Schweiz
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Samira Marti, Kandidatin als neue JUSO-Praesidentin, vor der Delegiertenversammlung der JUSO in Zuerich am Samstag, 18. Juni 2016. Am 18. Juni tritt Fabian Molina als JUSO-Praesident zurueck. Samira Marti und Tamara Funiciello haben sich als neue JUSO-Praesidentin beworben. (KEYSTONE/Walter Bieri)

«Ich habe mich nicht auf einer Datingplattform angemeldet, sondern werde Nationalrätin»: Samira Marti. Bild: KEYSTONE

Die Jüngste unter der Bundeshaus-Kuppel: So tickt Samira Marti (24)

Einst wäre sie beinahe Juso-Chefin geworden. Nun rückt die Baselbieterin Samira Marti als jüngstes Mitglied in den Nationalrat nach. Acht Fakten zur Senkrecht-Starterin.



Blitz-Karriere

Mit ihren 24 Jahren kann Samira Marti bereits auf eine steile Polit-Karriere zurückblicken. Mit 19 war sie Co-Präsidentin der Juso Baselland, mit 20 nahm sie Einsitz in den Geschäftsleitungen der SP und der Juso Schweiz. Seit letztem Jahr leitet sie als Vizepräsidentin die Geschicke der SP Baselland. Eine Nationalrats-Kandidatur blieb 2015 zunächst erfolglos – nun rückt Marti auf Ende Jahr für die abtretende Susanne Leutenegger-Oberholzer ins Parlament nach.

Anti-Funiciello

Als die Juso vor knapp zwei Jahren eine neue Präsidentin suchte, kämpften zwei Frauen um den Posten: Tamara Funiciello und Samira Marti. Medial waren die Rollen schnell verteilt: Funiciello, die Provokateurin – Marti, die Analytische. Während erstere mit knalligen Forderungen aufwartete («25-Stunden-Woche für alle!»), legte letztere ihre Ansichten in einem umfangreichen Positionspapier dar («Breitere Partizipationsmöglichkeiten!»).

Beobachter waren sich einig: Eine Wahl Martis wäre ein Bruch mit dem klassischen Juso-Stil. Die Delegierten wollten es nicht darauf ankommen lassen: Sie gaben Funiciello mit 176 zu 79 Stimmen den Vorzug. «Tamara Funiciello und ich stehen uns nahe und arbeiten gut zusammen», betont Marti heute.

Tamara Funiciello, Kandidatin als neue JUSO-Praesidentin, an der Delegiertenversammlung der JUSO in Zuerich am Samstag, 18. Juni 2016. Am 18. Juni tritt Fabian Molina als JUSO-Praesident zurueck. Samira Marti und Tamara Funiciello haben sich als neue JUSO-Praesidentin beworben. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Ähnliche Ansichten, unterschiedlicher Stil: Funiciello setzte sich im Kampf ums Präsidium gegen Marti durch. Bild: KEYSTONE

Traum von der Wirtschafts-Revolution

An einer SP-Delegiertenversammlung Ende 2016 wäre Marti beinahe ein Coup gelungen: Zusammen mit ihren Mitstreitern reichte sie einen Antrag ein, der im Wesentlichen darauf abzielte, Privateigentum abzuschaffen. Erst nach einer Intervention von Parteipräsident Levrat lehnten die Delegierten den Antrag ab.

Hinter dem Antrag von damals steht Marti noch heute – wobei sie selber nicht von einer Abschaffung des Privateigentums sprechen will. Stattdessen sagt sie: «Wir müssen Eigentum demokratischer organisieren.» Die Schwächen des heutigen Systems träten immer deutlicher zutage, sowohl in volkswirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht. Wenn die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer würden, laufe etwas falsch, so die angehende Ökonomin, die derzeit im Master an der Universität Zürich studiert.

Christian Levrat, Praesident SP Schweiz, spricht an der Delegiertenversammlung der SP Schweiz im GKB Auditorium in Chur, am Samstag, 25. Juni 2016. (KEYSTONE/Nick Soland)

Ihm ging der Juso-Antrag zu weit: SP-Chef Christian Levrat. Bild: KEYSTONE

Linkes Elternhaus auf dem Land

«Ziefen ist ein ziemlich linkes Dorf, eine Insel in einer konservativen Region», beschrieb Marti ihre Oberbaselbieter Heimatgemeinde einst in der WOZ. Sie selber sei in einem politisch linken Haushalt aufgewachsen: «Mein Vater wurde über die Auseinandersetzung um die Abschaffung der Armee, meine Mutter über das geplante AKW Kaiseraugst politisiert.»

Martis eigener politischer Erweckungsmoment kam, als die Baselbieter Regierung 2010 Abbaumassnahmen im Bildungsbereich plante. Zusammen mit anderen Schülern demonstrierte die Gymnasiastin vor dem Regierungsgebäude – mit Erfolg. Das Sparpaket wurde versenkt. «Es hat mich beeindruckt, was alles möglich wird, wenn Menschen gemeinsam für ihre Überzeugungen eintreten», so Marti.

