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Der Limmattalbahn kommt im neuen Gesamtverkehrskonzept eine wichtige Rolle zu. bild: zvg

Der Kanton Zürich will den ÖV-Anteil auf 40 Prozent steigern

Die Zürcher Regierung hat am Donnerstag das aktualisierte Gesamtverkehrskonzept präsentiert. Mindesten die Hälfte des Neuverkehrs wird der ÖV aufnehmen. Dabei spielt auch die Limmattalbahn eine wichtige Rolle. Bis zum Jahr 2030 sollen die Ziele erreicht werden.

16.03.18, 11:17

Matthias Scharrer / Limmattaler Zeitung



Die Bevölkerung wächst – und der Verkehr nimmt weiter zu. 1.7 Millionen Einwohner dürfte der Kanton Zürich 2030 haben, wie dem gestern präsentierten zweiten Gesamtverkehrskonzept des Kantons zu entnehmen ist. Heute sind es 1.5 Millionen. Das Verkehrsvolumen steigt laut Konzept bis 2030 um rund 30 Prozent. Und schon heute sind viele Strassen und S-Bahnen überfüllt. Was tun?

Wie schon beim ersten Gesamtverkehrskonzept von 2006 soll der öffentliche Verkehr (ÖV) mindestens die Hälfte des Neuverkehrs aufnehmen – ein Ziel, das in den Jahren seit 2006 erreicht wurde. Aber anders als damals legt das neue Konzept regionenspezifisch präzise Zielwerte für höhere ÖV-Anteile fest. So soll im Limmattal der ÖV-Anteil von heute 18 auf 30 Prozent im Jahr 2030 steigen; auf der Hauptverkehrsachse zwischen Zürich und Dietikon gar von 27 auf 35 Prozent. Das bedeutet, dass im Limmattal 60 bis 70 Prozent des neu anfallenden Verkehrs via ÖV zu bewältigen seien, wie Markus Traber, Chef des kantonalen Amts für Verkehr, gestern an einem Mediengespräch sagte. «Das schaffen wir nur mit der Limmattalbahn.»

Grafik: NCH/MTA (Quelle: Kanton Zürich)

Verdichtung als Verkehrspolitik

Kantonsweit soll der ÖV-Anteil von rund 30 auf 40 Prozent steigen – und zwar vor allem in den urbanen Gebieten. Zudem sei der Velo-Anteil am Verkehr von 5.5 auf 8 Prozent zu steigern, primär in Zürich und Winterhur sowie im Limmattal und im Glattal.

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) betonte die enge Verknüpfung von Raum- und Verkehrsplanung, mit der der Kanton diese Ziele anpeile. Dies unterscheide das neue Konzept von seinem Vorgänger. Nun soll vor allem Verdichtung, bei der wenn möglich Wohnen, Arbeiten und Einkaufen innerhalb des gleichen verdichteten Raums stattfinden, den Verkehr vermindern respektive auf öffentliche Verkehrsmittel lenken.

Ein Beispiel dafür ist die Planung des Entwicklungsgebiets Bahnhof Nord in Regensdorf: Dort ist für die kommenden Jahre der Bau eines neuen Quartiers für 6500 Menschen geplant – mit direkter Anbindung an die S-Bahn, deren Fahrplan verdichtet wird. Das neue Quartier soll den Löwenanteil des für die Region Furttal erwarteten Bevölkerungswachstums aufnehmen. Ähnliche Ansätze verfolge der Kanton zusammen mit der Gemeinde in Uster beim Kasernenareal, sagte Traber.

Regierungsraetin Carmen Walker Spaeh spricht an der Medienkonferenz zur ersten Zwischenbilanz des ZSG-Schiffszuschlags, aufgenommen am Dienstag, 6. Februar 2018 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Carmen Walker Späh (FDP), Verkehrsministerin im Zürcher Regierungsrat. Bild: KEYSTONE

Allgemein gesagt: Laut dem neuen Gesamtverkehrskonzept will der Kanton die Erschliessung der urbanen Räume für den ÖV, Velo- und Fussverkehr verbessern, jene der nicht-urbanen Räume durch ÖV und motorisierten Individualverkehr (MIV) jedoch lediglich erhalten.

Grosse neue Verkehrsinfrastrukturprojekte, die nicht schon im Konzept von 2006 enthalten waren, sucht man im neuen Konzept vergeblich. Das hat mit den veränderten Zuständigkeiten in der Verkehrspolitik zu tun: «Wir haben jetzt mehr Bund statt mehr Kanton und sind zum Bittsteller geworden», so Walker Späh.

