Schweiz

Guter Draht: Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz und Verteidigungsminister Guy Parmelin.  Bild: KEYSTONE

SVP-Amaudruz: Nach der 2-Promille-Fahrt das Telefonat mit dem Bundesrat

Die SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz wurde mit fast 2 Promille erwischt – und rief in der Not «ihren» Bundesrat an. Tatsächlich war Guy Parmelins Wahl ihr Gesellenstück.

24.12.16, 12:11

Doris Kleck / Nordwestschweiz

Die Nachricht gab fast nicht zu reden: Von sich aus informierte die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz am Dienstag die Öffentlichkeit, dass sie betrunken Auto gefahren und in eine Polizeikontrolle geraten sei.

Auf dem Heimweg von einem Pferderennen wurde sie vor zwei Wochen gestoppt. Wie viel Alkohol Amaudruz im Blut hatte, teilte sie mit dem Hinweis auf ihre Privatsphäre nicht mit. Stattdessen hielt sie fest, dass sie ihr Verhalten bereue und sich bei ihrem Umfeld und der Parteileitung entschuldigt habe. Und Amaudruz lobte die Polizei: Die Beamten hätten sehr menschlich reagiert und ihre Persönlichkeit sowie ihre Rechte vollumfänglich respektiert.

Die Öffentlichkeit nahm kaum Notiz von der Blaufahrt der Vizepräsidentin der SVP Schweiz. Die offensive Kommunikation hätte ein Lehrbuchbeispiel für Krisenbewältigung werden können. Wenn Amaudruz nicht noch festgehalten hätte, sie fordere keinerlei Vorzugsbehandlung – eine Selbstverständlichkeit würde man annehmen.

Ein Moment tiefer Verzweiflung

Das kam bei der Genfer Polizei offensichtlich nicht gut an. Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» lieferte gestern (genüsslich) eine etwas differenziertere Version der Geschichte – gestützt auf Polizeiquellen.

Demnach hatte ein Taxifahrer die Polizei über ein zickzackfahrendes Auto informiert. Als Amaudruz gestoppt wurde, weigerte sie sich zunächst, einen Alkoholtest zu machen. Stattdessen teilte sie den Ordnungshütern mit, sie werde den Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornod anrufen. Dieser nahm jedoch nicht ab und Amaudruz gab ihren Widerstand auf.

1.92 Promille Alkohol hatte Amaudruz im Blut. Dieser Wert ist vier Mal höher als gesetzlich erlaubt und entspricht etwa dem Konsum einer Flasche Rotwein plus einer halben Flasche Weisswein plus einem Glas Rum.

Auf dem Polizeiposten telefonierte Amaudruz zunächst mit ihrem Anwalt, dem Genfer FDP-Nationalrat Christian Lüscher. Und danach mit «ihrem» Bundesrat – Verteidigungsminister Guy Parmelin.

Gemäss «Le Temps» habe dieser Amaudruz «in Panik» erlebt. Parmelin sprach zunächst mit den Polizisten und dann wieder mit seiner Parteikollegin, um sie zu beruhigen und ihr zu sagen, sie solle kooperieren. Was sie schliesslich tat. Weshalb Amaudruz Parmelin angerufen hat?

Dazu sagt ihr Anwalt Lüscher: «In einem Moment tiefer Verzweiflung hat sie Halt bei einem ihrer sehr nahen Freunde gesucht.» Sie habe nicht einen Bundesrat angerufen, sondern einen nahen Freund, um moralische Unterstützung zu erhalten. Lüscher sagt, Amaudruz habe eine «grosse Dummheit» begangen und sie akzeptiere die Strafe – auch die mediale. Amaudruz selbst war gestern für die «Nordwestschweiz» nicht erreichbar.

Sie suchte die Krawatte aus

Parmelin und Amaudruz – die beiden haben tatsächlich einen direkten Draht zueinander. Amaudruz war wesentlich an der Wahl des SVP-Politikers in den Bundesrat vor einem Jahr beteiligt.

Die Nationalrätin managte seinen Wahlkampf. Als die Deutschschweizer noch über Parmelins Kandidatur lachten, weil sie einen dritten Bundesratssitz für die Romandie für unmöglich hielten, machte Amaudruz einen geschickten Schachzug. Die Genferin präsentierte den Waadtländer Parmelin konsequent als Kandidaten des dynamischen und wirtschaftsstarken «Arc lémanique» – auch wenn seine bäuerliche Herkunft damit kontrastierte.

