Schweiz

Zu viel Halligalli: Schweizer kehren Österreich den Rücken

Der Trend von Skiferien in Österreich geht zurück. Ferien in unseren Alpen sind wieder beliebt.

16.04.17, 03:03 16.04.17, 09:33

Roman seiler / schweiz am wochenende

Ein Artikel von

Besser und günstiger: Deshalb erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen von Schweizern in Österreich in den Wintersaisons seit dem Jahr 2000 fast ununterbrochen von 1,23 auf 2,35 Millionen. Den Anstieg befeuerte die Krise des Euro. Der starke Franken machte Ferien im Ausland für Schweizer billiger.

Der Aufwärtstrend fand ein jähes Ende, wie die Zahlen von Statistik Austria belegen. Die Logiernächte von Schweizern in Österreich gingen von November bis Februar um 37'500 Logiernächte oder 2,2 Prozent zurück. Betroffen sind vor allem Vorarlberg und Tirol.

Zu viel Halligalli für die Schweizer beim Après-Ski in Österreich. bild: shutterstock

Das schenkt ein: Schweizer sind zahlungskräftige Gäste. Während sie hierzulande 160 Franken pro Ferientag ausgeben, sind es in Österreich 173 Franken. Sechs von zehn steigen dort in 4- oder 5-Stern-Hotels ab.

Gemäss österreichischen Tourismusvertretern hat der Rückgang in erster Linie damit zu tun, dass die Weihnachts- und Neujahrsferien kürzer ausfielen, weil die Feiertage auf Wochenenden fielen. Der Februar vor einem Jahr war wegen des Schaltjahrs einen Tag länger. Obendrein fiel spät Schnee.

«Der Lack von der übermässig gelobten Freundlichkeit bröckelt.»

Pascal Jenny, Kurdirektor von Arosa Lenzerheide, über die Österreicher.

Schweizer Gäste hätten wegen des «verhaltenen Winterstarts» mit den Buchungen ihrer Skiferien den Februar abgewartet, sagt Florian Neuner, Sprecher von Tirol Werbung: «Dadurch kann es sein, dass dann die gewünschte Unterkunft nicht oder nur verkürzt verfügbar war.» In Tirol belief sich der Rückgang von November bis Februar auf 36'300 Logiernächte oder 3,8 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

Alle haben die gleichen Probleme

Das sind alles Faktoren, die aber auch auf die Schweiz zutrafen. Hier melden Skigebiete beinahe durchs Band eine Zunahme bei den einheimischen Gästen. Dies ergab eine Umfrage der «Schweiz am Wochenende» bei elf Tourismusbüros im Berner Oberland, in Graubünden, in der Innerschweiz und im Wallis.

Das Engadin legte bis Ende Februar gar um 13,4 Prozent zu, Davos und Klosters sowie Zermatt bisher um 4 Prozent. «Die Schweizer kehren tatsächlich zurück», sagt Reto Branschi, Direktor der Destination Davos Klosters. So höre er von Schweizer Gästen, die Freundlichkeit in Österreich lasse zu wünschen übrig: «Das erstaunt uns extrem.»

Auch Pascal Jenny, Kurdirektor von Arosa Lenzerheide, sagt: «Der Lack von der übermässig gelobten Freundlichkeit bröckelt.» Österreich verliere Gäste, weil wegen der tieferen Preise der Massentourismus zugenommen habe. So beklagten sich laut Branschi Schweizer Gäste über überfüllte Pisten und Restaurants.

Schweiz ist schneesicherer

Die Qualität in der Schweiz sei besser als in Österreich, sagt Jenny: «Wir haben in der Krise in der Schweiz, gerade auch in Arosa Lenzerheide, sehr viel gut gemacht: richtig investiert, mehr Demut entwickelt und uns wieder näher am Kunden orientiert.»

Daher profitieren die Schweizer Skigebiete nun davon, dass die Schneesicherheit gegenüber Österreich höher ist. Unsere Berge sind halt höher. Das zahlt sich langsam aus. Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus, sagt: «Wir sehen, dass der stetige Abwärtstrend bei den Logiernächten zu Ende ist.» Es gebe «deutliche Anzeichen», dass die Talsohle erreicht sein könnte: «Wir hoffen, dass damit die Trendumkehr geschafft ist.»

