Schweiz
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Uni-Austauschprogramme vor dem Scherbenhaufen

Hunderte Erasmus-Verträge müssen neu verhandelt werden

Auf der Suche nach einer Lösung für das Austauschprogramm Erasmus zeichnet sich keine Zauberlösung ab. Hunderte von Verträgen mit europäischen Partner-Unis müssen neu verhandelt werden. Der Rektor der Universität Zürich warnt vor dem Imageschaden, welcher dem Hochschulstandort Schweiz droht.

04.03.14, 16:55 04.03.14, 17:22

Am Montag trafen sich die Mobilitätsbeauftragten der Schweizer Hochschulen mit Vertretern des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in Bern, um über die Zukunft des Erasmus-Programms unter den Vorzeichen der Zuwanderungsinitiative zu beraten.

Bei dem Treffen habe sich kein Patentrezept abgezeichnet, sagte Antoinette Charon Wauters, die Mobilitätsverantwortliche der Universität Lausanne, am Dienstag der Nachrichtenagentur sda. Die gute Nachricht sei, dass die Hochschulen alle am gleichen Strang zögen. Die schlechte Nachricht sei, dass niemand genau wisse, wie es weitergehe.

Die Vertreter des Staatssekretariats für Bildung hätten den Mobilitätsverantwortlichen aufmerksam zugehört und würden den Hochschulen «in ein paar Wochen» Vorschläge unterbreiten, sagte Charon Wauters weiter.

Seit dem Ja zur Zuwanderungsinitiative erhalte die Universität Lausanne täglich Absagen an ihre Studenten für Studienplätze an Partner-Universitäten, sagte Charon Wauters. Die Universität Lausanne habe mit Partnerhochschulen insgesamt 400 Erasmusverträge abgeschlossen. Nun müsse sie mit jeder Partner-Institution die Verträge einzeln neu aushandeln.

In beide Richtungen blockiert

Über den drohenden Schaden für die Schweizer Hochschulen durch die Zuwanderungsinitiative sprach am Dienstag auch Michael Hengartner, der neue Rektor der Universität Zürich.

Ohne EU-Förderung sei es für europäische Studenten derzeit «weniger attraktiv, in die Schweiz zu kommen», erklärte Hengartner anlässlich einer Medienkonferenz einen Monat nach seinem Amtsantritt. Da die Austauschprogramme reziprok seien, könnten dann auch keine Schweizer Studenten an diese Universitäten gehen.

Damit der Studentenaustausch im Herbst 2014 stattfinden kann, müssten jetzt rasch neue Verträge mit zahlreichen Universitäten ausgehandelt werden. Da die Schweiz künftig nicht nur Schweizer Studenten im Ausland, sondern auch europäische, die in die Schweiz kommen, fördern muss, würden die Kosten steigen.

Da gleichzeitig administrativer Aufwand eingespart würde, bliebe dies jedoch in einem verkraftbaren Rahmen, sagte der 47-jährige Uni-Rektor.

BiIvan Ordas Criado von der Universität Neuenburg spricht zu den anwesenden Studenten während der symbolischen Beerdigung des Forschungsabkommens Horizon 2020 und des Studentenaustausch-Programmes Erasmus vor dem Bundeshaus, am 20. Februar 2014 in Bern. Bild: KEYSTONE

Imageschaden

Wichtiger als der finanzielle Schaden ist aus Sicht von Hengartner der Imageschaden, den die Schweiz durch den Ausschluss aus den europäischen Austausch- und Forschungsprogrammen erfährt.

Am härtesten treffe die Schweizer Universitäten der Wegfall der Stipendien des europäischen Forschungsrates (ERC). Sie fördern einzelne Forscher mit bis zu zwei Millionen Euro und werden in einem kompetitiven Verfahren vergeben. Als Drittstaat darf sich die Schweiz nicht mehr bewerben. «Es gibt keine Alternative für diese Exzellenz-Währung», sagte Hengartner. «Das ist ein Loch bei den Besten.»

