Schweiz
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ARCHIV – ZUR MELDUNG UEBER STEIGENDE TRASSENPREISE UND DIE DAMIT ERWARTETEN TEUREREN BILLETTE UND ABONNEMENTE DER SBB, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL AUS DEM ARCHIV ZUR VERFUEGUNG. - Ein elektronisches Zugbillet wird angezeigt mit der App der SBB auf einem Mobiltelefon im Zuercher Hauptbahnhof, am 16. Oktober 2013 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Differenzierte Preise: das Ticket auf dem Smartphone. Bild: KEYSTONE

Individuelle Ticketpreise: Die Berufspendler als grosse Verlierer? 

Die SBB will Billett-Preise und Angebote individueller auf Kundenbedürfnisse anpassen. Diese Pläne stossen nicht nur auf Zustimmung.

Patrik Müller / Nordwestschweiz



Für SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar steht fest: «Das Smartphone eröffnet neue Perspektiven.» Es gebe bei Tickets und Abonnements «ganz neue Möglichkeiten der Preisdifferenzierung», sagte sie im Interview mit der «Schweiz am Wochenende». Der Weg sei klar: «Billett-Preise und Angebote werden individueller werden, entsprechend den Kundenbedürfnissen.» Konkret erwähnte Ribar die Idee, allen Passagieren «General-Abo-Komfort» zu bieten und ein individuelles GA zu lancieren, das ein frei wählbares Kostendach hat.

Was gut klingt, gefällt nicht allen. Pro Bahn Schweiz – die Interessenvertretung der Kunden im öffentlichen Verkehr – plädiert für eine Vereinfachung der Tarife und befürchtet, die Digitalisierung führe zum Gegenteil: «Zu einer noch grösseren Vielfalt an Billettlösungen», wie Karin Blättler sagt, die Präsidentin von Pro Bahn. Mit den Sparbilletten (siehe Kasten unten) gibt es bereits heute Einzeltickets, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Blättler kritisiert: «Ein Teil der Billettangebote steht etwa 70 Prozent der Kunden nicht zur Verfügung.»

Grosse Nachfrage nach Spar-Billetten

Von A nach B zu fahren, das war früher auf dem SBB-Netz zu jeder Zeit gleich teuer. Diese Einheitstarife sind aber Geschichte, seit die Bahn sogenannte «Sparbillette» auf den Markt gebracht hat. Die SBB verkaufen sie auf ihren digitalen Kanälen: über die Mobile-App und im Internet auf www.sbb.ch/ticketshop. Pro Tag setzen die SBB 9000 Sparbillette ab. Kürzlich haben sie mitgeteilt, dass den Kunden seit 2015 rund 88 Millionen Franken Rabatt gewährt worden seien.

«Wildwuchs der Billettpreise»Vor allem aber hegt man bei Pro Bahn den Verdacht, durch einen «unkontrollierten Wildwuchs der Billettpreise» (Blättler) würden die Berufspendler benachteiligt. Sie könnten am Ende die Zeche zahlen, weil zu Stosszeiten keine Rabatte oder sonstigen Vergünstigungen infrage kommen. «Ausgerechnet jene Bevölkerungskreise, die wegen der Benutzung des öffentlichen Verkehrs einen längeren Arbeitsweg auf sich nehmen, so zur Entlastung der Strasse beitragen und zur Umwelt Sorge tragen, würden vermehrt zur Kasse gebeten werden, wenn sie zur Arbeit müssen», sagt die Pro-Bahn-Präsidentin.

Anders beurteilt man beim Verband öffentlicher Verkehr (VöV), dem Zusammenschluss aller Transportunternehmen, die neuen Ticket-Vorschläge. Verbandsdirektor Ueli Stückelberger sagt zur «Nordwestschweiz», das Smartphone sei als Verkaufskanal neuer Billettlösungen eine grosse Chance. Denn der öffentliche Verkehr mache heute drei Viertel seines Umsatzes mit Abonnements (Halbtax, Generalabo, Streckenabo etc.). «Doch bei den Einzelbilletts sind wir relativ teuer, und das hält gerade junge Leute und Menschen, die in der Freizeit unterwegs sind, vom Benutzen des öffentlichen Verkehrs ab.»

