Schweiz

Peter Wälchli, Inhaber der Karo Versand GmbH sorgt sich um seinen lukrativsten Auftrag – aber äussert auch Kritik gegenüber der Migros. bild: Screenshot srf

Interview mit Kaffeerahmdeckeli-Produzent

«Die Migros hat den Fehler gemacht, nicht wir»

Wegen dem Hitler-Sujet auf den Kaffeerahmdeckeli steht Peter Wälchlis Karo Versand GmbH womöglich vor dem Aus. Noch seien die Geschäftsbeziehungen aber nicht beendet worden, sagt Wälchli im Interview.

23.10.14, 13:09 23.10.14, 14:15

Peter Wälchli, die Migros hat 2400 Kaffeerahmdeckeli mit Konterfeis von Hitler und Mussolini vertrieben.
Ja, und zwar zu Unrecht. 

Warum zu Unrecht? 
Die Migros-Tochter Elsa Mifroma pflegt zwar eine Geschäftsbeziehung zur Karo Versand GmbH, doch die Vorlage mit den Banderolen-Sujets hätte die Elsa Mifroma gar nicht vertreiben dürfen.

Wie kam es dazu?
Die Elsa Mifroma bekommt im nächsten Jahr eine neue Maschine. Ich nehme an, das Unternehmen hat einfach Restfolien verwendet – darunter die Banderolen-Folie. Diese war und ist jedoch in unserem Besitz. Ohne Rücksprache mit uns hätte die Elsa Mifroma also keine Kaffeerähmli mit diesen Deckeli verpacken und vertreiben dürfen.

Werden Sie rechtliche Schritte einleiten?
Wir gegen die Migros? Wir sind ein Kleinunternehmen mit vier Angestellten. Wir haben kein Geld für einen Prozess. Ausserdem wissen wir ja nicht, ob das mit Absicht passiert ist, oder ob es ein Irrtum war.

Die Migros hat angekündigt, die Geschäftsbeziehungen zu beenden, weil Sie die Sujets als «problemlos» bezeichnet hätten. Was bedeutet das für Ihre Firma?
Erstens habe ich diese Sujets nie als problemlos bezeichnet, zweitens haben wir nichts von der Migros gehört, der Vertrag läuft also
noch immer. Würde uns die Migros aber tatsächlich kündigen, würde das wohl unser Ende bedeuten. 

Waren Sie sich dieses Risikos bewusst, als Sie die Sujets ausgewählt haben?
Es geht bei diesen Bildchen doch nicht um Hitler oder Mussolini. Es geht um die Banderolen! Die Serie zeigt eine Übersicht über die bis etwa 1940 auf dem Markt zirkulierenden Zigarren-Banderolen. Wir haben diese Kaffeerahmdeckeli vor zehn Jahren auf den Markt gebracht und an rund 5000 Sammler verkauft, als ganze Serie. Es gab keine einzige Reklamation.

Aber jetzt sind die Deckeli einzeln zu Kunden gelangt – auch Mussolini und Hitler. 
Ja und das ist ungünstig. Uns ist klar, dass Leute, die die Serie nicht kennen, entrüstet sind. Hier hat aber die Migros den Fehler gemacht, nicht wir.

Die Banderolen-Serie. In der zweituntersten Reihe: Hitler und Mussolini – zwischen zwei Vögeln. bild: zvg

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 24.10.2014 09:09
    Highlight Migros hätte das rasch intern und den Lieferanten klären können. Dann hätte der Drucker "seinen Fehler" eingestanden (auch wenn es nicht seiner war) und sich öffentlich dafür entschuldigt. Die Migros hätte dabei das Gesicht waren können und müsste jetzt dieses KMU nicht platt machen, sondern hätte als Gegenzug für das Schuldeingeständnis die Zusammenarbeit bestehen lassen können und auf Twitter nicht stillos kündigen müssen/wollen. PR und Krisenmanagement erfordert ruhig Blut. Die Medien steigen bei solchen Geschichten sofort auf, verlieren das Interesse rasch wieder wenn jemand hinsteht und sich entschuldigt. Jetzt steht Aussage gegen Aussage und die Medienralley geht weiter.
    1 0 Melden
  • Fabian Schmid (3) 24.10.2014 08:36
    Highlight Irrsinn. Im nahesten Ausland gibt es tonnenweise Touri-Souvenier-Kitsch mit Hitler, Benito, dem jap. Kaiser usw. an entsprechenden Tourismus-Destinationen zu kaufen. Hitler ist Popkultur. Aktionismus, Bildersturm und Dämonisierung zeugen nicht wirklich von einem aufklärerischen Umgang damit und sind erst recht dafür verantwortlich, dass ein Konterfei 70 Jahre nach seinem Ableben zu ikonischer Macht verholfen wird.
    5 1 Melden
  • kaiser 23.10.2014 19:01
    Highlight Wenn es um die Schuldfrage geht, kann ich diese leicht beantworten. Alle sind Schuld: Medien welche Hitler zeigen, Sammler welche Hitler-Bilder sammeln, Vertreiber von den Rahmdeckeli mit dem Hitler-Sujet und auch der Ersteller/Zusammensteller dieser Zigarren-Banderolen mit Hitler und Mussolini.