Auch die wahrgenommene Ausländerfeindlichkeit der Schweiz könnte ins Gewicht fallen, wenn sich Spitzenforscher zwischen einer Schweizer oder einer ausländischen Universität entscheiden müssen. So etwas sei allerdings nur einer von vielen persönlichen Entscheidungsfaktoren.

Mehr Politik

Die hohe Zahl von ausländischen Studierenden und Professoren an Schweizer Universitäten sei kein Problem, sondern eine Stärke, von der das Land profitiert, betonte Hengartner. «Internationalität bringt enorm viel Qualität.» Ihr verdanke die Schweiz ihren Spitzenplatz in der Wissenschaft. Hengartner gehört denn auch zu den 400 Erstunterzeichnern eines am Dienstag veröffentlichten «Appells für einen offenen europäischen Hochschulraum», den der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) initiiert hatte.

Hengartner schliesst nicht aus, dass sich die Universitäten in ähnlichen Situationen in Zukunft stärker in den Wahlkampf einmischen werden.« Man kann sich vorstellen, dass die Hochschulen künftig aus dem Elfenbeinturm heraustreten.» Alle betroffenen Kreise sollten ihre Meinung in den politischen Prozess einbringen dürfen.

Michael Hengartner hat sein Amt bereits am 1. Februar angetreten, da sein Vorgänger Andreas Fischer im Zuge der «Affäre Mörgeli» im November vorzeitig zurückgetreten war. In der Zwischenzeit hatte Prorektor Otfried Jarren die Rektoratsgeschäfte ad interim geführt. (sda)



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Dietmar Jobst 05.03.2014 05:22
    Highlight Donald, guten Morgen, keiner spricht von überregulierten Institutionen oder staatlichen Innovationen. Die Schweiz als noch Innovationsführer in der Welt läuft große Gefahr durch Ausländerfeindlichkeit und Isolationspolitik ins Abseits zu geraden und völlig unverhæltnismässige Sprüche werden dies fördern. Erasmus steht für einen anerkannten Europäischen Philosophen, Millionen, Tausende der Europäischen Jugend und Studenten sind davon begeistert werden unsere Zukunft dadurch mitbestimmen. Darüber zu lästern ist traurig und schlecht für die Schweiz. Frohes Schaffen!
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    • Donald 05.03.2014 14:21
      Highlight Die Schweiz betreibt werden eine Isolationspolitik, noch ist sie Ausländerfeindlich. Überlegen sie einmal wie die EU den Rest der Welt behandelt!?

      Desiderius Erasmus starb 1536 und hat keinen Einfluss auf das nach ihm benannte Programm.

      Die Leute, welche vom Erasmus-Programm Geld erhalten sind also begeistert davon? Erstaunlich!

      Wie schon of erwähnt. Was mit Erasmus geht, geht auch ohne. Darum ist es nichts als eine zusäztliche und unnötige Bindung an die EU.

      Schön, dass das Marketing der EU-Kommission bei ihnen wirkt. Ich habe "leider" die Fähigkeit grössere Zusammenhänge zu erkennen und lasse mich nicht von "guten" Absichten blenden.
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  • Dietmar Jobst 04.03.2014 18:52
    Highlight Donald du hast keine Ahnung, die Schweiz verliert Innovationskraft, Intelligenz und Zukunft durch nationalistische Komplexitätstreiber. Die Aufholjagd für die Europäische Schweiz hat jetzt schon begonnen.
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    • Donald 04.03.2014 20:10
      Highlight Definitiv nicht. Wie soll man innovativ sein, wenn man nach den Regeln von staatlichen Institutionen spielen muss? Übrigens haben diese Institutionen klare Interessen, welche sicher nicht von Innovation motiviert sind. Innovation kann nicht vom Staat hergestellt werden.

