Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

So sieht der Blinker fürs Velo aus. bild: twitter/velohub_ch

Bremslicht, Blinker und Sicherheitslaser: So funktioniert das neue Velolicht aus Schlieren

Vier junge Spanier wollen in Schlieren die Geschichte des Fahrrades weiterschreiben und es mit ihrer Erfindung in die technologische Zukunft führen. Mit dem Blinker des Startups Velohub soll das Velofahren sicherer werden – so funktioniert er.

24.01.17, 08:23 24.01.17, 11:22

Alex Rudolf / az Limmattaler Zeitung



Die Draisine wurde im 1817 erfunden und hat mit den heutigen Velos, deren Vorgänger sie ist, nicht mehr viel zu tun. Ziemlich genau 200 Jahre später wollen vier junge Spanier in Schlieren die Geschichte des Fahrrades weiterschreiben und es mit ihrer Erfindung in die technologische Zukunft führen. «Auf mechanischer Ebene werden Fahrräder immer besser, leichter, schneller, sicherer. Elektronische Technologien wurden bis anhin aber noch zu wenig genutzt», sagt Javier Fernández de Alegría. Er ist CEO und Sprecher des Startups Velohub. Gemeinsam mit drei Kollegen arbeitet er seit vergangenem November in einem mit Glaswänden abgetrennten Bereich der Werkstatt im Zühlke-Hauptsitz in Schlieren. Sie entwickeln gemeinsam den Blinker, das erste und bislang einzige Produkt des Startups.

So sieht das dann aus:

Im von Velohub entwickelten Blinker sind mehrere Funktionen enthalten. Das hinter dem Sattel befestigte Gerät zeigt mit einem Handgriff an, in welche Richtung der Fahrradfahrer abbiegen will. «Da so auf Handzeichen verzichtet werden kann, muss nicht einhändig gefahren werden, was die Sicherheit erhöht», so Fernández de Alegría. Hinzu kommt, dass mithilfe von Laserprojektoren links und rechts des Fahrrads Streifen auf den Boden geleuchtet werden können. Diese sollen den Autofahrern den optimalen Sicherheitsabstand anzeigen. Integriert in den Blinker sind die gesetzlich vorgeschriebenen Funktionen wie Vorder- und Rücklicht. Neu ist jedoch ein Bremslicht vorhanden.

Fernández de Alegría ist sich sicher, dass der Blinker den heutigen Zeitgeist trifft. «Das Velo ist das urbane Verkehrsmittel der Zukunft, da viele Städte im Autoverkehr ersticken.» Weil das Velo in Anbetracht des teils grossen Verkehrsaufkommens zu unsicher sei, habe man nach Verbesserungen im Sicherheitsbereich gesucht. Die vier baldigen ETH-Absolventen sind begeisterte Velofahrer und schliessen diesen Sommer in verschiedenen Bereichen der Hochschule ab – vornehmlich in Management und technischem Ingenieurwesen. Was als Idee unter den Spanischen Expats in Zürich Ende 2015 begann, reifte zum Geschäftsplan und wurde mit einem Förderpreis bedacht. Die Swiss Startup Factory, eine Plattform verschiedener Investoren – unterstützte das Projekt im Anschluss. Mithilfe des Crowdfundings «Kickstarter» generierte das Jungunternehmen im vergangenen Mai 50'000 Euro für die Weiterentwicklung.

Javier Fernández de Alegría, CEO von Velohub.

Im vergangenen November wurde bekannt, dass Zühlke das Startup unter seine Fittiche nimmt. «Will man tausende Exemplare eines Produktes herstellen lassen, müssen sämtliche Komponenten stimmen, sonst setzt man sich der Gefahr aus, mit dem kleinsten Fehler Unmengen von Geld zu verlieren», so Fernández de Alegría. Zühlke, eines der führenden Unternehmen im Bereich Serienproduktion, helfe seinem Startup dabei. In wöchentlichen Sitzungen und spontanen Treffen mit Experten profitiere Velohub.

