Schweiz

Die ETH in Zürich: Gestern ging es hier weit weniger idyllisch zu und her. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

«Fäkalienwerfende Chaoten» – Urin-Attacke auf ETH löst heftige Diskussion aus

Vermummte warfen Kuhmist und Urin in den grossen ETH-Hörsaal. Nach der Attacke auf den Pflanzenzucht-Kongress gehen die Wogen hoch. 

30.08.16, 04:20 30.08.16, 06:50

Es muss ein ziemlich unangenehmer Moment für die 300 Wissenschafter und Studenten gewesen sein, die sich gestern Morgen im grossen Saal der ETH befanden. Mitten in der ersten Plenar-Sitzung des einwöchigen Pflanzenzucht-Kongresses stürmten vermummte Personen den Saal und warfen mit Kuhmist, verfaulten Eiern und Urin um sich. Der Saal musste evakuiert werden, die Eindringlinge konnten flüchten. Verletzt wurde niemand.

Eine Kongressteilnehmerin hielt die Szenerie mit der Fotokamera fest: 

Die vermummten Personen hinterliessen nicht nur Dreck im Hörsaal, sondern versprayten auch die Wände. Vor dem Eingang der ETH brachten sie zudem ein Plakat an: «Peasants shit on Techno Science – Bauern scheissen auf Techno-Wissenschaft.» 

Um was geht es?

Wie es aussieht, wollen die Aktivisten nicht, dass neue Technologien zu stark in die Landwirtschaft eingreifen. Denn genau darum soll es beim einwöchigen Kongress «Eucarpia 2016», für den die Teilnehmer über 500 Franken hinblättern, gehen.

Das Thema der Veranstaltung lautet: «Plant Breeding, the Art of Bringing Science to Life – Pflanzenzucht, die Kunst Wissenschaft zum Leben zu bringen.» Es gehe darum, neue Anbau-Techniken weiterzuentwickeln und umzusetzen, um mit den globalen Herausforderungen, wie zum Beispiel der Klimaerwärmung, Schritt zu halten. So steht es auf der offiziellen Homepage des Events geschrieben. 

Und da gehen nun die Meinungen weit auseinander. Die eine Seite sieht durch den Gebrauch der «Techno-Wissenschaften» die Möglichkeit, in Zukunft Ernährungssicherheit herzustellen. Die andere Seite sieht vor allem globale Unternehmen, die nur dem Profit hinterher jagen, ohne die Umwelt zu berücksichtigen. 

Die Thematik löste eine Diskussion aus:

Gegen weltweite Ernährungssicherheit hat wohl niemand etwas.

Aber wieso dann ein Anschlag auf die Wissenschaft?

Das könnte ein Grund dafür sein.

Weitere Kritik von User «Mehmed»:

User «SwissGTO» hat mit dem Vorgehen der Agrar-Konzerne nicht so Mühe.

User «Tornado» entgegnet ihm aber:

Wussten die Aktivisten überhaupt, was im Saal vorgetragen wurde?

Und wie sieht es mit den Sicherheitsvorkehrungen aus?

Naja, so halb öffentlich, wenn man an die Teilnahme-Gebühren denkt. 

Einige gehen mit den Vermummten ziemlich hart ins Gericht: 

Und zuletzt die Analyse von watson-User «Marcelo»:

(cma)

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • juba 30.08.2016 10:22
    Highlight und wo ist jetzt "geköpft" bitteschön?
    2 1 Melden
    • koks 30.08.2016 11:22
      Highlight zensiert weil?
      3 0 Melden
  • G. Schmidt 30.08.2016 10:09
    Highlight Erinnert mich irgendwie an die "Maschinenstürmler" aus den 1840er.
    Die technologische Veränderungen kommen so oder so. Klüger wäre es diese Veränderung zu akzeptieren und ethische Rahmenbedingungen für die Nutzung auszuhandeln, statt die Forschung zu sabotieren.
    Aber das wäre den "Aktivisten" wohl zu anstrengend...
    16 6 Melden
  • Str ant (Darkling) 30.08.2016 09:11
    Highlight Gute Idee mit fragwürdiger Umsetzung.
    Monsanto und Co gehören in die Schranken verwiesen
    12 12 Melden
    • Sloth 30.08.2016 10:54
      Highlight Kochsalz ist auch nicht giftig, du trinkst trotzdem kein Glass Kochsalzlösung. Solche Videos sind doch nur gemacht um Aufsehen zu erregen und viele dieser Diskussionen wären sinnvoller wenn man solchen Videos nicht mehr Beachtung schenkt als wissenschaftlichen Studien.
      9 5 Melden
    • Str ant (Darkling) 30.08.2016 11:21
      Highlight @sloth stimm ich dir zu es ist halt nur die alte Leier das Trockene Studien niemandem hinter dem Ofen vorlocken ^^

