Schweiz

Die stetige Tariferhöhung bei der Bahn müsse ein Ende haben, so VöV-Präsident Stückelberger.  Bild: KEYSTONE

ÖV-Preise, faule Schweizer und kein Geld für den Zahnarzt: Das schreibt die Sonntagspresse

09.07.17, 06:38 09.07.17, 09:04

Ende des Preisanstiegs bei der Bahn

Fahrten im öffentlichen Verkehr in Bus und Bahn sollen auf absehbare Zeit nicht teurer werden. Die Preise seien in den letzten Jahren stark gestiegen, was die Branche mitgetragen habe. Jetzt müsse die stetige Tariferhöhung aber ein Ende haben, sagt der Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr, Ueli Stückelberger, in einem Interview der «Zentralschweiz am Sonntag» und der «Ostschweiz am Sonntag». Der Preisüberwacher sei erstmals seit langem nicht aktiv geworden. Dies sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass keine Erhöhung bei den Billet- und Abopreisen vorgesehen sei. Zu den Preisen meinte Stückelberger, dass die Tarife im Berufs- und Schülerverkehr sehr gut seien, die Preise für diese Abonnemente seien angemessen. Im Freizeitverkehr aber müssten die Transportunternehmen attraktiver werden. Denn dieser Bereich werde immer wichtiger, und die Einzeltickets seien relativ teuer.

Kein Geld für den Zahnarzt

In der Schweiz verzichten jährlich 180'000 Personen aus Kostengründen auf eigentlich notwendige Zahnarztbesuche. Dies berichten die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» unter Berufung auf das Bundesamt für Statistik. Betroffen sind vor allem Minderbemittelte, die noch keine Sozialhilfe bekommen und denen medizinische Notfälle nicht staatlich finanziert werden. Viele würden sich über Wochen mit Schmerzmitteln behelfen und so ihre Situation verschlimmern, sagte Ramona Schäfer, Sozialberaterin bei Caritas Zürich. Mittellosen Familien empfiehlt sie Zahnärzte, die auf Ratenzahlungen einsteigen und einen niedrigen Sozialtarif verrechnen würden. Denn nicht behandelte Zahnprobleme könnten neben Zusatzkosten weitere gesundheitliche Schäden und den sozialen Abstieg zur Folge haben, sagte die Beraterin. Mit gepflegten Zähnen seien zudem die Jobchancen deutlich besser.

Schweizer arbeiten immer weniger

Die Schweizer sehen sich gerne als arbeitsam und fleissig. Doch das Klischee stimmt je länger desto weniger, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Gemäss einer neuen Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich beträgt die durchschnittliche Jahresarbeitszeit nur noch 1562 Stunden. Der zeitliche Einsatz liegt damit nur wenig höher als in Frankreich mit 1474 Stunden – obwohl dort die gesetzliche Arbeitszeit mit 35 Stunden pro Woche sehr tief ist. Der Grund für die geringe Differenz sei der hohe Anteil der Teilzeitarbeit in der Schweiz: Mit 37 Prozent liegt die Quote rund doppelt so hoch wie in Frankreich. In vielen Ländern arbeiten die Angestellten im Schnitt mehr Stunden als in der Schweiz, so etwa in Österreich (1608 Stunden), Grossbritannien (1674 Stunden) und insbesondere in den USA mit 1770 Stunden. Auf den tiefsten Wert kommen die Deutschen mit 1371 Stunden pro Jahr. Im Jahr 1950 schufteten die Schweizer Arbeiter noch 2400 Stunden jährlich. Sie begnügten sich mit zwei Wochen Ferien und nur jeder siebte Angestellte kam in den Genuss eines freien Samstags. Dass die zeitliche Belastung seither um einen Drittel gesunken ist, sei der höheren Produktivität zu verdanken, erklärt Studienautor Michael Siegenthaler in der «NZZ am Sonntag»: «Der massive Rückgang der Arbeitszeit dokumentiert den eindrücklichen Anstieg des Wohlstands in unserer Gesellschaft.» 

Bundesratspoker: Levrat drängt FDP zu Ticket mit zwei Frauen

SP-Präsident Christian Levrat hat der FDP in der Frage um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter ein Kandidaten-Ticket mit zwei Frauen nahegelegt. Die FDP habe ein Gleichstellungsproblem erster Güte, sagte Levrat in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Die Freisinnigen hätten seit 1989 nie mehr eine Bundesrätin gehabt. Bisher habe es 116 Bundesräte gegeben, 7 davon waren Frauen, davon 3 von der SP. Diese habe die SP nur in den Bundesrat gebracht, weil sie zwei Frauen auf das Ticket gesetzt habe. Zum bisher als Kronfavoriten gehandelten FDP-Nationalrat Ignazio Cassis sagte Levrat, dass für die SP noch nichts entschieden sei. Weder Cassis noch sonst jemand sei Favorit. Die SP entscheide im August, ob der Anspruch der FDP überhaupt gegeben sei und ob es jemand aus der Romandie, dem Tessin oder der Deutschschweiz sein solle. Laut Levrat gehe die FDP amateurhaft vor. Zuerst seien die Freisinnigen vom Rücktritt ihres Bundesrats überrumpelt worden, dann hätten sie vorschnell erklärt, der Sitz gehöre der lateinischen Schweiz, und die FDP-Frauen hätten leichtfertig auf ihre Ansprüche verzichtet, sagte der SP-Präsident.

