Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Tagesschulen sind gut, aber nicht so gut wie gedacht

28.08.17, 10:23 28.08.17, 16:13


ZUM SCHULANFANG STELLEN WIR IHNEN HEUTE, MITTWOCH, 16. AUGUST 2017, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- A pupil does his homework during the after-school care at the day school Bungertwies in Zurich, Switzerland, on March 2, 2015. The school has two kindergartens (1st and 2nd kindergarten year) and six classes of mixed ages (1st to 3rd grade and 4th to 6th grade). The mixed age group system means that the children can study together and learn from each other. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Was die Tagesschule bringt, wurde in einer Studie untersucht. Bild: KEYSTONE

Die Tagesschulen in den ersten beiden Primarschuljahren sollen einiges erreichen: bessere Integration ausländischer Kinder, mehr Chancengleichheit und höhere Schulleistungen. Das können sie aber nicht. Sie erfüllen eher Betreuungs- als Bildungsfunktionen.

Das zeigt eine am Montag veröffentlichte und vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte mehrjährige Untersuchung der Universität Bern an Deutschschweizer Tagesschulen. Insgesamt erbrachten Kinder, welche eine Tagesschule besuchten, keine besseren Schulleistungen als ihre Klassenkameraden ohne Tagesbetreuung.

Bei Kindern aus ärmeren und bildungsferneren Familien zeigte sich immerhin ein Kompensationseffekt bei der Mathematik. Im Lesen gab es hingegen gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund und aus ärmeren Familien keinen Unterschied zu den Altersgenossen ohne Tagesangebot.

Auch im Sozialverhalten keine Unterschiede

Neben der Schulleistung wurde die soziale und emotionale Entwicklung der Tagesschul-Kinder untersucht. Dabei fanden die Forscherinnen und Forscher der Universität Bern bei sozial erwünschtem Verhalten ebenfalls keine Unterschiede zu Kindern ohne Tagesschulbesuch.

Im Vergleich der Tagesschulgruppen untereinander zeigte sich aber, wie wichtig eine gute Durchmischung ist. Besuchte ein verhaltensauffälliges Kind eine Gruppe mit vielen ebenfalls auffälligen Kindern, besserte sich sein Sozialverhalten weniger stark, als in einer ausgewogeneren Gruppe.

Mehr Betreuung als Bildung

Die Studie stellt fest, dass die pädagogische Qualität der Tagesschulen in den letzten knapp zehn Jahren leicht stieg und von mittlerer bis guter Qualität ist. Tragende Elemente seien aber weiterhin die Hausaufgabenhilfe, das Mittagessen und das Zvieri. Freie Aktivitäten hätten grosse Bedeutung.

Gezielte pädagogische Aktivitäten gab es gemäss der Studie hingegen wenige, etwa im Bereich Sprache oder in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Im Gegensatz zu Angeboten im Ausland mit gezielter Förderung von Sprache und Sozialverhalten gibt es gemäss den Studienverfassern auf diesem Gebiet in den Deutschschweizer Tagesschulen «noch viel Potenzial».

World of Watson: Lehrer-Typen

Video: watson

Insgesamt legt die Studie die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Funktion der Tagesschule und den Erwartungen der Eltern offen. Das Fazit: Tagesschulen sind eher auf die Betreuung als auf die Bildung ausgerichtet.

Weniger Mittelschicht-Kinder

Zudem zeigte sich, dass Kinder mit Migrationshintergrund und solche aus eher wohlhabenderen Familien die Tagesangebote eher nutzen als Kinder aus der Mittelschicht. Den Grund dafür orten die Berner Forscher in der einkommensabhängigen Kostenbeteiligung. Für Familien mit mittleren Einkommen ist die Tagesschule häufig zu teuer.

Für die Studie wurden rund 2000 Schülerinnen und Schüler des ersten und zweiten Primarschuljahrs befragt und begleitet. Sie besuchten 120 Klassen in 53 Tagesschulen und 13 Deutschschweizer Kantonen. (sda)

So geht die Welt zur Schule: 47 Klassenzimmer

Lehrer, Bildung, Schule

Die Schule geht wieder los? So viel verdient dein Lehrer – der grosse Lohnreport

Digital Natives? Von wegen! Die Lüge einer Generation

Zu heiss, fiese Fragen: Berufsmaturand klagt (teilweise) erfolgreich gegen schlechte Noten

Die Tessiner haben 10 Wochen Sommerferien – eine Aargauer Gemeinde nicht mal halb so lang

Ja, der Name ist doof: 3 Gründe, warum der «Greentopf» trotzdem eine gute Sache ist

Junge haben wenig Ahnung von Biologie. Aber bist du wirklich schlauer?

Bei MINT-Studiengängen deutlich in Unterzahl: Die Angst der Frauen vor dem Wettbewerb

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rotbeisser 28.08.2017 14:02
    Highlight Einkommensabhängige Tarife wollen sozial sein. Wenn diese aber derart sind, dass sich die mittleren Einkommensschichten die Tagesschulen nicht leisten können, dann ist das doppelt asozial: erstens ganz direkt, weil gewisse Bevölkerungsteile faktisch ausgeschlossen sind. Und zweitens weil, die Tagesschule zum Ghetto für Kinder aus armen Familien wird. Denn für die Kinder aus reichen Familien sorgt eine privat engagierte Kinderfrau.
    7 5 Melden
  • Nestroy Lodoño de Salazar y Matroño 28.08.2017 12:14
    Highlight Das war vorauszusehen. Was Kindern mit Migrationshintergrund und sprachlichen Problemen hilft, ist einzig eine individuelle Betreuung im fachlichen und psychologischen Bereich, um die fehlenden Deutsch als Zweitsprachekompetenzen und die rudimentären Kenntnisse der interkulturellen Pädagogik der oft wegen Sparprogrammen an der Grenze ihrer Kräfte stehenden Lehrerinnen und Lehrer zu kompensieren.
    3 7 Melden

Schlechtere Noten wegen Handyregeln: «Wenn Papa Snapchat verbietet, trötzeln die Kinder» 

Eine neue Studie der Universität Zürich zeigt: Kinder, die ihr Smartphone uneingeschränkt nutzen dürfen, sind später an der Uni schlauer als die anderen. Was Trotzreaktionen und Recherchetools damit zu tun haben, sagt die Co-Studienautorin im Interview. 

Eltern sprechen ein Handy- oder Fernsehverbot oft mit besten Absichten aus. Doch nun liefert eine Studie der Universität Zürich überraschende Befunde: Kinder, die klaren Medienkonsumregeln folgen müssen, schneiden später im Studium nicht besser ab als andere, sondern sogar schlechter. 

Frau Hargittai, sollten Eltern ihren Kindern nun erlauben, so viel Zeit auf Snapchat und Co. zu verbringen, wie sie möchten? Eszter Hargittai: Nicht unbedingt. Aber wichtig ist es, …

Artikel lesen