Jüngere Passagiere ansprechen

Es sei ein erklärtes Ziel des VöV, bei diesen Zielgruppen attraktiver zu werden. «Mich sorgt die Kostenschere, die sich im Vergleich zum Privatverkehr auftut: Die Schiene wurde im Gegensatz zur Strasse immer teurer.» Innovative Ticketlösungen könnten hier Abhilfe schaffen und neue Kundengruppen abholen.

SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar äusserte sich im Interview ebenfalls zum Problem der steigenden Ticketpreise. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurden die Billette und Abos immer teurer. Diese Gewohnheit gilt in der neuen Welt mit Fernbussen, Uber und selbstfahrenden Autos wohl nicht mehr. «Wir müssen versuchen, eine Stabilisierung der Preise hinzubekommen», so Ribar. «Dies gemeinsam mit der ganzen Branche. Denn die Mobilität verändert sich gerade grundlegend.»

Zumindest mit dieser Absicht dürften wohl alle einverstanden sein. 

Realität trifft Zugpendler – und zwar voll ins Gesicht!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rookie 20.11.2017 10:27
    Highlight Highlight Klar liebe SBB: Ich würde an ihrer Stelke auch auf die Handys zugreifen wollen: Die Bewegungsprofile können sie dann für x Millionen teuer verkaufen. ONLINE TICKETS NEIN DANKE!!!!
  • Adualia 20.11.2017 09:37
    Highlight Highlight Individuelle Preiserhöhungen für alle! Yaay! :)
  • Butschina 20.11.2017 09:14
    Highlight Highlight Das macht mich langsam hässig. Es wird immer teurer, aber der Service lässt nach, zumindest für mich als Rollstuhlfahrerin. Ich kann nicht mal mehr nach Bern ins Kino. Der letzte Zug, ohne einen Umweg von einer Stunde, fährt um 21.40 Uhr. Das ist erst seit 1.5 Jahren so. Davor hatte es im RX Zugpersonal und somit durften Rollstühle eingeladen werden. Jetzt nicht mehr. Wenn ich reklamiere, heisst es, das Angebot werde immer besser... Vielleicht in Zürich, aber nicht zwischen Olten und Bern. Zudem werdem die Anschlüsse enger. Meist muss ich einen Zug auslassen. Ist nicht das Thema nervt aber.
  • mille_plateaux 20.11.2017 09:12
    Highlight Highlight Fluggesellschaften und Hotels haben schon vor Jahren flexible Preise eingeführt. Der Unterschied: Bahnmobilität ist für viele kein Luxus, den man sich halt gönnt, sondern pure Notwendigkeit.

    Und gerade die Menschen, die absolut auf den Schienenverkehr angewiesen sind, haben in der Regel aber keinen Job, der flexible Arbeitszeiten erlaubt. «Besteuert» würden mal wieder die Kleinen und die Büezer.
  • Thinktank 20.11.2017 09:00
    Highlight Highlight Die SBB Preise basieren heute auf Quersubventionierung und Solidarität, sonst würde eine Reise in ein Bündnertal viel mehr kosten. Man kann das zu Ende denken und die Monopolleistung als einen der wirklichen Service Publique allen anbieten und über die Steuern einziehen. Die Preise sollte man generell abschaffen. Jeder Schweizer erhält einen Chip und kann fahren so oft er will und den Touristen kann man einen temporären Chip verkaufen. Funktioniert in den Skigebieten bereits perfekt. Es braucht keine CEO's und VR's die den Gewinn maximieren, sondern die Sicherheit und Pünktlichkeit.
    • f303 20.11.2017 10:59
      Highlight Highlight ... und alle Nicht ÖV Benutzer zahlen für die Anderen die Benutzung mit? Es gibt durchaus Bereiche, wo ich für eine solidarische Kostenstruktur bin. In diesem Fall allerdings nicht. ... dann dauert es sicher auch nicht lang bis zur NO-SBB Initiative.
  • Ökonometriker 20.11.2017 08:45
    Highlight Highlight Die Arbeitnehmer werden eher mit den Autos kommen wenn das Auto relativ zur Bahn billiger wird und die Arbeitgeber in den Stadtzentren werden einfach noch höhere Löhne zahlen müssen um die höheren Pendelkosten abzudecken da wer kann sonst anderswo arbeitet.

