Schweiz

Tour dur d'Schwiiz, 59. Etappe: Morges – Morges

Dies ist weltweit das wohl einzige Wappen mit zwei nackten Buben drauf – doch es ist alles ganz harmlos

Tiere, Köpfe, Waffen, Arbeitsgeräte, Herzen: Ich habe ja schon einige spezielle Gemeindewappen auf meiner Tour gesehen. Aber Gimel im Waadtland hat mich dann doch fast bisschen schockiert.

14.09.15, 17:27

Mit dem Velo durch die ganze Schweiz

In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Tiere sind weit verbreitet, aber Menschen bleiben selten auf Gemeinde-, Regionen- oder Länder-Wappen. Weltweit gibt es genau eine Nation, die Menschen auf seiner Fahne zeigt. Meist bilden Formen und Farben die Flagge. Hier in der Schweiz staune ich allerdings immer mal wieder, wie fantasievoll Gemeindewappen sein können. 

Da gibt es – um nur einige zu nennen – Schnecken (Zell ZH), Gewehre (Crissier VD), Ritter (Marly FR), Landknechte (Tafers FR) und auch jede Menge Herzen: Moiry (VD) schmückt sich mit einem, Berolle (VD) ebenfalls und im Wappen von Blonay sind gar zwei Herzen ineinander verhakt.

Gemeindewappen mit Herz: Moiry, Blonay und Berolle (v.l.).

Was in der Schweiz mit sechs Mal doch noch oft vorkommt – und sehr überrascht: Köpfe von Schwarzen. «Mohrenköpfe» – wie es die Gemeinden selbst schreiben. Heutzutage politisch nicht mehr denkbar.

Genauso wie das Wappen von Gimel, das mit seinen 2000 Einwohnern am Fuss des Col de Marchairuz liegt. Es zeigt zwei Buben. Nackt. Also quasi den doppelten Pimmel von Gimel.

Das Gemeindewappen von Gimel VD.

Wie kam es dazu? Im 11. Jahrhundert wird der Ort mit «Gimellis» erstmals erwähnt. Gimelz, Gemez, Gemella findet man danach ebenfalls. Alles Ableitungen von Familiennamen die ihren Ursprung im Wort Gemini (Zwilling) haben. So war es eigentlich nichts als logisch, dass Zwillinge das Wappen schmücken. 100-prozentig verbürgt ist die Geschichte allerdings nicht, wie man mir auf der Gemeindeverwaltung bestätigt.

Dass diese nackt sind, störte damals wohl niemanden. Heute wäre die Absegnung eines solchen Wappens unvorstellbar. Der stellvertretende Gemeindeschreiber Armand Vonnez erklärt: «Damals wars scheinbar kein Problem. Wir haben uns in den letzten Jahren schon auch unsere Gedanken dazu gemacht.» Wird das Wappen also bald ersetzt? «Nein, da gibt es im Moment keine Bestrebungen. Es wird sicher noch eine Weile so bleiben.»

Ach ja, die Nation mit den Menschen auf der Fahne ist das mittelamerikanische Belize:

Tour dur d'Schwiiz, 58. Etappe, Blonay – Morges

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 15.09.2015 09:35
    Highlight Ich finde diese Tour dur d'Schwiiz einfach super. Es reizt mich, das Velo zu satteln und ebenfalls für ein paar Monate durch die Schweiz zu düsen.
    1 0 Melden

Es geht nicht um nackte Zahlen: Mein Mitfahr-Erlebnis und eine Erkenntnis 

11’000 Kilometer, 200’000 Höhenmeter, über 4 Monate unterwegs. Rund um die «Tour dur dSchwiiz» gibts viele eindrückliche Zahlen. (Ansatzweise) Nachvollziehen kann man das ganze Ausmass nur, wenn man mal eine Etappe mitfährt. Ich hab's getan. Gedanken auf dem Velo.

Anmerkung: Der Text ist nicht von mir, sondern von meiner Frau. Aber für kurzfristige Mitarbeiter haben wir keinen lässigen Kopf-Button auf dem Teaserbild, drum nehmen wir meinen.

Wenn sich der Mann quer durch die Schweiz quält, fühle ich mich als Ehefrau natürlich in der Pflicht, seine Leiden nachvollziehen zu können. Dummerweise habe ich mir bisher immer treffsicher die anstrengendsten Etappen ausgesucht: Letztes Wochenende keuchten wir gemeinsam die Alpe di Neggia rauf – ich …

Artikel lesen