Schweiz
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Une voiture de la Police Cantonale Vaudoise se faufile alors que des voitures circulent sur trois pistes dont la bande d'arret d'urgence, BAU, sur l' autoroute Geneve - Lausanne, A1, au niveau de la sortie Morges-Est sous les panneaux prevus a cet effet ce jeudi 23 octobre 2014 a Morges, Vaud. L'utilisation pour le trafic de la bande d'arret d'urgence sur l'A1 entre Morges (VD) et Ecublens est efficace, mais pourrait etre encore amelioree, selon une evaluation de l'EPFL. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Zwischen der Verzweigung Birrfeld und Aarau Ost soll der Pannenstreifen zu einer dritten Fahrspur umgenutzt werden (Symbolbild). Bild: KEYSTONE

Zu früh gefreut

Warum nicht alle Pannenstreifen zu Fahrspuren werden

Im Aargau liebäugeln Politiker und Strassenbauer mit einer Umnutzung der Pannenstreifen, um akute Verkehrsengpässe zu beseitigen. Eine bestechend einfache Idee. Warum das alles trotzdem nicht so einfach ist.

Der Kanton Aargau kämpft mit Verkehrsproblemen. Auf der A1 staut sich der Verkehr nicht nur zu Stosszeiten mit einer beunruhigenden Regelmässigkeit. Pläne, die A1 zwischen Aarau Ost und Birrfeld auf sechs Spuren auszubauen, werden zwar auf Kantonsebene rege diskutiert und finden in den verschiedensten politischen Gremien eine Mehrheit. In Bern will man davon allerdings nichts hören. Ausgerechnet die «eigene» Bundesrätin Doris Leuthard hat der Idee einer sechsspurigen Autobahn eine Absage erteilt. 

Eine Alternative zum Spurausbau bringt nun die Astra-Filiale Zofingen, ein Ableger des Bundesamts für Strassen, ins Spiel: die temporäre Umnutzung von Pannenstreifen. Gemäss einer Sprecherin der Filiale ist ein solches Projekt zwischen der Verzweigung Birrfeld und Aarau Ost geplant. Gegenüber der Aargauer Zeitung gibt sich die Astra-Filiale Zofingen zuversichtlich, dass das Umnutzung-Projekt bis 2018 umgesetzt werden kann.  

Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen Astra, relativiert diese Aussagen im Gespräch mit watson. «Die Idee, die Pannenstreifen als dritte Spur zu öffnen, klingt erst einmal bestechend, so einfach ist das aber nicht», gibt er zu bedenken.

Warum der Pannenstreifen noch lange nicht zum normalen Fahrstreifen wird:

1. Der Pannenstreifen ist zu wenig breit

«Eine gewöhnliche Autobahnspur ist zwischen 3,7 und 3,8 Meter breit, Pannenstreifen sind teilweise nur 2,5 Meter breit.» Damit die Pannenstreifen als zusätzliche Autobahnspur genutzt werden können, sind bauliche Massnahmen nötig.

Des voitures circulent sur trois pistes dont la bande d'arret d'urgence, BAU, sur l' autoroute Geneve - Lausanne, A1, au niveau de la sortie Morges-Est sous les panneaux prevus a cet effet ce jeudi 23 octobre 2014 a Morges, Vaud. L'utilisation pour le trafic de la bande d'arret d'urgence sur l'A1 entre Morges (VD) et Ecublens est efficace, mais pourrait etre encore amelioree, selon une evaluation de l'EPFL. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Autobahnstrecke zwischen Genf und Lausanne – Pannenstreifen sind teilweise um etwa einen Meter schmaler als normale Fahrspuren.  Bild: KEYSTONE

2. Der Pannenstreifen hat andere Funktionen

«Der Pannenstreifen ist eine Art Mehrzweckstreifen», sagt Thomas Rohrbach. Er wird nicht nur von Pannen- und Rettungsfahrzeugen benutzt. «Er wird auch zu Unterhaltszwecken eingesetzt, wenn beispielsweise Böschungen gemäht oder Schnee geräumt werden muss», erklärt Rohrbach. Diese Wartungsarbeiten würden viel aufwändiger, wenn der Pannenstreifen als Fahrstreifen benutzt wird.

