Schweiz

An der ETH sorgt ein Mobbing-Fall für Aufregung.  Bild: KEYSTONE

Eklat an der ETH: Professorin mobbt jahrelang Doktoranden – und kriegt ein Sabbatical

Im Institut für Astronomie schikanierte eine Professorin über zehn Jahre lang Doktoranden. Nun hat die Schulleitung das Institut aufgelöst. 

22.10.17, 05:51 22.10.17, 09:09

An der ETH Zürich ist es im Institut für Astronomie zu Mobbing und heftigen Konflikten gekommen. Im Zentrum des Zerwürfnisses steht eine Professorin. 

Diese hat laut NZZ am Sonntag über die letzten 15 Jahre mit ihrem Mann das Institut aufgebaut, entsprechend stark war ihre Stellung. «Für mich war die Zeit an der ETH die dunkelste Episode meiner Karriere», sagt eine betroffene Person zur Zeitung.

Insider sprechen von Clanwirtschaft innerhalb der ETHDie Rede ist von persönlichen Angriffen, ständiger Kontrolle, überrissenen Erwartungen an die Erreichbarkeit und unfruchtbaren Diskussionen bis tief in die Nacht. Frauen sollen von der Professorin aufgefordert worden sein, weniger Zeit für Make-up und mehr für die Forschung zu verwenden. Dabei soll es selten um Forschung gegangen sein, sondern vielmehr um Zwischenmenschliches. «Schon eine vermeintlich falsche Körperhaltung ihr gegenüber konnte zu langen Diskussionen führen», erzählt eine ehemalige Postdoktorandin.

Eine junge Doktorandin wollte sich dies nicht mehr gefallen lassen und ging zur ETH-Leitung. 

ETH löst Institut auf

Nun hat die Schulleitung reagiert, das Institut aufgelöst und das Professoren-Paar für sechs Monate in ein Sabbatical geschickt, wie die NZZ am Sonntag weiter berichtet. Die betroffenen Doktoranden seien anderen Professoren zugeteilt worden.

Der Fall schlage intern hohe Wellen. ETH-Präsident Lino Guzzella wollte offenbar dafür sorgen, dass die Situation schnell bereinigt wird – und zwar möglichst so, dass keine grossen Wellen geworfen werden. 

«Schon eine vermeintlich falsche Körperhaltung ihr gegenüber konnte zu langen Diskussionen führen.»

Ehemalige Doktorandin

Viele goutierten demnach nicht, dass die Professorin an die ETH zurückkehren kann – vor allem, weil sie unter Auflagen auch wieder Doktoranden betreuen darf. Die Sache ist aber noch nicht vorbei, Inzwischen hat sich der ETH-Rat eingeschaltet.

Die Professorin wollte gegenüber der NZZ am Sonntag keine Stellung nehmen und verwies an die Medienstelle der ETH: 

Professoren werden kaum kontrolliert

Dass es an Hochschulen zu solchen Situationen kommen kann, ist dem System geschuldet: Professoren haben generell viel Einfluss und werden kaum kontrolliert. Sie sind für ihre Doktoranden gleichzeitig Vorgesetzte, Betreuer und Gutachter. «Die Doktorierenden stehen in einer grossen Abhängigkeit von ihren Professoren», sagt Caspar Hirschi, Professor an der Uni St.Gallen.

(amü)

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    Alle Leser-Kommentare
  • gusg 22.10.2017 22:22
    Highlight Vielen Dank @Watson dass auch Ihr das Thema angesprochen habt. Die breite Öffentlichkeit hat ja nach wie vor oft die Vorstellung, dass an den Unis/ETH nicht hart gearbeitet wird.
    18 3 Melden
  • Bogdan Sz 22.10.2017 20:08
    Highlight Die Ombudsstelle der ETH ist ein Witz, oder besser gesagt eine Alibi-Übung. War wegen Tätlichkeit eines Mitarbeiters bei ihnen, es hiess am Telefon im Gespräch mit ETH-Verantwortlichen, die Person hätte es zwar zugegeben, "aber Sie wissen es nicht von mir" und "da treffen halt verschiedene Persönlichkeiten aufeinander". Von mobbenden Professoren will ich gar nicht anfangen. Wenn ich die Respekt-Kampagne der ETH sehe, dreht sich mir der Magen um
    27 0 Melden
    • Helene Obrist 23.10.2017 09:22
      Highlight Lieber Bogdan, wir wollen mehr davon wissen! Melde dich doch bei uns: redaktion@watson.ch
      1 0 Melden
  • olmabrotwurschtmitbürli 22.10.2017 17:26
    Highlight Als Doktorand - womöglich noch beim Doktorvater als Assistent angestellt - ist die Abhängigkeit schon sehr ausgeprägt.
    16 0 Melden
  • helios 22.10.2017 15:25
    Highlight «Für mich war die Zeit an der ETH die dunkelste Episode meiner Karriere»
    Das ist in der Astronomie oft so :(
    18 1 Melden
  • Dewar 22.10.2017 14:52
    Highlight Jaja, wenn es einmal an die Öffentlichkeit kommt empören sich alle inkl. der Schulleitung. Tatsache ist aber: Das ist schon fast eher die Regel als die Ausnahme. Kenne viele Doktoranden, Post-Docs und solche, die abgeschlossen haben, und bei den meisten ist das Verhältnis zum Prof. zumindest ambivalent. Als Doktorand sitzt man immer am kürzeren Hebel, und will man weder seine akademische Zukunft noch die vergangenen Jahre harter Arbeit aufs Spiel setzen, schweigt man halt und beisst durch. Das heisst dann: Wochenendarbeit, Nachtschichten, Verzicht auf Ferien und immer lächeln und Amen sagen.
    58 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.10.2017 15:29
      Highlight War nie selbst betroffen, aber kenne ein paar vergleichbare Fälle aus meinem Umfeld.

