Schweiz

SBB empört

Der erste Fanzug unter der gemeinsamen Verantwortung der Fanarbeit Bern und der Fan-Dachorganisationen des Berner Super League Klubs BSC Young Boys und der SBB erreicht mit jubelnden YB Fans aus Lausanne kommend den Bahnhof Bern am Sonntag, 11. September 2011. YB gewann das Spiel gegen Lausanne mit 0:3 Toren. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Archivbild: Ein Extrazug für YB-Fans, 2011 Bild: KEYSTONE

«In Fanzügen die Notbremse zu ziehen, ist in Mode gekommen»

28.04.14, 19:33 29.04.14, 07:36

Für manche Fussballfans gehört sie zum Matchbesuch wie Wurst und Bier: Die Notbremse. So auch am Sonntag: Als einige Fans in Basel nicht rechtzeitig in den Zug einsteigen, wird die Notbremse gezogen. Zehn Mal. Weil sie während der Fahrt nach Muttenz FCB-Fans erblicken, stoppen die Passagiere den Zug – um rasch auszusteigen. Als der Zug dann in Richtung Zürich fährt, wird die Notbremse wieder gezogen. Dieses Mal in Brugg, weil ein paar Fans nicht nach Zürich fahren und dort umsteigen wollen. 

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  • 7%Ich verstehe die Aufregung nicht. Das gehört doch dazu.
  • 7%Das ist mir eigentlich egal. Solange mein Zug deswegen nicht verspätet ist.

Gegen 400 Mal jährlich wird ein SBB-Zug von einem Passagier gestoppt. In mehr als drei Vierteln der Fälle missbräuchlich. Wie oft das in den Extrazügen passiert, darüber führen die SBB keine Statistik. Doch gemäss Mediensprecher Christian Ginsig geschehe das «öfters» nach Fussballspielen. «Die Züge werden als rechtsfreie Räume wahrgenommen und nach Lust und Laune gestoppt», sagt Ginsig.

Fussballfans verstehen die Empörung nicht

Der SBB-Sprecher sieht eine zunehmende Tendenz. «In Fanzügen die Notbremse zu ziehen, ist in Mode gekommen», so Ginsig. Diese Entwicklung lässt sich zwar nicht an Zahlen festmachen. Doch auch Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz ist überzeugt, das es das früher «in diesem Ausmass» nicht gegeben hat. «Es ist eine absolute Unsitte», empört sich Schreiber. Eine Unsitte, die keinen Sinn ergebe. «Eine Mehrheit der Fans will doch nach dem Match nur nach Hause.» 

Fussballfans zogen am Sonntagabend die Notbremse. Bild: freshfocus

Während eine Mehrheit lieber rasch nach Hause will, kann eine Minderheit nicht nachvollziehen, dass das Ziehen einer Notbremse nicht goutiert wird. Für sie ist es normal, einen Extrazug nach eigenem Gusto anhalten zu können. Vorwürfe nach Gewaltausschreitungen und Sachschäden seien verständlich. Dass man das Ziehen der Notbremse verurteile, jedoch nicht. Auch Charterverträge, wie sie die SBB nun fordern, würden – was das Benutzen der Notbremse betrifft – keine Wirkung zeigen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sterpfi 29.04.2014 09:00
    Highlight Vorschlag: Die SBB soll für die Spezialzüge alte Wagen verwenden und die Notbremsen in diesen ausser Betrieb setzen. Vom Passagier zu bedienende Notbremsen sind vom BAV vermutlich nicht zwingend vorgeschrieben, denn bei der RhB hat es zum Teil auch Züge ohne für den Passagier zugängliche Notbremsen.
    1 2 Melden
  • mary p 29.04.2014 03:04
    Highlight grufti sucg dir hobbies.
    2 1 Melden
  • Canoto 28.04.2014 21:34
    Highlight Dass willkürliche getätigte Notbremse-Vergehen die breite Öffentlichkeit derart beunruhigen, kann ich gewissermassen noch nachvollziehen. Was jedoch auch gesagt werden muss: Nicht immer liegt dieser als Zuwiderhandlung eingestuften Tat eine allseits verschriene Fan-Dummheit zu Grunde.