    Eine gute Infrastruktur ist wichtig für jede Volkswirtschaft, kurze Pendelzeiten verbessern die Gesundheit. Statt jede Preiserhöhung bei der Bahn mit höheren Strassenpreisen kontern zu wollen sollten wir in beides investieren. Da die Landpreise dann steigen kann man ja einen Teil der Kosten über eine Immobiliengewinnsteuer zurückholrn.
    • Haiderfroh 20.11.2017 09:19
      Highlight Highlight Die Bahn ist unökologisch und irrsinnig teuer im Vergleich zur Strasse. Wir sollten die Eisenbahn einfach eingehen lassen.
      Das weitaus ökologischste Massenverkehrsmittel sind die Reisecars. Sie haben den kleinsten Energieverbrauch und CO2-Ausstoss pro Personenkilometern von allen Verkehrsmitteln, wenn man den Gesamtverbrauch der ganzen Infrastruktur betrachtet. Danach kommen PKWs, sofern mehr als eine Person darin fährt.
      Ein Familie ist mit dem eigenen Auto viel ökologischer und billiger unterwegs, als mit der Bahn. Das ist ein unbequeme Wahrheit für die SBB-Apologeten, ich weiss.
    • Ökonometriker 20.11.2017 10:26
      Highlight Highlight @Haiderfroh: das Stichwort bei den PKWs ist hier 'wenn mehr als eine Person drin fahren'. Wenn man die Grenzkostenrechnung mit Gaskraft gem. Prof. Bütler macht, braucht man glaub 1.8 Personen. Das ist beim Pendeln eben oft nicht so.

      An gewissen Hochfrequenzrouten ist die Bahn schneller und sinnvoll. Man sollte keine Technologie per se ablehnen.
    • Haiderfroh 20.11.2017 23:05
      Highlight Highlight @Ökonometriker
      Man sollte aber auch keine Technologie per se subventionieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Tom 20.11.2017 08:43
    Highlight Highlight Stehe im uralten und völlig überfüllten Ersatzzug richtung Basel. Die 1. Klasse habe ich nicht gefunden. Steckdosen gebe es dort aber auch keine.... meint der Schwellenhüpfer.. Sitzplatz natürlich auch nicht. Dafür möchte ich nicht noch mehr bezahlen müssen.
  • dommen 20.11.2017 08:28
    Highlight Highlight "Individuell auf Kundenbedürfnisse aabstimmen..." Ja ne ist klar. Wieder so ein vertechnisiert-pseudokundenfreundliches Geschwätz. Die sehen mehr Wertschöpfungspotential zu Stosszeiten und wollen es Abgreifen, das ist alles.
  • GrennendesBüssi 20.11.2017 07:36
    Highlight Highlight Liebe SBB sagen sie doch gerade das alles wiedermal teurer wird!
  • Bulwark 20.11.2017 07:10
    Highlight Highlight Solange die Arbeitgeber am derzeitigen Model festhalten, wird es wohl oder übel so kommen. Die Revolution in Sachen Arbeitszeit wäre so beinahe unumgänglich. Die altbekannten "Bürozeiten" würden abgeschafft & Individualität, sowie von zu Hause aus arbeiten gefördert.
    • NicoleTa 20.11.2017 09:08
      Highlight Highlight Super Idee, können meine Gärtner dann auch von zu Hause aus ihren Garten pflegen? Oder der Maler? Handwerker und viele andere Berufe können sich ihre Arbeit nicht frei einteilen....
    • Nevermind 20.11.2017 09:19
      Highlight Highlight Juhui. Abschaffen der altbekannten Bürozeiten? Bedeutet das, dass ich dir dann rund um die Uhr anrufen darf?
      Wir hatten mal eine Revolution der Arbeitszeiten. Das ist schon so lange her, dass sich niemand erinnern will wie es war, als man den Ansprüchen der Arbeitgeber schutzlos ausgeliefert war.
    • Haiderfroh 20.11.2017 09:38
      Highlight Highlight So einfach ist das nicht. Alle Verkehrsinfrastruktur ist fast durchgehend überlastet von ca. 7 - 19 Uhr.
      Die Auslastung der Verkehrsinfrastruktur könnte eigentlich nur wirksam verteilt werden, wenn die Menschen ihren natürlichen Tag-Nacht-Rythmus dafür aufgäben. Es wäre sehr ungesund und volkswirtschaftlich schädlich, weil die Läden, Ämter, Restaurants/Kantinen, der Bahnbetrieb, etc., 24 Std. täglich offen sein müssten, und das bei gleich vielen Kunden. Das macht alles unproduktiver und vernichtet viel Geld. Die Umweltbilanz wäre wohl auch negativ.
      Heimarbeit dagegen könnte helfen.

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