      Fragt sich, wie man das Übel am besten angeht.
      8 0 Melden
    • Rendel 22.10.2017 16:17
      Highlight Also wie bei Weinstein, Abhängigkeit und Macht wird ausgenutzt und aus Angst wird pariert. Nur bei der ETH heisst es dann nicht die Docs und Postdocs sind selber schuld.

      Die Schuld liegt bei denen, die die Macht inne haben, egal in welchem Bereich.
      14 0 Melden
  • Itsmichael 22.10.2017 14:16
    Highlight Hat die ETH die Sprüche ihrer neuen Respekt Kampagne eigentlich direkt von Dieser Professorin oder wie?
    MACH EINEN PUNKT.
    AUS RESPEKT.
    61 1 Melden
  • Rendel 22.10.2017 13:58
    Highlight Mach einen Punkt aus Respekt, heisst es auf der ETH Seite den Umgang betreffend. Profs sind davon wohl ausgenommen.
    52 2 Melden
  • karl_e 22.10.2017 13:27
    Highlight Die Institutsvorsteher sind allmächtig. Fast wie Götter. Wenn sich zu dieser Allmacht ein schlechter Charakter gesellt, dann wird's halt problematisch. Das gleiche gilt übrigens für CEOs und dergleichen.
    63 1 Melden
  • Kekzus 22.10.2017 11:02
    Highlight Wie Prof Lilly schon einmal zu mir sagte: 'In ten years you wont remember this'. Das möchte ich ihm an dieser Stelle auch mitgeben... ;-)
    50 7 Melden
    • MM 24.10.2017 20:52
      Highlight Nun ja... Meinst du das ironisch?

      Professor Lilly ist offenbar mit seiner Ehefrau im Sabbatical. Die Geschichte dazu gibt's oben im Artikel zu lesen...