    In gewissen Situationen ist sie ein politisches Druckmittel, um der von den Fans als stetig wachsend wahrgenommene Kontrollrepression entgegen zu wirken. So weiss ich aus eigener Erfahrung, dass schon einer der beiden Zürcher Vereine einen demokratischen Entschluss fasste, die Notbremse zu ziehen, um in einer Gaststadt nicht von einem in letzter Sekunde angekündigten Polizei-Grossaufgebot zwecks Kontrolle auf illegale Substanzen wie Feuerkörper oder Drogen untersucht zu werden.

    Auch wenn's viele nicht akzeptieren wollen oder können. Ultraismus gilt als Subkultur und wird sogar als Jugendbewegung seitens gewisser wissenschaftlichen Teilgebieten anerkannt. So stellt sich die finale Frage: Warum traut man dieser Bewegung und derartigem Handeln also kein politisches Motiv zu? Täte man dies, so könnte man sich schnell von der nervigen «Dummheit»-Diskussion entfernen und die Motive und Anliegen diskutieren. Wäre doch spannender, oder?

    Habe fertig.
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    • Gelöschter Benutzer 28.04.2014 22:47
      Highlight Den normalen Bürger und Steuerzahler interessiert das eigentlich überhaupt nicht, ob das eine Subkultur ist oder nicht. Das sind Geisseln der Gesellschaft und Querulanten. Bei solchen Geschichten kommt höchstens der Wunsch auf in diese mit Ultras und sonstigen Deppen gefüllten Züge ("Fussballfans" sage ich nicht das wäre eine Beleidigung für die richtigen Fans) mit einigen Tränengaspetarden auszuräuchern.
      7 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.04.2014 23:13
      Highlight @Cem: Ich kann das gewissermassen nachvollziehen. Doch die SBB (bzw. die tätigen Kontrolleure, Reinigungskräfte..) als Ventil zu benutzen, um Luft rauszulassen, ist nicht nur gemein, aber richtig fies!
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    • Statler 29.04.2014 02:16
      Highlight «Politische Motive»? Ernsthaft? Die Lachnummer des Tages. Ich kann durchaus nachvollziehen, wenn man eine Razzia fürchtet, aber mit Politik hat das hier wirklich nichts zu tun. Und mit Fussball leider auch nicht mehr allzu viel.
      Auf dem Teil steht «NOT-Bremse» und nicht «Halt auf Verlangen».
      Dieser «Ultraismus» ist an Schwachsinn leider fast nicht mehr zu überbieten. Ein paar Deppen, die meinen, sich um jegliche Regeln foutieren zu können und damit den Sport und seine Anhänger in eine Ecke zu drängen, wo die wenigsten hin gehören. Die Razzien wären unnötig und würden bestimmt nicht stattfinden, wenn diese Troglodyten sich um ein Mindestmass an Anstand bemühen würden. Aber letztlich denke ich, dass man diese Auseinandersetzungen ja «geil» findet und sich stark und cool findet, je mehr man von der Rolle ist. Ein Verhalten, das Testosteron-gesteuerten, alkoholisierten, jungen Männern durchaus zusteht und bis zu einem gewissen Grad auch verstanden wird (Freudentaumel löst es allerdings seltener aus). In diesem Zusammenhang aber von einem politischen Akt zu sprechen, ist dann doch etwas sehr weit hergeholt.
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  • frodo 28.04.2014 19:53
    Highlight zeigt mir den fussball fan, der es normal findet, züge per notbremse zu stoppen? das sind keine fussballfans! das ist kein problem des fussballs, sonder ein problem der gesellschaft. stellt nicht immer alle fussballfans als kriminell dar, liebe medien!
    9 5 Melden
  • Donald 28.04.2014 19:52
    Highlight Woher kennen Sie die Meinung der "Fussballfans"?
    5 3 Melden
    • frodo 28.04.2014 20:00
      Highlight ich bin selber einer
      4 3 Melden
    • Donald 28.04.2014 20:14
      Highlight Dies ist übrigens eine Frage an die Autorin des Artikels und nicht an dich ;)
      1 1 Melden
    • frodo 28.04.2014 20:30
      Highlight hab ich auch gemerkt, aber kommentar kann nicht gelöscht werden ;)
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