Prototypen bis nach Australien

Bereits im kommenden Juni soll mit der Produktion begonnen werden. «Wir sind derzeit in der heissen Phase», sagt Fernández de Alegría und zeigt auf eine Wandtafel in der Ecke des Büros. Darauf ist eine Vielzahl von Zetteln, Notizen, Grafen und Tabellen mit Magneten befestigt. Verbunden zu einem für Aussenstehende nicht nachvollziehbaren System an Massnahmen sind sie durch dünne Kreidestriche. «Der Weg zur Marktreife ist lange und steinig – auf dieser Tafel ist unserer abgebildet.»

Im September soll der Blinker in den Regalen von Velofachhändlern stehen. Man sei bereits mit 15 Grossverteilern in Kontakt, die zwischen 300 und 2000 Veloshops beliefern, und versende derzeit die Prototypen – einen davon gar nach Australien. Wo der Blinker produziert werde, ob in Deutschland oder Spanien, sei noch offen. An einem nächsten, konkreten Produkt arbeitet Velohub zwar noch nicht, doch an Ideen mangelt es den ETH-Absolventen nicht. «Fast sämtliches Fahrrad-Zubehör kann technisch aufgewertet und mit Funktionen ergänzt werden. Denkbar ist auch, Schlösser oder Helme mit dem Smartphone zu verbinden», so Fernández de Alegría. Wie sich dies jedoch konkret ausgestalte, wüssten die Jungunternehmer noch nicht. (aargauerzeitung.ch)

Abonniere unseren Daily Newsletter

35
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • baere.mani 24.01.2017 12:03
    Highlight Was ich bei obigem Blinklicht noch anfügen möchte: Die an den Boden projizierten Laserlinien werden keinen Autofahrer davon abhalten, einem zu nah zu kommen. Erstens glaube ich nicht, dass man die Linien wirklich sieht (Blickwinkel Fahrersitz), zweitens zeigt die Erfahrung, dass Abstandhalter von Velos die Autofahrer eher noch provozieren...