Diskrete Spin-Doktorin

Taktisches Geschick bewies Marti im Abstimmungskampf zur Unternehmenssteuerreform III. Während andere den grossen Auftritt vor der Kamera hatten, zog sie als SP-Kampagnenmitarbeiterin im Hintergrund die Fäden. Im regionalen Abstimmungskampf habe sie «zu den einflussreichsten Figuren» gehört, schrieb die «Schweiz am Sonntag».

Moderatoren-Schreck

Dass sie sich auch vor der Kamera durchzusetzen weiss, bewies Marti in der «Arena» zur AHV-plus-Initiative. Bei ihrem ersten Auftritt in der SRF-Sendung riss die Nachwuchspolitikerin die Diskussion zwischenzeitlich komplett an sich. Die Versuche von Moderator Mario Grossniklaus, ihren Monolog abzuklemmen, scheiterten grandios. «Wir sind hier nicht in einer linken Kuschelveranstaltung», beschied ihm Marti. «Es gibt volkswirtschaftliche Argumente für die Stärkung der AHV».

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Video: streamable

Gegen die Macho-Kultur

Nach ihrem «Arena»-Auftritt habe sie zahlreiche Rückmeldungen erhalten, positive wie auch negative, sagt Marti. «Nur bezogen sich leider die meisten davon nicht auf meine politische Message, sondern auf mein Aussehen oder meine Rolle als Frau.» Auch in den letzten Tagen habe sie viele Nachrichten mit sexistischem Inhalt erhalten. «Ich habe mich nicht auf einer Datingplattform angemeldet, sondern werde Nationalrätin!», stellt sie klar.

Begeisterte Musikerin – und Jasserin

Den Ausgleich zum Wirtschaftsstudium und dem Politik-Alltag findet Marti in der Musik. Die 24-Jährige singt, spielt Klavier und Gitarre. In der Vergangenheit war sie auch in verschiedenen Bands aktiv. «Dafür reicht die Zeit nicht mehr. Nun sitze ich abends oft mit den Kopfhörern am E-Piano.» Einmal im Monat trifft sie sich zudem mit einer Frauen-Gruppe zum Jassen.

Juso und SP – eine schwierige Beziehung

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ohniznachtisbett 28.03.2018 08:32
    Highlight Highlight Ich finde es ja grundsätzlich löblich, dass sich Leute für eine "gerechtere" Welt einsetzen. Wenn ich aber solchen Mist höre, wie Abschaffung des Privateigentums und ähnliches, frage ich mich habt ihr eigentlich nichts gelernt aus der Geschichte. Hände weg von solchen Begehren. Das ist mehr als gefährlich.
    • Liselote Meier 28.03.2018 09:28
      Highlight Highlight Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört. - Jean-Jacques Rousseau
    • Die Wahrheit™ 28.03.2018 10:13
      Highlight Highlight Das Privateigentum an den Produktionsmitteln wurde noch in keinem einzigen Land in der Geschichte der Menschheit jemals abgeschafft. Wie soll man denn aus etwas lernen, das noch gar nie geschehen ist? Der real existierende Sozialismus, egal ob in der Sowjetunion, China oder Südamerika, hat die wichtigste Forderung von Marx noch nie erfüllt. Die meisten der Systeme, die sich sozialistisch nannten bzw. nennen, sind nichts anderes als Staatskapitalismus. Deshalb ist es absolut richtig, dass die JUSO sich an Marx orientiert und das zentrale Problem auf unserer Welt beseitigen will.
    • Ohniznachtisbett 28.03.2018 10:44
      Highlight Highlight Sehr gut mein lieber Wahrheit: Dann laufe ich dir dann in die Küche und leere "unseren" Kühlschrank. Zudem nehme ich dann mal "unsere" Kleider mit... merkst du wie gaga das ist...
    Weitere Antworten anzeigen
  • derEchteElch 27.03.2018 21:04
    Highlight Highlight „Funiciello, die Provokateurin – Marti, die Analytische“
    Zu dem Zeitpunkt mochte ich sie wirklich, auch als sie noch nicht politisch aktiv war, eine sehr sympatische Frau.

    „Hinter dem Antrag von damals steht Marti noch heute – wobei sie nicht von einer Abschaffung des Privateigentums spricht“
    Jaa, also da begannen meine Zweifel bei ihr.. also doch eine Fast-Tamara..
    • Die Wahrheit™ 28.03.2018 10:24
      Highlight Highlight Von den politischen Ansichten her sind die beiden praktisch deckungsgleich, nur der Stil ist anders. (Was auch im Artikel steht.) Marti schreit weniger herum, braucht weniger pubertäre Kraftausdrücke, und vermeidet sinnlose, billige Provokationen. Sie ist zwar auch sehr links, aber der Inhalt ist bei ihr wichtiger als die pure Provokation. Das vermisse ich bei Frau Funiciello.
  • Mode!? 27.03.2018 19:51
    Highlight Highlight Zu jung. Zuwenig Erfahrung. Zuwenig gearbeitet
    • rauchzeichen 27.03.2018 20:27
      Highlight Highlight zu alt, zu eingefahren, zu wenig offenes denken, zu viel vorverurteilung. aber du hast sicher auch deine qualitäten.
    • Raembe 27.03.2018 20:45
      Highlight Highlight Werden wir sehen, alles andere ist sinnlose Spekulation.
    • Spooky 27.03.2018 22:11
      Highlight Highlight Ich war selber Arbeiter. Beim Arbeiten lernt man nicht Denken, sondern Arbeiten.

