Schweiz

Keine Angst vor Hatern: Sophie Hunger sagt allen die Meinung. Bild: Universal

Sophie Hunger twittert: Für Kannibalismus und immer wieder anti Baby (das nervt nur Väter)

Mit ihrem neuen Album «Supermoon» erobert die Schweizer Singer-Songwriterin Sophie Hunger gerade Europa. Aber auch was sie auf Twitter treibt, ist gross.

17.08.15, 13:39 18.08.15, 15:21

Die Bibel kennt zehn Gebote, «Fight Club» acht Regeln, eine Entziehungskur vollzieht sich in zwölf Schritten – und Sophie Hunger hat bis heute gut zwanzig «Rules» getwittert. Sie hat nämlich am 6. August nicht mit Nummer eins, sondern gleich mit der elf begonnen. Eins bis zehn tat sie schon vor zwei Jahren im Film «The Rules of Fire» kund. 

Und im Gegensatz zu ihrer musikalischen Düstermärchen-Feenhaftigkeit (mit der sie diesen Sommer in Deutschland in den Top Ten der Singlecharts und in Tschechien die Nummer eins ist) sind Sophies Regeln so kühl und hart wie ein geeistes Samuraischwert. Und genauso schneidend. Eine Radikalismus-Schule in 140 Zeichen, wie man sie sich von Schweizer Kulturschaffenden nur selten gewohnt ist. Wir haben uns ein paar ihrer Regeln angeschaut.

Antibaby

Jawoll. Kinder sind Kinder, Kunst ist Kunst.Verwechslungen sind grundsätzlich ausgeschlossen. Es sei denn, Lady Gaga ruft an und will eine Geburt filmen für ein Musikvideo. Kann ja vorkommen. Man soll bitte auch nie mehr bei Schauspielern sagen, Mutter/Vater zu werden, sei «ihre/seine beste Rolle». Ähm, nein. Es ist keine Rolle. Es ist bloss das ganz normale, banale, langweilige Leben.

No baby

Nichts ist einleuchtender als das. Und nicht nur, weil die Revolution dafür bekannt ist, ihre Kinder zu fressen. Im Nahkampf gibt es keine Wickeltische. Auch wenn Martin Luther King vier, Che Guevara fünf und Karl Marx sechs Kinder hatte. Für die natürlich die diversen Mütter verantwortlich waren. Gegen diesen Tweet haben sich – wen wundert's, uns nicht – ausschliesslich Väter gewehrt. Mit Voten wie «Bullshit!» und «Meine Kinder haben mein Leben auf eine Weise verändert, wie es keine Revolution könnte». Ja, klar. Geht Flaschen wärmen statt zu schmeissen.

Antikapitalismus

Dem muss man nichts mehr hinzufügen.

Antimadonnaismus

Neiiiin! Neiiiiiiiin! Und schon haben wir das Tischgespräch.

Marketingkünstler

Stimmt. Danke. Das. Machen. Nämlich. Eigentlich. Alle. Weil wir schon lange nicht mehr (nur) in der Generation Praktikum, sondern vor allem in der Generation PR leben.

Crybaby

Die Frage «Wie furchtbar war ich eigentlich als Kind?» soll man sich ruhig ab und zu stellen. Und die Blumen darf man auch vorbeibringen.

Essentialismus

Und noch einmal werden werdende Eltern gebasht. Achtung, liebe DNA-Verschlepper: Euer Kind hat keine Verpflichtung, so zu werden wie ihr. Keine. Es hat auch keine Verpflichtung, euch zu lieben. In den meisten Fällen wird es dies allerdings tun.

Kannibalismus

Eine grossartige Regel! Und nach kurzem Nachdenken kommt man zum Schluss, dass man auf jedem Flug über die Wüste einen appetitlichen, gepflegten, aber nicht allzu dünnen Freund dabeihaben sollte, der sich womöglich vegan ernährt, weil ja auch bei Tieren Pflanzenfresser ganz einfach besser schmecken als Allesfresser.

