Schweiz
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«Vorbild Schweiz»

Rechtsextreme NPD buhlt mit dem Matterhorn um die Gunst der Wäher

Das Matterhorn im Hintergrund, darüber in grossen Lettern geschrieben: «Vorbild Schweiz – Masseneinwanderung stoppen! Volksabstimmung jetzt!» Mit diesem Plakat betreibt die NPD in Deutschland Wahlwerbung und schadet dem Image der Schweiz.

25.04.14, 15:42 25.04.14, 15:56

christoph reichmuth, berlin

Das Matterhorn als Werbebanner Bild: NPD

Das neueste Wahlplakat, das in deutschen Städten die Wählerinnen und Wähler zur Europa-Wahl mobilisieren soll, kann der Schweiz nicht gefallen: Unser Land dient im Wahlkampf zumindest nach aussen hin als Vorbild für die rechtsextreme NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Gegen die offen fremdenfeindlich und antisemitisch agierende Kleinpartei läuft in Deutschland wieder einmal ein Verbotsverfahren. 

Die NPD ist nicht die einzige politische Gruppierung, die aus dem Schweizer Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative am 9. Februar politisches Kapital schlagen will. Auch die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) buhlt auf Plakaten um Wählerstimmen mit Verweis auf die direkte Demokratie und das Schweizer Votum. 

Die AfD ist keine extreme Partei, macht sich aber für eine restriktive Zuwanderungspolitik in der EU stark. Einige Parteimitglieder der noch jungen politischen Kraft tummeln sich ausserdem zumindest in der Nähe rechtsnationaler Gruppierungen. Der Einzug der AfD ins Europaparlament ist nach dem Wegfall der 3-Prozent-Hürde so gut wie besiegelt. Ob auch die NPD Abgeordnete nach Strassburg entsenden kann, ist hingegen ungewiss.  

Image angekratzt

Die Instrumentalisierung durch die extreme Rechte im Europa-Wahlkampf – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich oder Grossbritannien – kratzt am Image der Schweiz. Schon zuvor konnte der Eindruck entstehen, der Ruf der Schweiz in Deutschland habe gelitten. In den Medien ist im Zusammenhang mit der Eidgenossenschaft oft die Rede vom überteuerten Schwarzgeldparadies. Fälle von Steuerhinterziehungen Prominenter wie Uli Hoeness oder Alice Schwarzer sorgten für Aufsehen. 

Rechtlich hat die Schweiz nichts in der Hand, um der NPD das Werben mit dem Matterhorn zu verbieten.

Zwar stiess das Schweizer Ja zur Begrenzung der Zuwanderung bei vielen Deutschen auf Verständnis. Doch indem eine fremdenfeindliche Partei wie die NPD mit dem Schweizer Entscheid auf Stimmenfang geht, könnte der Schweizer Entscheid vom 9. Februar in Deutschland falsch interpretiert werden: nämlich alleine als fremdenfeindlich begründete Abschottung gegen aussen. Doch rechtlich hat die Schweiz nichts in der Hand, um der NPD das Werben mit dem Matterhorn zu verbieten. Beim Departement für auswärtige Angelegenheiten in Bern (EDA) will man sich zur Kampagne der Rechtsextremen nicht äussern: «Wir kommentieren den Wahlkampf in anderen Ländern grundsätzlich nicht», sagt EDA-Sprecher Stefan von Below. 

Gross fordert breiteren Diskurs 

Die Gefahr der Instrumentalisierung durch Extremisten erkennt jedenfalls der Zürcher SP-Nationalrat und Europarat Andreas Gross. «Die Schweiz wird von vielen Europäern schon jetzt falsch oder gar nicht verstanden. Jedenfalls nicht so, wie wir Schweizer das gerne hätten», sagt er gegenüber der Nordwestschweiz

«Das Gros der Deutschen kann das Abstimmungsergebnis schon differenziert beurteilen.»

Politologe Hermann Adam über das Image der Schweiz in Deutschland nach der Annahme der SVP-Initiative

Kampagnen wie jene der NPD könnten das Unverständnis verstärken. Gross ortet das Problem in einem mangelnden innenpolitischen Diskurs nach dem Ja vom 9. Februar. «Wenn etwas im Ausland nicht verstanden wird, dann hapert es meist schon im eigenen Land am Verständnis.» Die Schweiz habe es bislang versäumt, einen Diskurs darüber zu führen, «was die tatsächliche Botschaft dieser knappen Mehrheit der Stimmenden war. Mit irgendwelchen Anpöbelungen am Freitagabend in der ‹Arena› kann dies nicht geschehen, im Gegenteil: Dort wird das Problem bewirtschaftet, niemand bemüht sich um ein gemeinsames Problemverständnis.» 

