Schweiz
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Reiseverbot für vorläufig aufgenommene Ausländer – Nationalrat sagt Ja

01.06.17, 13:35 01.06.17, 14:03


Der Nationalrat will ein generelles Reiseverbot für vorläufig Aufgenommene. Er hat am Donnerstag Vorstösse der FDP- und SVP-Fraktion sowie des CVP-Präsidenten deutlich angenommen. Aus Sicht des Bundesrates ist ein solches Verbot unverhältnismässig.

Kurt Fluri (FDP/SO) räumte ein, der Text des FDP-Vorstosses sei «etwas schwarz-weiss» formuliert. Die FDP denke an ein Verbot mit Ausnahmen. Die heutigen Regeln aber genügten nicht. Sie liessen zu, dass ein vorläufig Aufgenommener in seiner Heimat an der Beerdigung eines Verwandten teilnehme.

Justizministerin Simonetta Sommaruga am Donnerstag im Nationalrat. Bild: KEYSTONE

Justizministerin Simonetta Sommaruga betonte, auch sie wolle keinen Missbrauch. Der Bund habe eine Meldestelle und gehe jedem einzelnen Verdachtsfall nach. Es sei nicht immer einfach, Missbrauch nachzuweisen. Die Regeln aber seien strikt. Sommaruga bat den Rat, die Verhältnismässigkeit nicht aus den Augen verlieren. «Sie treffen ganz viele Menschen, die sie gar nicht meinen können.»

Bestimmungen schon verschärft

Reist ein Asylsuchender in sein Heimatland, wird das Asylgesuch heute grundsätzlich abgelehnt. Anerkannten Flüchtlingen wird die Flüchtlingseigenschaft aberkannt, wenn sie sich mit der Reise freiwillig unter den Schutz des Heimatstaates stellen. Zur Präzisierung dieser Bestimmung hat der Bundesrat bereits einen Vorschlag in die Vernehmlassung geschickt.

Heimatreisen von vorläufig Aufgenommenen ohne Flüchtlingseigenschaft sind nicht ausgeschlossen, werden laut dem Bundesrat aber nur «sehr zurückhaltend» bewilligt. Die Bestimmungen waren 2012 verschärft worden. Findet eine Reise ohne Bewilligung statt, wird die vorläufige Aufnahme in der Regel aufgehoben.

Todkranke Tochter in Kabul

Für welche Fälle heute Reisebewilligungen erteilt werden, erläuterte Sommaruga anhand von Beispielen, darunter jenes einer vorläufig aufgenommenen Afghanin, die nicht individuell verfolgt wird, aber nicht in ihre Region in Afghanistan zurückgeschickt werden kann, weil dort Krieg herrscht. Sie darf unter Umständen ihre Tochter besuchen, die in einem Spital in Kabul im Sterben liegt. Mit einem generellen Verbot wäre das nicht mehr möglich.

Auf die Frage, warum diese Frau nicht in eine andere Region des Landes zurückgeschickt werde, sagte Sommaruga, ob das zumutbar und möglich sei, werde im Einzelfall geprüft. Dabei könne es einen Unterschied machen, ob es sich um eine Familie, einen Mann oder eine Frau ohne soziales Netz in der betreffenden Region handle.

Schulreise in den Schwarzwald

Ein Reiseverbot könnte auch ein Kind treffen, dessen Schulklasse einen Ausflug in den Schwarzwald macht: Das Kind einer vorläufig aufgenommenen Person dürfte am Ausflug nicht teilnehmen. «Dann schreiben Sie mir Briefe», sagte Sommaruga.

Zu Heimatreisen von Eritreerinnen und Eritreern erklärte sie, häufig handle es sich um Personen, die vor mehr als zwanzig Jahren in die Schweiz gekommen seien. Mehrheitlich seien diese inzwischen eingebürgert oder hätten eine Niederlassungsbewilligung, wie die Ungarnflüchtlinge.

«Da stimmt doch etwas nicht»

Die bürgerliche Mehrheit im Rat überzeugte das aber nicht. Sie höre immer wieder von Heimatreisen, sagte Sylvia Flückiger-Bäni (SVP/AG). «Da stimmt doch etwas nicht.» Es brauche klare Regeln. Wer sich dagegenstelle, unterstütze indirekt Missbrauch. CVP-Präsident Gerhard Pfister (ZG) stellte fest, die Praxis sei zwar verschärft worden, doch brauche es eine grundlegende Änderung.