      1 1 Melden
  • klock 30.08.2016 08:59
    Highlight Ich find insbesondere die Blumen von Syngenta ekelerregend.
    6 13 Melden
  • Adremos 30.08.2016 08:49
    Highlight Das Problem ist doch, dass eine friedliche und massvolle Diskussion keinen Hund hinter dem Ofen hervorlockt. Hätte Watson etc. über diesen Kongress berichtet ohne diese Aktion?
    Wahrscheinlich nicht....
    Das Thema hat aber durchaus eine breite Diskussion auch in der Bevölkerung verdient!

    In diesem Sinne hat diese Aktion also durchaus ihr Ziel erreicht.
    19 17 Melden
    • CASSIO 30.08.2016 15:18
      Highlight Falsch, die Aktion verhindert genau eine Diskussion. Zu Recht nach dieser primitiven Handlung. Und genau dies ist das Problem. Um das Business zu ändern, muss man es beherrschen, Grösse is Macht. Wenn man Macht dazu nutzt, etwas Gutes zu tun, GO FOR IT!
      1 0 Melden
  • Herbert Anneler 30.08.2016 08:44
    Highlight Zur Illustration, wohin Gentech bei Pflanzen, Tieren und Menschen führen wird: Stellen wir uns vor, das Wetter liesse sich technisch ebenso gezielt verändern. Die einen möchten Regen, die andern Soonenschein, die einen kühle Temperaturen, die anden trockene Hitze etc.Wer setzt sich bei diesen konfligierenden Bedürfnissen letztlich immer durch? Die wirtschaftlich Stärksten!
    8 17 Melden
    • Herbert Anneler 30.08.2016 11:59
      Highlight PS. So viele Blitzli, aber kein einziges Gegenargument. Was sagt uns dies?
      1 5 Melden
  • stadtzuercher 30.08.2016 08:37
    Highlight Bemerkenswert auch die Meinung bzw Tweet eines Professors aus dem besagten Fachgebiet. Im unterdessen wieder gelöschten Tweet schreibt Jeremy P E Spencer: "Animals! Should be all lined up and decapitated"
    8 6 Melden
    • Hanspeter Schmid 30.08.2016 12:58
      Highlight Ohje, stadtzürcher!

      JS wollte seiner Bekannten CW eine persönliche Nachricht schicken und hat sich bei der Bedienung von Twitter vertan: @sowieso schickt halt keine PN. (Wieso ich das weiss? Ich hab ihn selber gefragt.)

      Nun stell Dir vor, dass alles, was Du im Affekt vor einem engen Kollegen rauslässt, plötzlich als Deine öffentliche Meinung gilt! Oder dass Du gerade gesagt kriegst dass Du sowas weltweit verteilt hast. Ups! :))))

      Also überbewerte das nicht. JS denkt gar nicht wirklich so.

