Schweiz
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Geri Müller anlässlich der Medienkonferenz vom 19. August. Bild: KEYSTONE

Trotz #gerigate

Geri Müller will Stadtammann von Baden bleiben – derweil entzieht ihm der Stadtrat alle Ressorts

Geri Müller bleibt Stadtammann von Baden. Er nimmt sein Amt am 8. September wieder auf, wie er in einer Mitteilung schreibt. Doch der Stadtrat entzieht ihm das Vertrauen – und alle Ressorts.

02.09.14, 16:09 02.09.14, 18:25

«Verschiedene Kräfte wie auch die ‹Schweiz am Sonntag› haben versucht – mit Hilfe von Personen, die mich wegen meiner politischen Überzeugungen aus meinen Ämtern entfernt haben wollen –, mir aufgrund einer privaten Fehlleistung, Amtsmissbrauch zu unterstellen», schreibt Müller in seiner Medienmitteilung und betont zugleich: Es sei ihm sehr wichtig, nochmals klarzustellen, dass er durch keine dieser Fehlleistungen sein Amt als Stadtammann von Baden oder als Nationalrat für irgendwelche Zwecke missbraucht habe. In diesem Sinne wolle er ab 8. September sein Amt als Stadtammann von Baden wieder aufnehmen. 

«Ich habe mein Amt stets mit Herzblut, sorgfältig, engagiert, kompetent und im Sinne der Stadt Baden ausgeübt.»

Geri Müller, Stadtammann Baden und Nationalrat Grüne

Sein Mea culpa vor der Bevölkerung sowie seine ausführliche Medienmitteilung von heute scheinen den Badener Stadtrat indessen wenig zu beeindrucken. Die Stadtregierung entschied nämlich, dass Vizeammann Markus Schneider vorübergehend die Ressorts führen wird und diese später unter den übrigen Regierungsmitgliedern aufgeteilt werden sollen. 

Badener Vizeammann Markus Schneider. Bild: KEYSTONE

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  • 35%Nein, denn die Affäre hat das Vertrauen in ihn nachhhaltig erschüttert.

Ressorts werden neu verteilt

Der Badener Stadtrat bedauert Müllers Entscheid, hatte er ihm doch frühzeitig nahegelegt, im Interesse der Stadt Baden und der laufenden Geschäfte zurück zu treten. In den Augen der Stadtregierung haben das öffentliche Interesse, die Glaubwürdigkeit der öffentlichen Führung und das Image der Stadt mehr Gewicht als die persönlichen Interessen von Geri Müller, hiess es in der Mitteilung vom Dienstag. 

Müller kann nur die ihm per Gesetz zugeordneten Funktionen behalten. Den Beschluss begründete der Stadtrat mit seiner Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Indem Müllers Ressorts neu zugeteilt werden, soll die Geschäftsführung sichergestellt werden.

Amt stets mir Herzblut ausgeübt

In seiner Medienmitteilung schreibt Müller weiter: Diese Angelegenheit zeige einmal mehr die Bedeutung von Art. 28 des ZGB auf, der den Persönlichkeitsschutz für alle Menschen in diesem Lande verbriefe, so Müller. «Privates muss privat bleiben! Wenn durch Verletzung des Persönlichkeitsschutzes dieses Recht verletzt wird, muss dieser Schutz und damit das Recht wieder hergestellt werden, damit das Anrecht auf Persönlichkeitsschutz gewahrt bleibt in unserem Land.»

«Privates muss privat bleiben!»

Geri Müller, Stadtammann Baden und Nationalrat Grüne

Geri Müller anlässlich der Medienkonferenz vom 19. August. Bild: KEYSTONE

Bezüglich seiner Arbeit als Stadtammann von Baden sei weder von politischer Seite noch von Seiten meiner StadtratskollegInnen Kritik vorgebracht worden. «Ich habe mein Amt stets mit Herzblut, sorgfältig, engagiert, kompetent und im Sinne der Stadt Baden ausgeübt. Auch von politischen Gegnern wurde die Qualität meiner Arbeit nicht in Zweifel gezogen. Trotzdem, mein persönliches, privates Fehlverhalten hat viele BürgerInnen auf einer moralischen Ebene irritiert. Dafür habe ich vollstes Verständnis», schreibt Müller in seiner Mitteilung.

«Würde ich nun von meinem Amt als Stadtrat zurücktreten, würde ich zustimmen, dass künftig Denunziantentum und Verletzung des Persönlichkeitsschutzes Eingang ins Repertoir politischer Strategien findet. Damit würde schweizweit ein Präjudiz geschaffen.» (sza)



