Schweiz
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SVP-Parteipraesident Albert Roesti schreitet ueber die Buehne, an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz, am Samstag, 29. Oktober 2016, in Balsthal.(KEYSTONE/Peter Schneider)

Pleiten-Serie bei der SVP: Albert Rösti fordert von seinen Kollegen mehr Knochenarbeit und weniger Karrieredünkel. Bild: KEYSTONE

Die SVP steckt in der Krise – und blickt gebannt nach Lausanne

Die Wahlen am Sonntag in der Waadt werden zeigen, ob die SVP aus ihrer Baisse herauskommt. Dafür spricht wenig

28.04.17, 03:14

jonas schmid / Aargauer Zeitung



SVP-Chef Albert Rösti rüffelt im jüngsten Newsletter seine Partei: «Ich stelle eine grosse Selbstzufriedenheit und Bequemlichkeit fest.» Fast verzweifelt fordert er von den Mitgliedern mehr Knochenarbeit und weniger Karrieredünkel.

Der Grund: Die strahlende Siegerin der Parlamentswahlen 2015 schwächelt. Im Wallis flog SVP-Regierungsrat Oskar Freysinger aus der Regierung. In Solothurn verlor die SVP einen Parlamentssitz, und im Kanton Neuenburg wurde die noch junge Partei regelrecht pulverisiert. Sie büsste wegen parteiinterner Querelen 11 ihrer 20 Mandate ein.

Gespannte Blicke nach Lausanne

Nun blickt die grösste Partei bange in die Waadt, wo am Sonntag Regierung und Parlament neu bestellt werden. «Die Ausgangslage in der Waadt ist eine ganz andere als im Wallis oder in Neuenburg», sagt Rösti. In der Genferseeregion ist die SVP seit 95 Jahren fest im landwirtschaftlichen Milieu verankert.

Auch ist es die Heimat von Bundesrat Guy Parmelin, in den die Partei grosse Hoffnungen setzte. Nach dessen Wahl in die Regierung frohlockte der damalige Parteipräsident Toni Brunner in der «Zentralschweiz am Sonntag»: «Guy Parmelin wird uns in der Romandie 4 Prozent mehr Stimmen bringen.»

Parteichef Rösti relativiert: «Diese Worte stammen nicht aus meinem Mund.» Parmelin leiste gute Arbeit, die sich aber nicht so rasch in Wählerstimmen ummünzen lasse. Rösti erwartet, dass die Partei ihre 27 Sitze im 150-köpfigen Parlament halten kann.

Mit dem Landwirt Jacques Nicolet greift die SVP den Regierungssitz an, den die Partei 2011 an die Sozialdemokraten verloren hatte. Hat sie Erfolg, kippt die Kantonsregierung wieder nach rechts. Für den 51-Jährigen aus dem 300-Seelen-Dorf Lignerolle spricht die Allianz mit den Freisinnigen.

Le candidat UDC Jacques Nicolet pose apres une conference de presse organisee par la liste de centre-droite au Conseil d’Etat. Ce mardi 21 mars 2017, a Lausanne. (KEYSTONE/Christian Brun)

Landwirt Jacques Nicolet soll den verlorenen Regierungssitz zurückerobern.  Bild: KEYSTONE

Gegen ihn spricht eine Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo, die bei den Wählern keine Anzeichen einer Wechselstimmung ausmacht. Bis auf die amtierende Regierungsrätin der Grünen dürften alle sechs Bisherigen im ersten Wahlgang gewählt werden.

Im zweiten Durchgang läuft alles auf einen Dreikampf um die verbliebenen zwei Sitze hinaus. Gemäss Sotomo dürfte sich die Grüne Béatrice Métraux die Wiederwahl sichern. Im Duell zwischen Nicolet und SP-Nationalrätin Cesla Amarelle sieht Sotomo die SP-Vertreterin um sieben Prozentpunkte vorn. «Der Wahlkampf ist flau, ein Blick über die Grenze nach Frankreich verspricht mehr Spannung», sagt SP-Nationalrat Roger Nordmann. Dem Kanton geht es gut. Er schreibt konstant schwarze Zahlen. Die drei freisinnigen Regierungsräte haben sich mit der linken Mehrheit arrangiert.

«Compromis dynamique»

Die beiden Leitwölfe, SP-Regierungspräsident Pierre-Yves Maillard und FDP-Finanzdirektor Pascal Broulis, brachten beispielsweise mit ihrem viel beschworenen «compromis dynamique» die kantonale Umsetzungsvorlage zur Unternehmenssteuerreform III mit grosser Mehrheit an der Urne durch. Sechs der sieben Regierungsräte stellen sich der Wiederwahl, man schont sich gegenseitig.