      (Bemerkung: Allzu viele Prof. Lilly gibt's wohl nicht; wir meinen schon den selben...?
      Jedenfalls sind sie jene zwei Professoren des geschlossenen "Instituts für Astronomie", die nicht am neuen, zusammengelegten "Institut für Teilchenphysik und Astronomie" sind.)
      1 0 Melden
  • Lumpirr01 22.10.2017 10:59
    Highlight Toll, unsere ETH! Ein halbes Jahr Ferien für dieses Ehepaar als Belohnung für ein massives Fehlverhalten auf Kosten unserer Steuerzahler.............
    146 5 Melden
    • Pafeld 22.10.2017 12:54
      Highlight Realistisch betrachtet sind es nur zwei Monate auf Kosten des Steuerzahlers.
      16 4 Melden
  • hendrick 22.10.2017 09:34
    Highlight als student dieser besten schweizer schule ein spannender artikel. grundsätzlich: woher hat watson diese informationen? guzzella wollte es ja „unter den teppich kehren“ - was ich interessant finde, weil ja die eth auf den campen (campussen?) gerade so eine tolle respekt-initiative austrägt...
    134 23 Melden
    • sevenmills 22.10.2017 10:02
      Highlight "Besten schweizer schule" ist immer relativ..
      40 75 Melden
    • Picker 22.10.2017 10:55
      Highlight Artikel nicht ganz gelesen? Es steht mindestens zwei Mal im Artikel, dass die Story von der NZZ kommt.
      80 1 Melden
    • Holla die Waldfee 22.10.2017 12:56
      Highlight sevenmills
      Er spricht wohl von der internationalen Wertung, in der die ETH Zürich seit langer Zeit als beste des Landes abschneidet.
      22 4 Melden
    • sevenmills 22.10.2017 13:26
      Highlight Ok, dann ists halt nicht relativ ;)
      Ne im Ernst, einziger Anhaltspunkt um Hochschulen zu vergleichen sind die Rankings und die fokussieren sich zum grossen Teil auf Innovationsoutput und Publikationen. Dass da die technischen und naturwissenschaftlichen Unis gut abschneiden ist nicht überraschend und sogar zu erwarten. Sieht übrigens sogar die ETH selbst so. Darum ist es tatsächlich relativ.
      13 9 Melden
  • sikki_nix 22.10.2017 09:25
    Highlight Ja ich hoffe, die alte wird niemals wieder jemanden betreuen dürfen! Aber wie kann das unter mobbing laufen, wenns von einer Person gegen eine Gruppe geht? Wäre mobbing nicht grade der umgekehrte Fall?
    27 80 Melden
    • Lexxus0025 22.10.2017 09:56
      Highlight Mobbing ist, wenn eine Person eine andere Person „fertig macht“. Das Gruppenverhältnis hat damit nichts zu tun. Daher auch zwischen nur 2 Menschen kann Mobbing passieren.
      110 9 Melden
    • Roger Freck 22.10.2017 10:23
      Highlight @Lexxu0025
      Völlig falsche Defintion. Schlagen sie das Wort "mob" nach.
      16 26 Melden
    • Hierundjetzt 22.10.2017 11:00
      Highlight Es ist eher Bossing den Mobbing (wenn wir schon das Neudeutsch bemühen)
      43 2 Melden
    • Thinkdeeper 22.10.2017 11:04
      Highlight Mobbing ist sytematisches respektlose, entwürdigendes und abwertendes Verhalten welches auf den Selbstwert der Person zielt.
      Dies kann zwischen zwei Personen oder einer Gruope gegen über eine andere odere andere Gruppe sein. Rassismus ist z.B. Gruppenmobbing.
      32 3 Melden
    • kaderschaufel 22.10.2017 15:14
      Highlight nach meinem Englisch-Sprachgefühl muss ich dir schon recht geben, ein "mob" tönt nach einer Gruppe von Leuten (im klassischsten Sinn eine Gruppe von mittelalterlichen Bauern, die mit Fackeln und Mistgabeln vor dem Haus einer Hexe stehen).

      Aber auf Deutsch hat sich das Wort wohl schon so sehr entwickelt, dass es auch auf die Situation vom Artikel anwendbar ist. Auf Englisch gibt es dafür das Wort "bullying".
      5 0 Melden
  • Alice36 22.10.2017 09:05
    Highlight Es erstaunt wohl keine/n der sich etwas im akademischen Umfeld auskennt. Weder das Problem noch die Lösung sind neu. Auch im akademischen Umfeld arbeiten Menschen und da gibt es genauso viele schwarze Schafe wie im normalen Leben nur da werden sie beschützt und es wird alles dafür getan das sie nicht auffliegen. In diesem Fall hat es scheinbar 10 Jahre gedauert bis jemand mal den Mund aufgemacht hat. Errinert mich fatal an Hollywood alle wissen Bescheid und keiner sagt was. Am Schluss gibt's ein Sabbatical, bei Weinstein wirds die Luxus-Reha sein. Ansonsten bleibt alles beim Alten.
    195 2 Melden
    • Citation Needed 22.10.2017 10:51
      Highlight Der Vergleich drängt sich förmlich auf! Nur dass man bei Weinstein im Moment nichts von Rückkehr hört. Aber er selbst soll scheinbar fest damit rechnen (sagt Seth Myers), dass er in einem Jahr geläutert zurückkommen darf. Da bin ich mal gespannt.
      24 0 Melden
    • Thinkdeeper 22.10.2017 11:10
      Highlight Ja leider.
      Es sind/geraten, viele in Machtpositionen die im Kern durch und durch Korrupt sind und mit der anvertrauten Machtposition nicht umgehen können.