      Besonders nimmt es mich wunder, warum Unabhängigkeit im Gegensatz zu der überregulierten EU ein Komplexitätstreiber sein soll? Im übrigen ist die EU selbst wohl ziemlich nationalistisch bzw. kontinentalistisch... und überhaupt nicht weltoffen.
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  • Donald 04.03.2014 17:48
    Highlight Hätten wir nie Erasmus gehabt, gäbe es dieses Problem jetzt nicht. Und trotzdem könnten die Studenten ein Austauschsemester machen. Man sieht jetzt endlich was für negative Auswirkungen die Paket-Verträge mit der EU haben. In der Wirtschaft nennt man das Klumpenrisiko. Das gilt es zu vermeiden. Wir können froh sein, dass wir jetzt nicht mehr Teil davon sind und nicht später, wenn es uns noch härter treffen würde. Jetzt können wir wieder selbst bestimmen.
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    • Oberon 04.03.2014 18:50
      Highlight Natürlich respektiere ich Ihre Meinung aber denken Sie bitte daran nicht jeder wünscht sich die Isolation.

      "Klumpenrisiko" in diesen Bezug herzustellen ist auch ein Witz für sich selber.

      Aber die Problematik bei den Gesamtverträgen ist sicher das man sich in das gemachte "Nest" setzt und somit verlernt wieder eigenständig und kreativ zu denken.

      Was jedoch jetzt der Sinn Ihrer Aussage sein soll kann ich nicht erkennen, zumal unsere Regierung aus eigenen stücken an diesem Projekt teilgenommen hat(te).


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    • Donald 04.03.2014 20:05
      Highlight Erasumus hat kein Monopol auf Austauschsemester oder die Unterstützung von Forschern. Nicht einmal innerhalb der EU. Das hat überhaupt nichts mit Isolation zu tun. Das Ganze geht genau so gut ohne Erasmus.

      Es wurde übrigens auch überlegt wieder auszusteigen. Denn es gibt eigentlich keinen Mehrwert, den man ohne Abkommen nicht auch selber herstellen könnte. Dies mit dem Nachteil sich mehr an die EU binden zu müssen und nicht selbst bestimmen zu können.

      Ja, leider denkt unsere Regierung nur an kurzfristige wirtschaftliche Erfolge, anstelle langfristig die Flexibilität und damit Innovationsfähigkeit zu wahren.
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    • Oberon 04.03.2014 21:49
      Highlight Das ist auch nicht die Aufgabe von Erasmus, natürlich führt so ein Vorgehen mittelfristig zur Isolation in Bezug auf Wissen-, Kultur- und Informationsaustausch.
      Es geht auch ohne Strom wenn man das will aber viel wichtiger ist doch was will man mit so einem "Projekt" wirklich bezwecken und das aus der Sicht der Schweiz.

      Falls man zum Beschluss kommt das man aus Erasmus aussteigen wolle, dann muss auch klar aufgezeigt werden warum und was ist die alternative.

      Reisserische Zeitungsartikel ohne seriöse Quellenangaben kann mal einfach mal ignorieren.

      Bei dem Thema Regierung bin ich komplett bei Ihnen.
      Leider Verwaltet unser BR nur unser Land und leitet nicht die dringend benötigten Massnahmen ein.


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    • Donald 04.03.2014 22:19
      Highlight Also nochmal. Erasmus ist vor allem ein Geldverteilungssystem, dass Verträge schafft, welche die Universitäten von sich abhängig macht.

      Unsere Hochschulen brauchen keine staatliche Institution, um ihre internationalen Netzwerke zu pflegen. Die Alternative zu Erasmus ist ganz einfach kein Erasmus. ALLES was Erasmus kann, kann problemlos auch ohne Erasmus erreicht werden.

      Man sieht es jetzt. Die Verträge die neu verhandelt werden müssen, hätten auch ohne Erasmus gemacht werden können. Dann hätten wir jetzt nicht dieses Problem.

      Schau dir doch einmal die interkontinentalen Netzwerke unserer Hochschulen an. Das geht auch ohne Erasmus.

      Es wird in keinem Bezug irgend etwas isoliert.
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