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Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig spricht ueber den Zustand der Tiere auf dem Hof von Ulrich K., der wegen der Quaelerei von Pferden unter Verdacht steht, aufgenommen am Dienstag, 8. August 2017, in Hefenhofen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig am Dienstag auf dem Hof von Ulrich K. Bild: KEYSTONE

Hefenhofen: Strafanzeige gegen Thurgauer Kantonstierarzt eingereicht

09.08.17, 12:25 09.08.17, 15:35


Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat gegen den Thurgauer Kantonstierarzt eine Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs eingereicht. Der Verein wirft der Behörde vor, sie habe den mehrfach vorbestraften Tierhalter von Hefenhofen jahrelang gewähren lassen.

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch den Eingang einer Strafanzeige von Erwin Kessler, Präsident des VGT.

Der Kantonstierarzt sei persönlich verantwortlich für das Tierelend, welches letzte Woche bekannt geworden sei, schreibt Tierschützer Kessler in der Begründung der Strafanzeige, welche der Nachrichtenagentur SDA vorliegt.

Tierschutzkontrollen angekündigt

Durch die Ankündigung der auf dem Hof vorgenommenen Tierschutzkontrollen habe der Tierhalter jeweils genug Zeit gehabt, tote Tiere zu beseitigen. Es sei anzunehmen, dass der Tierhalter vor den Kontrollen auch die schwer erkrankten und sterbenden Tiere erschossen und beseitigt habe.

Der Tierhalter von Hefenhofen sei den Behörden seit vielen Jahren als notorischer und uneinsichtiger Tierquäler bekannt, schreibt Kessler. Das Strafgericht habe bereits im Jahr 2009 ein Tierhalteverbot gefordert. Erst vor zwei Jahren habe der Amtstierarzt das «längst überfällige» totale Tierhalteverbot auf Druck der Öffentlichkeit erlassen, schreibt der Tierschützer. Weil dem Tierhalter wegen eines Fehlers das rechtliche Gehör verweigert worden war, hob das Bundesgericht das Verbot allerdings wieder auf.

Mitarbeiter des Veterinäramts massiv bedroht

Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer wies die Vorwürfe gegen das Veterinäramt zurück. Der Fall beschäftige die Behörden seit Jahren. Weil die Mitarbeiter des Veterinäramts vom Tierhalter massiv bedroht worden seien, seien die Kontrollen in den vergangenen Monaten von externen Fachleuten durchgeführt worden.

Bei diesen Kontrollen, die kurzfristig angekündigt worden seien, habe es zwar Beanstandungen gegeben. Solch schreckliche Zustände wie auf den Fotos dokumentiert hätten die Kontrolleure jedoch nie festgestellt, sagte der Regierungsrat am Montagabend an einer Medienorientierung.

Tiere evakuiert

In der vergangenen Woche war publik geworden, dass auf dem Hof des Tierhalters in Hefenhofen in den letzten Monaten mehrere Pferde verendet waren. Weitere Tiere waren abgemagert und mussten verschimmeltes Brot fressen, wie eine Frau, die seit Jahren auf dem Hof verkehrt, mit Fotos dokumentierte.

Am Montag wurde der Tierhalter von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die rund 300 Tiere auf dem Hof wurden beschlagnahmt und im Verlauf des Dienstags durch Polizei und Armee evakuiert. Das Veterinäramt erliess gegen den Tierhalter ein sofortiges Tierhalteverbot. Am Dienstag verfügte der Amtsarzt für den 49-Jährigen eine fürsorgerische Unterbringung. Dagegen kann der Tierhalter innerhalb von zehn Tagen Beschwerde einreichen.

Volk und Politiker aktiv

Der Fall erregt die Gemüter weit über den Kanton Thurgau hinaus. In den sozialen Medien äusserten sich über eine Million Menschen. Beim Pferdehof und in Frauenfeld fanden am Wochenende Mahnwachen und Kundgebungen statt. Am Montag überreichten Tierschützer der Regierung eine Petition mit rund 13'000 Unterschriften.

Der Thurgauer Tierschutzverband kündigte zudem an, eine Volksinitiative zu lancieren, damit die «Missstände im Veterinäramt» beseitigt werden. Auch politisch soll der Fall aufgearbeitet werden. Laut der Thurgauer Zeitung haben mehrere Kantonsräte parlamentarische Vorstösse angekündigt. (whr/sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pasch 09.08.2017 14:52
    Highlight Seit wann reagiert eine Behörde mit Zurückhaltung nach einer Drohung??

    Normalerweise rückt dann das Sonderkommando mit der Armee im Schlepptau in den Piranhas aus, F/A 18 am Himmel und Superpumas??
    Ah nee das war ja der Bierkistenlauf...
    50 5 Melden
  • Linus Luchs 09.08.2017 14:27
    Highlight "Der Fall beschäftige die Behörden seit Jahren", schreibt das Veterinäramt und bestätigt mit dieser Aussage das Totalversagen der Behörden, die es über Jahre nicht geschafft haben, der Tierquälerei ein Ende zu setzen.
    64 2 Melden
  • Scaros_2 09.08.2017 13:24
    Highlight Es bringt nichts in dem Fall einen Schuldigen zu suchen. Passiert ist es.

    Lieber sollte man die Energie und Synergien nutzen um die heutigen Gesetze im Kanton Thurgau zu überprüfen und nach optimierung suchen das sie das nicht wiederholt.

    Das mag ggf. mit dem Austausch von Personal einhergehen.
    37 18 Melden
    • ujay 09.08.2017 14:05
      Highlight Die Gesetze sind vorhanden. Das Veterinaeramt hat versagt und ist seinen Pflichten nicht nachgekommen. Waere noch schoener, wenn bei solch fahrlaessigem Verhalten keine Kuendigungen ausgesprochen werden.
      58 6 Melden
    • Eine_win_ig 09.08.2017 14:51
      Highlight Ich finde es korrekt, dass eine Anklage eingereicht wurde. Hat sich der Herr korrekt verhalten, alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft und konnte wirklich nichts weiteres tun, hat er nichts zu befürchten. Somit käme das Gericht dann zum Schluss, dass die Prozesse angepasst werden müssen und fertig. Aber eine Aufarbeitung eines solchen Falles ist zwingend notwendig!
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