Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Bild: AP/POOL REUTERS

Vermittlung im Ukraine-Konflikt

Hat Burkhalter Putin gezähmt? Oder wurde er aufs Kreuz gelegt?

Die Reaktionen auf das Treffen von Bundespräsident Didier Burkhalter mit Wladimir Putin fallen durchzogen aus. Die einen feiern ihn als Held, doch insgesamt dominiert die Skepsis.

08.05.14, 15:34 09.05.14, 07:08

Der Moskau-Besuch von Didier Burkhalter hat am Mittwoch Bewegung in die verfahrene Lage in der Ukraine gebracht. Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich erstmals kompromissbereit: Er forderte die prorussischen Separatisten in der Ostukraine auf, das für Sonntag geplante Unabhängigkeits-Referendum zu verschieben. Er äusserte sich positiv zur Präsidentschaftswahl in der Ukraine vom 25. Mai. Und er betonte, Russland habe seine Truppen von der ukrainischen Ostgrenze abgezogen.  

Auf den ersten Blick war die Mission des Bundespräsidenten, die er in seiner Eigenschaft als derzeitiger Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) unternahm, ein Überraschungscoup. Entsprechend euphorisch fielen die Reaktionen vor allem in den Schweizer Medien aus.

Von «Erfolg» oder gar «Triumph» war die Rede. Sogar als Held wurde Didier Burkhalter vereinzelt tituliert.

In ausländischen Medien gab es ebenfalls Lob für den Aussenminister. Focus Online veröffentlichte ein Porträt über Burkhalter mit dem Titel: «Das ist der Mann, der Putin zähmte». Er sei ein «Aktenfresser mit äusserst zäher Konstitution», der über einen unschätzbaren Trumpf verfüge: «Dank der Schweizer Neutralität liess er sich bislang weder von Prorussen noch von Proeuropäern vereinnahmen.»

Solches allerdings ist die Ausnahme. In den meisten Weltmedien beschränkt sich Burkhalters Präsenz auf Fotos und Bewegtbilder. Sein Name taucht bestenfalls in einem Nebensatz auf, und in der Einschätzung dominiert Skepsis.

Ist Didier Burkhalter tatsächlich ein Coup gelungen? Oder hat er sich vom versierten Judoka Putin aufs Kreuz legen lassen? Die NATO jedenfalls vermeldete noch am Mittwochabend, es gebe keinen Hinweis auf den russischen Truppenabzug.

Als «taktischen Rückzug» bezeichnet der Guardian die geforderte Absage des Referendums in der Ostukraine. «Was es wollte, hat Russland auch so schon erreicht», kommentiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Besonders kritisch zeigt sich Die Welt«Putin wird in jedem Fall immer das kommunizieren, was ihn am besten dastehen lässt.» Und die New York Times fordert USA und Europa zu «umfassenden und harten Wirtschaftssanktionen gegen Russland» auf für den Fall, dass es sich um eine weitere Finte Putins handle.

«Man muss bei Putin sehr stark aufpassen. Er trickst in letzter Zeit sehr viel und hat die internationale Staatengemeinschaft in den letzten Monaten immer wieder am Nasenring durch die Manege gezogen», meinte SRF-Korrespondent Christoph Wanner am Mittwochabend in der Tagesschau

Am Donnerstag konnten sich die Skeptiker bestätigt fühlen: Die prorussischen Kräfte in der Ostukraine erklärten, sie würden ihr geplantes Referendum über eine Unabhängigkeit nicht verschieben. Für einen möglichen Friedensnobelpreis für Vermittler Didier Burkhalter ist es definitiv noch zu früh.

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • yota berlin 10.05.2014 11:21
    Highlight Putin hat seine Haltung nicht geändert, er setzt schon seit Wochen auf Deeskalation. Hier eine detaillierte Analyse:

    http://www.voltairenet.org/article183712.html
    2 0 Melden
  • okaiser 08.05.2014 19:39
    Highlight Bravo Didier, t'es sur la bonne voie !
    1 0 Melden
  • Nicoscore 08.05.2014 18:27
    Highlight Dies klingt für mich ganz klar nach einem Erfolg. Wenn Putin seine Truppen jetzt zurückzieht, heusst das aber nicht, dass Russland sich aus diesem schwierigen Konflikt einfach heraus schleicht. Putin besänftig zwar im Moment, er wird wohl aber seine Finger im Spiel lassen.
    1 2 Melden
  • Zeit_Genosse 08.05.2014 16:20
    Highlight Wenn es dem Burkhalter gelingt, das so weiter zu führen, dann kommt der Friedensnobelpreis in Schweizer Nähe. Reputation für die neutrale Schweiz.
    4 2 Melden
  • odh 08.05.2014 16:10
    Highlight Viel Lob für BR Burkhalter kommt mir vor, wie das Feiern vor einem Fussballmatch, weil es nachher nichts mehr zu feiern gibt. Abgerechnet wird am Ende. Warten wir die Entwicklung ab!
    3 4 Melden
  • Horny 08.05.2014 15:59
    Highlight Warum wird hier nicht auch berichtet, dass davor Kiew die Weiterführung der Antiterror Kampagne bekannt gegeben hat?
    9 2 Melden
    • Der Tom 08.05.2014 17:04
      Highlight Das würde zu viel Klarheit schaffen.
      3 3 Melden
    • Yuppie 08.05.2014 17:05
      Highlight weil hiesige Medien und Agenturen nicht an einem Dialog interessiert sind - weil uns allen das Hirn gewaschen wird.
      6 5 Melden

SVP-Präsident Rösti: «Unsere Wähler laufen nicht über, sie bleiben einfach zuhause»

Am Wochenende gab es in den Kantonen Zürich und Genf erneut deutliche Niederlagen für die lange erfolgsverwöhnte SVP. Parteipräsident Albert Rösti spricht von resignierten Anhängern, mangelnder Mobilisierung und erklärt, weshalb die Linke von sprudelnden Steuern profitiert.

Herr Rösti, die SVP hat am Wochenende erneut verloren. Nicht nur in den Städten gab es Niederlagen, sondern auch in der Agglo und in Landgemeinden wie Rafz oder Eglisau. Befindet sich die Partei in einer flächendeckenden Krise?Albert Rösti: Nein, das ist gar nicht der Fall, wenn die Partei auf sehr hohem Niveau gewisse Verluste einfährt. Klar ist aber: Es ist uns zu wenig gelungen, die Leute zu überzeugen, dass es die SVP braucht, etwa bei der Sicherung von Arbeitsplätzen von über …

Artikel lesen