Schweiz

Armee steht bereit - Einsatz in Bondo aber noch zu gefährlich

28.08.17, 16:52

Der Bergsturz bei Bondo GR

Im Südbündner Bergsturz-Ort Bondo steht die Armee zum Helfen bereit. Aber ein Einsatz im Bergell kommt derzeit nicht in Frage: zu gefährlich.

Bundesrat Guy Parmelin habe Hilfe zugesagt, aber der Einsatz sei im Moment zu gefährlich, betonte der Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Armeeangehörige müssten sich während der Arbeit im überschwemmten Auffangbecken vor dem Dorf Bondo im Notfall innert vier Minuten in Sicherheit bringen können. Das sei nicht möglich, weil das abgebrochene Material in Bewegung sei.

Mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind zivile Personen - und das unter ständiger aufmerksamer Beobachtung. Diese Leute sind laut Rathgeb in einer Minute aus dem Auffangbecken raus, sollte erneut Material aus dem Val Bondasca heraus geschwemmt werden.

Rathgeb erinnerte daran, dass am Grenzberg zu Italien, dem Piz Cengalo, eine weitere Million Kubikmeter Gestein in Bewegung ist, die jederzeit abbrechen könnte. Vier Millionen Kubikmeter waren am Mittwoch letzter Woche abgestürzt. Teile davon wurde via Val Bondasca ins Haupttal Bergell bis vor Bondo geschoben.

Zu gross zum Wegsprengen

Vom Berg sprengen, damit alles unten am Talboden liegt, lässt sich das restliche Felspaket nicht. Sprengbare Felsmassen lägen üblicherweise in der Grössenordnung von höchstens ein paar tausend Kubikmetern, hiess es bei den Spezialisten des Bündner Amtes für Wald und Naturgefahren.

Das Material, das seit Mitte letzter Woche vom Piz Cengalo ins Bergeller-Seitental abgestürzt ist, wird im Val Bondasco liegen gelassen. Abgesehen vom Dorf Bondo, das im Auslauf des Val Bondascas liegt, wären bei einem Absturz des restlichen Materials laut Behördenangaben grundsätzlich keine Infrastrukturen gefährdet.

Glückskette bereit

Bereit zum Helfen im Bergell ist die Glückskette Schweiz. Mediensprecherin Daniela Toupane zufolge verfügt die Hilfsorganisation über einen Unwetter-Fonds, in dem sich drei Millionen Franken befinden. Die Mittel in diesem Fonds seien der Grund dafür, dass kein spezieller Spendenaufruf für Bondo erlassen worden sei.

Die Glückskette könnte gemäss ihrer Mediensprecherin Soforthilfe im Bergell leisten, Überbrückungshilfe oder Hilfe bei der Begleichung von Restkosten. Die Hilfsorganisation warte auf konkrete Gesuche der Gemeinde Bregaglia oder von Privaten in Bondo. Mandatsträgerin der Glückskette vor Ort im Bündner Südtal ist die Hilfsorganisation Caritas.

Einer der grössten der letzten 100 Jahre

Bei einem der grössten Bergstürze in der Schweiz seit über 100 Jahren waren am letzten Mittwochvormittag schätzungsweise vier Millionen Kubikmeter vom Piz Cengalo abgebrochen. Eine Kombination von auftauendem Permafrost und Wasserdruck wird als Ursache vermutet.

Wahrscheinlich acht Menschen wurden verschüttet und verloren ihr Leben: vier Deutsche, zwei Österreicher und zwei Schweizer aus dem Kanton Solothurn. Die Suche nach den Vermissten wurde inzwischen eingestellt.

Im Rahmen der Abklärungen zum Unglück wird unter anderem der Frage nachgegangen, ob im Gebiet seitens der Gemeinden ausreichend auf die Naturgefahr eines Bergsturzes hingewiesen wurde. Der Piz Cengalo stand unter Beobachtung seit dem Absturz von Ende 2011, als am gleichen Ort 1.5 Millionen Kubikmeter Fels wegbrachen. Dieser Bergsturz hatte sich damals weitgehend unbemerkt ereignet. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Aweonao 28.08.2017 19:43
    Highlight Ich bin selbst angehender Offizier bei den Rettungstruppen der Schweizer Armee und komme mir nach dieser Nachricht ein wenig dumm vor. Schade, dass man Monatelang auf genau solch einen Einsatz trainiert und übt und dann nicht gebraucht wird, wenn es wirklich ernst gilt. Schliesslich gibt es uns für eben diese Fälle.
    23 4 Melden
    • Rendel 28.08.2017 22:33
      Highlight Klar werden sie gebraucht, man ist nur besorgt um ihr Leben oder man könnte es auch anders sagen: Man darf unsere Soldaten keiner Gefahr aussetzen, sollte etwas passieren, werden wir Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und könnten unsern Job verlieren.
      3 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.08.2017 18:53
    Highlight Warum können zivile Räumkräfte die Gefahrenzone innert 1 Minute verlassen und jene der Armee schaffen es nicht in vier Minuten?

