Schweiz
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Der Praesident der Hells Angels Zuerich, Hemi, links, mit dem Verteidiger des Angeklagten, Viktor Kletzhaendler, rechts, vor Prozessbeginn vor dem Bundesstrafgerichtsgebaeude in Bellinzona am Mittwoch, 4. Mai 2011. (KEYSTONE/Karl Mathis)

Patrick Hermetschweiler posiert im Mai 2011 mit einem Hells-Angels-Anwalt vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona.  Quelle: KEYSTONE

Rocker-Krieg reloaded

Was der Boss der Schweizer Hells Angels wirklich tut   

Das öffentlich kommunizierte Image von Patrick Hermetschweiler ist gutbürgerlich: Schweizergardist, Ex-Offizier, Töffteil-Händler. Wirklich?

01.06.14, 00:00 07.08.14, 17:41


Die Schweiz hat einen neuen Rocker-Club. Nachdem die Black Jackets sich nach einer massiven Intervention der Hells Angels aufgelöst haben, ist ein Grossteil ihrer Mitglieder zur Streetgang United Tribuns übergelaufen. Diese hat sich somit vor kurzem insbesondere in Zürich und in der Ostschweiz niedergelassen. Wie der Aargauer Polizeisprecher Bernhard Graser gegenüber der «SonntagsZeitung» sagte, drohe damit ein erneuter Konflikt mit den Hells Angels, den Chefs der Schweizer Rocker-Szene.  

Schweizer Rocker-Gruppierungen

Hells Angels: 
Traditionsreichste Biker-Gruppierung, die 1970 in Zürich gegründet wurde und mittlerweile über acht sogenannte Charter verfügt. Biker-Kutten mit Top- und Bottom-Rockern dürfen nur mit ihrer Erlaubnis getragen werden. Das Gleiche gilt für die Bezeichnung «MC» für Motorcycle Club. Wer den Regeln der Hells Angels zuwiderhandelt, muss mit gewalttätigen Strafaktionen rechnen. 

Black Jackets:
Secondo-Streetgang aus Süddeutschland. Expandierte um 2010 in die Schweiz. Musste sich wegen Zuwiderhandlung gegen die Kuttentrag-Regeln der Hells Angels auflösen. Hauptharst der Schweizer Mitglieder bildete die Zürcher Hooligan-Gruppierung Zürichs Kranke Horde (ZKH).

Satudarah: 
Holländische Biker-Gruppierung mit hoher Aggressionsbereitschaft. Gründete vergangenes Jahr einen Ableger in Basel. Öffentlich bekannte Strafaktionen der Hells Angels sind bisher ausgeblieben. 

United Tribuns: 
Ähnliche Wurzeln wie die Black Jackets. Gegründet von balkanstämmigen Kampfsport-, Türsteher-, Bodybuilder- und Milieu-Exponenten. Hat im Frühjahr durch Übernahme der Schweizer Black-Jackets-Mitglieder Ableger in der Schweiz gegründet. Diese treten in der Schweiz aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich mit Rocker-Kutten in Erscheinung.

Dieser Konflikt lässt sich vermeiden, wenn die United Tribuns zwei Dinge beachten: 

1. Keine bikertypischen Kutten mit Top- und Bottom-Rocker tragen, was den Untergang der Schweizer Black Jackets bedeutet hat

2. Den Hells Angels und dem Präsidenten ihres Zürcher Charters, Patrick Hermetschweiler, nicht ins Geschäft funken. 

Der zweite Punkt ist nicht ganz einfach einzuhalten, weil der Hells-Angels-Chef nur sehr eingeschränkt Transparenz bezüglich seiner beruflichen Tätigkeiten schafft und ein gutbürgerliches Image um seine Person geschaffen hat. 

Freiheitsliebend seien sie, Patrioten auch und ausserdem könnten sie es nicht mit Chefs, weshalb sie zumeist selbständig erwerbend seien. Er war in der Schweizergarde, war Offizier der Schweizer Armee und ist Vater zweier Kinder

Dieses – auch mit Hilfe eines PR-Beraters aus dem Zürcher Kommunikationsbüro Stöhlker öffentlich transportierte – gutbürgerliche Image rundet Hermetschweiler mit den Angaben zu seiner angeblichen beruflichen Tätigkeit ab.  

