Schweiz

Flüchtlinge sollen arbeiten, um Sozialhilfe zu entlasten

27.11.15, 15:11

Wenn Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden, fallen für Kantone und Gemeinden hohe Kosten für die Sozialhilfe an. Die SKOS schlägt deshalb konkrete Massnahmen vor und fordert zum runden Tisch auf.

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) ist besorgt über die grosse Zahl von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen, die während längerer Zeit arbeitslos sind, wie sie am Freitag mitteilte. Nach Ablauf der Finanzierungszuständigkeit des Bundes müsste deren Existenz durch die kantonale und kommunale Sozialhilfe gesichert werden. Das führe zu erheblichen finanziellen Belastungen.

Deshalb will die SKOS Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene möglichst rasch in den Arbeitsmarkt integrieren. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sie lange von Sozialhilfeleistungen abhängig sind.

Um das zu verhindern, hat die SKOS ein Konzept zur Arbeitsintegration entwickelt. Sie fordert einen raschen Asylentscheid, damit asylsuchende Personen möglichst schnell in den Arbeitsprozess integriert werden können.

Obligatorischer Berufseinführungskurs

Wichtig sei auch eine rasche Qualifizierung. Die meisten Asylsuchenden seien jung und arbeitsfähig, aber beruflich schlecht qualifiziert. Die SKOS fordert einen mehrmonatigen bis einjährigen Berufseinführungskurs, der für die Flüchtlinge obligatorisch sein soll.

Damit die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, brauche es aber auch die Unterstützung und aktive Beteiligung der Wirtschaft. Unternehmen müssten beispielsweise die Flüchtlinge nach Abschluss der Kurse auch tatsächlich anstellen. Zudem müssten administrative Hürden zur Beschäftigung von Asylsuchenden abgebaut werden, fordert die SKOS weiter.

Der kleine Knigge für Flüchtlinge

Im Kanton Bern soll dies in naher Zukunft umgesetzt werden. Der Grosse Rat überwies dazu am Dienstag einen Vorstoss. So sollen beispielsweise die Gesuche zur Erteilung einer Arbeitsbewilligung von vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlingen künftig gebührenfrei bearbeitet werden.

Enorme Kosten sparen

Die vorgeschlagene Lösung mit den Berufseinstiegskursen kostet 125 Millionen Franken pro Jahr. Für die SKOS ist dies jedoch ein kleiner Anteil im Vergleich zu den allenfalls anfallenden Sozialhilfekosten und den Problemen und Folgekosten, die wegen der ungenügenden Integration nachfolgend entstehen würden.

Durch gezielte Investitionen in die Ausbildung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen könnten langfristig enorme Kosten gespart werden, teilte die SKOS mit.

Drama an der Grenze zu Mazedonien

Die SKOS fordert den Bund, die Kantone und Gemeinden sowie die Wirtschaft und die politischen Parteien auf, an einem «Runden Tisch Arbeitsintegration» gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Pilotprojekte vom Bauernverband und Kanton Bern

Im Mai 2015 hat der Schweizer Bauernverband zusammen mit dem Bund ein dreijähriges Pilotprojekt gestartet, das mit den Forderungen der SKOS übereinstimmt. Schweizer Bauern bieten anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen Arbeit an.

Ende Mai machten zehn Betriebe in sieben Kantonen beim Projekt mit. Durch die Arbeit sollen die Flüchtlinge besser integriert und der Staat finanziell entlastet werden. Zudem soll die Landwirtschaft durch das Projekt die dringend nötigen Arbeitskräfte erhalten.

Ein ähnliches Projekt hat der Kanton Bern in Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk Caritas im Juni gestartet. Das System funktioniert so, dass der Kanton Bern mit der Caritas einen Leistungsvertrag abschliesst. Das Geld dafür geben Private in Form eines Darlehens. Das Pilotprojekt soll rund 2.7 Millionen Franken kosten und fünf Jahre dauern. (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • koks 28.11.2015 12:16
    Highlight Den Lohn der Flüchtlinge kann man sicher noch tiefer dumpen als jenen der Bauarbeiter und Erntehelfer aus Osteuropa. Könnte für die Wirtschaft noch lukrativ sein. Arbeiter auf den Feldern der SVP-Bauern für Fr 1.50 die Stunde. Mit Sprechverbot während der Arbeitszeit.
    4 2 Melden
  • mamina 28.11.2015 11:57
    Highlight Ich finde es an der Zeit, dass diese Diskussion stattfindet. Es geht doch nicht an, dass die Menschen untätig herumsitzen müssen. Das ist auch menschenverachtend. Auch sind wir nicht das Schlaraffenland. Warum gerade die den Rechten nahestehenden Mitbürger dagegen hetzen kann ich nicht begreifen. Es gibt so viel Arbeit zu tun. Wenn die belasteten Gemeinden diese Menschen beschäftigen bleibt die Kirche bezüglich Schmarotzern eher im Dorf. Wenn die Lage sich in den Herkunftsländern beruhigt, kann man diese Menschen ohne schlechtes Gewissen zurückschicken du sie haben was gelernt und wir auch.
    4 0 Melden
    • Stephan Locher 29.11.2015 19:40
      Highlight Das mit dem "zurückschicken" wird nicht von allen gleich gesehen.

