Schweiz

Trotz Negativzinsen: SNB sieht noch weiteren Spielraum für Zinssenkungen

17.11.16, 18:30 17.11.16, 19:06

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist mit ihrem Negativzins von 0.75 Prozent noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. «Wir gehen davon aus, dass wir, falls nötig, noch einen gewissen weiteren Zinssenkungsspielraum haben», sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler am Donnerstagabend in Genf.

Laut der SNB bestünde trotz Negativzins noch ein gewisser Zinssenkungsspielraum. Bild: KEYSTONE

Das Potenzial für Zinssenkungen im negativen Bereich sei durch die effektive Zinsuntergrenze begrenzt, sagte Maechler in einer Rede am Geldmarkt-Apero. Diese Untergrenze werde unter anderem durch die Kosten der Bargeldhaltung bestimmt. «Wo diese Zinsuntergrenze liegt, ist nicht exakt bestimmbar.»

Die Übertragung des negativen Zinses auf die Geld- und Kapitalmärkte verlaufe bei einer Zinsänderung im negativen Bereich praktisch gleich wie im positiven Bereich.

Dagegen sei im Bankensystem die Übertragung des Negativzinses uneinheitlich. Da die Einlagenzinsen der Banken mehrheitlich bei null verharrten, seien auch die Kreditzinsen, insbesondere jene am Hypothekarmarkt, weniger stark gesunken als die Zinssätze am Geld- und Kapitalmarkt.

«Diese unvollständige Transmission auf die Kreditzinsen ist aus Sicht der Nationalbank im aktuellen Umfeld nicht unerwünscht», sagte Maechler.

Kaufprogramme wirken

Bezüglich der Auswirkungen des Negativzinses auf die Investoren stelle die SNB fest, dass vor allem inländische Anlagen gesucht würden. Die von der Wirtschaft erzielten Leistungsbilanzüberschüsse würden nämlich meist in Franken umgetauscht und nicht, wie früher, im Ausland investiert.

«Dies trägt massgeblich zur Frankenstärke bei. Hier wäre die Bereitschaft der grossen Investoren, gewisse zusätzliche Risiken auf sich zu nehmen, geldpolitisch durchaus erwünscht», sagte Maechler. Die SNB hält den Franken nach wie vor für signifikant überbewertet.

Die geldpolitische Lockerung der grossen Zentralbanken durch ihre billionenschweren Kaufprogramme von Wertpapieren an den Finanzmärkten zeigten Wirkung. Die Programme der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of England und der japanischen Notenbank dürften über die verschiedenen Währungsräume hinweg die Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen im Mittel um gut einen halben Prozentpunkt reduziert haben, sagte Maechler. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der Rückbauer 18.11.2016 00:42
    Highlight Der grösste Raubzug der Geschichte....
    6 2 Melden
  • mrmikech 17.11.2016 20:06
    Highlight Was passiert eigentlich wann der leitzins wieder hoch geht, so wie vor einige jahren. Zahlen wir dann alle ein paar hundert franken pro monat mehr für die miete? Können wir das leisten? Vielleicht kann Watson mal skizzieren wie das aussehen würde?
    3 1 Melden
    • Der Rückbauer 18.11.2016 08:16
      Highlight Wenn die Zinsen hochgehen, werden auch die Hypotheken betroffen. Der Referenzzinssatz beträgt zur Zeit 1.75%. Wenn die Hypothekarzinsen steigen, werden auch die Mieten steigen. Das gehört zum Raubzug. Die EZB strebt eine Inflation von 2% (bei null Zinsen?) an. Wenn ihr das gelingt, werden die Sparer enteignet. Uebrigens ist die EZB heute schariakonform.
      5 2 Melden

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