Während der Kanton bei Grossprojekten wie der SBB-Durchmesserlinie, der Limmattalbahn oder dem Bau der dritten Gubrist-Röhre noch den Anstoss geben konnte, sei er nun vermehrt auf Goodwill aus Bundesbern angewiesen. «Und das Verständnis für die Bedürfnisse Zürichs ist nicht überall gleich gross, um es diplomatisch auszudrücken», fügte die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin an.

Grossprojekte bis 2030

Dennoch enthält das neue Konzept einige Grossprojekte, die laut Walker Späh bis 2030 «aufgegleist und sicher» sein sollen. An erster Stelle nennt die FDP-Regierungsrätin den Ausbau des Bahnhofs Zürich-Stadelhofen sowie den Bau des Brüttnertunnels als neue Bahnstrecke zwischen Dietlikon und Winterthur. Doch sie zeigt sich wenig optimistisch: «Was ÖV-Investitionen betrifft, werden wir in eine Durststrecke kommen.»

Punkto Strassenprojekte stehen laut Walker Späh die neue Glattalautobahn und die Schliessung der Oberlandautobahn-Lücke im Vordergrund. Die grossen Stadtzürcher Strassentunnelprojekte, von denen auch wegen Walker Späh seit Jahren immer wieder die Rede war, fehlen jedoch im Gesamtverkehrskonzept: der Rosengartentunnel und der Stadttunnel. Beide seien bis 2030 realistischerweise nicht startklar, erklärte die Regierungsrätin. Das Gleiche gelte für die Umfahrung Winterthur, fügte Amtschef Traber an. In der Zwischenzeit wolle man künftig mit Pannenstreifen-Nutzungen Abhilfe im Stossverkehr schaffen.

Vorwärts machen will Walker Späh beim Bau der Umfahrung Eglisau, der auch schon seit vielen Jahren diskutiert wird. Das Ja des Kantonalzürcher Stimmvolks zum Gegenvorschlag zur Anti-Stau-Initiative vom letzten Herbst sei ein klarer Volksauftrag, auch die Planung von Strassenprojekten mit Herzblut voranzutreiben. Konkret erwähnt sind im neuen Gesamtverkehrskonzept folgende Strassenprojekte: die Nordumfahrung Zürich mit dem bereits laufenden Sechsspur-Ausbau des Gubristtunnels; die Lückenschliessung der Oberlandautobahn; der Sechsspur-Ausbau der Umfahrung Winterthur; der Vierspur-Ausbau der A 4 zwischen Kleinandelfingen und Winterthur; der Neubau der Glattalautobahn; die Verlängerung und der Vierspurausbau der A 51 im Hardwald nördlich von Bülach.

An Bahnprojekten für den Zeitraum bis 2030 nennt das Konzept die Limmattalbahn, den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen, den Brüttnertunnel, den Zimmerbergbasistunnel II zwischen Thalwil und Zug; ferner den Honeret-Tunnel. Für Letzteren hat allerdings das Bundesamt für Verkehr bereits im Jahr 2016 eine Alternativ-Variante lanciert.

Öffentlicher Verkehr

Schub nach Stagnation erwartet

Gemäss den vom Bund alle fünf Jahre erhobenen Zahlen aus dem Mikrozensus Verkehr stagnierte der Anteil des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich im Zeitraum 2010 bis 2015. Dies, nachdem er in den Nullerjahren noch deutlich zugenommen hatte. Markus Traber, Chef des kantonalen Amts für Verkehr, zeigt sich davon nicht überrascht: Die ÖV-Zunahme 2000 bis 2010 sei eine Folge der Eröffnung der Zürcher S-Bahn gewesen. Diese fand im Jahr 1990 statt. Danach erfuhr die S-Bahn drei grössere Teilergänzungen. «2010 bis 2015 stagnierte das Angebot», so Traber.

Mit der Eröffnung der Durchmesserlinie 2015 kam die vierte S-Bahn-Teilergänzung in Fahrt. Deren Folgen seien aber im 2015 erhobenen Mikrozensus noch nicht enthalten. «Wir erwarten für die kommenden Jahre Schub für den ÖV», sagte Traber weiter. So werde sich zum einen der Angebotsausbau durch die Durchmesserlinie auswirken, zum anderen die Limmattalbahn. Diese soll ab 2019 von Zürich-Altstetten nach Schlieren und und ab 2022 weiter bis Killwangen-Spreitenbach verkehren. Im Mikrozensus messbar wird der Effekt der Limmattalbahn laut Traber vermutlich erst 2025. (mts)

Und hier noch Michelles Meinung zum Thema ÖV:

Video: watson/Michelle Marti, Emily Engkent

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    Alle Leser-Kommentare
  • kobL 16.03.2018 14:15
    Highlight Mittlerweile sind in London mehr Velos zur Stosszeit unterwegs als Autos, Töffs, Busse und LKWs zusammen. Vielleicht sollte man sich London als Vorbild nehmen und auch solche cycle superhighways bauen.
    16 4 Melden
    • Helvetia 16.03.2018 15:09
      Highlight Entlang von Autobahnen müsste man Velo-Highways bauen; ich meine, wir haben zwei schnelle E-Bikes, aber es gibt keinen Radweg von Zürich nach Winterthur, der direkt ist und schnelles, sicheres Pendeln zulassen würde... Ich will doch nicht via Dübendorf über Äcker, durch Fehraltdorf oder in Kemptthal auf einer 80er-Strasse fahren mit Witz-Velostreifen!!?
      7 3 Melden
  • Ruffy Uzumaki 16.03.2018 12:44
    Highlight Ideen meinerseits, bin auf eure Meinungen und Anregungen gespannt:
    -Bedingtes Rechtsabbiegen
    -Gestaffelte, abgemachte Arbeitszeiten (Arbeitnehmer und -geber untereinander abmachen)
    -viele unnötige Stops abschaffen
    -Sharing optimieren (Private fahren zur ÖV-Station, Sammeltaxis etc.)
    -mehr Abo-Optionen ( zb. Sport-Abo für 2 mal pro Woche-Abends-Fahrten)
    -Kombo-Angebote mit Taxi/Flixbusse

    All dies natürlich wo es auch möglich ist :) Auch wenn vieles zum Privatverkehr gehört, hilft es schlussendlich jedem auf der Strasse/Bahn.
    14 3 Melden
    • reich&schön 16.03.2018 14:54
      Highlight - rechts vorbeifahren/überholen erlauben auf der Autobahn (bringt mehrere Prozent Kapazitätszuwachs)
      - längere Phasen bei Lichtsignalanlagen (weniger stop-and-go, mehr Durchsatz)
      - wo möglich wieder grüne Wellen bei signalisiertem Tempo (z.B. 40 km/h)
      - wo sinnvoll in den Stosszeiten Express-Busse die nicht überall halten, aber dafür schneller sind
      8 4 Melden
  • Matthiah Süppi 16.03.2018 12:30
    Highlight Viel viel Geld für Strassen und Eisenbahn, wäre man futuristisch würde man wohl eher auf eine Metro setzen, sogar bis nach Winterthur. Wäre die Schweiz richtig zukunftsorientiert, könnte man sogar eine Metro von Genf bis Winterthur bauen, oder mir zu Liebe, bis St.Gallen.
    26 28 Melden
    • Posersalami 16.03.2018 12:38
      Highlight Und wo würde der Vorteil zu den Zügen liegen?

      Ich hätte auch nichts gegen eine Metro, wenn sie nur nicht so abartig teuer wäre..
      13 3 Melden
    • Evan 16.03.2018 13:22
      Highlight Mit dem Brüttenertunnel wird praktisch die gesamte Strecke unterirdisch. Ob man die Eisenbahn nun U-Bahn nennt oder nicht, ist gweitrangig.
      17 0 Melden
    • Mutzli 16.03.2018 13:48
      Highlight Metros sind zwar schon nett, aber über diese Entfernungen? Was da allein der Tunnelbau an Kosten verursachen würde...das wäre ja Gotthard hoch 10. Ich sehe nicht wirklich wo da der entscheidende Vorteil gegenüber einer gut gebauten und gewarteten Zugstrecke über dem Boden sein würde. Zugegebenermassen bin ich allerdings als Archäologe eh überempfindlich wenns darum geht, riesenlöcher in die Gegend zu pflanzen ;-)
      9 2 Melden
    • Evan 16.03.2018 18:23
      Highlight Und übrigens, zukunftsorientiert wäre nicht eine Ubahn zu bauen, sondern genügend oberirdische Trassen freizuhalten, um eine entsprechende Oberirdische Bahn zu bauen und die Kosten gering zu halten. Denn eine Ubahn wird nicht gebaut, weil es futuristisch ist und cool klingt, sondern weil oberirdisch kein Platz mehr ist.
      3 0 Melden
  • Posersalami 16.03.2018 12:23
    Highlight Ist mir deutlich zu wenig ambitioniert.

    Gerade im Hinblick auf das Klimaschutzabkommen von Paris müsste da sehr viel mehr passieren.
    37 15 Melden

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