Schweiz
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Die Ehrendamen werden fuer die Siegerehrung in die Arena gefahren in der Schwingerarena beim Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) Estavayer 2016 in Payerne, am Sonntag, 28. August 2016. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Blick auf das «Eidgenössische» in Estavayer: Wo soll die Ausgabe 2022 stattfinden? Bild: KEYSTONE

Bauern gegen Schwingverband – der Geduldsfaden ist gerissen

In einem gemeinsamen Schreiben sprechen sich acht Landwirte gegen das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 aus. Sie hätten einstimmig beschlossen, heisst es in der Mitteilung, «dass ihr Land für diesen Anlass nicht zur Verfügung steht».

Benjamin Wieland / bz Basellandschaftliche Zeitung



Bereits Anfang Juni teilten acht Bauern aus Aesch und Reinach dem basellandschaftlichen Kantonalschwingerverband mit, dass sie gegen das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 auf ihrem Boden seien – vom Verband vernahmen sie danach jedoch keinerlei Reaktion. Auch bei Medienberichten erwähnten die Kantonalschwinger die ablehnende Haltung der betroffenen Landwirte mit keinem Wort. So entschlossen sich die acht Landwirte zur Flucht nach vorn.

In einem Schreiben vom Dienstag, das der BZ vorliegt, bekräftigen sie ihre ablehnende Haltung: Sie seien gegen das «Eidgenössische» in Aesch, denn das vorgesehene Gelände sei «höchst ungeeignet» für solch einen Grossanlass.

«Stark irritiert»

Den Brief verschickt hat der Aescher Landwirt Ueli Siegenthaler. Er sagt zur BZ, die Bauern hätten den Beschluss Ende Mai einstimmig gefasst und ihre Meinung dem Kantonalschwingerverband umgehend kund getan: am 2. Juni per eingeschriebenem Brief an den Präsidenten Urs Lanz. «Seither haben wir aber nichts mehr vernommen», sagt Siegenthaler, «was uns doch stark irritiert.»

Als die BZ am Dienstag den Kantonalschwingerverband auffordert, zum Schreiben der Bauern Stellung zu beziehen, antwortet Präsident Lanz schriftlich: «Wir sind in der Endphase der Machbarkeitsstudie. Danach stehen wir wieder für Interviews zur Verfügung.» Die Machbarkeitsstudie hatte der Verband vor einem Jahr in Auftrag gegeben. Die Expertise soll unter anderem die Frage beantworten, ob der Anlass im Birstal durchführbar wäre. Der Verband stellte die Publikation für Anfang November in Aussicht.

Was Lanz am gestrigen Schreiben der Bauern brennend interessieren dürfte, steht in diesem Abschnitt: «Das bäuerliche Pachtrecht überträgt den Landwirten in dieser Frage – unabhängig vom allenfalls abweichendem Grundeigentum – die abschliessende Verfügungsgewalt.» Das würde bedeuten: Die Bauern haben das letzte Wort bei der Durchführung des Schwingfests.

Das im Brief erwähnte Vetorecht der Bauern präzisiert Ueli Siegenthaler wie folgt: «Einer von uns Landwirten hat die Frage beim Schweizerischen Pächterverband abklären lassen. Laut dessen Auskunft könnte der Grundeigentümer nicht über den Kopf der Pächter entscheiden, was mit dem gepachteten Land geschehen soll.» Ganz anders tönte es noch Anfang Juni von der Einwohnergemeinde Basel-Stadt. Ihr gehört der grösste Teil des Bodens zwischen Reinach und Aesch. «Der Entscheid wird bei uns getroffen», sagte Mediensprecherin Barbara Neidhart zum «Wochenblatt». Die Pächter hätten jedoch ein gewichtiges Wort mitzureden.

Auf Anfrage bekräftigt Neidhart den Sachverhalt. Die Bewilligung für den Anlass müsse von der Grundeigentümerin kommen, also auch von der Einwohnergemeinde Basel-Stadt. «Wir werden jedoch», beschwichtigt Neidhart, «solch einen gewichtigen Entscheid ganz sicher gemeinsam mit den Pächtern fällen.»

Neidharts Worten steht wiederum die Auskunft gegenüber, die der Schweizerische Pächterverein am Dienstag erteilte. Geschäftsführer Bernhard Koch sagt: Solange der Pächter das Land entsprechend dem Pachtvertrag bewirtschaftet, könne man ihm dieses nicht entziehen, um es anderweitig zu nutzen. «Es handelt sich jedoch um einen ziemlich einmaligen Fall», gibt Koch zu bedenken. «Es gibt hierzu wohl keine Präzedenzfälle.»

St. Jakob-Park wäre zu prüfen

Neben den Bauern fürchten auch Umweltschützer die möglichen Schäden eines Schwingfests. Man geht davon aus, dass eine Fläche von rund hundert Fussballfeldern beansprucht wird. Die Kantonalschwinger haben gegenüber den Umweltschützern die Bereitschaft kund getan, den Standort des mobilen Stadions in Richtung Süden zu verschieben. Es würde demnach im Gebiet des Sportplatzes Löhrenacker errichtet werden. Trotz dieser Zusicherungen haben vier Verbände vor zwei Wochen damit begonnen, Unterschriften für eine Petition gegen das Fest zu sammeln. Sie richtet sich an die Baselbieter Regierung. Der Anlass sei für das vorgesehene Gebiet und die Bevölkerung «nicht zumutbar», heisst es im Petitionstext.

