Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Mindestlohn-Initiative betrifft die Lehrlinge nicht

«Jugendliche machen eine Lehre nicht wegen des Geldes»

15.04.14, 18:52 16.04.14, 13:51

Die Gegner der Mindestlohn-Initiative haben die Kampfzone auf die Jugendlichen ausgeweitet: Kaum jemand werde noch eine Lehre absolvieren, wenn er auch ohne 4000 Franken verdienen könne, argumentieren sie. Dem widersprechen Experten. Sie glauben nicht, dass das duale Bildungssystem unter einem Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde leiden würde, wie bürgerliche Politiker und Wirtschaftsverbände behaupten. 

Wenn jeder Aushilfskraft ohne Ausbildung der Mindestlohn bezahlt würde, nehme man Jugendlichen jeden Anreiz, in eine Lehre zu investieren, warnte Gewerbeverbands-Präsident Jean-François Rime am Dienstag. «Wir locken sie mit dieser schädlichen Vorlage direkt in die Armutsfalle.» 

«Ein Lehrabschluss ist wichtiger als ein Lohn von 4000 Franken»

Der Initiativtext sieht Ausnahmen für besondere Arbeitsverhältnisse vor –eine Formulierung, die namentlich auf Lehrverhältnisse zugeschnitten ist. Bei Fachleuten löst Rimes Argument darum Kopfschütteln aus. Wenn jemand eine Lehre mache, dann aus anderen Gründen als wegen des Geldes, sind sie überzeugt. 

Eine Lehre sei eine Investition in die Zukunft, sagte Andreas Zysset, Direktor der Berner Lehrwerkstätten, an einer Medienkonferenz des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (vpod). «Ein Lehrabschluss ist wesentlich wichtiger als kurzfristig ein Lohn von 4000 Franken.» 

Nicht als Hilfsarbeiter leben

Aus Erfahrung weiss Zysset, dass ein gewisser Prozentsatz von Jugendlichen die Anforderungen für eine Lehre nicht erfüllt. Daran werde sich aber nichts ändern, wenn man Berufstätigen einen Mindestlohn bezahle. Schon heute könne eine Hilfskraft auf dem Bau mehr als 4000 Franken verdienen. «Dennoch machen die Jungen eine Lehre – weil sie etwas lernen und nicht als Hilfsarbeiter leben wollen.» 

Auch der langjährige Berufsschullehrer Willy Nabholz ist überzeugt, dass Jugendliche nicht wegen des Lohns für Ungelernte auf eine Lehre verzichten. Dies sei «Schwarzmalerei und fern der Realität». Schon heute gebe es in einigen Branchen einen Mindestlohn, und Lehrstellen würden dort nicht gemieden. Im Gegenteil, sie seien umso begehrter. 

Jugendliche seien sich bewusst, dass man ohne Lehrabschluss nirgends hinkomme. «Ohne geht es heute fast nicht mehr», sagte Nabholz. Wie Zysset ist er daher überzeugt: «Jugendliche machen eine Berufslehre nicht wegen des Geldes.» (sda)

Mehr zur Mindestlohn-Initiative

Alles zur Mindestlohn-Initiative auf watson



Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fabianz 15.04.2014 21:14
    Highlight Mache momentan eine Lehre. Obwohl ich gegen die Initiative bin denke ich nicht, dass weniger Junge eine Lehre machen werden.
    2 1 Melden

Wird der Vaterschaftsurlaub wieder abgelehnt?

Das Parlament tut sich schwer damit, den Männern auch nur das Minimum an Vaterschaftsurlaub zuzugestehen.

Der Vaterschaftsurlaub hat im Parlament einen schweren Stand. Zwei Dutzend Vorstösse dazu wurden abgelehnt, mal knapp, mal sehr deutlich. Mit der Initiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub gelang es den Initianten, Druck aufzubauen. Zwar sieht der Bundesrat nach wie vor keinen Handlungsbedarf. Frisch gebackene Väter dürfen demnach weiterhin nur einen freien Tag beziehen. Zuletzt hat jedoch der Ständerat erklärt, dass Vätern wenigstens zwei Wochen Vaterschaftsurlaub zustehen …

Artikel lesen