Warum setzt die FDP trotzdem auf eine bürgerliche Achse? «Die SVP ist drittstärkste Kraft im Parlament, aber bleibt in der Regierung ohne Sitz», sagt Frédéric Borloz, Präsident der FDP-Kantonalpartei. Das erschwere die Zusammenarbeit. Zudem stiegen im Kanton die Sozialkosten, die man mithilfe der SVP zurückbinden wolle.

Des affiches du parti Les Liberaux-Radicaux, PLR, et de l'Union Democratique du Centre, UDC, representant les 4 candidats pour le Conseil d'Etat vaudois, Philippe Leuba, Jacqueline de Quattro, Pascal Broulis et Jacques Nicolet photographiees ce mardi 11 avril 2017 devant la Cathedrale a Lausanne. Le pemier tour des elections cantonales dans le canton de Vaud se derouleront le 30 avril 2017. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Wahlplakat in Lausanne: Die FDP setzt zusammen mit der SVP auf die bürgerliche Achse. Bild: KEYSTONE

Doch ausgerechnet der SVP-Kandidat leistete sich im Wahlkampf einige Aussetzer: So unterliess er es im Westschweizer Radio, sich von der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen zu distanzieren. Und er brachte die Waadtländer Tierärzte gegen sich auf, als er gegenüber «24 Heures» sagte, er lasse seine Kühe von französischen Tierärzten behandeln, da es in seiner Region keine Veterinäre gebe.

Der bürgerliche Schulterschluss macht SP-Mann Nordmann derweil kein Bauchweh: «Die SVP ist die Wasserträgerin der Freisinnigen», sagt er. SVP-Wähler würden FDPler wählen, während FDP-Wähler den SVP-Kandidaten von der Liste strichen.

Wie zufrieden kann die SVP eigentlich mit Röstis Arbeit sein?

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pafeld 29.04.2017 17:41
    Highlight Dass die Kombination FDP-SP als echtes Team regierungstechnisch die besten Resultate liefert, überrascht nicht. Aber dafür muss man eben den Kopf während der Arbeit einschalten und nicht nur stur den ganzen Tag Marx, Engels, Hayek und Friedman predigen.
    1 0 Melden
  • piedone lo sbirro 28.04.2017 14:04
    Highlight mit dem themenkreis ausländer, einwanderung etc. geht die SVP auf stimmenfang.

    da bemühen sich die herren amstutz, köppel und co., dass ihr gepolter bis zum hintersten stammtisch durchdringt. so erlangte die SVP macht.
    um dann möglichst unauffällig maximale privilegien für bauern, strombarone, die reichen und superreichen ausländer zu schaffen.

    als kompensation wird gespart: bei der gesundheit, der bildung, und den renten.
    10 4 Melden
  • piedone lo sbirro 28.04.2017 13:51
    Highlight ohne blocher wird die heutige SVP geschichte sein.
    seine wähler aus der büezerschaft möchten zwar viele strassen und keine ausländer, aber sie möchten auch keinen neoliberalen kapitalismus. dies wird von der führungselite martullo, matter, köppel verdrängt. denen fehlt der stallgeruch des einfachen schweizer. nur blocher konnte den filet schlemmenden banker und den cervelat mampfenden chauffeur zur volksgemeinschaft vereinen. für die einen gab es steuergeschenke, für die anderen "ausländer raus"-parolen. er verstand es, viele schweizer dazu zu bewegen, gegen die eigenen interessen zu stimmen.
    10 5 Melden
  • piedone lo sbirro 28.04.2017 13:44
    Highlight die SVP ist auf dem losertrip - sei es vor dem volk bei abstimmungen, wahlen oder dem bundesgericht.
    trump sei dank, können sich die menschen nun auch ganz plastisch vorstellen was dilettantische, xenophobe und verlogene politik alles anrichten kann.

    meisterhaft ist die SVP vor allem im schönreden von wahlschlappen, und im abwälzen von verantwortung.

    die SVP dient sich selbst und dem volk der millionäre.

    http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/wir-muessen-kaempfen/story/24139088

    http://www.woz.ch/1638/schweizerische-volkspartei/die-partei-des-geldes
    9 4 Melden
  • pamayer 28.04.2017 09:30
    Highlight Und kein bisschen Einsicht, warum...
    17 5 Melden
  • N. Y. P. D. 28.04.2017 09:25
    Highlight Herr Rösti würde ich als lieb und nett bezeichnen. Er ist ein anständiger Kerl. Zu anständig, um der SVP mehr Wähleranteil zu bringen. Bitte bleiben Sie noch lange SVP-Präsident, Herr Rösti.