In der Tat mussten von den elf von der «Nordwestschweiz» befragten Skiregionen laut bisher vorliegenden, noch provisorischen Zahlen nur die Lenzerheide, Disentis Sedrun und Gstaad nochmals Verluste bei den Logierzahlen hinnehmen. Alle anderen hielten die Vorjahresresultate oder verzeichneten eine Zunahme.

Schweizer Alpen: So lief die Wintersaison

Engadin: plus 6 %
Arosa: leichtes Plus
Lenzerheide: minus
Davos Klosters: stabil
Disentis Sedrun: minus
Jungfrau-Region: stabil
Gstaad: leichtes Minus
Aletsch-Arena: stabil
Zermatt: plus 4 bis 5%
Andermatt: stabil
Engelberg stabil

Am markantesten gelang dies dem Engadin: Dort stiegen die Übernachtungen bis Ende Februar um 6,3 Prozent. Mit den Skiweltmeisterschaften konnte die Region neue Gäste anziehen, sagt der Sprecher der Vermarktungsorganisation, Roberto Rivola: «Ungefähr die Hälfte der Besucher war zum ersten Mal im Engadin.»

In Zermatt rechnen die Touristiker nach wie vor damit, die Saison mit einem Plus von vier bis fünf Prozent abzuschliessen. Die Bergbahnen befinden sich auf Rekordkurs.

Auch in Engelberg haben die Bergbahnen laut Tourismusdirektor Frédéric Füssenich gut gearbeitet und liegen fünf Prozent über Vorjahr. Ebenfalls besser lief es den Bahnen in der Aletsch-Arena.

Wochenendtouristen geniessen die Sicht vom Brunni ob Engelberg. Bild: KEYSTONE

Insgesamt ist die Zahl der Hotelübernachtungen in der Schweiz von November bis Februar um 0,8 Prozent auf rund zehn Millionen angestiegen. Mehr Ferien in der Schweiz haben nicht nur Schweizer gemacht, sondern auch Gäste aus dem Ausland. «Der Rückgang aus Deutschland konnte abgebremst und stabilisiert werden», sagt der Sprecher der Jungfrau Region, André Wellig.

Das gilt auch für andere Skigebiete. Zwar ist der Turnaround bei europäischen Gästen nicht geschafft. Aber die Folgen des Euroschocks scheinen, zumindest im Winter, langsam abzunehmen. Zudem reisen vermehrt Gäste aus Übersee an.

Daher blicken die meisten der befragten Touristiker optimistisch in die Zukunft: Sie gehen davon aus, die Gästezahlen in der kommenden Sommer- und Wintersaison zumindest halten oder ausbauen zu können.

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lukas Figliuolo 16.04.2017 19:23
    Highlight Viel wichtiger fände ich die Flexibilität der Skigebiete. Viele beenden morgen am Ostermontag die Saison. Nun gibt es diese Woche aber nochmals viel Schnee und am nächsten Wochenende wäre schönes und kaltes Wetter prognostiziert. Die Skigebiete sollten also so flexibel sein und die Saison verlängern.
    10 5 Melden
    • Fabio74 17.04.2017 18:18
      Highlight Das Personal steht aber dann nicht zur Verfügung weil Saisonverträge oder es sind Revisionen geplant. So einfach gehts nicht
      3 1 Melden
  • Soulrider 16.04.2017 17:14
    Highlight "Deshalb erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen von Schweizern in Österreich in den Wintersaisons seit dem Jahr 2000 fast ununterbrochen von 1,23 auf 2,35 Millionen." Und da bei einem Minus von 2.2% von einem jähen Ende zu sprechen geht doch nicht... Da hat wohl jemand in der Primarschule in der Mathematik geschlafen.
    20 0 Melden
  • Gigi,Gigi 16.04.2017 14:49
    Highlight Die mickrigen minus 2,2% erklären sich weitgehend mit anderen, späteren Schulferien als im Vorjahr. Aussagekräftig wären einzig die Zahlen bis Ende März. Und würde ich wetten, dass kein Rückgang zu verzeichnen ist.
    21 3 Melden
  • acove 16.04.2017 13:05
    Highlight Halligalli ist wenn dies auch noch nicht alle gemerkt haben, zwischenzeitlich, am ende einer Erlebnisreichen Rangliste angekommen. Zudem wird Österreich je länger je teurer, vor allem haben es die Einheimischen auf den Schweizer Geldbeutel abgesehen, und dies hat sich bis anhin auch gelohnt, ist nun zu einem aber definitiv ein no-go geworden.
    29 6 Melden
  • _kokolorix 16.04.2017 12:59
    Highlight 'Unsere Berge sind halt höher, das zahlt such jetzt aus', Schulterklopf***
    Als ob das unser ureigenstens Verdienst wäre. Und was ist in 15 Jahren? Der Alpentourismus reitet ein totes Pferd, aber die bedauernswerten Krämerseelen glauben fest daran, dass das Pferd schneller rennt wenn man es nur kräftig genug prügelt...
    26 38 Melden
    • Barracuda 16.04.2017 15:07
      Highlight Wer hat behauptet, dass das unser Verdienst wäre? Das ist schlicht und einfach ein Faktor und Fakt. Also bleiben Sie mal auf dem Boden, bevor Sie sich hier künstlich empören.
      40 8 Melden
  • CASSIO 16.04.2017 11:44
    Highlight ich höre immer wieder "superschweizer", wie sie parolen der sünnelipartei nachschwatzen, um im nächsten satz zu sagen, dass sie ihre skiferien in österreich verbringen werden.
    44 22 Melden
  • Cocolina 16.04.2017 11:06
    Highlight Ich kann mir eine woche skiferien in der schweiz schlicht nicht leisten und geniesse daher die in der Vorsaison leeren pisten in Österreich.
    27 30 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.04.2017 10:22
    Highlight voll der click-bait titel.
    "Zu viel Halligalli..."

