:39
    Highlight Highlight Wem gehört die Liegenschaft? Wieviel Miete bezahlt der Staat Aargau?
  • jeanette_mueller 21.04.2016 09:31
    Highlight Highlight Also ich bin zwar Schweizerin, aber mich schockierte das nicht. Denn man weiss das die Herren aus dem Islam Putzarbeiten als gering und als Frauenarbeit betrachten. Wieso spricht man diese Tatsache nicht aus, obwohl es alle wissen? Ich hätte da nichts gemacht und stattdessen die Herren angeleitet, ihre Verschmutzung selber zu reinigen. Wir leben hier in der Schweiz und in der Schweiz haben auch die Männer zu putzen.
    • Trooper 21.04.2016 10:21
      Highlight Highlight Ich kann nicht für diese Asylunterkunft sprechen, doch beruflich bin ich immer wieder in diversen Asylunterkünften in Zürich. Und sehe direkt, wie gewisse Unterkünfte von den Asylanten wunderbar ordentlich und sauber gehalten werden. Allerdings kann ich auch bei einigen sehen, wie die Umstände immer schlimmer werden, und die Bewohner sich überhaupt nicht darum scheren, wie es bei ihnen aussieht. Würde man dort Fotos veröffentlichen, käme es wahrscheinlich auch zu einem solchen Aufschrei, obwohl das von den Bewohnern absolut selbst verschuldet ist.
    • trizgeli 21.04.2016 10:33
      Highlight Highlight Frau Müller, Schimmel kann man nicht einfach so mal wegmachen, da braucht es schon mehr als einen Lappen & ein bisschen Reinigungsmittel!
    • Peter Pani 21.04.2016 10:47
      Highlight Highlight Genau auch ich teile die Putzerei mit meiner Frau. Eigentlich sollte die Unterkunft ja leer sein, da alle Bewohner wieder in ihrem Land sein sollten! Da läuft anscheinend alles schief.
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