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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • thompson 03.09.2014 00:23
    Highlight Erschreckend, dieser grüner Personenkult. Wacht auf! Der GE Konzern krallt sich bald die Alstom. Arbeitsplätze sind in Gefahr. Baden braucht einen neuen STAPI! Sicherlich keiner der Selfies verschickt und jetzt von allem Ämter entbunden wird. Müller muss weg! Baden braucht Ruhe. Geri der Berufspolitiker will natürlich nicht gehen. Aber seine Existenz ist im Nationalrat gesichert. Die der Alstom Büetzer nicht.
    1 1 Melden
  • julio shim 03.09.2014 00:08
    Highlight Da der Stadtrat die Arbeit unter sich aufteilt die vorher Gerry machte, stellt sich die Frage ob
    sie in ihren Ämtern zu viel Freizeit haben;)
    2 0 Melden
  • sewi 02.09.2014 19:34
    Highlight Warum stellt er sich nicht Neuwahlen? Dann klärt sich die Vertrauensfrage
    1 2 Melden
  • Jol Bear 02.09.2014 18:40
    Highlight Formal kann ihn niemand aus dem Amt jagen, sein Fehlverhalten ist zu wenig relevant. Es liegt an der Badener Bevölkerung anlässlich der nächsten Wahlen zu entscheiden, ob er weiterhin im Amt bleibt oder nicht. Seine Amtskollegen legen ihm den Rücktritt nahe. Das wird parteipolitisch motiviert sein, aber ebenso auch weil die ganze Affäre eben doch einen unappetitlichen Beigeschmack hat. Nacktselfies am Arbeitsplatz, im Büro, während der mit öffentlichen Geldern bezahlten Arbeitszeit, das ist zumindest ein wirksames Fasnachtsthema. Das Image der Stadtregierung erhält jedenfalls einen sonderbaren Beigeschmack, Vorurteile gegenüber den Beamten werden bestätigt. Ich meine auch, dass er hätte zurücktreten sollen. Wenn er anders entscheidet, ist es trotzdem sein gutes Recht.
    3 1 Melden
  • kettcar #lina4weindoch 02.09.2014 16:49
    Highlight Eine schwache Leistung des Badener Stadtrates. Sie beugen sich dieser Kampagne oder nutzen sie sogar aus, um einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Das Zeichen, dass damit ausgesendet wird ist offensichtlich: Es lohnt sich, politische Gegner unter der Gürtellinie anzugreifen, bar jeder relevanten Thematik. In diesem Punkt müsste sich die Schweiz eine Scheibe von Frankreich abschneiden (wenn auch nicht eine allzu dicke).
    21 14 Melden
    • Neptun 02.09.2014 17:25
      Highlight Naja, da könnte man Geri Müller mit seinen eigenen Aussagen treffen (Stichwort Affäre Nef). Für mich ehrlich gesagt noch viel wichtiger als die Schmuddelbilder ist die Frage, was Müller in Damaskus getrieben hat und was genau dahinter steckte. Denn so privat, wie er immer sagte, scheint die Reise nicht gewesen zu sein...
      12 4 Melden
    • klugundweise 02.09.2014 17:32
      Highlight Und was hat z.B. Herr Blocher in Nordkorea getrieben ?!
      2 2 Melden
    • thompson 03.09.2014 00:24
      Highlight Blocher war wandern... und stellt sich wenigstens dem Klassenfeind:p Geri Müller geilt sich ab dem Mossad auf
      0 1 Melden
    • Neptun 03.09.2014 01:22
      Highlight Gute Frage. Mangels Kenntnis der Sachlage möchtd ich nicht zu weit gehen.

      Für mich steht einfach fest, dass Politiker jedwelchen Couleurs, Aussenpolitik dem EDA überlassen soll, dessen Job es ja notabene ist. Empfinde das Verhalten des EDA in dieser Sache übrigens mindestens genau so fragwürdig!
      1 0 Melden
  • Samst4r 02.09.2014 16:25
    Highlight Seldwyla im Quadrat...!!!

    Ein solcher Stadtammann hat offensichtlich keinen Respekt vor seiner Bevölkerung. Dass eine solche Entscheidung - und erst noch so spät - getroffen wird, spricht durchaus für den Charakter.

    Man kann nun auf die Reaktionen der bürgerlich wählenden Unternehmer hoffen, welche in Baden sehr gut vertreten sind. Wer will schon an einer Sitzung an das Innenleben Geri Müllers Hosen denken?
    10 23 Melden
    • kettcar #lina4weindoch 02.09.2014 16:56
      Highlight Bullsh*, hätte er keine Bedenkzeit genommen, hätte das ziemlich viel darüber ausgesagt, wie gut gereift sein Entscheid ist. Er hat von Anfang an gesagt, er werde es nun vom Vertrauen seiner Wählerschaft abhängig machen. Dieses zu prüfen benötigt Zeit. Und seine Wählerschaft steht zu ihm. Und die hat ihn gewählt und nicht der bürgerliche Teil von Baden oder der KMU-Filz oder der Samst4r... Daher ist es auch richtig, dass GM seine Entscheidung nicht von diesen Personen abhängig macht. Und wenn Sie nur noch an GM's Hoseninhalt denken können, dann sagt das eher was über Ihren Charakter aus.
      11 8 Melden
    • Samst4r 02.09.2014 18:50
      Highlight @kettcar:

      Ich vergleiche Ihre beiden Statements:

      16.49h: "Es lohnt sich, politische Gegner unter der Gürtellinie anzugreifen, bar jeder relevanten Thematik."

      16.56h: "Und wenn Sie nur noch an GM's Hoseninhalt denken können, dann sagt das eher was über Ihren Charakter aus."

      Hier ein Lied für Sie:

      2 2 Melden
    • kettcar #lina4weindoch 03.09.2014 11:13
      Highlight Mitnichten. 1. sind sie nicht mein politischer Gegner und ich kein politischer Aktuer, also darf ich Sie - im Rahmen des gesetzlichen - angreifen wie es mir beliebt 2. sagt es wirklich was über Ihren Chrakter aus, wenn sie politisches und persönliches nicht trennen können, das ist somit kein Angriff unter der Gürtellinie 3. sind die Heuchler die, die GM wegen der Moral angreifen, obwohl sie die Politik meinen.
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