Schweiz
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Tagesschulen sind gut, aber nicht so gut wie gedacht



ZUM SCHULANFANG STELLEN WIR IHNEN HEUTE, MITTWOCH, 16. AUGUST 2017, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- A pupil does his homework during the after-school care at the day school Bungertwies in Zurich, Switzerland, on March 2, 2015. The school has two kindergartens (1st and 2nd kindergarten year) and six classes of mixed ages (1st to 3rd grade and 4th to 6th grade). The mixed age group system means that the children can study together and learn from each other. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Was die Tagesschule bringt, wurde in einer Studie untersucht. Bild: KEYSTONE

Die Tagesschulen in den ersten beiden Primarschuljahren sollen einiges erreichen: bessere Integration ausländischer Kinder, mehr Chancengleichheit und höhere Schulleistungen. Das können sie aber nicht. Sie erfüllen eher Betreuungs- als Bildungsfunktionen.

Das zeigt eine am Montag veröffentlichte und vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte mehrjährige Untersuchung der Universität Bern an Deutschschweizer Tagesschulen. Insgesamt erbrachten Kinder, welche eine Tagesschule besuchten, keine besseren Schulleistungen als ihre Klassenkameraden ohne Tagesbetreuung.

Bei Kindern aus ärmeren und bildungsferneren Familien zeigte sich immerhin ein Kompensationseffekt bei der Mathematik. Im Lesen gab es hingegen gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund und aus ärmeren Familien keinen Unterschied zu den Altersgenossen ohne Tagesangebot.

Auch im Sozialverhalten keine Unterschiede

Neben der Schulleistung wurde die soziale und emotionale Entwicklung der Tagesschul-Kinder untersucht. Dabei fanden die Forscherinnen und Forscher der Universität Bern bei sozial erwünschtem Verhalten ebenfalls keine Unterschiede zu Kindern ohne Tagesschulbesuch.

Im Vergleich der Tagesschulgruppen untereinander zeigte sich aber, wie wichtig eine gute Durchmischung ist. Besuchte ein verhaltensauffälliges Kind eine Gruppe mit vielen ebenfalls auffälligen Kindern, besserte sich sein Sozialverhalten weniger stark, als in einer ausgewogeneren Gruppe.

Mehr Betreuung als Bildung

Die Studie stellt fest, dass die pädagogische Qualität der Tagesschulen in den letzten knapp zehn Jahren leicht stieg und von mittlerer bis guter Qualität ist. Tragende Elemente seien aber weiterhin die Hausaufgabenhilfe, das Mittagessen und das Zvieri. Freie Aktivitäten hätten grosse Bedeutung.

Gezielte pädagogische Aktivitäten gab es gemäss der Studie hingegen wenige, etwa im Bereich Sprache oder in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Im Gegensatz zu Angeboten im Ausland mit gezielter Förderung von Sprache und Sozialverhalten gibt es gemäss den Studienverfassern auf diesem Gebiet in den Deutschschweizer Tagesschulen «noch viel Potenzial».

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Insgesamt legt die Studie die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Funktion der Tagesschule und den Erwartungen der Eltern offen. Das Fazit: Tagesschulen sind eher auf die Betreuung als auf die Bildung ausgerichtet.

Weniger Mittelschicht-Kinder

Zudem zeigte sich, dass Kinder mit Migrationshintergrund und solche aus eher wohlhabenderen Familien die Tagesangebote eher nutzen als Kinder aus der Mittelschicht. Den Grund dafür orten die Berner Forscher in der einkommensabhängigen Kostenbeteiligung. Für Familien mit mittleren Einkommen ist die Tagesschule häufig zu teuer.

Für die Studie wurden rund 2000 Schülerinnen und Schüler des ersten und zweiten Primarschuljahrs befragt und begleitet. Sie besuchten 120 Klassen in 53 Tagesschulen und 13 Deutschschweizer Kantonen. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rotbeisser 28.08.2017 14:02
    Highlight Highlight Einkommensabhängige Tarife wollen sozial sein. Wenn diese aber derart sind, dass sich die mittleren Einkommensschichten die Tagesschulen nicht leisten können, dann ist das doppelt asozial: erstens ganz direkt, weil gewisse Bevölkerungsteile faktisch ausgeschlossen sind. Und zweitens weil, die Tagesschule zum Ghetto für Kinder aus armen Familien wird. Denn für die Kinder aus reichen Familien sorgt eine privat engagierte Kinderfrau.
  • Nestroy Lodoño de Salazar y Matroño 28.08.2017 12:14
    Highlight Highlight Das war vorauszusehen. Was Kindern mit Migrationshintergrund und sprachlichen Problemen hilft, ist einzig eine individuelle Betreuung im fachlichen und psychologischen Bereich, um die fehlenden Deutsch als Zweitsprachekompetenzen und die rudimentären Kenntnisse der interkulturellen Pädagogik der oft wegen Sparprogrammen an der Grenze ihrer Kräfte stehenden Lehrerinnen und Lehrer zu kompensieren.

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