      Darum braucht die Unterschicht der Arbeiter Leute wie Samira Marti, die das Denken gelernt haben und sich - aus unerklärlichen Gründen - für die Interessen der Arbeiter einsetzen. Ich wünsche ihr viel Erfolg.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rumbel the Sumbel 27.03.2018 19:31
    Highlight Highlight Und so jemand will das Arbeitervolk glaubwürdig vertreten?
    • Raembe 27.03.2018 20:45
      Highlight Highlight Wenns die Bürgerlichen nicht tun, dann müssen halt die jungen Linken.
    • seventhinkingsteps 27.03.2018 20:57
      Highlight Highlight Spoilert Alert: Wer heute "Arbeiter" ist hat keine Zeit zu politisieren, unsere Demokratie ist schon rein deshalb nur auf dem Papier demokratisch. Wer Zeit und Geld hat wir eher Nationalrat, oder wieso hocken praktisch nur Anwälte in Bern?
    • p4trick 27.03.2018 21:31
      Highlight Highlight Arbeitervolk? Die SP? War das evtl.mal der Grundgedanke?
      Partei der Staatsangestelten wie Lehrer etc.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Watson=Propagandahuren 27.03.2018 19:30
    Highlight Highlight Seit wann ist "spin-doctor" (im englischen gibt es keine weibliche/männliche Form von "doctor"...) eigentlich ein positiver Begriff?
  • Watson=Propagandahuren 27.03.2018 19:28
    Highlight Highlight Gutes acting in der Arena - von beiden ;P
  • Me, my shelf and I 27.03.2018 19:07
    Highlight Highlight Ich, Juso, muss sagen, ich trauere ihr nach. Sie hätte es vielleicht geschafft, uns einen ein wenig seriöseren Anstrich zu verpassen.
    • knip 27.03.2018 23:36
      Highlight Highlight Sehe ich, parteilos, ebenfalls so
  • satyros 27.03.2018 19:06
    Highlight Highlight Danke für dieses interessante Portrait. Der Blick beschränkte sich auf das Nasenpiercing.
  • Chrigi-B 27.03.2018 19:01
    Highlight Highlight Hatte sie schon mal einen Job? Meine Güte ich finde ja auch, dass Bern einem Altersheim gleicht. Aber Madonna! Die gute Dame hat noch nie gearbeitet! Wie soll sie da die arbeitende Bevölkerung vertreten? Jemand mit einem Lehrabschluss wäre mir deutlich lieber hewesen...
    • phreko 27.03.2018 19:27
      Highlight Highlight Lehrabschluss vs. VWL-Studium...
    • bokl 27.03.2018 19:34
      Highlight Highlight Vertritt sie halt die Studenten. Auch ein grosser Teil der Jugend. Gibt dann sicher wieder mal ein Grünschnabel ab Lehre wie seinerzeit der Brunner Toni. Abwechslung tut gut.
    • henk 27.03.2018 19:51
      Highlight Highlight Auch Studierende sind Teil des Volks und sollen im Parlament vertreten sein!
    Weitere Antworten anzeigen
  • soischeshald 27.03.2018 18:58
    Highlight Highlight Sie ist die Beste! Das kann nur gut kommen❤️
    • pedrinho 28.03.2018 13:52
      Highlight Highlight yuup - und klavier spielen kann sie, wie man liest auch schon ;)
  • TheGreenOne 27.03.2018 18:53
    Highlight Highlight Respekt für diese starke Persönlichkeit!
    Provokationen und radikale Vorderungen braucht es, allerdings bedarf es auch konstruktiver Lösungsansätze.
    Diese kommen mir trotz Sympathien für die JUSO manchmal etwas zu kurz, Frau Marti repräsentiert die wichtige Gegenseite.
  • Slavoj Žižek 27.03.2018 18:46
    Highlight Highlight "Wenn die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer würden, laufe etwas falsch, so die angehende Ökonomin, die derzeit im Master an der Universität Zürich studiert."

    In sozialistischen Ländern sind halt einfach alle Arm, ausser natürlich die politische Elite.
    • Watson=Propagandahuren 27.03.2018 19:27
      Highlight Highlight Zudem ist die Aussage auf die Schweiz bezogen komplett falsch.
      Ja die Schere geht auseinander, nein die Armen werden nicht "immer ärmer". Es werden aber mehr "Arme". Und denen dazwischen knöpft der Staat (oder von ihm begünstigte wie z.B. KK) immer mehr ab.
      Aber vielleicht kommt das ja erst noch in ihrem Ökonomie Studium??
    • phreko 27.03.2018 19:30
      Highlight Highlight Deshalb heisst es ja auch Sozialdemokratische Partei...
    • Mode!? 27.03.2018 19:50
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