Schweiz

Neues Ausländergesetz: Genfer Justiz hat bereits 20 Straftäter ausgewiesen

17.02.17, 13:58 17.02.17, 14:18

Die Genfer Justiz hat seit Oktober gegen straffällig gewordene Ausländer schon 20 Landesverweise verfügt, die auf dem neuen Ausländergesetz basieren. Dieses verschärft die Landesverweis-Kriterien mit der vom Volk angenommenen SVP-Ausschaffungsinitiative stark.

Unbefristete Haft

Die Genfer Behörden haben das neue Gesetz bereits mehrfach angewendet. Bild: KEYSTONE

Keine einzige der von der ersten Instanz, dem Genfer Polizeigericht, verhängten Ausschaffungen wurde bislang vollzogen, wie Henri Della Casa, Sprecher der Genfer Justiz, am Freitag sagte. Er bestätigte damit Informationen der Zeitung «Tribune de Genève».

Die Landesverweise seien gegen Verurteilte ohne einen Bezug zur Schweiz verfügt worden. Einige der Betroffenen befänden sich seit ihrer Verurteilung in Ausschaffungshaft.

Wann sie ausgeschafft werden, konnte der Sprecher nicht sagen. Das Problem: Sie stammen aus Ländern wie Marokko, mit denen die Schweiz keine Rückübernahmeabkommen hat, oder wie Algerien, bei denen es trotz Abkommen mit den Rückschaffungen hapert, da die Beschaffung der Dokumente ein Hin und Her ist. Damit ist offen, wie lange die Verurteilten in Ausschaffungshaft sitzen müssen.

Berufung abgelehnt

Gemäss der Zeitung hat der Anwalt eines Algeriers bereits gegen die unbefristete Ausschaffungshaft seines Mandanten rekurriert. Er unterlag aber bei der Berufungskammer des Genfer Strafgerichts, die ein Untertauchen des Algeriers befürchtet.

Die «Tribune de Genève» zitiert aus dem Urteil der zweiten Instanz: «Die Unsicherheit über die persönliche Situation des Beschuldigten in der Schweiz (ohne Arbeit, ohne gültige Identitäts- oder Aufenthaltspapiere, ohne Obdach und ohne familiäre Bindungen) lässt darauf schliessen, dass ein gesteigertes Risiko besteht, dass der Beschuldigte in die Illegalität abtaucht und damit die Ausschaffung unterläuft.»

Anwalt Romain Canonica wolle diese Urteil ans Bundesgericht weiterziehen, schrieb die Zeitung. Es ist nicht zwingend, jemanden in Haft zu nehmen, der einen Landesverweis kassiert hat.

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Seit Oktober in Kraft

Der Bundesrat hat das verschärfte Ausländergesetz auf den 1. Oktober 2016 in Kraft gesetzt, nachdem das Volk im Februar desselben Jahres die noch schärfere Durchsetzungsinitiative zur Ausschaffungsinitiative der SVP abgelehnt hatte. Die Ausschaffungsinitiative selbst hatte das Volk 2010 angenommen.

Seit Oktober müssen Richter bereits bei Straftaten wie Einbruch einen Landesverweis für Ausländerinnen und Ausländer verhängen. Bei Sozialhilfemissbrauch oder kleineren Drogendelikten können sie dies tun, selbst wenn der Delinquent in der Schweiz geboren wurde und seit Jahrzehnten in Land lebt.

Bei Secondos hat die Schweizerische Staatsanwälte-Konferenz (SSK) aber empfohlen, eine besonders detaillierte Interessensabwägung durchzuführen. Wenn gewisse Bedingungen erfüllt seien, sei auf einen Landesverweis zu verzichten.

Wie das Gesetz im Detail umgesetzt wird, muss sich in der Praxis weisen. Das letzte Wort dürfte das Bundesgericht haben oder gar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg.

(sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • atomschlaf 17.02.2017 17:06
    Highlight Der Titel ist etwas irreführend geraten. Die Ausschaffungen wurden offenbar erst angeordnet, vollzogen wurde noch keine einzige.

    Es müssen endlich wirksame Druckmittel geschaffen werden und zwar sowohl gegen die Ausreiseunwilligen wie auch gegen deren Heimatländer.
    16 1 Melden
  • Gavi 17.02.2017 16:07
    Highlight WOW! Doch 20!! Und wie viele Tausend die nicht hier sein sollten, leben im Gefängnis noch von unseren Steuergeldern? Das Perfide daran ist, dass das die Kriminellen den Lohn, den sie im Knast verdienen, behalten können. d.h. wir dummen Steuerzahler bezahlen zweimal. Einmal den Aufenthalt und einmal den Lohn. Wie blöd bin ich eigentlich, dass ich noch arbeite?
    31 10 Melden
  • Chrigi-B 17.02.2017 15:29
    Highlight Ganz einfach: Ausschaffung? Im "Chäfig" bis er ins Flugzeug kann! Algerien und Marroko kooperieren nicht? Bundesanwaltschaft soll gefälligst alle Konten derjenigen Länder sperren! Wetten in Genf & Zürich liegen Millionen oder Milliarden der Eliten der jeweiligen Länder! Lernt endlich von der EU und den Amis 🙈 Jemand will nicht? Tja, Konten sperren, Hilfen streichen (welche sowiso nie beim Volk ankommen) usw.
    42 3 Melden
    • Asalato 19.02.2017 00:15
      Highlight Lernt endlich von den Amis? Hahahahahaha....
      0 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 17.02.2017 14:57
    Highlight Die Maghreb Staaten mit ihrem Export von zukunftslosen jungen Männern setzen uns wirklich zu. Kottbuser Tor in Berlin ist ein schönes Beispiel dafür. Oder auch gewisse Gebiete im Vieri bei uns. Das schlimme ist, dass man sie aufgrund von fadenscheinigen Argumenten nicht abschieben kann.

    34 1 Melden
    • Chrigi-B 17.02.2017 17:16
      Highlight Man könnten sie schon abschieben, aber das passiert erst wenn unsere Politiker aus ihrem Tagtraum erwachen. Sprich wenn der Erste im HB in Fetzen fliegt und Unschuldige sterben.
      9 3 Melden
  • reaper54 17.02.2017 14:21
    Highlight Mh alle Länder die sich weigern ihre Landsleute zurückzunehmen bekommen einfach keinen rp entwicklungshilfe mehr... Die würden ihre Landsleute darum anflehen zurückzukommen 😄
    44 3 Melden
  • Wilhelm Dingo 17.02.2017 14:15
    Highlight Die Staaten welche ihren eigenen Landsleute nicht aufnehmen müssen endlich härter angefasst werden. Da gibt es genug Möglichkeiten wenn die Politik nur wollte.
    48 4 Melden

«Das ist einfach nicht ehrlich» – SRG-Sprecher erbost über Biglers «Ja SRG: No-Billag Ja»

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