    Könnte man das im Artikel vielleicht noch erläutern? Ist für mich nicht nachvollziehbar.

    (Beste Armee der Welt-Witz in 3...2...1...)
    15 14 Melden
    • ands 02.09.2017 11:28
      Highlight Das funktioniert so:
      Die Armee kommt zum Einsatz, wenn die Zivilen keine Mittel mehr haben. Solange nun aufgrund der Gefahrenlage nur wenige Räumkräfte eingesetzt werden können, gelangen diese auch nicht an ihre Grenzen. Damit wird die Armee nicht benötigt und daher nicht eingesetzt.
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 02.09.2017 12:49
      Highlight Macht Sinn. Danke für die Erläuterung.
      2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.08.2017 18:16
    Highlight Hahaha das ich nicht lache, Private Firmen sind bereits am aufräumen, aber unsere beste? Arme kneift und hat Angst es könnte etwas basieren😩
    9 41 Melden
    • Olmabrotwurst 28.08.2017 18:49
      Highlight Ja kann.. da die Armee dort arbeite wo sonst auch keine privat Firma sich hingetraut gruss von einem Rettungssoldat der an solchem einsatz auch schon beteiligt war...
      23 2 Melden
    • DonDude 28.08.2017 18:57
      Highlight Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Sie dürfen nicht!!! Das hat nichts mit kneiffen zu tun.
      20 2 Melden
    • Jein 28.08.2017 18:59
      Highlight Oder die Armee ist vernünftig? Es macht momentan schlichtweg keinen Sinn mehr Leute hinzuschicken, das würde die Evakuierungszeit erhöhen und noch mehr Leben aufs Spiel setzen. Geh doch selber hin wenn du so mutig bist.
      20 3 Melden
    • 7immi 28.08.2017 19:11
      Highlight nun ja, man spricht ja von verschiedenen evakuierungszeiten, daher nehme ich an, dass die zivilen kräfte andere aufgaben/andere einsatzzonen haben o.ä. (ist nicht weiter präzisiert im artikel).
      aber hauptsache mal was rumgebrüllt...
      22 4 Melden
    • Deorai 28.08.2017 19:15
      Highlight Das würde mich auch interessieren warum es für die Armee zu gefährlich ist wenn es für zivile Helfer geht
      6 10 Melden
    • Capt. Crunch 28.08.2017 19:19
      Highlight Auf was basieren deine Infos ?
      6 1 Melden
    • Rumbel the Sumbel 28.08.2017 19:56
      Highlight Bedenklicher ist, dass kein Spendenkonto eröffnet wurde. Sehr scheinhelig, dass dies nur über die Glückskette laufen soll. Man stelle sich vor, es wäre.........., dann würde kein Tag vergehen und ein Spendenkonto würde erlffnet sein!
      10 7 Melden
    • Hinkypunk 28.08.2017 20:52
      Highlight Bei Caritas kann man für Bondo spenden
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.08.2017 00:03
      Highlight @Rumbel: Es gibt ein Spendenkonto der Gemeinde Bergell.
      Hoffe, man kann es lesen auf dem Screenshot, sonst muss ich es morgen am PC nochmals posten.
      2 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.08.2017 11:32
      Highlight Hier nochmals zum rauskopieren:

      Banca Cantonale Grigione

      Comune di Bregaglia, Casella postale 36, 7606 Promontogno

      Numero del conto corrente: 10 057.718.112

      IBAN: CH33 0077 4010 0577 1811 2

      BIC (SWIFT): GRKBCH2270A
      2 0 Melden
    • SemperFi 30.08.2017 16:37
      Highlight @Rumbel the sumbel: Im Gegensatz zu irgendwelchen Drittweltländern ist im Kanton Graubünden jeder Hausbesitzer über die Gebäudeversicherung versichert. https://gvg.gr.ch/gvg-leistungen
      Zu dem gibt es verschiedene Fonds für Härtefälle. Also bei aller berechtigen Anteilnahme, die ordentlichen Strukturen reichen vollkommen.
      2 0 Melden
    • SemperFi 30.08.2017 16:44
      Highlight @keinsozi: Blödsinn, wer sagt dass die Armee Angst hat? Die Aussage es sei zu gefährlich kommt vom Kanton und nicht von der Armee. Das mag für Sie keine Rolle spielen, Hauptsache wieder mal eine Gelegenheit zum Armeebashing.
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