Bauarbeiter Thiago Castro wartet am Steuer seines Kippers auf eine Ladung Bruchbeton, auf der Baustelle des Weyermannshaus Viadukts auf der Autobahn A12 am Mittwoch, 21. Juli 2010 in Bern. Die Autobahn Stadttangente Bern wird bis ins Jahr 2012 mit grossen Aufwand fuer 400 Millionen Franken gesamterneuert. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Bauarbeiten auf der Autobahn Stadttangente Bern.  Bild: KEYSTONE

Zudem müssten bei einer Umnutzung des Pannenstreifens zusätzliche Nothaltebuchten gebaut werden, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Als Nothalte- oder Ausfallbuchten werden die Ausfahrten bezeichnet, auf denen etwa Unfallfahrzeuge zum Stehen kommen. 

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Ausfallbucht neben einem Pannenstreifen (Symbolbild). Bild: pd

Nicht zuletzt müssen die Ein- und Ausfahrten neu gebaut werden, da diese grösstenteils auf dem Pannenstreifen verlaufen. «Die Ausfahrspur ist zum Verlangsamen da. Es ist nicht möglich, von der Autobahn abzufahren, ohne zu verlangsamen», sagt Rohrbach.

Die gegenseitig einspurige Autobahn A-8 zwischen Alpnach und Sarnen im Kanton Obwalden am Mittwoch, 10. September 2014, bei Alpnach soll in den naechten jahren ueberarbeitet werden. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Autobahnzufahrt auf der A8 zwischen Alpnach und Sarnen im Kanton Obwalden am Mittwoch. Bild: KEYSTONE

3. Es gibt keinen Pannenstreifen auf Brücken und in Tunnels

Bei Brücken und Tunnels fehlen die Pannenstreifen meistens. Dort müssen andere Lösungen in Betracht gezogen werden – der Stau ist stattdessen bei diesen Engpässen vorprogrammiert.

A motorhome driving on the road right before the southern portal of Teh Gotthard tunnel. Pictured on June 26, 2012, in Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Wohnmobil faehrt vor dem Suedportal des Gotthard Strassentunnels, aufgenommen am 26. Juni 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

In Tunnels und auf Brücken müssten Alternativlösungen zu den fehlenden Pannenstreifen zum Einsatz kommen – Einfahrt zum Südportal des Gotthard-Tunnels  Bild: KEYSTONE

4. Die Pannenstreifen-Nutzung kostet viel

Die Kosten einer Umnutzung des Pannenstreifens sind hoch, wie ein Pilotversuch auf der A1 zwischen Morges und Ecublens gezeigt hat. Dieser habe Kosten im «zweistelligen Millionenbereich» verursacht, sagt Rohrbach. Ein massgeblicher Kostenfaktor stellen zudem die Verkehrsleitsysteme dar, die «gewährleisten müssen, dass der Pannenstreifen möglichst schnell freigegeben und beispielsweise bei Unfällen wieder gesperrt werden kann», ergänzt der Astra-Sprecher.

5. Der Pannenstreifen ist ein Politikum

Die grössten Hindernisse für eine Umnutzung der Pannenstreifen bestehen aber aus Sicht von Rohrbach nicht in den baulichen oder verkehrstechnischen Bereichen, sondern auf dem politischen Parkett: «Viel schwieriger, als die baulichen Massnahmen zu verwirklichen, ist es, die politischen und juristischen Prozesse abzuschliessen, bis ein Pannenstreifen- oder Vollausbau-Projekt umgesetzt werden kann.»



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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • boxart 05.11.2014 10:07
    Highlight Highlight Toll, wie fahrlässig die schlauen Politiker-Köpfe den Verkehrsfluss verhindern können.
    Toll, dass ich im Aussendienst für eine Fahrt von 17km mit dem Auto 90min. benötige.
    Toll, dass ich im Stau bin und sehen kann, dass es eine freie Spur (Pannenstreifen) auf der rechten Seite hat.
    Toll, dass ich nie ausraste und immer die Nerven behalten kann.
    Toll, dass die Kunden immer Verständnis für die Verspätungen haben.
    Toll, dass es so schwierig und teuer sein kann, neue weisse Linien zu malen.
    Toll, dass ich nicht neidisch auf Deutschland bin, die Brettern legal auf schmäleren Spuren mit über 200 Sachen.
  • Lukas Hauri 04.11.2014 18:09
    Highlight Highlight Wie wärs wenn man das Rechtsüberholverbot per Signalisation temporär aufhebt ab einer bestimmten Verkehrsdichte?
    Ich bin zurzeit in den USA und ein änliches System findet man hier. Ist der Highway frei wird links überholt, wirds voller fährt jede Spur ihr eigenes Tempo und man muss nicht permanent darauf achten, dass man von links kommende Autos überholt.
    • u_m_d_nathalie 04.11.2014 18:33
      Highlight Highlight man muss den Amerikanern echt nicht alles abschauen, aber deren Verkehrssystem find ich um Meilen besser! :-)

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