      Stichwort Abschaffung des Saisonier Status und soziales Netz von Top integrierten Menschen.
      0 0 Melden
    • mamina 30.11.2015 08:55
      Highlight @Stephan Locher
      Warum soll es nicht möglich sein Asylsuchende vorläufig aufzunehmen.
      Jeder Mensch sollte seinen Lebensunterhalt verdienen und so auch Asylsuchende. Für mich bedeutet dies nicht, dass sie hierbleiben können.
      Das Asylverfahren hat für mich nichts mit Saisonier Statut zu tun.
      Integration im Asylverfahren heisst für mich noch lange nicht, dass jemand hier bleiben kann. Integration heisst für mich:
      - Sprachliche Verständigung
      - Mitbestreiten des Lebensunterhalt
      - Kultur und Land kennen lernen
      Diese Menschen sind hier nicht in den Ferien und können Mithelfen.
      Regeln sind notwendig.
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    • Stephan Locher 30.11.2015 22:43
      Highlight @mamina von welchem Zeitraum hierbleiben gehen Sie denn aus?

      Wenn es einige Monate sind absolut einverstanden, doch wenn jemand ein paar Jahre hier ist und normale Erwerbsarbeit welche der Markt zu anständigen Preisen nachfrägt verrichtet, so wird er oder sie ja automatisch ein soziales Netz mit Leuten welche unbefristet in der Schweiz Leben aufbauen.
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    • mamina 01.12.2015 08:52
      Highlight 1.
      @Stephan Locher Ich persönlich gehe nicht von Jahren aus.
      Für mich ist im Moment wichtig, dass die Menschen arbeiten und die Kinder geschult werden, denn es ist sehr wichtig, dass es eine Struktur gibt im Alltag.
      Ich unterscheide zwischen den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und den Flüchtlingen aus Afrika (Afghanistan bin ich unsicher).
      Es ist wichtig zu erkennen, dass wir in unserer Kultur mit wichtigen Strukturen aufwachsen, die ein Mensch z.B. aus Somalia nicht so kennt.
      Unsere Strukturen:
      - Schulsystem
      - Berufsausbildung
      - Arbeit
      = Lebensunterhalt verdienen
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    • mamina 01.12.2015 09:12
      Highlight 2. @ST.L

      Die Strukturen z.B. in Somalia
      - wenig bis fast keine Schulbildung
      - keine Berufsbildung ( learning by doing )
      - keine feste Arbeit
      = Lebensunterhalt wird oft durch die Familie gemeinsam bestritten.
      Was bei uns der organisierte Staat, die Gemeinschaft übernimmt (Al, AHV, IV) ist in vielen armen Ländern Familiensache.
      Hier ist der Zündstoff begraben.
      Genau deshalb ist es wichtig, dass diese Menschen arbeiten und sei es bei einer Putzgruppe der Gemeinde. Das ist auch Integration.

      Das Herumhängen, Nichtstun ist die Fortsetzung des Lebens, dass viele aus ihrem Land kennen u.Gift






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  • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 23:32
    Highlight Dann halt.
    1 0 Melden
  • SVRN5774 27.11.2015 20:19
    Highlight Gute Idee. Flüchtlinge wollen auch arbeiten. Meine Eltern durften am anfang auch nicht arbeiten und sie fanden das ganz schlimm. Memschen sind Arbeitstiere. Sie müssen sich ihre Nahrung (Lohn) verdienen. Das war schon in der Steinzeit so.
    9 4 Melden
  • Angelo C. 27.11.2015 17:09
    Highlight Wenn sogar die Skos mittlerweile sowas vorschlägt, dann ist Fleisch am Knochen, dies im Hinblick auf den mittelfristigen Bestand unserer Sozialwerke, vorab der ausgehenden Finanzen wegen. Die Empfehlung der Skos, die zahllosen Immigranten beruflich zu integrieren, liest sich vordergründig gut und sinnerfüllt. Sowas ist im Hinblick auf Syrer und deren Bildungsstandard prinzipiell denkbar, ganz gewiss aber nicht für die bildungsfernen, oft analphabetischen Afrikaner, die kaum innert nützlicher Frist sinnvoll beschäftigt und durch Arbeitgeber zureichend bezahlt werden können.

    Wie auch?
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    • Triesen 27.11.2015 17:31
      Highlight Wo liegt das Problem? Muss man der deutschen Sprache mächtig sein, um im Park Papierfetzen oder so sammeln zu können? Auch andere Arbeiten sind trotzdem ohne Probleme möglich....
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    • atomschlaf 27.11.2015 17:50
      Highlight Abfall von der Strasse räumen, Erntearbeiten u.dgl. sollte wohl jeder noch hinkriegen. Wenn nicht, dann Tschüss und ab nach Hause.
      18 9 Melden
    • Angelo C. 27.11.2015 19:23
      Highlight Es geht letztlich um die Integration in den ersten Arbeitsmarkt, wo man von der lebenslänglichen Abhängigkeit von Sozialgeldern wegkommen muss - und nicht nur um reine, stumpfsinnige Beschäftigungstherapie. Und das Erstere wird nicht funktionieren, denn allein schon einem Analphabeten ein einigermassen zumutbares Deutsch zu lernen, ist ein hartes Stück Arbeit, wobei das dreimalige Fegen des Dorfplatzes keine Einsparung der Sozialkosten führt.

      Man erinnere sich auch an die Löpfe-Artikel über Roboting und Wegfallen ncht nur einfacherer Tätigkeiten, welche künftig automatisch verrichtet würden.
      20 4 Melden
  • ket4mon 27.11.2015 16:57
    Highlight Gute Idee, wirklich. Aber das sollte auch für die Personen gelten, die Arbeiten können und sogar eine Ausbildung haben. Es klingt für mich fast so, dass der Schweizer nicht arbeiten muss.
    9 12 Melden
  • Triesen 27.11.2015 15:55
    Highlight Das klingt dich gut, so lange sie das Gewerbe nicht konkurrenzieren. Immerhin haben verschiedene Gemeinden gute Erfahrungen mit dem Modell gemacht, mit Asylbewerbern. Diese erhielten dafür Naturalien und Integration war inbegriffen...
    15 3 Melden

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