Und sie bereitete in Bern das Terrain vor: Sie konnte den Parteioberen erfolgreich klarmachen, dass die SVP in der Westschweiz nur wachsen könne, wenn sie einen Bundesrat stelle. Dank diesem Schritt könne die SVP in der Romandie ihr Stigma loswerden. Die Argumentation verfing.

Amaudruz überliess im Wahlkampf nichts dem Zufall. Zusammen mit einem Team übte sie mit Parmelin die Hearings vor den Fraktionen und Gespräche mit Journalisten. Und wie wir seit alt SVP-Nationalrat Yvan Perrins Publikation «Die andere Lektüre der Wahl Guy Parmelins» wissen, las Amaudruz bei den wichtigen Auftritten die Krawatte aus – nicht etwa Madame Parmelin.

Als der Waadtländer schliesslich gewählt wurde, gehörte Amaudruz zu den ersten Gratulanten und selbstverständlich sass sie beim anschliessenden Fraktionsessen am selben Tisch wie der frischgebackene Magistrat.

Bundesrat Parmelin – das ist so etwas wie das Gesellenstück der Politikerin Céline Amaudruz. Und der direkte Draht zu einem Bundesrat bringt auch mehr Einfluss. Da erscheint der Aufstieg der einstigen Fraktionsvizepräsidentin zur Vizepräsidentin der SVP Schweiz im März nur logisch.

Jung, urban und weiblich

Ob ihr die Alkohol-Geschichte nun schadet? Kaum. Die Partei spricht ihr das Vertrauen aus. Ohnehin mangelt es der SVP in der Westschweiz an starken Köpfen. Sie hat zwar nun einen Bundesrat und mit Oskar Freysinger im Wallis auch einen Staatsrat.

Doch die starken Figuren fehlen, um das Wählerpotenzial besser auszuschöpfen. Céline Amaudruz ist zudem als junge, urbane Frau ein Glücksfall für die Partei der älteren Männer. (aargauerzeitung.ch)