    aber im ganzen text nur zwei sätze mit etwas bezug zum titel:
    "...weil wegen der tieferen Preise der Massentourismus zugenommen habe." und im darauf folgenden satz "...Schweizer Gäste über überfüllte Pisten und Restaurants."

    der restliche inhalt spricht nur über wetter, späte buchungen, schneesicherheit, ...

    und zur sprache kommen NUR schweizer turismus verantwortliche.

    sorry, aber duftet zu stark nach gekauftem artikel.
    72 8 Melden
  • Holla die Waldfee 16.04.2017 09:31
    Highlight Talsohle Logiergäste von Skifahrern erreicht? Der Mann träumt. Die Klimaerwärmung interessiert sich nicht für Tourismuszahlen und wird weitergehen.

    Den Hinweis auf bröckelnde Freundlichkeit halte ich für eine Frechheit. Es gibt in Österreich genauso wie in der Schweiz und auch sonst überall solche und solche Leute. Aber gleich eine ganze Nation zu verunglimpfen ist ... ach ich weiss gar nicht, wie ich es nennen soll.
    32 13 Melden
  • Crank 16.04.2017 09:04
    Highlight Interessant, die Schweizer gehen nach Österreich weil es da günstiger ist, geben dort dafür mehr Geld aus. 👍
    45 4 Melden
    • ujay 16.04.2017 14:37
      Highlight Aetikel nicht gelesen? Fürs fast gleiche Geld gibts in Österreich ein geräumiges Zimmer im 4- 5 Sterne Hotel mit Frühstücksbuffet. In der Schweiz i.d.R. eine möblierte, enge Besenkammer ohne Extras und ohne Frühstück. Auch heute noch.
      22 13 Melden
  • Grundi72 16.04.2017 06:35
    Highlight Support your local Skigebiet!
    172 30 Melden
    • AltimKing 16.04.2017 09:00
      Highlight Aber nicht um jeden preiss...
      16 13 Melden
    • Hoppla! 16.04.2017 10:32
      Highlight "Support your local xy"

      Oder wenn die Regionalität der USP ist...
      4 8 Melden
    • Mehmed 16.04.2017 11:43
      Highlight Machen wir Schweizer ja bereits über unsere Steuergelder.
      14 17 Melden
  • Darkside 16.04.2017 04:33
    Highlight Kommt wohl drauf an wo man hingeht. Wo ich seit fünf Jahren meine Skiferien verbringe hat es weder überfüllte Pisten, noch Restaurants. Und über die Freundlichkeit der Österreicher kann ich rein gar nichts Schlechtes sagen. Bin ein zufriedener Gast und sehe keinen Grund dort nicht weiterhin meine Ferien zu verbringen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist immer noch weit vor den Schweizer Skigebieten.
    105 102 Melden
    • pksubban 16.04.2017 07:11
      Highlight Wo dann genau?
      14 2 Melden

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