Schweiz

#gerigate

«Es ist zu früh, um den Rücktritt Müllers aus dem Nationalrat zu fordern.»

18.08.14, 17:09 18.08.14, 18:04

Zwar entlasten die Präzisierungen der Kantonspolizeien Bern und Baden Geri Müller. Doch der Nationalrat bleibt in Erklärungsnot. «Er steht mit dem Rücken zur Wand», sagte der Vize-Ammann von Baden, Markus Schneider, am Montag vor den Medien. 

Gestern liess Müller über seinen Anwalt verlauten, es handle sich um eine rein private Angelegenheit. Er wolle sich zum Schutz der Privatsphäre aller Beteiligten nicht weiter äussern. Doch genau das fordern Partei- und Nationalratskollegen.

«Ich hoffe, dass sich Geri Müller bald dazu äussert. Das wäre das beste für ihn und für alle anderen», sagte Grünen-Nationalrat und Fraktionspräsident Balthasar Glättli auf Anfrage von watson. Und auch Müllers Aargauer Nationalratskollege Ulrich Giezendanner (SVP) sagte: «Mein Rat an Müller: Steh hin und erzähl die ganze Geschichte!»

Ulrich Giezendanner: «Mein Rat an Geri Müller: Steh hin und erzähl die ganze Geschichte!» Bild: KEYSTONE

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Nackt-Selfies: Ist Geri Müller als Nationalrat tragbar?

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Müller vorläufig vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs entlastet

Doch Müller schweigt. Zwar haben ihn die Präzisierungen der in den Fall involvierten Kantonspolizeien Aargau und Bern vorläufig vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs entlastet. Was aber bleibt, ist die Frage der Integrität. Wird Müller unter diesen Umständen aus dem Nationalrat zurücktreten müssen? 

Mit Antworten auf diese Frage halten sich seine Nationalratskollegen zurück. «Ich kann und will mich zum Fall Müller nicht äussern», sagte etwa der Aargauer Nationalrat Beat Flach (GLP). Es sei an der Partei- und Fraktionsleitung der Grünen, Müllers Zukunft zu besprechen. 

Jonas Fricker, Präsident der Grünen Aargau, sagte am Sonntagmittag gegenüber dem SRF Regionaljournal Aargau Solothurn nur: «Wir können niemanden zum Rücktritt zwingen.»

Geri Müller im Bundeshaus, im Gespräch mit Jakob Büchler (CVP). Bild: KEYSTONE

Reaktionen aus dem Bundeshaus auf Geri Müllers Selfie-Affäre: Überraschend, unverständlich, dumm. Rücktrittsforderungen werden aber nicht geäussert. quelle: radio 24

Grüne Partei Schweiz wartet auf Stellungnahme

Auch die Parteispitze hält sich zurück. Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz sagte, sie wolle sich erst ausführlich zu den Vorwürfen äussern, wenn sie mit dem Angeschuldigten gesprochen habe. Noch immer erwartet die Parteispitze eine klärende Stellungnahme zu den Nackt-Selfie-Vorwürfen. 

In einem Communiqué vom Montag liessen die Grünen verlauten, Müller müsse gemeinsam mit seiner Kantonal- und seiner Kommunalpartei entscheiden, wie es mit seiner politischen Laufbahn weitergehe. Intime Fotos im Büro aufzunehmen sei ein Fehler. Dies gelte umso mehr, wenn es sich um ein Regierungsgebäude handle.

«Solange die Faktenlage nicht geklärt ist, ist es zu früh, um den Rücktritt Müllers zu fordern.»

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner

Derweil wollte Glättli die Selfie-Affäre nicht beurteilen. «Wenn er mit den Fotos niemanden belästigt hat und keine Übergriffe passierten, ist das Privatsache.» Zu Frage nach Müllers zukünftiger politischer Laufbahn wollte er sich nicht äussern. Und auch Nationalrat Giezendanner sagte: «Solange die Faktenlage nicht geklärt ist, ist es zu früh, um den Rücktritt Müllers aus dem Nationalrat zu fordern.»

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Michael Mettler 18.08.2014 22:02
    Highlight Es ist zu früh den Rücktritt zu fordern aber die Zeit kommt...
    1 2 Melden
    • Chacal 19.08.2014 12:41
      Highlight Und es bleibt ihm doch nichts mehr anderes übrig, der ist ja nur noch eine Lachnummer.
      0 0 Melden
  • sewi 18.08.2014 18:41
    Highlight 130000Fr Nationalrat und 260000 Fr Lohn als Stadtammann.... Logisch will Herr Müller nicht zurücktreten. Tatsache ist dass er die Polizei auf die junge Dame gehetzt hat mit dem Ziel seine Fotos vernichten zu können. Dass jetzt einige versuchen Herrn Müller zu stützen, ist ebenso unmoralisch wie das Verhalten des Herrn Müller.Ein 54jähriger der mit einer 21 jährigen etwas anfängt... und solche Fotos schickt..... und dann die Polizei auf sie hetzt..... widerlich. Der Blick nennt ihn deshalb Grüsel Geri....
    8 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.08.2014 20:44
      Highlight Immer schön die Suppe warm behalten, selbst wenn heute Nachmittag Watson über die Stellungnahme der Polizei berichtete und es erwiesen ist wie alles abgelaufen ist. ich finde es absolut tragisch wie Menschen reagieren (Leserbriefe auch in anderen Online-Zeitungen). Herr Müller, sollte sich überlegen Anzeige zu erstatten so wie etwa Herr Mörgeli in seinem Fall. So könnten die Medien noch monatelang berichten und den Menschen wichtigere Themen vorenthalten und die Gerichte beschäftigen.
      0 0 Melden
    • Moe Mentmal 19.08.2014 10:56
      Highlight Ah.. Gut. Endlich meldet sich mal jemand, der die Fakten kennt. Zumindest die aus den Medien... Immer wieder grauslig so eine mediale Hexenverfolgung.
      1 0 Melden
  • Drude 18.08.2014 18:01
    Highlight Wichtig ist doch, dass er als Aargauer die weissen Socken anbehalten hat.
    3 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.08.2014 18:35
      Highlight Genau und könnt ihr die von der AZ Medien Gruppe (inclusive watson) hochgekochten Dorfposse unter euch regeln es interessiert die Welt nicht gross was der Badener Stadtamman im Amt oder Privat so zeigt.
      Mir tun ehrlich gesagt seine Kinder leid,mit so einem Vater sind die wohl voll bedient.
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    • Gelöschter Benutzer 18.08.2014 20:26
      Highlight @dr.be@! Da gibt es noch tausende Kinder und Ehefrauen in der Schweiz, die einem Leid tun müssen.
      0 0 Melden

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