Die drei Vorstösse gehen nun an den Ständerat. Während Pfister ein Verbot für Reisen ins Heimatland fordert, will die FDP-Fraktion ein generelles Reiseverbot. Die SVP wiederum verlangt ein «grundsätzliches» Verbot für Auslandsreisen. Mit der SVP-Formulierung könnte sie besser leben, sagte Sommaruga. Diese liesse Ausnahmen zu. Den FDP-Vorstoss nannte sie «total radikal». Man sollte der Bevölkerung nicht vormachen, dass Missbräuche so verhindert werden könnten.

Asylsuchende zeigen, was sie an der Schweiz besonders schätzen

Mit Eritrea sprechen

Angenommen hat der Nationalrat auch einen Vorstoss zu Eritrea von SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler (BE). Sie will den Bundesrat beauftragen, Verhandlungsgespräche mit dem Regierungschef von Eritrea aufzunehmen - mit dem Ziel einer verfolgungsfreien Rückkehr von Eritreern.

Sommaruga versicherte, das sei auch ihr Ziel. Die Annahme der Motion ändere überhaupt nichts. Der Bund spreche mit Eritrea, in diesem Jahr habe es bereits zwei offizielle Missionen gegeben. Auch hätten sie sowie Aussenminister Didier Burkhalter mehrfach persönlich mit dem Aussenminister und mit dem Berater des Präsidenten gesprochen. Eritrea lehne aber weiterhin jegliche Einmischung in innere Angelegenheiten ab und lasse eine Rückkehr nur auf freiwilliger Basis zu.

Abgelehnt hat der Nationalrat eine Motion von Christine Häsler (Grüne/BE), die einen Stopp von Dublin-Überstellungen nach Ungarn verlangte. Dazu sagte Sommaruga, der Bund sei sich bewusst, dass die Situation in Ungarn für Asylsuchende zurzeit ausserordentlich schwierig sei, und prüfe jeden Einzelfall sorgfältig. Weiter wies sie auf den Entscheid des Bundesverwaltungsgericht vom Februar hin, bis auf weiteres keine Asylsuchenden mehr nach Ungarn zu schicken. Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eingeleitet. (whr/sda)

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37
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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luzi Fair 01.06.2017 18:20
    Highlight Bundesverfassung Art. 10 Abs 2:
    "Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche
    und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit. "
    4 29 Melden
  • Pisti 01.06.2017 17:24
    Highlight Guter Entscheid, noch besser wäre ein generelles Reiseverbot überall hin. Auch bitte kein Geld mehr ausbezahlen, viel davon wird in die Heimat geschickt.
    45 16 Melden
    • Fabio74 01.06.2017 18:56
      Highlight Warum nicht Konzentrationslager und Zwangsarbeit?
      3 25 Melden
    • Pisti 01.06.2017 19:02
      Highlight Davor fliehen Sie doch angeblich die Eriträer und reisen dann aber wieder unbekümmert nach Hause.
      29 0 Melden
  • Thomas_v_Meier 01.06.2017 17:01
    Highlight Ich denke die Aktuellen regeln reichen.
    Steht ja wenn einer in sein Herkunftsland reist ist fertig mit dem Schutz der Schweiz und das ist absolut ok.
    Von mir kann man das Reisen in das Herkunftsland ganz verbieten, unter keinen umstände....

    Aber warum soll man einem vorläufig Aufgenommenen verbieten Bekannte, Verwandte, Freunde in z.b Deutschland, Schweden etc.. zu besuchen? Macht keinen Sinn in meinen Augen.
    14 40 Melden
  • Posersalami 01.06.2017 16:57
    Highlight "Die heutigen Regeln aber genügten nicht. Sie liessen zu, dass ein vorläufig Aufgenommener in seiner Heimat an der Beerdigung eines Verwandten teilnehme."