    Also, wenn es jetzt in der Waadt keinen Zuwachs an Wählerstimmen gibt, dann kann man die Strategie "Guy for Bundesrat" zwecks Stärkung des Wähleranteils in der Romandie, als gescheitert betrachten.
    20 2 Melden
  • mogad 28.04.2017 08:47
    Highlight Hochmut kommt vor dem Fall. Man hat nach dem Rechtsrutsch 2015 den Bogen überspannt. Bei der SVP handelt es sich aber eher um ein Stolpern. Die USRIII-Abzocke mit Rentenkürzungen und Nullzinsen für die Kleinsparer als Kontrastprogramm dazu, die stumpfen Waffen gegen die Masseneinwanderung usw. versetzen der Partei einen Dämpfer. Es werden noch 2, 3 Schlappen folgen, dann ist die Talsohle erreicht. Die Schweiz war, ist und bleibt ein kapitalistisches Land mit sozialen Errungenschaften, aber die lässt das Volk sich nicht nehmen!
    13 3 Melden
  • Zeit_Genosse 28.04.2017 08:32
    Highlight Bitte mich jetzt nicht mit Blitzli steinigen ;)

    Wenn die SVP ein junge Frau an der Spitze hätte - dem lauwarmen Rösti gelingt es nicht über den Röstigraben zu wirken - dann kann die SVP aus der Baisse wieder in eine sympathische Kurve auf die Erfolgsgerade einbiegen. Vorausgesetzt, die neue SVP-Präsidentin kann verbindend zwischen den Generationen und Geschlechtern wirken. Und wenn ich Natalie Rickli sage, kommt vieles zusammen, das der SVP helfen könnte. Auch in der W-CH, wo Charme zusätzlich wichtig ist. Der Übervater wird im Hintergrund noch etwas die dünner werdenden Fäden ziehen wollen.
    3 14 Melden
    • N. Y. P. D. 28.04.2017 11:38
      Highlight @Zeit_Genosse
      Ich vermute, dass Du die Blitze nicht verstehst.
      Selbst, wenn Du recht hast mit Deiner Analyse.
      Wir wollen keine erfolgreiche SVP.
      Die Blitze bewerten, dass Du mit Deiner Analyse der SVP helfen willst, wieder in die Spur zu kommen.
      7 2 Melden
    • Zeit_Genosse 28.04.2017 17:16
      Highlight Verstehe schon N.Y.P.
      An starken Gegnern kann man wachsen. Zum Wohle aller ;)
      1 4 Melden
  • Majoras Maske 28.04.2017 08:25
    Highlight Die SVP ist leider erst in der Krise, wenn sie auch in Bern und Zürich genügend verliert.
    19 2 Melden
  • andrew1 28.04.2017 07:56
    Highlight Naja die welschen stimmen sowiso jeweils gerade falsch ab. Ist also kein massstab.
    12 118 Melden
    • FrancoL 28.04.2017 08:19
      Highlight Ist es ironisch gemeint kann das gelten, wenn nicht, ist es eine Anmassung a la SVP! Da ich zweites befürchte zeigt es eine tiefe Verachtung des demokratischen Prinzips.
      18 4 Melden
    • Lord_Mort 28.04.2017 09:10
      Highlight Ich wusste nicht, dass man in einer Demokratie falsch wählen kann. Vielleicht würde Sie es Ihnen als Expat in der Türkei ganz gut gefallen?
      22 2 Melden
    • rauchzeichen 28.04.2017 09:20
      Highlight Falsch abstimmen? Demokratie noch nicht verstanden? Dafür wohl ganz stark in schwarz/weiss denken…
      20 3 Melden
  • rodolofo 28.04.2017 06:52
    Highlight Das WählerInnen-Potential am Rechten Rand ist ausgeschöpft.
    Ist einfach so.
    Ausserdem entzaubern sich "Rechtsnationale" aktuell weltweit, indem sie die Macht erringen und -passend zu ihrem autoritären bis Inquisitorischen Denken- Demokratien zuerst in "Demokraturen" und schliesslich in Diktaturen verwandeln.
    SVP-Strategen wie Blocher versuchen krampfhaft, solche offensichtliche Parallelen zu vernebeln und zu verwischen, was aber nur halbwegs gelingt.
    Der Faschismus trägt verschiedene Masken, von Rechtsnational über Islamistisch bis zu Linksrevolutionär.
    Das soll uns täuschen und verwirren...
    103 16 Melden
    • Tierra Y Libertad 28.04.2017 18:21
      Highlight @Stipps Ungarn, Russland, (Türkei), Belarus, Turkmenistan, Azerbaijan, Usbekistan, Tajikistan.
      Alles Sozis und Islamisten?
      6 2 Melden
  • Nitzgi 28.04.2017 05:08
    Highlight Hmm... Was wäre wohl, wenn die Zeit der Wählerstärksten Partei ausgezählt ist?
    66 9 Melden
    • rauchzeichen 28.04.2017 09:21
      Highlight 2017
      15 3 Melden

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