Guy Parmelin – Das ist der neue SVP-Bundesrat

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 25.12.2016 18:45
    Highlight Wer mit 2 Promille noch Auto fährt, scheint mit
    dem Zustand vertraut zu sein. Frau Amaudruz sollte sich die Frage stellen, ob sie nicht ein Alkoholproblem hat. Ich hoffe, dass
    sie auch das ganze Theater mit forensischen
    Tests mitmachen muss, wie es einem Kiffer
    widerfährt, welcher erwischt wird.
    14 1 Melden
  • Eskimo 25.12.2016 13:57
    Highlight Die Berner SP Stapikandidatin Ursula Wyss musste ebenfalls den Führerausweis abgeben.
    Aber auf Watson kein Wort darüber.
    Und ich dachte sowieso immer SPler fahren nur Velo....
    8 7 Melden
  • dracului 25.12.2016 08:26
    Highlight Schlimm genug, dass in der Weissweinfraktion das alkoholisierte Fahren tatsächlich immer noch als Kavaliersdelikt gilt und diesbezüglich keine Lernfähigkeit und Einsicht besteht, aber dass man dann noch sich mit "Beziehungen" vor dem Gesetz drücken will, zeigt, dass gewisse SVPler nichts von den Prinzipien eines Rechtsstaats verstanden haben. Ich hoffe, dass der Straat nun mit der gleiche Härte bestraft, wie die Partei sich wünscht, dass man gegen Sozialschmarotzer und Ausländer vorgehen sollte.
    18 2 Melden
  • .:|HonigTroll|:. 24.12.2016 19:49
    Highlight Oje, da musste die arme gleich den Guy Parmesan belästigen. Wie ein verzogenes Mädchien das scheisse gebaut hat und nun Papa an der Seite bräuchte. Für Parmesan ist das an weihnatchtspeinlichkeit kaum zu überbieten.
    31 5 Melden
  • welefant 24.12.2016 17:27
    Highlight Dann werde ich heute mehr als 1,92 promille haben? Ok, gut zu wissen!
    23 3 Melden
    • zwan33 25.12.2016 09:06
      Highlight Wenn du den Körperbau von Amaudruz hast, wirst du einiges mehr intus haben... Die die Berechnungen von Watson beziehen sich eher auf einen Mann von etwa 85kg. Leicht irreführend, denn eine Frau, ca. 65kg, braucht nicht viel mehr als ein Flasche Wein, bis sie bei 1.9Promille ankommt.
      7 1 Melden
    • welefant 25.12.2016 13:44
      Highlight Ja bringe 79 kg auf die waage. Hab dann noch ein paar eierlikörs dazu getrunken und doch... war gesellig, jedoch hätte ich wahrscheinlich besser autofahren können als nüchtern. Scherz, danke sbb & danke ga
      7 1 Melden
  • pamayer 24.12.2016 16:29
    Highlight Es gibt Paare, bei denen mehr läuft, als in der heimischen Ehe.
    Vielleicht sind Amaodruz und Parmelin auch ein heimliches Paar. So wie der Ueli und die Schwedin Engström. Verteidigungsministerin.
    9 14 Melden
  • Launedernatur 24.12.2016 15:20
    Highlight Eine Vollblut-Politikerin (na gut, halb Blut, halb Alk). Andere rufen im Suff das Schätzli oder die Teilzeit-Matratze an.
    78 4 Melden
  • Madison Pierce 24.12.2016 14:58
    Highlight SVP-Politikerin fährt besoffen Auto und ruft dann noch einen Bundesrat an: sozusagen ein Weihnachtsgeschenk für die Medien.
    69 4 Melden
  • helios 24.12.2016 14:51
    Highlight Um die Rückfallgefahr zu minimieren könnte sie sich an Ihre eigene Idee halten:
    http://www.nzz.ch/schweiz/elektronischer-chip-fuer-schwerverbrecher-1.18155939
    54 3 Melden
  • Fischra 24.12.2016 14:34
    Highlight Naja das kann jeder Partei passieren. Aber es ist ein now-go so Auto zu fahren. Sie soll die konsequenzen tragen und sich bessern. Ich bin kein Svp Fan. Aber jetzt alle Svpler zu verurteilen wäre wie wenn man Flüchtlinge in den gleichen Topf wie Terroristen wirft.
    27 11 Melden
    • banda69 24.12.2016 16:07
      Highlight @fischara - stimmt, das urheberrecht auf "alle in den selben topf werfen" liegt bei der SVP.
      46 8 Melden
    • Fischra 24.12.2016 17:17
      Highlight Banda69 das stimmt natürlich. ;)
      20 2 Melden
    • Froggr 24.12.2016 19:29
      Highlight Lol
      7 2 Melden
    • FrancoL 24.12.2016 19:36
      Highlight Wieso eigentlich nicht?

      Die Legalisiereung der Pauschalisierung hat die SVP bestens in der Gesellschaft verankert.

      Wenn ich denke wie viele Male die SVP alle Linken in den gleichen Topf wirft, dazu noch inkl. allen Parteien links von ihr, dann kann man ohne weiteres einmal mit gleicher Münze zurückzahlen.
      22 4 Melden
    • Hayek1902 24.12.2016 19:44
      Highlight Ein now-go ist so ziemlich das Gegenteil von einem no-go.
      16 1 Melden
    • Fischra 24.12.2016 22:06
      Highlight @hayek1902. Ihre Bemerkung stimmt natürlich. Korrigieren kann ichs leider nicht. ;)
      8 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.12.2016 14:07
    Highlight Schade, war sie nicht bekifft.
    Das wäre lustig geworden! 😂😂😂
    115 9 Melden
  • Leon1 24.12.2016 14:06
    Highlight Tut wenig zur Sache, aber in der Bildstrecke ist ein Fehler.
    Ueli Maurer ist gelernter Buchhalter und war als Geschäftsführer des Bauernverbands tätig. Bauer war er jedoch selbst nie.

