Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

So wird in den Schulen künftig geschrieben

Die Schnürlischrift hat ausgedient, jetzt kommt die Basisschrift –Antworten auf 8 schnörkellose Fragen zur Umstellung

03.11.14, 20:03 04.11.14, 11:08

Weg von der antiquierten Schnürlischrift, hin zur zeitgemässen Basisschrift – Lehrer und Schüler an einer Schweizer Primarschule. Bild: KEYSTONE

Die einen haben sie geliebt, die anderen verflucht. An der Schnürlischrift schieden sich in der Primarschule die Geister. Jetzt scheint es, als ob die Schnürlischrift zumindest in den Deutschschweizer Schulen bald ausgedient hat. In Zukunft soll in den Schulzimmern die sogenannte Luzerner Basisschrift unterrichtet werden. Das empfehlen die Deutschschweizer Erziehungsdirektorinnen und -direktoren den Kantonen. 

watson geht der Sache auf den Grund:  Die wichtigsten Fakten zur geplanten Umstellung von der Schnürlischrift auf die Basisschrift.

1. Was sind die Vorteile der Basisschrift?

Mit der neuen Schriftform könne leichter eine flüssige, gut lesbare Handschrift erworben werden, so die D-EDK. Studien sollen überdies belegen, dass bei der neuen Basisschrift die unnatürlichen Bewegungsabläufe mit vielen Richtungsänderungen, die bei den Kindern zu Verkrampfungen führen können, vermieden werden. Anfragen bei Pädagogischen Hochschulen, Lehrerorganisationen und Lehrmittelverlagen haben laut D-EDK weiter ergeben, dass der Wunsch nach einer Umstellung von Schnürli- auf Basisschrift in der Deutschschweizer Bildungslandschaft weit verbreitet ist.

2. Was sind die Nachteile?

Neben den nostalgischen Anwandlungen, die den einen oder anderen angesichts der Wegfalls der Schnürlischrift überkommen könnten, sind die Kritiken vor allem kultureller Natur. Annemarie Pierpaoli, Präsidentin der Schweizerischen Graphologischen Gesellschaft (SSG), äusserte sich gegenüber dem Migros Magazin skeptisch zur geplanten Basisschrift. Diese führe über kurz oder lang zu einem Schriftzerfall, so Pierpaoli.

3. Wie sieht das Schriftbild der neuen Basisschrift aus?

So sieht die sogenannte teilverbundene Basisschrift aus, die zukünftig an Deutschschweizer Schulen gelehrt werden soll.  Bild: d-edk

4. Wer hat's erfunden?

Urheber der neuen Basisschrift ist Hans Edouard Meier. Der gelernte Grafiker konnte den Triumph der von ihm entwickelten Basisschrift allerdings nicht mehr erleben, er starb in diesem Sommer mit 92 Jahren. Abgesehen von der Basisschrift ist Meier vor allem für die Erfindung der Schrift Syntax bekannt. Der serifenlose Schrifttyp erlangte weltweite Bekanntheit.

5. Welche Schrift wird heute an Deutschschweizer Schulen unterrichtet?

Bisher lernen die Kinder zuerst die Stein- oder Blocksschrift. Erst danach wird die voll verbundene Schrift mit teilweise neuen Buchstabenbildern unterrichtet. Zuletzt sollen die Kinder eine persönliche, meist nur teilweise verbundene Handschrift entwickeln. Neu sollen die Buchstabenformen der Basisschrift zunächst unverbunden gelernt werden, bevor den Schülern zu einem späteren Zeitpunkt die verbundene Schriftform beigebracht wird.

«Viele Schulen warten sehnlichst darauf, die Basisschrift endlich einführen zu können»

Christian Amsler, Regierungspräsident Schaffhausen

6. Ab wann soll die neue Basisschrift eingeführt werden?

Ein genauer Zeitplan wird nicht vorgelegt. Gegenüber watson gibt sich der Schaffhauser Regierungspräsident und Präsident der D-EDK Christian Amsler aber zuversichtlich, dass die neue Schrift bald an den meisten Deutschschweizer Schulen Realität sei. «Viele Schulen warteten sehnlichst darauf, die Basisschrift endlich einführen zu können». Es handle sich um ein echtes Anliegen der Schulen, so Amsler weiter.

Zuerst unverbunden, dann verbunden – die Erlernung der Basisschrift erfolgt zweistufig. Bild: KEYSTONE

7. Machen alle Kantone mit?

Der Entscheid über den Wechsel zur neuen Schulschrift soll in jedem Kanton aufgrund der jeweiligen Zuständigkeiten getroffen werden. Die Kantone sind frei, die neue Schrift einzuführen oder abzulehnen. Bei der von den D-EDK herausgegebenen Empfehlungen handelt es sich um genau das: Empfehlungen. Luzern ist der einzige Deutschschweizer Kanton, in dem die Basisschrift bereits flächendeckend unterrichtet wird. In anderen Kantonen wird die Basisschrift an einzelnen Schulen bereits gelehrt, an anderen wird nach wie vor Schnürlischrift unterrichtet. (wst/sda)

Umfrage

Die «Schnürlischrift» soll es bald nicht mehr geben. Gut oder schlecht?