epa05297665 (FILE) The St. Jakobs-Park stadium seen before the Swiss Cup semi final soccer match between FC Basel and FC Luzern at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, Wednesday, March 26, 2014. The stadium will host the UEFA Europa League final on 18 May 2016.  EPA/GEORGIOS KEFALAS

Das wäre ein Ding: Der St.Jakobs-Park als Austragungsort für das «Eidgenössische» im Jahr 2022? Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Erst vergangene Woche sprach sich die BDP Baselland in einer Medienmitteilung gegen ein Schwingfest in Aesch Nord aus. Es gelte stattdessen, den St. Jakob-Park als Alternativstandort zu prüfen. Im alten «Joggeli» fand 1977 das «Eidgenössische» statt. Ob das heutige Fussballstadion samt Umfeld den stark gestiegenen Anforderungen genügen würde, ist jedoch nicht sicher. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pasch 19.10.2016 21:28
    Highlight Highlight Da war das Angebot wohl noch zu gering... Wird schon werden... Sonst halt paar neue Telefonmasten ;-)
  • meine senf 19.10.2016 18:46
    Highlight Highlight 1 oder 100 Fussballfelder macht natürlich schon einen Unterschied.
    Aber man könnte ja nebem dem St. Jabob-Park auch noch die ganzen angrenzenden Trainingsfelder in der Brüglinger Ebene und das Grün80-Gelände, welches ja extra für einen früheren Grossanlass erstellt wurde, miteinbeziehen. Dann wäre auch ein Grossteil weiterhin in Baselland, was psychologisch wichtig wäre (Zürcher und Berner haben solche Probleme zum Glück nicht und können es vielleicht nicht ganz nachvollziehen).
  • Beobachter 19.10.2016 09:19
    Highlight Highlight Es wird in der Schweiz generell immer schwieriger, überhaupt noch solche Grossanlässe durchzuführen. Das finde ich persönlich sehr schade.
    • sansibar 19.10.2016 17:04
      Highlight Highlight Naja, ausser Nazi-Konzerte... 😥🙄
  • Tomtom64 19.10.2016 09:10
    Highlight Highlight Wieso soll ein Aelpler-Fest in der Agglo von Basel stattfinden? Wenn schon im Oberbaselbiet, also Sissach, Gelterkinden oder so, aber doch nicht gleich hinter dem Reinacher Industriegebiet und neben der Autobahn.
    Das Oberbaselbiet wäre zudem sowohl per Auto als auch OeV leichter erreichbar.
  • rodolofo 19.10.2016 07:47
    Highlight Highlight Die Schwinger sind ziemlich schwere Kolosse mit dicken Hälsen wie "Munis" und verdichten darum den Boden entsprechend.
    Beim Publikum sind ähnliche Posturen zu erwarten, was zusätzliche Bodenverdichtungen mit sich bringen dürfte.
    Da ein solches Schwingfest ohne Rücksicht auf die Natur bei jedem Wetter durchgeführt wird (die Zuschauer ziehen sich dann jeweils diese unsäglichen Military-Regenschütze über, wie ein einig Volk von getarnten Soldaten...), könnte sich das Terrain bei starkem Regen in eine "Schweine-Suhle" verwandeln!
    Kein Bauer "mit Herz" würde seinem Boden eine solche Tortur antun!
    • Skip Bo 19.10.2016 08:18
      Highlight Highlight Man muss die Schwingfreunde ja nicht gleich verhunzen wenn man das Gefühl hat die Bodenstruktur sei zu schonen. In Burgdorf konnten Strukturschäden weitgehend vermieden werden. Den Kulturen sieht man nichts an.
      Mich stört die Landzerstörung durch übertriebene Infrastrukturbauten (BLS Riedbach) und den Druck Wohnraum zu schaffen mehr als ein Schwingfest.
      .
    • Karl33 19.10.2016 08:33
      Highlight Highlight Im Gegensatz zum Vieh sind das Fliegengewichte.
    • Lumpirr01 19.10.2016 10:18
      Highlight Highlight Das mit der Bodenverdichtung durch Schwinger & Zuschauer war wohl ein guter Witz. Aber die Bodenverdichtung durch die immer grösser werdenden, ja fast gigantischen Traktoren sind ein echtes Problem. Auch bei den Bauern ist in diesem Bereich ein Machtgehabe festzustellen; genau gleich wie auf unseren Strassen mit diesen 4 - Rad angetriebenen Böcke, welche nicht mehr in einen normalen Parkplatz passen.........
    Weitere Antworten anzeigen
  • oettam 19.10.2016 06:45
    Highlight Highlight Wieso ist der Kanton Basel-Stadt Grundeigentümer im Baselbiet?
    Kann mir das jemand beantworten?

    • Tilman Fliegel 19.10.2016 07:55
      Highlight Highlight Weil Baselland eine Kolonie von Basel-Stadt ist.
    • The oder ich 19.10.2016 09:26
      Highlight Highlight Es ist die Einwohnergemeinde Basel, nicht der Kanton (don't ask...)

      Bei der Kantonstrennung erfolgte keine eigentliche Enteignung, sondern eine politische Teilung.
    • meine senf 19.10.2016 10:28
      Highlight Highlight Basel-Stadt ist einfach im privatrechtlichen Sinne der Landeigentümer, genau gleich wie es auch eine Privatperson oder Firma sein könnte.
      Ist etwa vergleichbar mit dem Grundstück des Suworow-Denkmal bei Göschenen. Der "private" Landbesitzer ist der russische Staat, das hat aber keinen Einfluss auf die politische Zugehörigkeit.

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