Schweiz

Mobilfunkantenne: Indem sich ein IMSI-Catcher als solche Antenne ausgibt, kann damit die Handy-Kommunikation in einem Umkreis von mehreren hundert Metern kontrollieren.
Bild: AP

Rund ein Dutzend Kantone setzt schon Handy-Abhörgeräte ein – trotz zweifelhafter Rechtslage

27.11.15, 05:08 27.11.15, 07:47

Mit Hilfe sogenannter IMSI-Catcher kann die Polizei heute Mobiltelefone aufspüren, überwachen und im Prinzip auch abhören. Der Haken: Die Geräte, die sich technisch als Mobilfunkantenne ausgeben, erfassen alle Handy-Daten in Reichweite, also nicht nur jene von mutmasslichen Straftätern, sondern auch jene von unbescholtenen Personen. 

Dass die Geräte heute schon von Schweizer Kantonspolizeien eingesetzt wurden, ist kein Geheimnis. Die «Neue Zürcher Zeitung» wollte nun aber genau wissen, wie viele dies tun – und sie stiess auf eine erstaunlich breite Verbreitung.

In der Umfrage der NZZ gaben die Kantone Aargau, Solothurn, St.Gallen, Luzern, Waadt, Basel-Stadt und Schwyz, das ihre Polizeikorps schon IMSI-Catcher eingesetzt hätten. Sie griffen dabei auf Geräte zurück, die in einigen Kantonen bereits existieren. 

grafik: watson

Der Kanton Zürich verfügt etwa über einen IMSI-Catcher. Dieser komme pro Jahr in rund einem Dutzend verschiedener Kantone ungefähr 30 Mal zum Einsatz, teilte ein Sprecher der NZZ mit. Auch die Bundeskriminalpolizei verfügt über ein Gerät. Bern überlegt sich laut NZZ eine Anschaffung.

Die Rechtslage ist heute nicht lupenrein, weshalb mit dem umstrittenen Überwachungsgesetz BÜPF eine einwandfreie Rechtsgrundlage geschaffen werden soll. Während die Strafverfolgungsbehörden den Einsatz offensichtlich schon heute bejahen, verneint dies der auf IT- und Medienrecht spezialisierte Anwalt Martin Steiger laut der NZZ.  

Die IMSI-Catcher werden jedoch nicht nur für die Strafverfolgung oder Überwachung eingesetzt. Sie können auch zur Ortung von Vermissten dienen. (trs)

So überwacht uns der Staat

Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate? Minute für Minute, Ort für Ort? Swisscom oder Sunrise wissen es, Sie wissen es jetzt – und der Staat kann es jederzeit wissen

Was der Staat von Ihrem Smartphone will. Und wann. Und weshalb.

«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Bund auch Telefongespräche und SMS speichern will»

«Dass die Speicherung von Handydaten nichts bringt, ist kompletter Unsinn»

Das Beziehungsnetz: Wer ist beruflich wichtig, wer ist verwandt? Mit wem hat Herr Glättli wirklich viel zu tun?

Wie der Staat Daten «wegen Terror» abgreift – und uns eigentlich bloss komplett verarscht

Die Kapo Bern hat bald ein teures neues Abhörsystem. Aber der eigentliche Skandal dahinter ist die Beschaffung

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Wenn Sie immer noch glauben, Datenschutz sei nur für Menschen, die etwas zu verbergen haben, bitte hier weiterlesen

Die unsäglich peinliche Geschichte der gehackten Hacker (und Kapo-ZH-Lieferanten) in 25 Tweets erzählt

Diese Politiker sorgten sich eben noch um unsere Privatsphäre – und sagen jetzt trotzdem Ja zu mehr Überwachung

Fremde Geheimdienste sollen die Leitungen von Swisscom und Co. angezapft haben. Das musst du wissen

Polizei und Staat wollen Sie im Internet umfassend überwachen. Jeder zweite Schweizer sagt «Nein, danke!»

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 08:01
    Highlight Hey watson, nzz und ihr sonstigen paranoiker. Habt ihr mal dran gedacht, dass die polizei, welche einen solchen imsi-catcher einsetzt
    1. eine rechtliche grundlage für den einsatz braucht
    2. die kapazitäten für eine allfällige auswertung der daten von unbeteiligten bürgern gar nicht hat
    3. falls solche daten von 3. personen doch mal analysiert werden könnten, diese dann schlicht und einfach nicht verwertbar (rechtlich) wären...
    9 30 Melden
    • Alex_Steiner 27.11.2015 12:39
      Highlight Hey kingcaddie und andere idioten. Ein IMSI-Catcher simuliert ein Mobilfunknetzwerk. Dadurch werden ALLE in einem gewissen Umkreis abgehört. Sie filtern dann bestimmt nur den "Verdächtigen" raus. Aber alle Telefone in dem Umkreis sind trotzdem davon betroffen.

      Das Fernmeldegesetz der Schweiz soll "[...]einen störungsfreien, die Persönlichkeits- und Immaterialgüterrechte achten den Fernmeldeverkehr sicherstellen; "
      3 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 06:54
    Highlight Bitte liebe Schweizerinnen und Schweizer, sagt NEIN zum BÜPF. Lasst euch nicht einschüchtern von der medialen Angstpropaganda! Die Bedrohung ist ziemlich gleichbleibend. Wir sind nun mal angreifbar, doch das waren wir schon immer. Das ist der Tribut, welcher wir in einer Demokratie bezahlen müssen. Und ich bezahle ihn gern!

    Und an alle "Ich habe nichts zu verbergen"- Bürger. Goebbels hätte euch gemocht..




    62 6 Melden
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 27.11.2015 06:09
    Highlight Kleiner Tipp: IMSI Catcher verstehen weder iMessage, WhatsApp, Facetime noch Skype.
    Dazu braucht es schon die NSA
    20 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 08:03
      Highlight imsi catcher will auch nichts verstehen, geht in richtung ortung/Identifikation und nicht abhören...
      10 3 Melden
    • zombie woof 27.11.2015 08:14
      Highlight Genau, die werden anders geknackt und überwacht!
      2 0 Melden
    • silverback 27.11.2015 09:02
      Highlight Laut Grafik ist es offenbar möglich ein SMS an Demonstranten zu senden. Geht das auch noch unter Ortung/Überwachung?
      5 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 09:27
      Highlight @silverback
      ja ich denke schon
      1 1 Melden

Fertig gepafft auf dem Perron? SBB prüfen schweizweit komplett rauchfreie Bahnhöfe 

In etwas mehr als einem Jahr könnte es auch vorbei sein mit Rauchen in Bahnhöfen: Gemäss einem unpublizierten SBB-Papier könnten mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 sämtliche Bahnhöfe in der ganzen Schweiz rauchfrei werden. Dies berichtet die NZZ.

Im Rahmen einer Testphase sollen ab dem nächsten Fahplanwechsel vom 8. Dezember 2017 drei verschiedene Nichtraucherregelungen während eines Jahres geprüft werden.

Gemäss dem Papier will die SBB-Konzernleitung im zweiten Quartal 2018 definitiv …

Artikel lesen