Schweiz

Dutzende tote Tiere: Polizei räumt Hof des Thurgauer Pferde-Quälers

07.08.17, 16:45 07.08.17, 23:53

Die Tierhaltung auf dem Hof eines der Tierquälerei verdächtigten Pferdehändlers in Hefenhofen TG wird unverzüglich aufgelöst und die gegen 300 Tiere weggebracht. Das hat die Task Force unter dem Vorsitz des Thurgauer Regierungsrates Walter Schönholzer beschlossen.

Der vorbestrafte Mann darf ab sofort keine Tiere mehr halten. Seit Montag ist er in polizeilichem Gewahrsam. In der vergangenen Woche war publik geworden, dass auf dem Hof des Mannes in Hefenhofen in den letzten Monaten rund ein Dutzend Pferde verendet waren.

«Von den entsetzlichen Zuständen, die auf dem Hof herrschten, war bei den Kontrollen der Fachleute nichts zu sehen.»

Regierungsrat Walter Schönholzer

«Entsetzliche Zustände»

Weitere Tiere waren abgemagert und mussten verschimmeltes Brot fressen, wie eine Frau, die seit Jahren auf dem Hof verkehrt, mit Fotos dokumentierte. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Freitag die Echtheit und Aktualität der Bilder bestätigt.

Auf dem Hof des Pferdehändlers seien in den letzten Monaten immer wieder Kontrollen durchgeführt worden, sagte Regierungsrat Walter Schönholzer am Montagabend in Frauenfeld vor den Medien. Bei den kurzfristig angekündigten Kontrollen hätten sich Mängel gezeigt, welche behoben und durch Nachkontrollen überprüft worden seien.

Der Hof des Verhafteten im Thurgau. Bild: KEYSTONE

«Von den entsetzlichen Zuständen, die auf dem Hof herrschten, war bei den Kontrollen der Fachleute nichts zu sehen», sagte Schönholzer. Die aktuellen Bilder hätten aber gezeigt, dass die Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten Bedingungen gehalten würden.

Pferde, Rinder, Schweine, Schafe

Die in dem Fall eingesetzte Task Force habe am Montagmorgen beschlossen, so rasch als möglich einzuschreiten. Die Tiere werden beschlagnahmt, vom Hof geholt und an einen sicheren Ort gebracht. Dem Tierhalter wurde eine superprovisorische Verfügung ausgehändigt.

Auf dem Hof befinden sich neben rund 90 Pferden 100 Schweine, 50 Rinder, ein Dutzend Schafe, drei Ziegen und einige Lamas, wie Kantonstierarzt Paul Witzig ausführte. Bis die Tiere weggebracht sind, wird der Hof von der Polizei abgesperrt und gesichert.

Die Polizei greift ein. Bild: KEYSTONE

Die Pferde werden nach Angaben des Thurgauer Departements für Inneres und Volkswirtschaft ins Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere nach Schönbühl BE gebracht. Die anderen Tiere werden laut Mitteilung «unter Beizug von Tierhändlern» evakuiert.

Anzeigen wegen Tierquälerei

Der verdächtigte Pferdehändler ist seit Montag kurz nach Mittag in Gewahrsam, wie Jürg Zingg, Kommandant der Kantonspolizei Thurgau, am Abend sagte. Der Pferdehändler werde derzeit befragt. Er habe sich problemlos abführen lassen. Mit der Inhaftierung des Tierhalters sei dem Veterinäramt der Zugang zu den Tieren ermöglicht worden.

Der mutmassliche Tierquäler wurde auf Ersuchen des Veterinäramts des Kantons Thurgau und unter Berufung auf das Tierschutzgesetz in Gewahrsam genommen. Es seien verschiedene Anzeigen wegen Tierquälerei gegen den Mann eingegangen, sagte Zingg. Ausserdem lägen Anzeigen wegen Nötigung und Gefährdung des Lebens vor.

Tierschützer machten Druck

Der Fall des Pferdehändlers von Hefenhofen beschäftigt den Kanton schon seit Jahren. Im Jahr 2013 war ein Tierhalteverbot mit einer Beschränkung auf 60 Pferde erlassen worden. Ein vom Veterinäramt gegen den Bauern verhängtes totales Tierhalteverbot war durch das Bundesgericht aus formellen Gründen nicht bestätigt worden.

Der Fall des Pferdehändlers von Hefenhofen erregt die Gemüter weit über den Kanton Thurgau hinaus. In den sozialen Medien habe der Facebook-Post inzwischen über eine Million Menschen erreicht, sagte Tierschützer Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken (VgT).

