Schweiz
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THEMENBILD ZUR LOHNSTUDIE LEHRERINNEN UND LEHRER --- A teacher instructs his pupils at the elementary school in Monstein near Davos in the canton of Grisons, Switzerland, pictured on September 11, 2008. The elementary school Davos Monstein is a comprehensive school where pupils of all different levels are being taught together. In addition, the school offers a day-long program including lunch as well as housework tutoring in order to disburden parents. The Monstein school's pupils not only come from the families in the village but instead include children coming from twelve kilometers distant Davos. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Lehrer der Primarschule Monstein bei Davos, Schweiz, erklaert am 11. September 2008 seinen Schuelern etwas. In der Primarschule Davos Monstein sind alle sechs Primarschulstufen in einer Klasse als Gesamtschule zusammengefasst. Die Schule wird zudem als Tagesschule gefuehrt, in der die Kinder ueber Mittag verpflegt werden und im Klassenzimmer an den Hausaufgaben arbeiten, um die Eltern zu entlasten. Neben Kindern aus dem Dorf besuchen auch Kinder aus dem zwoelf Kilometer entfernten Davos die Schule. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Immer weniger Menschen wollen Lehrer werden. Jetzt wird der Lehrermangel prekär.  Bild: KEYSTONE

Mangel dank Sparpolitik und schlechtem Ruf: Schulen müssen unterqualifizierte Lehrer einstellen

Zahlreiche Schulen in der Schweiz müssen auf unterqualifizierte Lehrpersonen zurückgreifen. Nur 17 Prozent der Schulleiter in der Deutschschweiz gaben in einer Umfrage an, alle offenen Stellen mit Personen besetzen zu können, die das Stellenprofil erfüllten.



Der Lehrermangel wird prekär: In der Deutschschweiz gaben nur 17 Prozent der Schulleiter an, alle offenen Stellen mit Personen besetzen zu können, die das Stellenprofil erfüllen. In der Westschweiz waren es gar nur 9 Prozent der Befragten.

Über die gemeinsame repräsentative Umfrage der Berufsverbände der Schulleitenden aus der Deutschschweiz VSLC und der Westschweiz und des Tessins CLACESO berichteten am Sonntag die «Sonntagszeitung» und «Le Matin Dimanche». Insgesamt wurden 1141 Schweizer Schulleiter befragt.

Laut rund einem Drittel der befragten Schulleiter in der Deutsch- und der Westschweiz genügten die letztjährigen Anstellungen den Qualitätsansprüchen der Schule nur teilweise.

Besonders schwierig für die Schulen ist es, Heilpädagogen zu finden. In der Deutschschweiz gaben 63 Prozent der Schulleiter an, Mühe bei der Stellenbesetzung zu haben. Laut 21 Prozent ist es gar hoffnungslos, die Stelle zu besetzen. Bei den Fachlehrpersonen an der Primarschule für die dritte bis sechste Klasse haben 47 Prozent Schwierigkeiten bei der Stellensuche, bei den Fachlehrpersonen an der Sekundarschule 42 Prozent.

Folgen der Sparpolitik an den Schulen

Laut den Verbänden dürfte sich der Lehrermangel noch verschärfen: Individuelle Aussagen der befragten Schulleitenden wiesen schweizweit auf wachsende Personalrekrutierungsprobleme zwischen den Kantonen hin, teilten VSLC und CLACESO mit.

Die Gründe seien Lohnunterschiede sowie Ungleichheiten zwischen finanzstarken und -schwachen Gemeinden. Zudem müssten Schulen vermehrt Abbaumassnahmen umsetzen. Klassenzusammenlegungen, das Streichen von Unterstützungsangeboten zur Integration und das Aufschieben von Renovationen seien für die Lehrpersonen und die Schulleitungen zunehmend belastend.

Die Abbaumassnahmen führten zu qualitativen Unterschieden im Unterstützungs- und Leistungsangebot zwischen den Schulen, heisst es weiter. Die Schulleiterverbände stufen die Chancengleichheit der Kinder in der ganzen Schweiz deshalb als gefährdet ein.

Wenig Anerkennung für Lehrer

Laut dem Westschweizer Lehrerverband ist auch die geringe Wertschätzung des Berufs ein Grund für die Schwierigkeiten der Lehrersuche.

Der Lehrerberuf sei nicht mehr so angesehen wie früher, sagte Georges Pasquier, Präsident des Westschweizer Lehrer-Dachverbandes syndicat des enseignants romands (SER), auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Um die Lehrer der Babyboom-Generation, die nun in Pension gingen, zu ersetzen, müsse man den Beruf wieder attraktiver machen.