    Für Velogadgetsfreaks auch noch interessant: Velouhr Moskito von Bedovelo : )
    4 0 Melden
  • baere.mani 24.01.2017 11:58
    Highlight Die Idee des Blinkers geistert schon einige Zeit herum. Das Problem war bis anhin, dass keine Firma eine technisch & optisch überzeugende Lösung präsentieren konnte. Auch das oben präsentierte Produkt überzeugt mich optisch nicht.
    Ich bin erst vor kurzem auf eine Firma aus Deuschland (COBI) gestossen, welche die ganze Thematik sehr ansprechend umsetzt. Mittels "Smartphone fähigem" Leitsystem, welches Vorder-, Rück-, Blink-, und Bremslicht integriert. Das ganze sieht auch noch umwerfend aus! Hat allerdings auch seinen Preis ; )
    3 0 Melden
  • .:|Caballito de Mantequilla|:. 24.01.2017 11:41
    Highlight Die letzte grenzenlose Freiheit auf Schweizer Strassen erlebe ich persönlich nur noch als Velofahrer. Diesem Attribut ist es geschuldet, das ein Grossteil der Autofahrer tagtäglich vor Neid in ihren Blechdosen fast ersticken und mich in Bedrängnis bringen. Blinker ist ein alter Wunsch vieler Velofahrer, auch von mir, aber die Handausstrecken ist im Endeffekt präzisere und sperrt dem Autofahrer automatisch die Spur zu, also aus meiner Sicht viel effektiver und sicherer als jedes Lichtsignal. Zudem scheint mir das Mittelblinklicht anfällig für Missverständnisse. Trotzdem gute Geschäftsidee!
    13 12 Melden
    • R&B 24.01.2017 13:35
      Highlight @honey Badger: Sie gehöhren somit zu den aggressiven Velofahrern, die jeden Autofahrer hassen?
      11 2 Melden
    • .:|Caballito de Mantequilla|:. 24.01.2017 14:22
      Highlight Da ich geschäftlich um die 60 - 70Tausend Kilometer pro Jahr im Auto abspule, geniesse ich um so mehr jede freiheitliche Velominute. Und wie steht es um Sie? Sind sie ein Autofahrender Velohasser? Oder haben Sie den richtigen Auto-Rhythmus oder gar den Velo-Blues?
      3 1 Melden
  • Matrixx 24.01.2017 11:05
    Highlight Einen Blinker fürs Velo?
    Am Auto gibts bereits Blinker, und die nutzt auch fast niemand.
    Ob das dann am Velo mehr Sinn ergibt? Wir werden sehen 😉
    8 4 Melden
  • Mett-Koch 24.01.2017 10:25
    Highlight Grundsätzlich sicher eine gute Idee. Aber sind die Blinker nicht zu nahe beieinander? Erkennt ein mit hoher Geschwindigkeit näher kommender Fahrer, ob es links oder rechts blinkt? Und wie gut ist es bei Tageslicht sichtbar?
    Wäre sicher toll, da es die Sicherheit erhöht. Wird aber wohl Jahre dauern, bis sich sowas durchsetzt...
    11 0 Melden
    • Matrixx 24.01.2017 11:26
      Highlight Es "blinkt" nicht einfach. Es ist ein Blinklicht, dass von der Mitte her nach aussen wandert. Also dürfte es ziemlich sichtbar sein, auf welche Seite es blinkt.
      5 1 Melden
    • Mett-Koch 24.01.2017 12:59
      Highlight Habe das Video gesehen. Trotzdem ist das bei hoher Geschwindigkeit kaum sichtbar, nehme ich an.
      2 0 Melden
    • R&B 24.01.2017 13:35
      Highlight warum weiss und nicht orange?
      2 1 Melden
  • Jhn 24.01.2017 10:24
    Highlight Ich finds geil wie alle "yeaahh, schweiz" schreien wenn Ausländer was gutes tun. Aber hätten diese vier Spanier Pr8bleme mit dem Gesetz wärs "oh nein, Ausländer."

    Hallo Doppelbödigkeit...
    5 28 Melden
    • fischbrot 24.01.2017 11:55
      Highlight Jhn, auch du funktionierst so wie wir anderen auch. Dein Kommentar passt hier irgendwie nicht rein..
      3 0 Melden
  • meine senf 24.01.2017 09:42
    Highlight Gute Sache. Leider scheint das eigentlich obligatorische Arm-Ausstrecken beim Abbiegen bei sehr vielen Velo-Fahrern out zu sein. Schon X-mal fast einen Unfall gehabt, weil man jemand, der fast mit Schritttempo fährt, überholt und dieser komplett unangekündigt und ohne zurückzuschauen plötzlich links abbiegt.