Beim Pferdehof und auch in Frauenfeld fanden Mahnwachen und Kundgebungen statt. Am Montag überreichten Tierschützer der Regierung eine Petition mit rund 13'000 Unterschriften. Ohne den öffentlichen Druck wäre nichts passiert, sagte Erwin Kessler am Rande der Medienkonferenz. (sda)

Der Bundeszoo: Diese Tiere stehen im Dienst des Staates

Das könnte dich auch interessieren:

Achtung! Dieses fiese SMS crasht iPhones und Macs 😳

Fall Ansari: Ein schlechtes Date ist kein Übergriff. Und Sex zu wollen kein Verbrechen

Das war knapp! So viel Glück wie diese 14 Menschen wirst du in deinem Leben nicht haben

So wird «Der Bestatter» aussehen, wenn dem SRF das Geld ausgeht

So reagiert Sharon Stone auf die Frage, ob sie je sexuell belästigt wurde

«Klugscheisser» brilliert bis zu dieser Frage, bei der KEINER von 3 Jokern hilft

History Porn Teil XXVI: Geschichte in 23 Wahnsinns-Bildern

Eltern ketteten ihre Kinder an Betten: Polizei befreit 13  Geschwister aus Horror-Haus

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
16
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MaskedGaijin 07.08.2017 23:22
    Highlight Hoffentlich gibts nicht nur eine bedingte Geldstrafe.
    2 0 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 07.08.2017 22:57
    Highlight Ein Skandal und zeigt wie kleine Kantone in der Schweiz einfach überfordert sind. Erst der Druck der Öffentlichkeit hat etwas bewirkt. Obwohl man es seit Jahren gewusst hat. Da muss man nichts mehr dazu sagen.
    2 1 Melden
  • elivi 07.08.2017 21:56
    Highlight Abgesehen das der artikel achon seit letzten samstag überfällig war kommt der kanton viel zu gut weg hier. Der Tierquäler liess keine unangemeldeten prüfungen zu und das veterinäramt traute sich nicht aud dem hof wegen den drohungen des tierquälers. Ein ganzer kanton liess sich von nem tierquäler vordiktieren gesetze durchzusetzen. Unmöglich unfähig und erst als hunderte in frauenfeld demonstrieren und es in den medien kam (ausser hier) machten sie was.
    53 1 Melden
  • emptynetter 07.08.2017 21:01
    Highlight interessant: sobald die medien druck machen, gehts plötzlich schnell. noch am samstag hatte der zuständige regierungsrat gesagt, massnahmen bräuchten zeit...jänu,jedenfalls gut für die tiere und alle bauern, die sich an die vorschriften halten.
    58 1 Melden
  • Goon 07.08.2017 20:34
    Highlight Sobald der mediale Fokus draufliegt geht es schnell........

    Schämt euch, die die bis jetzt mit Scheuklappen ihren Dienst gemacht haben
    59 3 Melden
  • öpfeli 07.08.2017 20:15
    Highlight Ich hoffe die Tiere können nun an einen schönen Platz ❤
    30 1 Melden
  • eidgenoss67 07.08.2017 18:48
    Highlight Richtig so
    43 1 Melden
  • Mnemonic 07.08.2017 18:25
    Highlight Gut so!
    43 1 Melden
  • Datsyuk 07.08.2017 18:07
    Highlight Ins Gefängnis mit ihm.
    50 2 Melden
  • demian 07.08.2017 17:55
    Highlight Ich hoffe das hat auch Konsequenzen für die Angestellten vom Kanton Thurgau welche ihre Jobs nicht richtig gemacht haben!

    Leben schliesslich von Steuergeldern!
    83 8 Melden
    • AL:BM 07.08.2017 20:36
      Highlight Sind Sie sichee? Das ist ein sehr schwieriges Gebiet, mit sehr wenig gesetzlichem Rückhalt.
      7 21 Melden
  • Mia_san_mia 07.08.2017 17:43
    Highlight Das wurde mal Zeit!
    42 2 Melden
  • Tepesch 07.08.2017 17:39
    Highlight Wurde auch Zeit!
    39 1 Melden
  • Skip Bo 07.08.2017 17:29
    Highlight Endlich passiert was. Solche Typen schaden der ganzen Landwirtschaft. Es mag Totgeburten oder krankheitsbedingte Todesfälle auf einem Hof geben. Hatte ich auch schon. Aber die Tiere verhungern lassen und Kranheiten unbehandelt lassen ist kriminell.
    97 0 Melden
  • elivi 07.08.2017 17:07
    Highlight War mal zeit das darüber hier berichtet wird. Das ganze ist schon seit 2 jahren bekannt.
    56 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.08.2017 17:01
    Highlight Ach doch noch? Ein Wunder!
    46 1 Melden

Nur bedingte Strafe für Vergewaltigung und Missbrauch – SG-Staatsanwalt fordert Haft

Weil er eine 16-Jährige vergewaltigt und mehrere minderjährige Mädchen missbraucht haben soll, wurde ein 30-jähriger Mann mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten bestraft. Er hatte seine Opfer im Internet gesucht. Am Kantonsgericht St.Gallen verlangt die Staatsanwaltschaft mindestens 3.5 Jahre Gefängnis.

Laut Anklage missbrauchte der in der Schweiz aufgewachsene, türkische Staatsangehörige zwischen Herbst 2013 und Winter 2014 zehn minderjährige Mädchen. Wegen Vergewaltigung, …

Artikel lesen