«Mit meinem Grosshandel beliefere ich Geschäfte für Töfffahrer mit T-Shirts und Harley-Davidson-Accessoires.»

Zitat Hermetschweiler in der Rubrik «Ein Tag im Leben» Das Magazin, Mai 2009

So behauptete er gegenüber dem «Magazin» des «Tages-Anzeigers», dass er T-Shirts und Harley-Davidson-Artikel verkaufe. Auch gegenüber dem «Sonntag» machte Hermetschweiler auf seriösen Selfmade-Unternehmer und behauptete: «Ich bin selbständig im Versand von Motorradzubehör tätig.»

Hemenschwyler? Hermetschwyler? Motorräder? 

Hinweise auf einen Motorradteilhandel finden sich in Zusammenhang mit Hermetschweiler, der es auch mit den Angaben zu seinem Namen nicht allzu genau nimmt und sich wahlweise als «Hemenschwyler» oder «Hermetschwyler» ausgibt, aber nirgends. Vielmehr taucht Hermetschweiler im Rotlichtmilieu auf und damit in einer klassischen Biker-Domäne. Zusammen mit Hells-Angels-Urgestein Roli Meier, der 2007 vergeblich versuchte, in Regensdorf neben einer Kirche ein Bordell zu eröffnen, betreibt Hermetschweiler die Divert GmbH (befindet sich in Auflösung) und die BI9 GmbH. Beide Firmen haben ihren Firmensitz bei E.C., einem Treuhänder, der auf Rotlicht spezialisiert ist und in den achtziger Jahren selbst im Zusammenhang mit der sogenannten «Call-Girl-Affäre» wegen des Vorwurfs der damals noch verbotenen «Kuppelei» verhaftet worden war. 

Kontaktbar und Sexinserate

Sowohl die Divert GmbH als auch die BI 9 GmbH geben als Zweck das «Führen, Verwalten, Kaufen und Verkaufen von Gastronomieunternehmungen» an. Vieles deutet darauf hin, dass Hermetschweiler genau das tut. So hält eine weitere seiner Firmen, die Streetlabel GmbH, die Internetdomain der Bar Bijou, einer Kontaktbar in Luzern. Über die BI 9 GmbH ist Hermetschweiler nicht nur mit Roli Meier, sondern auch mit Max Willi verbunden, dem Besitzer der stadtbekannten Luzerner Milieu-Liegenschaft Krienbrücke (siehe Grafik). Willi war vor sieben Jahren in die Schlagzeilen geraten, weil er Milieukönig Urs W. Gehrig mit seinem Bordellbetrieb aus dem Haus werfen wollte, wogegen dieser sich vor Gericht wehrte.

Für diese Kontaktbar wirbt Hermetschweiler mit seiner Firma Promosite im Internet.

Auch eine weitere Firma, die Hermetschweiler von einem unscheinbaren Geschäftshaus an der Ebenaustrasse im Luzerner Vorort Horw aus betreibt, hat mit Motorradzubehör nichts zu tun. Die Promosite GmbH betreibt ein Onlineportal für Milieu-Inserate, das auch auf der Homepage der Hells Angels verlinkt ist. Ein guter Kunde ist der Ostschweizer R. J., der in den achtziger Jahren zusammen mit Hermetschweilers Treuhänder E. C. in die Call-Girl-Affäre verwickelt war. J. bewirbt auf Hermetschweilers Inseratesammlung in Mastrils (GR) und St. Gallen je ein Bordell und betreibt ebenfalls eine Seite für Sexinserate. 

Patrick Hermetschweiler reagierte auch auf wiederholte Anfrage von watson nicht, um die Diskrepanzen zwischen den Unternehmenszwecken seiner verschiedenen Firmen und seinen öffentlichen Behauptungen zu seiner beruflichen Tätigkeit zu erklären. Hells-Angels-Anwalt Valentin Landmann sagt, es sei kein Geheimnis, dass Hermetschweiler in der Gastronomie tätig sei: «Das sagt er auch ganz offen jedem, der es wissen will.»

Rotlicht in der Ostschweiz, in der Innerschweiz, im Grossraum Zürich: Die Fäden laufen bei Hermetschweiler zusammen. 