Antitourismus

Nicht nur Til Schweiger, auch Sophie Hunger äussert sich zur Flüchtlingspolitik. Beide meinen das Gleiche, aber im Gegensatz zu ihm ist sie als Songwriterin einer wunderbar poetischen Sprache mächtig.

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • obi 18.08.2015 09:20
    Highlight Questionable grammar.
    10 3 Melden
    • Simone M. 18.08.2015 12:45
      Highlight Oh Oliver, you snob...
      3 1 Melden
  • stefstef 18.08.2015 08:30
    Highlight Früher habe ich Sophie Hunger geliebt.
    Es war ihre Authentizität, sie schien so überzeugend lebensnah, unprätentiös, das hat mich fasziniert. Das war es, was man aus ihrer Musik heraushören konnte.
    Heute ist das anders. Ihre Worte und ihre Musik, sie haben den Zauber verloren. Für mich fühlt es sich affektiert an. Als wäre sie zu dem geworden, was sie nie sein wollte.
    Schade.
    Aber: Wir haben ja jetzt BOY.
    8 3 Melden
  • herschweizer 17.08.2015 20:19
    Highlight Heulbojen waren schon immer die grössten Philosophinnen... ach die Schweizer Musikszene munter und innovativ wie eh und je
    17 4 Melden
  • Mathis 17.08.2015 19:22
    Highlight Regel 12 ist interessant: "keep the possibility of joining a revolutionary movement".
    Sophie Hunger ist also kinderlos, da Revolutionärin. Ach so!
    23 3 Melden
  • Gast 17.08.2015 18:11
    Highlight "Monday's Ghost" habe ich damals oft gehört, aber mittlerweile lässt mich Sophie Hunger kalt.
    16 2 Melden
  • primin 17.08.2015 17:27
    Highlight Die Autorin scheint keine Sophie Hunger-Kennerin zu sein, sonst würde sie sich nicht wundern dass die Regeln bei 11 beginnen... 1-10 gibt's längst schon!
    (Siehe http://www.srf.ch/sendungen/sternstunde-musik/sophie-hunger-the-rules-of-fire-2)

    5 3 Melden
  • kasivogra 17.08.2015 16:38
    Highlight In einer selbstkonstruierter Welt ist auch die Konstruktion eines Regelwerk nur der Erguss einer selbstkonstruierter Philosophie.
    24 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 17.08.2015 15:41
    Highlight Reine Selbstinszenierung. So kommt man auch in die Medien. Lese heute das erste mal von Ihr. Liegt wohl daran, dass ich einen weiten Bogen um das mache, was man seit den letzten Jahren als Musik bezeichnet^^.
    36 24 Melden
    • Simone M. 17.08.2015 16:49
      Highlight Und ich hatte schon Angst, sie wär überpräsent... Aber offenbar nicht. Hier ein wunderschönes Zückerchen:
      9 11 Melden
  • Asmodeus 17.08.2015 15:29
    Highlight Die Frau kann nedmal "you're" von "your" unterscheiden :p
    44 6 Melden
    • Simone M. 17.08.2015 16:44
      Highlight Aber das können wir doch alle auf den sozialen Medien öfter mal nicht... Da bin ich jetzt nachsichtig.
      12 19 Melden
    • Chreis5erin 17.08.2015 19:43
      Highlight Asmodeus: ... und du beherrschst offenbar die Worttrennung nicht wirklich... "your" statt "you're" wird übrigens insbesondere von Künstlern zum Teil ganz bewusst gewählt - um eben gerade nicht als zu korrekt rüberzukommen, nur so zur Info.
      4 20 Melden
    • 1337pavian 18.08.2015 02:42
      Highlight Quatsch, es tönt einfach genau gleich. Ausserdem benutzt sie das falsche "your" nur ein paar Worte nachdem sie es korrekt eingesetzt hatte. Hochinteressant das Ganze ; )
      1 4 Melden
    • Bowell 18.08.2015 07:02
      Highlight @Chreis5erin: Hahaha. Das glaubst du ja selber nicht :D! Wunderbar, den merk ich mir! Unglaublich, wie verkrampft die Hunger hier verteidigt wird, lächerlich.
      Ich gehe aber davon aus, dass Asmodeus wohl auch nicht zu korrekt wircken wohlte ;)!
      4 2 Melden
  • Rafi Hazera 17.08.2015 15:27
    Highlight Gäbe wunderbare Zuckersäckli.
    58 6 Melden
    • Simone M. 17.08.2015 16:41
      Highlight Wie immer hat Herr Hazera recht Recht.
      13 5 Melden
  • Shlomo 17.08.2015 14:44
    Highlight Die Regeln von Frau Wälti aka Hunger entberen nicht gerade jeglicher Ironie. Da Frau Wälti schon zu Fischers Zeiten die grösste Diva war und sich auch heute noch stehts pseudointellektuel geben muss.
    49 8 Melden
    • 1337pavian 18.08.2015 02:44
      Highlight Frau Schweizer muss den Gestank von Ignoranz und Borniertheit mit stärkeren Düften vertreiben.