Imagekampagnen des Bunds «à la Fondueplausch in der Wall Street oder Skifahren in Berlin» seien kontraproduktiv. «Das schürt bloss das Unverständnis der Menschen gegenüber unserem Land.» Gross fordert eine breite Auseinandersetzung. Nur so könne die Schweiz mit ihren vielen Eigenheiten und Facetten im Ausland richtig erklärt werden. 

Der Politologe Hermann Adam von der Freien Universität Berlin zeichnet ein nicht ganz so düsteres Bild wie Nationalrat Gross. «Natürlich, bei den Sympathisanten der NPD zieht der Verweis auf die Schweiz. Aber das Gros der Deutschen kann das Abstimmungsergebnis schon differenziert beurteilen», sagt er. Hermann Adam schätzt das Potenzial EU-kritischer Stimmbürger in Deutschland auf 15 bis 20 Prozent. Davon werde bei den Europawahlen im Mai vor allem die AfD profitieren. 

Bei der NPD war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 26.04.2014 06:12
    Highlight Auf Diffamierung ausgerichteter Abdruck eines NPD-Wahlplakats!

    Hätte die "Nordwestschweiz" das Wahlplakat der NPD nicht noch um eine Spur grösser abdrucken können? So hätte man noch mehr Stimmung gegen das tumbe Schweizer Stimmvolk machen können, welches die Masseneinwanderungsinitiative angenommen hat. Die Gegner der Masseneinwanderung so in die rechtsextreme Ecke zu drücken ist einfach nur widerlich!
    1 1 Melden
  • Michèle Seiler 25.04.2014 22:27
    Highlight Man muss sich aber auch fragen, was genau es ist, dass Parteien wie die NPD und die AfD spricht.
    0 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 26.04.2014 13:59
      Highlight Dass gegen diese Parteien spricht, meinen Sie? Man kann um Himmels Willen nur hoffen, dass Ihr Kommentar ironisch gemeint ist. Wer nicht weiss, was gegen die NPD spricht, der findet wohl auch an der NSDAP nichts Anstössiges. Immerhin gibt es in Teilen Deutschlands NOCH genügend Menschen, die sich diesem braunen Dreck entgegenstellen. http://taz.de/Protest-gegen-Nazi-Demo-in-Berlin/!137422/
      Und was mich an diesem Artikel und auch an der Schweizer Berichterstattung generell stört - die eigene Verantwortung wird nie hinterfragt. Die direkte Demokratie heisst nicht nur Rechte zu haben, sondern auch Pflichten und für sein Abstimmungsverhalten Verantwortung zu übernehmen. Dass das Abstimmungsergebnis von den Rechten in ganz Europa aufgegriffen wird, sollte viel mehr dazu anregen zu hinterfragen, ob die SVP nicht in die Liste dieser Parteien einzuordnen ist. Aber ein übertriebenes Nationalbewusstsein von links bis rechts will das nicht wahrhaben, dass im "Besserkönner"-Land eine Partei mit NPD-Parolen eine Mehrheit hinter sich bringt. Und all die, welche sich nun gegen Rassismusvorwürfe wehren, die typischen "Man wird doch wohl noch sagen dürfen" "Ich bin nicht rassistisch, aber" -Sager, entlarven sich durch diese Argumentation selbst. Sie erkennen erstens Rassismus als etwas Schlechtes an und offenbaren, dass sie sich selbst mit ihrer Haltung nicht uneingeschränkt wohlfühlen. Sie machen feige ihr Kreuz auf einem Zettel. Mir wär es lieber, sie gäben sich eindeutig als Rassisten zu erkennen. Wo wir, liebe Frau Seilerm nun wieder bei der NPD gelandet wären.
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  • SandroSommer 25.04.2014 21:33
    Highlight Um die Gunst der Wäh(L)er. Da fehlt ein L wie bei Loser. Was diese Typen eigentlich auch sind!
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  • Uham 25.04.2014 19:58
    Highlight Was sind Wäher?
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  • Florian Sticher 25.04.2014 16:04
    Highlight Ich glaube da fehlt ein "l" im Titel ;-)
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