      Er ist übrigens auch aus einem anderen Fachgebiet (Thema in kurz: "Helfen Grapefruit gegen Krebs?")
      3 3 Melden
  • Harius 30.08.2016 08:35
    Highlight Man kann von mir aus gegen Gentechnologie sein, aber wieso attackiert man dann gerade ein Kongress bei dem es in erster Linie um die klassische Pflanzenzüchtung geht? Ohne die Erfolge jener im letzten Jahrhundert wäre es nicht möglich die Menschheit heute zu ernähren.
    Apropos Verlust der Biodiversität: Am letzten Tag des Kongresses wird auch darüber gesprochen, wie eine möglichst hohe genetische Diversität erhalten werden kann. Dies ist im Interessse aller Pflanzenzüchter.
    Und es wird kein Bauer gezwungen besseres Saatgut der "Techno-Science" zu kaufen. Ist es besser, wird es gekauft!
    24 2 Melden
  • Sloth 30.08.2016 08:10
    Highlight Ich selber bin Forscher an der ETH und wir bekommen auch Geld von der Industrie, aber Leute sollten wissen, dass dies Resultate nicht beeinflusst. Abgesehen davon, dass in der Bio und Chemie Forschungsergebnisse viel eindeutiger sind als in zB der Medizin, erwähnen ja immer alle gerne den Publikationsdruck. Aber genau dieser Druck führt dazu, dass es uns egal ist was die Industrie will. Wenn wir etwas publizieren können, wird es publiziert, egal ob die Resultate der Industrie passen oder nicht.
    27 2 Melden
  • kiawase 30.08.2016 05:52
    Highlight also ich bin froh gibt es sie noch - die wilden jungen die sich auch mal engagieren für wichtige fragen. und es ist ja niemandem persönlich geschadet worden. sonst heisst es ja auch immer 'meh dräck' ... wer sonst wehrt sich gegen macht der konzerne
    53 104 Melden
    • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 07:23
      Highlight Ich bin auch froh, gibt es sie, die Leute die sich für wichtige Fragen engagieren. Nur meine ich damit die Kongressteilnehmer. Die "Kacktivisten" haben sich wortwörtlich ans eigene Bein gepinkelt, man hätte ja z.B. eine Podiumsdiskussion mit einigen der Kongressteilnehmer organisieren können um ernstgenommen zu werden, hat die ETH auch lieber als Sachbeschädigung.
      29 5 Melden
    • insomniac 30.08.2016 07:57
      Highlight "Engagieren für wichtige Fragen" gern, aber mit Worten und Argumenten. Denn so erreicht man gar nichts.
      Interessant finde ich auch "die Macht der Konzerne". Etwas zu viel wikipedia zum Thema "Verschwörungstheorie" gelesen? Leg doch mal dein iPhone und deinen Starbucks Kaffee zur Seite und denk über diese (sorry, aber sehr primitive) Aussage noch mal nach.
      15 5 Melden
    • FancyFish 30.08.2016 08:03
      Highlight Dafür kann man sich aber entscheiden, was man dagegen tun kann.

      Mit Kot um sich zu werfen gleicht dem Verhalten von Affen
      13 4 Melden
    • ElendesPack 30.08.2016 08:20
      Highlight Die sind schon toll, diese "jungen Wilden" und mit ihrem Verhalten, mit dem sie alles handgreiflich stören, was ihnen nicht passt, auch sehr demokratiekompatibel. Moll.
      13 5 Melden
    • DerHans 30.08.2016 08:20
      Highlight Wenn einer gewissen Gruppe die Argumente ausgehen, müssen sie zu solchen Mitteln greifen. Den pösen Konzernen wird es wohl egal sein. Für mich sind solche Individuen verwahrloste Wohlstandsaktivisten, die mit ihrer Zeit nichts besseres anzufangen wissen als mit Kuhmist anstatt Wissen umsich zuwerfen.
      14 3 Melden
    • Zerpheros 30.08.2016 08:27
      Highlight Weiss nicht - kann man die Kritik nicht klüger anbringen, besonders wenn der Sachverhalt so kompliziert ist? So desavouieren sich die Scheisseschmeisser doch selbst.
      11 1 Melden
    • Alnothur 30.08.2016 08:33
      Highlight Lesen hilft.
      5 1 Melden
    • Lord_Mort 30.08.2016 09:18
      Highlight Wie in anderen Branchen auch sind es zunehmend die Grosskonzerne, welche genügend Mittel für Forschung bereitstellen können, da der Staat dies entweder nicht kann oder will, weil gespart werden muss. Leider ist das ein grundlegendes Problem unseres Wirtschaftssystems, daran wird Kuhmist in einem Hörsaal kaum was ändern. Etwas Positives zur Debatte haben die Aktivisten damit nicht beigetragen, denn über Gentechnik wird jetzt auch nicht mehr gesprochen als vorher. Einmal mehr eine verpasste Gelegenheit dieses wichtige Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, um Chancen und Risiken zu diskutieren.
      6 0 Melden
    • AL:BM 30.08.2016 09:23
      Highlight Da diese Personen bei allen nur negativ in Erinnerung bleiben werden, ist die Wirkung dieser Aktion wohl ziemlich gering...
      5 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 09:25
      Highlight "Engagieren", indem man mit Kuhmist um sich wirft? Das bewirkt ja enorm viel. Ich finde, in der Diskussion sollten sich die Leute engagieren und sich mit Fakten "wehren", wie es dann auch politisch bei eventueller Gesetzesänderung gemacht wird. Man kann aber auch wie ein Primat im Zoo mit Kot werfen.
      5 0 Melden
    • Hayek1902 30.08.2016 10:19
      Highlight Ich komme dann mal in ihre Wohnung / ihr Haus und demonstriere gegen Privateigentum, indem ich ihnen einen Haufen aufs Bett setze. Finden Sie das dann immer noch so toll?
      8 0 Melden

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