  • Abstimmen

206 Votes zu: Die «Schnürlischrift» soll es bald nicht mehr geben. Gut oder schlecht?

  • 46%Gut, die «Schnürlischrift» hat sowieso keinen wirklichen Nutzen.
  • 21%Schlecht, damit würde ein Stück Schreibkultur verloren gehen.
  • 32%Warum erst jetzt? Ich hätte gerne darauf verzichtet.



Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

10
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sewi 04.11.2014 06:00
    Highlight Ich habe zwei Herzen in meiner Brust. Da ich gerade miterlebt habe wie mühsam das erlernen der Schnüerlischrift ist gefällt mir die Vereinfachung. Dann aber: was vermitteln die Lehrer in der freigewordenen Zeit? Wie wärs so wie ich zu Hause mittels Wilhem Busch die Aussprache zu üben? Und dafür weniger Klimaerwärmung und anderen Habakuk....
    2 3 Melden
  • Der Tom 03.11.2014 23:14
    Highlight Wieso denn nicht gleich wieder ganz weg von dem geschnörkel? Sieht ja aus wie comic sans! Ich bin für Arial. Klar und deutlich.
    3 3 Melden
    • Julian Peter 19.06.2015 10:47
      Highlight Arial ist eine der schlimmsten Schriften auf der Welt. Meine Firma hat Arial und Arial black als corporate design und mir kommts fast hoch wenn ich unsere Vorlagen anschaue.

      Eine Schrift, die ich oft verwende ist Myriad pro (benutzt auch Apple) aber diese Schriften kann man schlecht unterrichten 😂
      0 0 Melden
  • Rosenkohl 03.11.2014 22:25
    Highlight Die Schnürlischrift ist so etwas von antiquiert. Sie kommt aus dem letzten Jahrhundert und die Verteidiger dieser Schrift stammen auch alle aus diesem Jahrhundert. Lasst endlich die alten Zöpfe fallen und orientiert euch nach vorne.
    4 1 Melden
    • Julian Peter 19.06.2015 10:48
      Highlight Also sollten wir alle nur 15 jährige engagieren um diese Entscheidungen zu treffen? Ok.
      1 0 Melden
  • Mia_san_mia 03.11.2014 22:08
    Highlight Abschaffen! Ich verstehe nicht was diese Schrift bringen soll.
    5 4 Melden
  • Caturix 03.11.2014 21:29
    Highlight Also so gross ist der Unterschied jetzt auch nicht.
    7 1 Melden
  • Micha Moser 03.11.2014 21:03
    Highlight Ich habe es gehasst. Und als Linkshänder mit diesen schrecklichen Füller schreiben und alles zu verschmieren Wraah
    15 2 Melden
  • Michel@sith 03.11.2014 20:21
    Highlight Anfragen bei Pädagogischen Hochschulen, Lehrerorganisationen und Lehrmittelverlagen haben laut D-EDK weiter ergeben, dass der Wunsch nach einer Umstellung von Schnürli- auf Basisschrift in der Deutschschweizer Bildungslandschaft weit verbreitet ist.
    Bei wem ist das verbreitet? Bei den Lehrerorganisationen. Aber in der Bevölkerung bezweifle ich es doch sehr.
    6 19 Melden

500 Franken mehr pro Jahr – ETH-Studenten droht am Donnerstag saftige Gebührenerhöhung

Am Donnerstag ist es soweit: Der ETH-Rat fällt den definitiven Entscheid über die bereits letztes Jahr angekündigte Erhöhung der Studiengebühren auf 1660 Franken. Der Studierendenverband wehrt sich – doch die Würfel dürften bereits gefallen sein.

Studierende an der ETH Zürich und der EPFL in Lausanne müssen möglicherweise schon bald tiefer ins Portemonnaie greifen. Am Donnerstag bestimmt der ETH-Rat, ob er die Gebühren – wie nach dem Grundsatzentscheid im September 2017 angekündigt – erhöht. Sie sollen ab dem Herbstsemester 2019 über zwei Jahre gestaffelt um insgesamt 500 Franken von heute 1'160 Franken auf 1'660 Franken im Jahr 2020 angehoben werden.

Der ETH-Rat bezeichnet die vorgesehene Erhöhung von 500 Franken als «moderat» und …

Artikel lesen