Reorganisation und Revier-Erweiterung

Nach der 2004 von der Bundesanwaltschaft veranlassten Grossrazzia in ihrem Hauptquartier an der Zürcher Langstrasse haben sich die Hells Angels in Zürich-Affoltern niedergelassen. Den Rückzug aus dem Sexgeschäft in der Stadt Zürich und rund um die Langstrasse versuchen die Hells Angels im Zürcher Oberland, der Innerschweiz und in der Ostschweiz zu kompensieren. Zusätzlich gründen sie laufend neue sogenannte Charter (Filialen) im Aargau sowie in Basel, Genf oder St. Gallen, in die nach einer verkürzten Aufnahmezeit auch deutsche und österreichische Biker aufgenommen werden. Die Gründung neuer Charter in Grenznähe steht im Zusammenhang mit den sogenannten Rockerkriegen in Deutschland, wo verschiedene Organisationen wie die Outlaws, die Bandidos oder die Black Jackets teils mit Gewalt in die Rotlicht-Reviere der Hells Angels eindringen wollen. In den vergangenen vier Jahren haben die Hells Angels mit Unterstützung anderer Schweizer Motorradclubs verschiedene Rockergruppierungen daran gehindert, in der Schweiz Fuss zu fassen. So etwa die Outlaws und zuletzt die Black Jackets. 

Diesen Artikel haben wir Anfang Februar erstmals veröffentlicht. Aus aktuellem Anlass möchten wir ihn – mit mehr Hintergrundinformationen angereichert – unserer mittlerweile gewachsenen Usergemeinde empfehlen. 

 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • huntziker 03.06.2014 07:10
    Highlight schon nötigung und erpressung sind straftatbestände. und sie geben hier tipps, wie die eine kriminelle organisation den konflikt mit der anderen vermeiden sollte, damit die polizei weiter ihre ruhe hat? ein abscheuliches rechtsverständnis haben sie!
    7 17 Melden
  • Manatee 03.06.2014 01:21
    Highlight Wie naiv seid ihr eigentlich, zu glauben, dass das immer noch eine Gruppe von abenteuersüchtigen Motorradfahrern ist? Schaut mal was in der BRD, USA od.KANADA mit den HA läuft!
    16 13 Melden
  • Manatee 03.06.2014 01:17
    Highlight Wie naiv sind eigentlich die Leute? Wenn man die Presse und Medienberichte aufmerksam liesst und schaut, was da in Deutschland oder Kanada oder in den USA in Bezug HA alles läuft so muss man doch sehen, das was in Zürich in der Schweiz in den 70er Jahren enttanden ist Welten von dem entfernt ist was heute abläuft
    8 9 Melden
  • Markymark 07.04.2014 11:02
    Highlight Genau dieser Umstand, dass der Name von Hemi auch noch falsch wiedergegeben wurde in dem besagten Artikel, machte mich auch neugierig. Er gibt sich als Detailhändler aus, hat aber keinen Laden und auch sein Name taucht nicht im Zusammenhang mit einem solchen Geschäft auf im Handelsregister. Dafür ist er an den im obigen Artikel besagten Firmen beteiligt. Wäre ja auch kein Verbrechen, aber warum erzählt er so einen Mist? Auch Landmann nimmts mit der Wahrheit nicht so genau, denn im besagen Artikel erzählt Hemi nichts vom "Gastgewerbe". Auch dass sein Vater Kantonsrat ist, erfuhr man erst hier. Im Beobachter hat es auch einen Bericht über die HA, die Kommentare liess man vor 2 Wochen löschen... waren wohl zu kritisch. Hier könnte man durchaus noch fragen, wer das veranlasst hat...
    10 7 Melden
  • zombie1969 26.01.2014 10:36
    Highlight "In den vergangenen vier Jahren haben die Hells Angels mit Unterstützung anderer Schweizer Motorradclubs verschiedene Rockergruppierungen daran gehindert, in der Schweiz Fuss zu fassen. So etwa die Outlaws und die Black Jackets"
    Was bei den Behörden offenbar zu erheblicher Erleichterung geführt hat!
    43 4 Melden
    • Markymark 18.06.2014 07:44
      Highlight Ja, es lebe die Selbstjustiz! Black Jackets sind übrigends keine Rocker, die fahren gar keine Motorräder... Da kann man sich schon fragen, was die Hells an denen stört, ausser das sie Kutten tragen...
      7 14 Melden

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