Laut Pasquier müsste auch die Qualität der Bildung stärker hochgehalten werden. Die Lehrer-Ausbildung auf dem Primarschulniveau sei mit 3 Jahren zu kurz. (rar/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • 7immi 12.06.2016 23:21
    Highlight Highlight leider war die bildung lange eine heilige kuh.man durfte nicht sparen, das geld floss in massen. wohin war egal. stellen wurden geschaffen, reformen überholten sich gegenseitig. jetzt haben wir die quittung.
    aber auch andere dinge sind problematisch. so nimmt der papierkrieg stetig zu, der lehrer ist auch sekretär. die schulleitung wurde professionalisiert und zu einem wasserkopf, der statt die lehrer unterstützt noch mehr fordert. die schule übernimmt zunehmend die arbeit der eltern: erziehung. die modulare ausbildung macht alles noch komplizierter.
    alles in allem eine verzwickte baustelle...
  • Thomas Bollinger (1) 12.06.2016 18:55
    Highlight Highlight Unterqualifiziert? Vielleicht. Nach dem Talent fragt niemand. Ich schätze viele Lehrpersonen sehr, habe andererseits vor allem junge Lehrpersonen (<30) als nicht besonders kompetent erlebt. Der Fehler liegt wohl - wie so oft - im System.
  • bröter 12.06.2016 15:43
    Highlight Highlight Wiedereinmal typisch Politik: Kurzfristig Geld sparen und die Probleme dann die nächsten Generationen auslöffeln lassen. Momoll, weiter so!
  • Scaros_2 12.06.2016 15:11
    Highlight Highlight Ich hab mir schon oft überlegt ob ich nicht Lehrer werden möchte aber ich sehe mich einfach mit folgenden Problemen konfrontiert.