    Die Fragen die sich mir stellen sind andere:
    Wie gehen wir mit den Symbolen aus der Geschichte um?
    Was ist erlaubt, was nicht respektive was ist moralisch akzeptabel und was nicht und warum?
    Wie gehen wir miteinander bei einem "Shitstorm" um?
    9 3 Melden
  • Romeo 23.10.2014 17:39
    Highlight Wenn ich gewisse Kommentare und likes / dislikes lese; haarsträubend. Und das in der CH. Sind wir jetzt Braun oder was?
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  • Romeo 23.10.2014 17:35
    Highlight So eine Schnapsidee. Hoffentlich stehen diese Leute unter Beobachtung.
    0 13 Melden
  • MediaEye 23.10.2014 17:08
    Highlight Na ja, Fehler und Irrtümer halt. Obschon, ich finde Hitler und Mussolini passen da gar nicht so richtig in diese Serie. Wenn wenigstens dann auch Che Guevara,Lenin, Mao und Fidel Castro usw. vertreten wären, aber so ?
    6 3 Melden
  • elivi 23.10.2014 16:38
    Highlight Also ja migros hat den fehler begangen aber bei solche collections mit sachen die heute nicht mehr so 'in' sind hätte so oder so sensible behandelt werden müssen. Sagen wir so, hätte migros den fehler ned gemacht oder Karo klar kommuniziert dann wär das nie soweit gekommen ....
    10 1 Melden
  • brandibock 23.10.2014 15:53
    Highlight Endlich mal etwas Klarheit in dieses zum internationalen Skandal aufgebauschte Malheur. Klingt nach einer dummen Verkettung von Irrtümern. Aber die Migros wirkt im Nachhinein schon etwas panisch mit dem radikalen, überstürtzten Tweet.
    20 2 Melden
  • Piti 23.10.2014 15:26
    Highlight Naja die Aufregung ist vielleicht übertrieben, oder auch nicht, aber ich stell mir grade das Szenario vor wenn ein Tourist gemütlich in der Schweiz im Kaffeehaus sitzt und dann Kaffee mit hitler kaffeerahm-Konterfei serviert kriegt. Unwillkürlich muss ich jetzt schmunzeln obwohl schon nicht so lustig.
    16 1 Melden
  • TomZH 23.10.2014 14:57
    Highlight Mir kommen gleich die Tränen. Hätte dieser Herr sein Hirn und seinen Verstand vorher eingeschaltet.. gäbe es diese unsägliche Geschichte gar nicht.
    9 22 Melden
  • LubiM 23.10.2014 14:04
    Highlight Ich verstehe den ganzen Aufschrei immer noch nicht... wenn in einem Geschichtsunterricht über Hitler geredet wird, kündet man der Lehrerin auch nicht.
    35 17 Melden
    • Adonis 23.10.2014 14:31
      Highlight "Du bisch luschtig'e", sage ich im Christa Rigozzi-Stil. Es ist schon ein Unterschied, ob man mit zwei so krassen Menschenschlächter Geld verdient oder nicht. Die Bildchenbrauchen zum Verroten, 100-1000, je nach dem.
      8 17 Melden
    • TomZH 23.10.2014 14:59
      Highlight LubiMassy: Zwei gänzlich unterschiedliche Dinge so miteinander zu vermischen.. unglaublich.
      11 8 Melden
    • sheimers 23.10.2014 17:32
      Highlight Die Presse zieht über die Hitlerkaffeerämli her und schlägt gleichzeitig mit dem gleichen Bild Profit daraus. Ist der Hitler auf dem 20 Minuten denn weniger schlimm als der auf dem Kaffeerahm?
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    • Gelöschter Benutzer 23.10.2014 21:30
      Highlight @lubimassy ja genau. wir sollten am besten gleich - zwecks bildung - herrn hitlers konterfei auf unsere banknoten drucken. bezahlt wird dann mit hitlergruss. der ist ja in der schweiz auch erlaubt - dank der freiheitsliebenden ganzrechtspartei.
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  • teha drey 23.10.2014 13:48
    Highlight Eine Geschäftsbeziehung per Twitter beenden.... das finde ich grenzwertig.
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    • EvilBetty 23.10.2014 15:31
      Highlight Das macht man heut per WhatsApp
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  • Jaybee 23.10.2014 13:37
    Highlight Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. - Diese Abbildungen (Zigarren Banderolen) sind einfach eine historische Tatsache, vor der man die Augen nicht verschliessen sollte bzw. kann.
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    • jamaika 23.10.2014 14:24
      Highlight dito !!!!!
      14 3 Melden
    • TomZH 23.10.2014 14:58
      Highlight Man kann die Tatsachen auch verdrehen. Aber das werden Sie wohl eh nicht verstehen.
      5 16 Melden
    • Stephan Locher 23.10.2014 16:48
      Highlight Nachdenklich stimmt mich, dass viele das ganze schrecklich peinlich, Unverzeihbar finden und Ihr Unverständnis darüber äussern, dass man so eine Serie im Kontext als Problemlos ansehen, aber niemand davon das Problem konkret benennen will.

      Oben wurde das Geld verdienen genannt, doch was tun denn Geschichtsbücher Verlage oder Nachrichtenmagazine/Spiegel TV und Co. mit Ihren Dokus, arbeiten die Umsonst?

      Wirkliche Probleme der Migros:
      http://www.greenpeace.org/switzerland/de/Uber-uns/Medienstelle/Medienmitteilungen/Migros-Bemuehungen-ungenuegend-Kinderschuhe-enthalten-Risiko-Chemikalien/
      7 4 Melden
    • Nyi Phy 23.10.2014 18:34
      Highlight @Stephan: wobei die Hitler-Dokumentationen im Fernsehen deutlich nerven. Es läuft im deutschen Fernsehen an Dokumentationen auch kaum was anderes. Aber das scheint ok zu sein. Es ist Geschichte. Traurig eigentlich nur, dass nun das kleine Unternehmen wohl eingeht, nur weil Migros Panik schiebt. Zudem müssten sie doch Qualitätskontrollen machen und die Designs überprüfen, oder nicht?
      9 0 Melden

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