      Als Resultat entstehen dann Vetterwirtschaft, Intrigen und Schickanen / Mobbing.
      25 0 Melden
  • Piri 22.10.2017 08:48
    Highlight ...und jetzt löst man das einfach auf! Frage mich was der Sinn dieser Abteilung war, wenn sie einfach so aufgelöst werden kann. Man bedenke, das wird alles mit Steuernden finanziert ( inklusive Sabaticel, in der Privatwirtschaft gäbe es einen Rauswurf!)
    114 54 Melden
    • Scylla 22.10.2017 11:07
      Highlight Gemäss der ETH Website wurde das Institut einfach neu zusammengestellt. Die Professorin und ihr Mann sind nun aber als "unabhängige Professoren" aufgeführt, d.h. sie gehören nicht mehr direkt dem neuen Institut an.
      30 1 Melden
    • Thinkdeeper 22.10.2017 11:15
      Highlight Na ja. Die skrupellose Rücksichtlosigkeit der Privatwirtschaft muss nicht gerade 1:1 kopiert werden.
      Genauer betrachtet müsste man in diesem Falle den ETH Rat entlassen der das System und die fehlenden Kontrolle zu verantworten hat.
      12 19 Melden
    • Leider Geil 22.10.2017 12:08
      Highlight @Piri in der Privatwirtschaft gäbs auf dieser Ebene wohl eine Freistelkung mit goldenem Fallschirm.
      So oder so eine Frechheit was an der ETH so alles hinter den Fassaden abläuft. Ich habe da mal gearbeitet.
      27 2 Melden
  • TheBean 22.10.2017 08:38
    Highlight Mobbing wird mit einem Sabbatical belohnt? Wow...
    191 1 Melden
  • Nate Smith 22.10.2017 08:27
    Highlight Dass das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Doktorand und Professor ausgenutzt wird ist leider nicht die Ausnahme sondern die Regel. Erschwerend hinzu kommt dass viele Professoren null Führungserfahrung haben und nicht kritikfähig sind. Das ist nicht nur an der ETH so sondern in der ganzen Akademie weltweit. Dass dieses System noch wissenschaftliche Resultate liefert ist erstaunlich und der Hartnäckigkeit und Resilienz einiger weniger geschuldet.
    162 5 Melden
    • Alju 22.10.2017 12:21
      Highlight Habe mein Doktorat an de ETH abgebrochen, weil ich mit dem Professor nicht zurechtkam. Wieso? Selbständigkeit wurde verlangt, aber daraus resultierende Entscheidungen später massiv kritisiert. Ergo der Prof hat alles entschieden und ich durfte für sämtliche Fehler die Verantwortung tragen.
      36 0 Melden
  • speaker33 22.10.2017 08:10
    Highlight Mach einen Punkt.
    51 8 Melden
    • mariof 22.10.2017 12:34
      Highlight ...Aus Respekt.
      Es ist schon etwas irritierend, dass diese Geschichte zur gleichen Zeit publik wird, wie die Respekt-Kampagne an der ETH: http://www.respekt.ethz.ch
      13 0 Melden
    • Itsmichael 22.10.2017 14:14
      Highlight Aus Respekt.
      2 0 Melden
  • gusg 22.10.2017 08:02
    Highlight Klingt für mich nach einem normalen Doktorat. Dies ist nicht die einzige Professorin, welche sich an der ETH so verhält. Ich bin überrascht, dass die Schulleitung eingegriffen hat.
    133 1 Melden
    • Nate Smith 22.10.2017 10:20
      Highlight Das zeigt wie himmelschreiend es gewesen sein muss
      11 0 Melden
    • Amadeus 22.10.2017 10:21
      Highlight @gusg
      Wenn sie noch von mehr Fällen wissen, sollten sie Ihre Informationen an die Uni-Leitung weitergeben. Ansonsten wird sich das System nie verbessern.
      22 1 Melden
    • Nate Smith 22.10.2017 12:04
      Highlight @Amadeus: Duzende allein an der ETH. Ich habe mir nach meiner (sehr schönen und angenehmen) Diss überlegt dem Rektor einen Brief zu schreiben wegen den Missständen der Kollegen. Aber vielleicht hätte das deren Situation nur noch schlimmer gemacht. Es gibt in der Akademie keine Whisteblowing Kultur. Wer was sagt macht in 95% der Fälle zweiter.
      40 0 Melden
    • gusg 22.10.2017 12:50
      Highlight @Amadeus: Jeder der an einer Uni/ETH doktoriert kennt solche Fälle. Das Problem ist wie im Artikel beschrieben die extreme Abhängigkeit von Doktoranden von ihrem Professor. Ich kenne einige Fälle, in welchen Sich Doktoranden zur Wehr gesetzt haben, ohne Erfolg oder sogar zu deren Nachteil. Meist unterstützen sich die Professoren gegenseitig.
      19 1 Melden
    • Amadeus 22.10.2017 14:24
      Highlight @gusg
      Wir hatten bei uns an der Uni leider auch solche Fälle. Aber die Unileitung war sehr sensibilisiert und wir Doktoranden wurden aufgefordert, Missstände zu melden. Natürlich wehren sich nicht alle, aber wir konnten uns zumindest darauf verlassen, ernst genommen zu werden. Aber da ist jede Uni auch wieder anders.
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