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Erdrutschrisiko im Tessin weiterhin hoch

17.11.14, 20:10

Im Tessin zeichnet sich nach den starken Niederschlägen der letzten zehn Tage ab Dienstag eine Entspannung der Wetterlage ab. Das Risiko von Erdrutschen bleibt aber bestehen. Die juristische Aufarbeitung hat am Tag nach dem Erdrutsch von Davesco TI mit zwei Todesopfern begonnen.

Ab Dienstag könne sich das Tessin gemäss MeteoSchweiz auf trockenere Tage und sogar Sonnenschein einstellen. Ab Montagnacht werde die Südstaulage zusammenbrechen, die im Tessin und in Norditalien in den vergangenen zehn Tagen für die heftigen Niederschläge sorgte.

Das Bundesamt für Umwelt warnte indes am Montag weiter vor «spontanen Rutschungen» im Südkanton.

Im Unglücksgebiet von Davesco TI besteht laut der Stadtgemeinde Lugano die höchste Warnstufe für Hangrutschungen.

In der Ortschaft unweit von Lugano wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag bei einem Erdrutsch zwei Frauen getötet. Eine weitere Person musste schwerverletzt ins Spital gebracht werden. Sie befindet sich weiter in Lebensgefahr.

Gemeinde spricht Verbot aus

Bis auf weiteres untersagt die Stadtgemeinde den Betrieben, die im unmittelbaren Einzugsgebiet des Erdrutsches liegen, ihre Geschäftsräume zu nutzen. Diese Vorsichtsmassnahme könne erst aufgehoben werden, wenn die Sicherheit aller Gebäude im Umkreis des Unglücksortes garantiert werden könne, teilte die Gemeinde am Montagabend per Communiqué mit.

Auch das Gebäude, welches oberhalb des zerstörten Wohngebäudes liegt, wurde geschäftlich genutzt. Vor jenem Fabrikgebäude befand sich eine Mauer, die aus noch ungeklärter Ursache einstürzte und das Unglück zumindest mitverursachte, wenn nicht sogar der Hauptauslöser war.

Eine Luftaufnahme zeigt die Ueberschwemmungen um den Lago Maggiore und die unter Wasser stehenden Ufergebiete in Tenero, im Tessin am Sonntag, 16. November 2014. Bild: TI-PRESS

Untersuchungen sind angelaufen

Am Montag begann die juristische Aufarbeitung der Erdrutsch-Katastrophe im Tessin: Die Gemeinde Lugano kündigte an, der Tessiner Staatsanwaltschaft Baugenehmigungen und Planungsgutachten für das Gebiet zu übergeben, in dem sich das Unglück ereignete. Auf einer Medienkonferenz vom Sonntagnachmittag hatte der Geologe Urs Lüchinger von «keinem gewöhnlichen Erdrutsch» gesprochen. Er wurde von der Stadtgemeinde Lugano mit der Untersuchung beauftragt und arbeitet mit der Tessiner Staatsanwaltschaft zusammen.

Die Mauer stehe als möglicher Auslöser der Katastrophe im Mittelpunkt der angelaufenen Untersuchungen, sagte Urs Lüchinger am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Tessiner Staatsanwaltschaft werde nun gemeinsam mit dem Geologen Lüchinger einen Untersuchungsbericht der Vorfälle in der Nacht von Samstag auf Sonntag erstellen, sagte der Sprecher der Tessiner Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Bei der Untersuchung würden auch Bauingenieure mit einbezogen.

Gefahrenzonen werden im «demokratischen Prozess» bestimmt

Das zerstörte Wohnhaus befand sich laut Angaben des Luganeser Gemeindepräsidenten Marco Borradori (Lega) vom Sonntag nicht in einer Gefahrenzone für Erdrutsche. Diese Karten für Erdrutsch-Gefahrenzone werden gemäss dem Tessiner Departement der Territorien seit 1990 erstellt.

Es handle sich dabei um einen «demokratischen Prozess», rechtfertigt sich ein Sprecher des Departements auf Anfrage. Eine kantonale Expertenkommission überprüfe dabei das entsprechende Gelände und arbeite dann einen Entwurf aus - dieser werde anschliessend den Gemeinden und der Bevölkerung vorgelegt. Sie können dann Einspruch erheben.

«In der Vergangenheit gab es fast ausschliesslich Widerstand aus der Bevölkerung gegen die Einführung einer Gefahrenzone», sagte der Departementssprecher weiter. Gehöre ein Wohngebiet zu einer solchen Gefahrenzone, habe dies auch Auswirkungen auf die Immobilienpreise und die Bauverordnungen.

Pegelhöchststände an Tessiner Seen erwartet

Am Dienstagmorgen soll der Pegel des Lago Maggiore 196,52 Meter erreichen, sagte ein Sprecher des Locarneser Zivilschutzes auf am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Dies seien noch zehn Zentimeter mehr als beim bisherigen Höchststand am vergangenen Donnerstag. Damit werde auch die Piazza Giovanni Pedrazzini in Locarno überschwemmt werden – dies ist der zentrale Platz des bisher am stärksten vom Hochwasser betroffenen Quartiere Nuovo.

Evakuierungen sind laut dem Zivilschutz in den kommenden 24 Stunden jedoch nicht geplant. Stege und Schlauchboote stünden für die Bevölkerung bereit.

Am Luganersee wird laut Bundesamt für Umwelt ein weiterer Anstieg des Pegels von 10 bis 20 Zentimetern erwartet. Am Montagnachmittag erreichte der See in Lugano eine Höhe von 271,86 Metern. Der städtische Uferbereich des Sees war am Montag überschwemmt. (sda)

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