    Zur Frau Amaudruz:
    Blaufahren als rechts politisierender Romand, da wird fast jedes Klischee erfüllt.
    89 4 Melden
    • Froggr 24.12.2016 19:30
      Highlight Vorallem romand erklärt einiges!
      0 7 Melden
  • amore 24.12.2016 13:27
    Highlight Jetzt wissen wir, wie es wäre, wenn die SVP die von ihr angestrebte "Volch-Herrschaft" erhielte. Die Macht unter ihresgleichen ausnutzen. Und die Minderheit hätte das grosse Nachsehen. Gut hat die SVP weder im BR, NR, SR und in der Justiz die Mehrheit.
    101 28 Melden
    • Judge Dredd 24.12.2016 13:47
      Highlight Immer schön verallgemeinern. Genau das was man dieser Partei zurecht in der Ausländerfrage vorwirft machen sie jetzt auch. Momol...
      31 62 Melden
    • MacB 24.12.2016 14:11
      Highlight Bei der SP wärs dasselbe.
      28 44 Melden
    • Froggr 24.12.2016 19:33
      Highlight Das hätte nicht passieren dürfen. Aber jetz alle in den selben Topf zu werfen ist falsch. Ihr seid schon fast ein bischen rassistisch für sozis. :-)
      3 10 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.12.2016 13:05
    Highlight Halt bei einem sehr nahen Freund... oder dachte sie wenn sie "ihren" Bundesrat anruft könne er die ganze Sache für sie irgendwie unter den Tisch kehren?

    Betrunken autofahren finde ich das Letzte.
    126 8 Melden
  • Timä 24.12.2016 13:02
    Highlight Gut, dass sie zu ihrem Fehler steht. Schade, dass sie offenbar nicht ganz ehrlich war. Doppelt Lob für die Polizei, die uns von so rücksichtslosen Menschen schützen. Allen ein sicheren und gesunden heilig Abend!
    78 8 Melden
  • Judge Dredd 24.12.2016 12:58
    Highlight Nun gilt es die Untersuchung und insbesonder den Polizeirapport abzuwarten. Wenn darin festgehalten wird, dass sich die gute Frau durch ihre Position oder ihre Kontakte einen Vorteil zu verschaffen versuchte, so hat sie dafür die strafrechtlichen sowie auch die politischen Konsequenzen zu tragen.

    Unabhängig davon, mit 1.9 Promille hinter das Lenkrad zu sitzen ist unabhängig von der Person extrem Verantwortungslos.
    96 3 Melden
  • slashinvestor 24.12.2016 12:34
    Highlight Wo ich zum ersten Mahl etwas über sie gelesen habe, habe ich gedacht ok vielleicht etwas zu streng mit sie. Ich selbst drinke nicht wenn ich Auto fahre. Aber 1,92 in Blut? Aber hallo meine Dame! Das ist absolut Wahnsinn! Jeder der 1,92 in Blut hat weiss Mann sollte nicht fahren. Nur ein top Egoist denkt anders.
    90 5 Melden
  • Echo der Zeit 24.12.2016 12:26
    Highlight Alkohol scheint des SVPlers beliebtestes Rauschmittel zu sein. Peinlich ihrem Herrn Bundesrat Kollegen um Hilfe zu bitten - was haben wohl die Polizisten gedacht.
    76 12 Melden
    • Sophia 24.12.2016 16:41
      Highlight Und daran ist nur die Merkel schuld! Viel zu liberal und grossmütig! Bei uns in der Schweiz müsste so eine Alki-Fahrerin ins Gefängnis!
      Ja, ja, es ist Heiligabend, bin selbst bekifft... Entschuldigt bitte mein Chaos!
      13 7 Melden

Die SVP hat nun einen Fraktionschef, der Witze über K.O.-Tropfen macht

Der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi ist neuer SVP-Fraktionschef. Die Bundeshausfraktion hat den 38-Jährigen am Freitag zum Nachfolger von Adrian Amstutz gewählt. Der Berner Nationalrat gibt das Amt nach sechs Jahren ab.

Thomas Aeschi? Genau, da klingelt doch was. Thomas Aeschi hatte sich 2015 in einem SVP-Wahlkampfvideo einen üblen Scherz mit KO-Tropfen und Zuger Kirsch erlaubt. Die K.O.-Tropfen waren eine Anspielung an die Zuger Medien- und Politaffäre um Jolanda Spiess-Hegglin und den damaligen SVP-Partiepräsidenten Markus Hürlimann.   

Aeschi sitzt seit 2011 im Nationalrat. Ins nationale Rampenlicht getreten war er bereits 2015, als er erfolglos für die Nachfolge von Bundesrätin Eveline …

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