Atombomben-Verdacht: Schweiz stoppt Ausfuhr von Ventilen

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat im Juni die Ausfuhr von Spezial-Ventilen nach Pakistan gestoppt. Es vermutet, dass diese nicht wie deklariert für ein Belüftungssystem bestimmt gewesen waren, sondern für das pakistanische Atomwaffen-Programm, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Dem SECO lägen Informationen vor, dass die Ventile an eine nuklearrelevante staatliche Einrichtung weitergeleitet würden, sagte Jürgen Böhler, Leiter der Abteilung Dual-Use-Licencing, der Zeitung. Die staatliche Einrichtung sei ins pakistanische Nuklearwaffenprogramm involviert. Es war nicht der erste Versuch eines Staates, in der Schweiz Teile oder Maschinen für den Bau von Atombomben zu kaufen. Laut dem letzten Geschäftsbericht des Bundesrats ist die Schweiz weiterhin von solchen Bestrebungen betroffen. Ein Insider erklärte der «NZZ am Sonntag», hinter den Versuchen, an Maschinen und Teile für den Bau von Atomwaffen zu kommen, stünden in der Regel nicht anerkannte Atommächte, in erster Linie Pakistan, manchmal aber auch Indien oder Nordkorea.

Frau von Schweizer Imam wollte Selbstmordattentat verüben

Im Libanon ist die Frau eines im Thurgau lebenden Imams und Terrorverdächtigen verhaftet worden. Der 28-Jährigen wird laut «SonntagsZeitung» vorgeworfen, ein Selbstmordattentat geplant zu haben. Gescheitert ist der Plan, weil die Syrerin auffiel, als sie mit dem Mobiltelefon Fotos von möglichen Anschlagszielen machte. Ihr 49-jähriger im Thurgau lebender Ehemann aus dem Irak soll die Frau ermutigt haben, sich in die Luft zu sprengen. Gegen ihn führt die Schweizer Bundesanwaltschaft unabhängig ein Verfahren. Ihm wird zur Last gelegt, ein Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat zu sein und im Umfeld der Winterthurer An'Nur-Moschee Jugendliche für den Krieg rekrutiert zu haben. Er soll dort gelegentlich als Imam tätig gewesen sein. Der Anwalt des Mannes wollte gegenüber der Zeitung keine Stellung nehmen.

Entschädigungen für Verdingkinder

Weil bei weitem nicht alle ehemalige Verdingkinder und Opfer von Zwangsmassnahmen bei den Behörden ihre Ansprüche auf Entschädigung angemeldet haben, sollen sie aktiv dazu bewegt werden. Guido Fluri, Vater der Wiedergutmachungsinitiative, will auf Betroffene zugehen und ihnen helfen, ihre Gesuche zu formulieren. Dafür habe er in seiner Stiftung neue Kapazitäten geschaffen, erklärte der Unternehmer dem «SonntagsBlick». Selbst wenn dies bedeutete, dass er im nächsten halben Jahr 200 Altersheime besuchen müsse. Manche der bisherigen Gesuche sind zudem offenbar Fälschungen. Diese wurden von Menschen verfasst, die gar nie Opfer staatlicher Massnahmen waren. Er habe Kenntnis von «vereinzelten Vorwürfen, wonach Personen ohne Anspruch versuchen, einen Solidaritätsbeitrag zu erhalten», sagt der zuständige Delegierte des Schweizer Justizdepartements, Luzius Mader. Die Zahl solcher Fälle dürfte allerdings gering sein.