    Nein, also das geht ja mal gar nicht!!! Diese bösen Ausländer, was erlauben die sich eigentlich!! Erst Masseneinwanderung, Kampf der Kulturen und dann das!!!!!
    14 49 Melden
    • Hierundjetzt 01.06.2017 17:49
      Highlight ähem du verwechselst da was, wenn Du den Antrag L, B oder C Ausweis stellst, kannst Du jederzeit und frei herumreisen.

      Vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge (F und N) sind Menschen die geflohen sind WEIL Sie um Ihr Leib und Leben fürchteten.

      Also dem Posersalami wird extrem gefoltert, jahrelang in Isolationshaft gesteckt ABER er geht dann wieder zurück in seine Heimatstadt weil er dort noch seine Freunde besuchen will. Den plötzlich ist er voll der gute Freund mit seinen Folterknechten.

      Du Posersalami, nicht wirklich glaubwürdig oder?
      18 6 Melden
    • Roterriese 01.06.2017 18:04
      Highlight Du flüchtest aus deiner Heimat weil du verfolgt wirst, danach gehst du zurück in deine Heimat um an einer Beerdigung teilzunehmen. Finde den Fehler.
      23 2 Melden
    • Posersalami 01.06.2017 21:21
      Highlight Ich sehe den Fehler nicht, sorry. Nicht in jedem Land wo heraus geflüchtet wird ist überall scheisse. Mal etwas reisen ausserhalb von Thailand würde einigen hier gut tun.
      2 13 Melden
  • Wilhelm Dingo 01.06.2017 14:07
    Highlight Der Titel ist völlig irreführed: Es ist kein Reiseverbot sondern das Verbot in das Land zu reisen welches den Flüchtling an Leib und Leben bedroht.
    75 15 Melden
    • Macke 01.06.2017 15:56
      Highlight Lies den Artikel noch mal: "Die drei Vorstösse gehen nun an den Ständerat. Während Pfister ein Verbot für Reisen ins Heimatland fordert, will die FDP-Fraktion ein generelles Reiseverbot. Die SVP wiederum verlangt ein «grundsätzliches» Verbot für Auslandsreisen."
      25 2 Melden
    • Saraina 01.06.2017 16:32
      Highlight Aha, deswegen darf der Schüler aus Eritrea oder Somalia nicht auf die Klassenreise in den Schwarzwald, Wilhelm Dingo? Lies doch erst den Text, bevor du schreibst. Und wieso soll ein Eritreer oder Syrer nicht an die Hochzeit seiner Schwester in Deutschland oder England dürfen! Sperrt die Leute doch gleich in Lager, das wäre wenigstens ehrlich!
      17 34 Melden
    • Rendel 01.06.2017 16:46
      Highlight Ich bin schockiert über das Leseverständnis und Politverständnis mancher Schreiber hier. In diesem Fall über das von Herrn Dingo.
      14 10 Melden
    • Wilhelm Dingo 01.06.2017 17:06
      Highlight @all: ok, hätte es genauer lesen sollen, ich bin gegen Reisen ins Herkunftsland.
      21 3 Melden
  • Wilhelm Dingo 01.06.2017 14:05
    Highlight Wie kann ein an Leib und Leben bedrohter Mensch überhaupt auf die Idee kommen in das Land zu reisen welches sein Leben bedroht?
    98 15 Melden
    • Telomerase 01.06.2017 14:57
      Highlight Öhm, vielleicht weil die meisten Eritreär Wirtschaftsmigranten und nicht Flüchtlinge sind?
      97 27 Melden
    • Richu 01.06.2017 15:14
      Highlight Nur zur Erinnerung: Die zuständige Bundesrätin Sommaruga wollte dieses "Reiseverbot" nicht aufheben. Es ist nur zu hoffen, dass die Mehrheit des Ständerates dem Votum des Nationalrates betr. Reiseverbot folgen wird!
      24 8 Melden
    • Saraina 01.06.2017 16:34
      Highlight Bei diesem Vorstoss geht es nicht um Reisen ins Herkunftsland, sondern um Aufenthalte im Ausland ganz allgemein. Es gibt aber viele Somali, Eritreer und Syrer, die Familienmitglieder in den Nachbarländern haben. Die dürfen sie dann nicht mehr besuchen. Zum Ko...
      10 43 Melden

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