      Machst du schlechte Musik oder wieso die Bitterkeit?
      3 3 Melden
  • Mockingbird 17.08.2015 14:21
    Highlight Man könnte die Tweets der Frau mit dem Hunger "gross" nennen. Oder auch einfach nur "persönlich-philosophisch". Für mich zum Beispiel stimmen nämlich einige ihrer Aussagen nicht. Gross sind Aussagen imho dann, wenn sie eine universelle Wahrheit subtil aufdecken.
    40 4 Melden
    • Asha 17.08.2015 15:50
      Highlight Pseudophilosophisch war das Wort, das du gesucht hast.
      42 3 Melden
    • Mockingbird 17.08.2015 16:06
      Highlight @Asha: Nein, ganz so vernichtend wollte ich dann schon nicht sein, zumal die Wahrnehmung von Philosophie etwas ganz Subjektives ist. ;)
      14 4 Melden
    • Simone M. 17.08.2015 16:43
      Highlight Lieber @Mokingbird (ich bin ja nachhaltig fasziniert von unseren User-Pseudonymen): Heisst du so wegen dem Roman? Das täte mich sehr freuen!
      14 4 Melden
    • 1337pavian 18.08.2015 02:45
      Highlight Könnt ihr auch was konkretes kritisieren oder frotzelt ihr euch so durch eure jeweiligen Existenzen? Von denen haben wir nämlich genug.
      1 8 Melden
    • Mockingbird 18.08.2015 07:58
      Highlight @Simone M.: Oh, schön – jemand, der diesen Klassiker auch liebt? <3 Ja, das ist der Grund für meinen Usernamen.
      7 0 Melden
    • Simone M. 18.08.2015 12:48
      Highlight @Mockingbird Dann hab ich jetzt ab sofort einen Lieblingsuser!
      9 0 Melden
    • Mockingbird 18.08.2015 12:50
      Highlight @Simone:
      5 0 Melden
    • Gast 18.08.2015 13:02
      Highlight Nehmt euch ein Zimmer.
      8 1 Melden
    • Simone M. 18.08.2015 14:09
      Highlight ;-)
      8 0 Melden

Von wegen Käse, Schokolade und Uhren: Die Schweiz ist Vizeweltmeister im Waffenhandel

Laut einer neuen US-Studie liefert pro Kopf kaum ein Land mehr Waffen an Entwicklungsländer als wir Schweizer.

Die Schweiz ist ein Top-Exportland. Nicht nur bei Waren wie Käse, Schokolade und Uhren. Sondern auch bei Waffen. Vor allem bei Waffen an Entwicklungsländer.

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des US-amerikanischen Congressional Research Service (CRS). Demnach war die Schweiz 2015 der weltweit siebentgrösste Rüstungslieferant an Entwicklungsländer: Sie lieferte Rüstungsgüter im Wert von 700 Millionen Dollar an sogenannte «developing nations».

Pro Kopf umgerechnet, belegt die neutrale Schweiz …

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