Zuger Klage gegen Becker abgewiesen

Das Zuger Kantonsgericht hat eine Zivilklage gegen die Tennislegende Boris Becker mit Forderungen von über 40 Millionen Franken abgewiesen. Dies berichtet die «Zentralschweiz am Sonntag». Ein ehemaliger Geschäftspartner fordert von Becker im Zusammenhang mit einer Stiftung mit Sitz in Baar ZG für die Ausrichtung von Sportcamps die Einhaltung von Rückzahlungsversprechen. Laut dem Zeitungsbericht, der sich auf Aussagen des Anwalts von Beckers Kollegen stützt, anerkannte das Zuger Gericht die Forderung zwar. Die Richter erklärten aber, dass das entsprechende Darlehen nicht rechtsgültig gekündigt worden sei. Das Gericht will seinen Entscheid am Montag publizieren. (sda/amü)

Das könnte dich auch interessieren:

Trump-Buch «Fire and Fury» kommt als TV-Serie

Kein Plastikmüll mehr bis 2030: Mit diesen 3 Massnahmen will es die EU schaffen

Apple knickt ein – neues Feature gibt iPhone-Usern (endlich) die Wahl

PSG gewinnt mit 8:0 – Neymar hat gleich bei 6 (!) Treffern seinen Fuss im Spiel 😱

Achtung! Dieses fiese SMS crasht iPhones und Macs 😳

Fall Ansari: Ein schlechtes Date ist kein Übergriff. Und Sex zu wollen kein Verbrechen

Das war knapp! So viel Glück wie diese 14 Menschen wirst du in deinem Leben nicht haben

So wird «Der Bestatter» aussehen, wenn dem SRF das Geld ausgeht

So reagiert Sharon Stone auf die Frage, ob sie je sexuell belästigt wurde

«Klugscheisser» brilliert bis zu dieser Frage, bei der KEINER von 3 Jokern hilft

History Porn Teil XXVI: Geschichte in 23 Wahnsinns-Bildern

Eltern ketteten ihre Kinder an Betten: Polizei befreit 13  Geschwister aus Horror-Haus

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 11.07.2017 01:22
    Highlight Flüchtling sollte man sein, da bekommt man alles gratis, vom Rechtsanwalt bis zum Zahnarzt.
    0 0 Melden
  • na ja 09.07.2017 14:34
    Highlight Hallo?? 200 Altersheime besuchen um Wiedergutmachung an Verdingkindern? Davon haben diese Leute vielleicht gerade rein nix davon, das fliesst dann direkt an die Kosten fürs Heim!
    Was nicht heisst, dass ich dagegen bin, dass die Verding und Heimkinder, entschädigt werden.
    3 1 Melden
  • Majoras Maske 09.07.2017 13:19
    Highlight Das mit dem Zahnarzt ist ein echtes Problem und ich kenne auch Personen die trotz 100% Arbeitspensum den Zahnarzt nicht bezahlen können. Es würde Zeit, dass der Zahnarzt auch von der Krankenkasse abgedeckt wird, immerhin zahlen die Menschen, die sich den Zahnarzt nicht leisten können genug Krankenkasseprämien.
    19 4 Melden
    • Midnight 10.07.2017 08:42
      Highlight Meine Rede! Kanns ja mal echt nicht sein bei so teuren Prämien, die wir in der Schweiz bezahlen müssen!
      3 1 Melden
    • Amboss 10.07.2017 09:18
      Highlight Jaja, die KK soll alles übernehmen. Natürlich steigen die Prämien immer weiter.


      Aber: Zahnarzt via KK ist bereits heute möglich, mittels einer Zusatzversicherung.
      Diese übernimmt dir für einen monatlich ziemlich bescheidenen Betrag je nach Versicherung zB 50% oder 75% der Zahnarztkosten.
      2 2 Melden
  • Tilman Fliegel 09.07.2017 06:56
    Highlight Punkto Zahnarzt kann man Menschen in finanziell angespannter Lage eigentlich nur das Ausland empfehlen. Sicher schlauer als Ratenzahlung beim Schweizer Zahnarzt.
    32 5 Melden
    • Triple 09.07.2017 12:13
      Highlight Zahnärzte in der Schweiz, ein rotes Tuch.
      14 2 Melden
    • Pingurin 09.07.2017 21:14
      Highlight Danke dafür reicht das Geld aber auch nicht wirklich... War vor ca 10 Jahren das letzte Mal beim zahnarzt... Aber e rächta obschtbrand hilft auch
      7 1 Melden

Wie die Bürokratie Ärzte, Lehrer und Co. erdrückt

Immer mehr Papierkram, immer neue Formulare: Die bürokratische Last am Arbeitsplatz nimmt zu. Psychologen sind alarmiert. Doch wie schlimm ist die Situation wirklich? Die «Nordwestschweiz» war zu Besuch bei drei betroffenen Berufsgruppen.

Barbara Dätwyler (43) wirkt eigentlich ganz entspannt. Doch wenn die Präsidentin der Ostschweizer Sektion des Berufsverbands der Pflegefachfrauen und -männer (SBK) über ihren Berufsstand spricht, dann weicht das Lächeln schon mal aus ihrem Gesicht, dann bilden sich unter den kurzen roten Haaren schon mal ein paar Sorgenfalten auf der Stirn.

Immer mehr Formulare, immer aufwendigere Dokumentationen, immer detailliertere Abrechnungen stellten die Motivation der Pflegenden auf die Probe, erzählt …

Artikel lesen