    Vielleicht helfen da Blinker etwas.
    19 3 Melden
    • R&B 24.01.2017 13:37
      Highlight @meine Senf: Habe genau aus diesem Grund, den 7.Sinn für Velofahrer entwickelt. Irgendwie spürt man an der Körperhaltung, dass jetzt dann was passiert. Habe so auch schon einige Unfälle vermeiden können.
      Es wäre schön, wenn sich Fahrradfahrer an die Regeln halten würden und Autofahren nicht per se hassen.
      6 0 Melden
    • meine senf 24.01.2017 14:29
      Highlight R&B: Nur damit es keine Missverständnisse gibt: Diese Unfälle hätte ich jeweils als Velofahrer gehabt.
      Sehr viele Velofahrer geben zwar auf Autos einigermassen acht (wohl aus gesundheitlichen Gründen), nicht aber auf andere Velofahrer.
      1 0 Melden
    • R&B 24.01.2017 16:21
      Highlight Oh?
      0 0 Melden
  • fischbrot 24.01.2017 09:07
    Highlight Hab mir schon so oft einen Blinker am Velo gewünscht, bin aber immer davon ausgegangen, dass der (leicht verbünzelte) schweizer Gesetztgeber etwas gegen eine solche Blinkeranlage am Rad hat.. Das ist dann also nicht der Fall? Ansonten.. Auf zum Atem, Jungs! Schweizer Technik für die Welt!
    16 3 Melden
  • Drummer 24.01.2017 08:45
    Highlight Interessant :) ansonsten finde ich ja die Lichter von Bookman sehr gelungen https://bookman.se
    4 0 Melden
    • Kastigator 24.01.2017 13:02
      Highlight Interessant Und 100 Lumen sind hell, ich habe zurzeit 47. Ist das Licht gebündelt, also leuchtet es die Strasse tatsächlich aus?
      0 0 Melden
  • Bolly 24.01.2017 08:44
    Highlight Yeah was aus der Schweiz 🇨🇭! Mit den Blinkern wurde früher schon Experimente gemacht. Dieses scheint zu klappen. Cool das es von hier aus was gibt, hoffe der Preis ist dann auch cool. Mal keine China 🇨🇳 Ware. 🇦🇺 Australien liegt zwar auch nicht am Weg. Idee 💡 finde ich gut. Dann heisst es warten bis im Herbst. Saison wäre ja eher Frühling/ Sommer. So kann sich jeder schon mal eindecken.

    Die Frage ist nur, Batterie oder Akku?
    Wie schwer ist das Teil?

    Rennfahrer wie mein Mann, da muss alles leicht sein!
    5 8 Melden
    • trio 24.01.2017 12:17
      Highlight Für einen Rennfahrer ist das Teil nichts. Viel zu gross und, wie bereits gesagt ;), zu schwer. Aber zum Glück fährt man mit dem RR selten sind in der Nacht.
      2 0 Melden
  • db13 24.01.2017 08:33
    Highlight "Das an der Stossstange und hinter dem Sattel befestigte Gerät..."

    Stell ich mir optisch gelungen vor, ein Velo mit Stossstange. ;)
    48 0 Melden
    • fischbrot 24.01.2017 09:04
      Highlight Haha, hab ich mir auch gedacht :-))
      11 1 Melden
    • Kastigator 24.01.2017 10:23
      Highlight Man darf von watson leider nicht immer allzu grosse Genauigkeit erwarten - und schon gar nicht, dass der Autor den Fehler korrigiert, nachdem er in den Kommentaren darauf aufmerksam gemacht wurde. Emel oft nicht.
      Hier allerdings stammt der Artikel nicht von watson selbst.
      Mich dünkt das mit dem Rücklicht am Sattel eher problematisch: Alle tragen jetzt lange Jacken oder Mäntel, das Licht nützt dort also genau nichts - ausser als Beleuchtung des Jackenfutters.
      3 3 Melden
    • Adrian Eng 24.01.2017 11:24
      Highlight Liebe Leute, das ist ein von uns übernommener Artikel der Limmattaler Zeitung. Wo die Kollegen eine Stossstange entdeckt haben wollen, ist uns auch nicht wirklich klar. Wir haben die Stelle angepasst. Danke.
      0 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

Wie enthornen Bauern eigentlich ihre Kälber?

In der Schweiz lassen Bäuerinnen und Bauern jährlich rund 200'000 Kälber enthornen. Oder tun dies eigenhändig. Was löst die Enthornung bei einem Landwirt und einer Tierärztin aus? Eine Reportage

Leika ist hornlos geboren. Das rund drei Wochen alte Kälblein wurde durch einen Samen gezeugt, bei dem das Horngen nicht ausgebildet ist. Tierärztin Sandra Gloor greift dem zierlichen Jungtier an das Stirnbein, wo üblicherweise die Hornknospen wachsen würden. «Nichts», sagt sie.

Leika wird eine mittelgrosse Milchkuh werden, die Bauer Alois Huber in seine 60-köpfige Herde eingliedern will. «Wenn sie gesund bleibt», schränkt Huber ein. Der Aargauer SVP-Grossrat begann vor zwei Jahren hornlose …

Artikel lesen