    1. Lehrer sollen immer öfters Erziehen und stehen anstrengenden Schülern gegenüber die keinen Anstand besitzen
    2. Lehrer sind immer öfters Schuld an der schlechten Leistung des Schüers der nicht erzogen wird.
    3. Lehrer stehen oft nicht richtig. Die Eltern wissen alles besser, teils kommen korrigierte Prüfungen zurück
    4. Lehrer stehen oft drohenden Anzeigen und Klagen gegenüber
    5. Männliche Lehrer haben eine Gratwanderung im Thema Sex. MIssbrauch vor sich!
    • Scaros_2 12.06.2016 15:20
      Highlight Highlight 7. Die Ausbildung an der PH überzeugt mich nicht. Gemessen an den Tagen die ich für die Ausbildung zum JS-Trainer brauchte oder zum Jungwacht-Leiter Begreiffe ich nicht was ich an der PH so lange brauche das ich Lehrer bin. Der Stoff kann es ja nicht sein. Grundschulstoff usw.
      8. Eine noch längere Ausbidung begreiffe ich dann doch auch nicht weil ich will meinen Namen jetzt wirklich nicht Klatschen können.
    • Anaalvik 12.06.2016 18:44
      Highlight Highlight Meine Replik zu
      Q
      1) War schon immer Aufgabe der Lehrer. Darum hatten sie auch einen Stock.
      2) Wenn ein Schüler nichts lernt, dann liegt's am Schüler. Lernen alle Schüler wenig bis nichts, dann ist der Lehrer nicht gut genug.
      3) Solches Feedback ist wertvoll zur stetigen Verbesserung des Unterrichts. Ein Lehrer, unfähig damit souverän umzugehen, ist fehl am Platz.
      4) Das muss jede Autoritätsperson aushalten können. Sonst ist es keine Autoritätsperson. Das müssen Lehrer jedoch sein.
      5) Ja, als Mann an einer Schule gilt zu 55% als Pädophiler, zu Unrecht. Das ist leider alltäglicher Sexismus.
    • rebalie 12.06.2016 20:11
      Highlight Highlight Emm also, habe eine Kollegin an der PH. Ja man bastelt ab und zu, aber das ist auch gut so. Ich habe meine Lehrerin stets bewundert und sie hat so manchens TW-Projekt gerettet und aomit Tränen bewahrt. Der Grossteil besteht aus Pädagogik! Wie man Stoff vermittelt, was in einem Kinderkopf vorgeht und wie man damit umgehen muss. Lehrer haben eine Riesenverantwortung, nur leider sehen das wenige und erkennen noch weniger an
    Weitere Antworten anzeigen
  • Carlo Meyer 12.06.2016 15:03
    Highlight Highlight Der Bedarf an Lehrpersonen wird in Zukunft massiv abnehmen.
    Was heute schon youtube liefert, Sprachlernapps, Lehrbücher zusammen mit der Stärkung der autodidaktischen Fähigkeiten der Schüler, macht Lehrer bald überflüssig.
    • EvilBetty 12.06.2016 15:44
      Highlight Highlight Sorry, darf ich mal? 😂
    • Anaalvik 12.06.2016 18:49
      Highlight Highlight Leider nein. Denn jede Ausbildung zählt nur, wenn eine anerkannte Institution, die Ausbildung mit einem Diplom, Fähigkeitsausweis, ö.ä. bestätigt. Alles Wissen und Können gilt nichts, wenn kein Diplom es ausweist. Dieser Wisch ist tausendmal mehr wert, als was eine wirklich weiss und kann. Einem Papier glaubt man eher, als einem Menschen. Verrückt aber wahr.
    • Carlo Meyer 12.06.2016 19:46
      Highlight Highlight @Evil
      Gerne.
      Nur ist das für heutige Schüler mit dem Handy neben den Hausaufgaben Alltag.
      Wie auch für Länder, die sich nicht ein überteuretes, total ineffizientes und ideologisiertes Bildungssystem leisten können.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Laubos 12.06.2016 13:51
    Highlight Highlight Was? Sich noch länger an der PH rumquälen? Na dann viel Glück, mehr Studenten zu finden..
    • Waldorf 13.06.2016 08:30
      Highlight Highlight Schöner Spruch. In der Realität hingegen steigen die Studierendenzahlen an den PH's. Längeres Studium (was vom gegebenen System her eh nicht eintreten wird) würde daran wohl wenig ändern.
  • Kronrod 12.06.2016 13:49
    Highlight Highlight Wie bitte, Ausbildung erneut verlängern? Damit wird diese Berufswahl nicht attraktiver. Früher ging es dank Lehrerseminar nämlich relativ rasch, bis man in dem Beruf einsteigen und ordentlich Geld verdienen konnte, während die Jahrgangskollegen ein ohne nennenswerte Einkommen Studentendasein fristeten. Ich schicke meine Kinder lieber zu einem 23-jährigen Lehrer mit drei Jahren Berufserfahrung als zu einem 25-jährigen Akademiker ohne Erfahrung.
  • pamayer 12.06.2016 13:33
    Highlight Highlight Wie wäre es, die etwas in die Jahre gekommenen löhne zu updaten, statt diese noch zu senken?
    Von nichts kommt nichts.
    Für Unternehmen werden Milliarden steuergeschenke gemacht.
    Für Lehrpersonen? ?
    • Danyboy 12.06.2016 15:19
      Highlight Highlight Ich orientiere mich an den öffentlichen Lohntabellen. Lehrer verdienen sehr ordentlich. Und zwar schon relativ bald nach der Ausbildung! Aber jedes Mal wenn das Thema aufkommt vergleichen sich Lehrer lohnmässig gerne mit der Bankenbranche. Doch eher amüsant.
  • Anaalvik 12.06.2016 13:11
    Highlight Highlight Genau der richtige Weg, um den Lehrermangel zu bekämpfen: höhere Anforderungen an die Ausbildung. Wenn das kein Schuss in das eigene Bein ist!
    Warum gibt es so gut wie keine Chance für Umsteiger (mehr)? Es gibt bestimmt viele geeignete Chemiker, Physiker, Mathematiker, Linguisten, Journalisten, u.v.a.m., die Lehrer werden möchten und darüber hinaus sehr viel mehr Fachwissen mitbringen als gewöhnliche Lehrer. Aber ihr Diplom ist das Falsche Und es gibt keine oder keine zumutbare Weiterbildung zum Lehrer für sie. Nein der Lehrermangel ist geheuchelt, um mehr Lohn auspressen zu können.
    • Danyboy 12.06.2016 15:17
      Highlight Highlight Ja, die letzte Aussage mit dem Lohn scheint auch mir nicht von der Hand zu weisen zu sein! Hier wird versucht, mit dem Vorwand Fachkräftemangel mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Das ist aber meines Erachtens nicht die Hauptursache und nicht der Hauptlösungsansatz für den scheinbaren Mangel.
    • HerrBircher 12.06.2016 20:33
      Highlight Highlight In meiner Laufbahn als Schüler und Student hatte ich einige Lehrer deren Fachkompetenz sehr hoch war, deren didaktische Fähigkeiten jedoch zu wünschen übrig liessen. Diese Konstellation schafft nur Frust, sowohl für die Schüler, als auch für die Lehrer.
    • Anaalvik 12.06.2016 23:53
      Highlight Highlight @Bircher: Deswegen schrieb ich von geeigneten Fachleuten. Und: Didaktik ist Handwerk, was jeder lernen kann. Darum: Weiterbildung für Lehrerquereinsteiger. Und: Didaktikvirtuose und Fachwissendilettant ist auch keine gute Kombination für einen Lehrer.

Und rein ins Rampenlicht: Wer ist eigentlich Viola Amherd?

Die neu gewählte Bundesrätin Viola Amherd sieht sich als Brückenbauerin und Mittepolitikerin. Die aktuelle Zuwanderung hält sie für verkraftbar. Nicht zuletzt ihr kürzlicher Spitalaufenthalt hat sie darin bestärkt.

Als Amherd ihre politische Karriere bei der Oberwalliser CVP im Jahr 1992 begann, hätte sie nie gedacht, dass sie eines Tages Bundesrätin werden würde. Am Anfang ihrer Laufbahn musste sie laut eigenen Aussagen eher dazu überredet werden, für ein Amt zu kandidieren. Auch in die nationale Politik stieg sie 2005 durch die Hintertüre ein. Als erster Ersatz auf der Liste der CVP konnte sie Jean-Michel Cina im Nationalrat beerben, als dieser in den Walliser Staatsrat gewählt wurde.

Als diskrete …

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